Die Illusionen der „Generation Konzil“ in Kirche und Politik

Ein bislang kaum angesprochener Aspekt beim auffällig „Merkel-treuen“ Verhalten der älteren Jahrgänge in Wähler- und Mitgliedschaft der CDU scheint mir – sofern sie katholisch sind – deren Kirchenbild zu sein. Nach meinem Empfinden zeigen häufig dieselben Menschen, welche die desaströse Grenzöffnungspolitik renitent unterstützen, sofern katholisch, auch eine unbeirrbare und völlig faktenunabhängige Fixierung auf die kirchliche Unterstützung eben dieser Politik.

Einschätzen möchte ich diese „Alterskohorte“ auf die (westdeutschen) Geburtsjahrgänge der 1940er bis 50er Jahre, mithin diejenigen, die heute so Ende 60 bis 70 sind. in den Jahren der von Bundeskanzler Adenauer (als 73jährigen) geprägten Anfangszeit der neuen Republik verbrachten sie ihre Kindheit und frühe Jugend, in Kirche und Politik traten sie erst Ende der 60er Jahre auf den Plan. Aber schon vorher nahm man wahr, dass die historische konfessionelle Feindschaft auf das Niveau bloßer Animositäten abgesunken war, die Kameradschaft in zwei Weltkriegen und viele gemeinsame Schicksale ab 33 hinter Schloß und Riegel haben vieles nivelliert, was vorher schlicht unversöhnlich schien.

Demzufolge engagierten sich auch Katholiken und Protestanten „auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes“, wie es ebenso hehr wie ungefähr hieß, gemeinsam in der CDU, die katholische Zentrumspartei galt nur noch als überlebtes Relikt der Vorkriegszeit. Und die neue bürgerlich-christliche Sammlungspartei tat alles, um ja nicht den Anschein von „katholischem Moral-Muff“ aufkommen zu lassen. Unter der Ägide moderner Christdemokraten schaffte man (wie einmal Herbert Grönemeyer sang: unverbindlich christlich) in der sog. „Großen Strafrechtsreform“ folgende Straftatbestände ab: Ehebruch (§ 172 StGB a F.), Unzucht zwischen Männern (§ 175 StGB a F.), Widernatürliche Unzucht (§ 175b StGB a F.), Kuppelei (§ 180 StGB a F.), Verführung Minderjähriger (§ 182 StGB a F.), Verbreitung unzüchtiger Schriften (§ 184 StGB a F.) und Kindstötung (§ 217 StGB a F.).

In den aufgepeitschten Zeiten der sog. „68er“ war selbst dies jedoch zu wenig, der erstmalige „Sturz in die Opposition“ der sich als „geborene Regierungspartei“ sehenden CDU nach der Bundestagswahl 1969 sorgte innerparteilich für ein Trauma, das Konzept einer bürgerlich-reputierlichen Honoratiorenpartei schien gescheitert. Das (unerkannterweise wegen Stimmenkauf durch Stasi-Agenten) gescheiterte konstruktive Misstrauensvotum im Frühjahr 1972 und die krachende Niederlage bei der Bundestagswahl im gleichen Jahr, bei der die Union erstmals nicht mehr die stärkste Bundestagsfraktion stellte, vollendeten das Debakel. „Neue Köpfe“ mit „neuen Ideen“ drängten auf allen Parteiebenen vor. Die Parteimodernisierer bauten einen schlagkräftigen Apparat und die CDU zur Mitgliederpartei um, dabei wurden sowohl die „Ostverträge“ als auch besagte gesellschaftspolitische Linksverschiebung (radikale Änderung des Familienbild im Bürgerlichen Gesetzbuch, Wegfall weiterer Straftatbestände im StGB) sozusagen „in die DNA der Partei“ übernommen und fortan nicht mehr hinterfragt. Vor diesem Hintergrund konnte die Ankündigung der „geistig-moralischen Wende“ 1982 eben nur eine Ankündigung bleiben, die umwälzenden Änderungen wurden daher nicht korrigiert, nachdem die Union wieder an die Regierung gekommen war. Sowohl das viel beschworene christliche Menschenbild“ als auch die Prinzipien der katholischen Soziallehre wurden zu Leerformeln, mit dem lediglich inhaltliche Substanz suggeriert wurde, wie Pater Ockenfels richtig ausführte (vgl. „Wie katholisch ist die Politik?“ in: Die Tagespost vom 1. März 2018, S.2ff.). Inhaltlich hatten „aufgeklärte“ Katholiken weder an (rechtswidriger, aber strafloser) Abtreibung noch am modernen „Zerrüttungsprinzip“ bei Scheidungen groß etwas auszusetzen, auch nicht an der zunehmenden Glaubensverspottung unter dem Mäntelchen der „Kunstfreiheit“. 

Besagte 40er/50er-Jahrgänge, die nun auf allen Ebenen der Partei in der Verantwortung standen, waren selbst stark durch die erfolgte gesellschaftliche Linksverschiebung der Mitte geprägt, die älteren Generationen, denen der Kampf gegen Ostverträge und Unmoral noch Lebensinhalt war, zogen sich langsam zurück aufs Altenteil, die moralische Neuausrichtung wurde als fait accompli akzeptiert. Auf dieser Grundlage wurden nun jüngere und deutlich linksliberale Wählerschichten, vor allem junge Frauen, in den Blick genommen (Stichwort: „Frauenparteitag“ 1985 in Essen) und man begann, die CDU zur inhaltlich bereits deutlich entkernten „modernen Großstadtpartei“ zu modernisieren. Arbeit und Familie sollten vereinbar werden, die Frau im Beruf und der Familie tätig sein können.

In der Gegenwart (in Rente und in der Partei nicht mehr aktiv) erleben nun die 40er/50er Jahrgänge, welche Früchte die in den 60ern und 70ern ausgestreute und von ihnen (als noch Zeit war) nicht entfernte Saat zeitigt: die heute triumphierende Gender- und Homosexualismus-Revolution. Von der „modernen“ Abschaffung des §175 StGB a.F. bis zur staatlich geforderten Akzeptanz homosexueller Verbindungen ist gerade mal eine Generation vergangen, der „aufgeklärt-moderne“, aber eben auch christlich und durchaus „europäisch-patriotische“ Politikansatz ist gescheitert, die CDU nur noch eine völlig entkernte Ruine, deren Funktionäre ausnahmslos mit allen linken Parteien koalieren, um sich Parlamentsmandate und Kabinettssessel zu sichern. Die besagte Generation erlebt, dass sich alles, was sie Jahrzehnte anstrebte und sicher glaubte, gerade in Luft aufzulösen beginnt: der Rechtsstaat weicht „Hatespeech“-Propaganda und linkem Meinungsdruck, in den Medien wird offen Regierungspropaganda betrieben und nicht einmal mehr der Schein der Ausgewogenheit gewahrt. Derweil fremdelt die eigene Vorsitzende nicht nur mit der Geschichte der Altbundesrepublik und der eigenen Partei, sondern erkennbar auch mit christlichen Grundsätzen. Um die Einsicht abzublocken, dass man selbst dumm genug war, seit vielen Jahren nun einer kaum „gewendeten“ FDJ-Sekretärin hinterherzulaufen, reden sich gerade ältere Menschen in der CDU diese Frau als „Pfarrerstochter“ christlich – als wäre deren Vater nicht bekanntermaßen als linker Pastor von Hamburg bewußt in die DDR gezogen. Man übersieht geflissentlich, dass die – deutlich realsozialistisch geprägte –  Vorsitzende patriotischem Gedankengut reserviert gegenüber steht, auch christliche Begriffe kommen ihr nur über die Lippen, wenn es politisch gerade opportun ist – und dies gerät dann auch prompt zur Realsatire wie ihr Liederaufruf zu Weihnachten.

Um nicht das eigene Scheitern einzugestehen, sind gerade ältere Jahrgänge geradezu begierig darauf, groteskerweise einer unnahbaren und ratio-gesteuerten Frau abzunehmen, 2015 aus rein emotionalen Gründen Recht und Gesetz hintan gesetzt zu haben. Man schließt bewußt die Augen vor der Tatsache, dass die derzeitige Führung aus persönlicher Karrieresicherung den Komplettumbau der CDU zur Grünen-Kopie de facto abgeschlossen (lesenswert: http://www.cicero.de/berliner-republik/die-cdu-immer-gruener) und damit rechts von sich Platz frei machte. Geradezu trotzig klammert man sich an das Mantra, es könne doch nicht alles falsch gewesen sein, um die allzu ernüchternde Erkenntnis zu verhindern, dass man mit der CDU als „christlicher Partei“ einer Lebenslüge aufsaß. Irritierend schnell finden zudem „alte CDU’ler“ in der AfD eine dezidiert nicht-christliche Alternative (www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/alexander-gauland-betrachtet-afd-nicht-als-christlich-14250064.html). Dass Herr Gauland die „abendländische und christliche“ Kultur eher kulturell als religiös deutet (https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2016/05/25/afd-vize-gauland-wir-sind-keine-christliche-partei/) vermag hierbei nicht zu überraschen – nichts anderes hat man in der CDU schon immer getan.

Aus meiner Sicht hochinteressante Parallelen findet man, wenn man die Tätigkeit derselben Generation – sofern katholisch – in den örtlichen Pfarrgemeinden und Diözesen betrachtet. Im Lebensalter der zwanziger/dreißiger Jahre war es die Generation, die als „modern-aufgeklärte“ Katholiken in der Pfarrgemeinde vor Ort zur Zeit des Konzils respektive der sog. „Liturgiereform“ das Sagen hatte. „Überkommene“ Frömmigkeitsformen wie Rosenkranzgebet oder Andachten waren zumindest suspekt, wenn sie nicht – wie Kommunionbank und Hochaltar – gleich ganz als „verstaubt“ abgeschafft wurden. Moralbegriffe galten oftmals fortan als „katholische Enge“, man verließ aufatmend das „intellektuelle Ghetto des Katholizismus“ und reichte „der Welt“ die Hand zum Bunde. So „christlich-aufgeklärt“ und vor allem „modern“ die Politik sein sollte, so sollte es auch in der Kirche ausschauen: Christ und Demokrat, Katholik und modern.

Die betreffenden Jahrgänge besetzten aufbruchsbewegt das entstehende „Rätesystem“ in Pfarrgemeinde und Bistum und gaben bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Glauben und „aufgeklärt-weltlichen Überzeugungen“ meist der Welt recht, wollte man doch um jeden Preis bei Protestanten und Agnostikern als moderner Mensch gelten. Verhütung? Kein Problem, muß jeder selbst mit seinem Gewissen ausmachen. Ebenso Kirchgang, Fasten oder andere kirchliche Geboten. Ist alles Privatsache, komm‘ mir ja nicht damit. Was Kirche theoretisch ausmachte, hatte man zunehmend nur noch schemenhaft im Kopf, im Vordergrund war die konkrete Pfarrgemeinde, da kannte man den Pfarrer, die ehemaligen Kumpel aus der Katholischen Jugend, die nun die Lesung vorlasen oder die Kommunion austeilten, beim Pfarrfest mithalfen und subjektiv eine „eingeschworene Gemeinschaft“ waren. Ansonsten begnügte man sich bequemerweise allzu gerne mit dem bloßen Schein einer christlich-kulturellen Atmosphäre: Sonntagsruhe, Glockengeläut, schöne Kirchengebäude (welche die meisten allerdings nur sehr selten von innen sahen) und vielleicht an Heiligabend eine gemütvolle Christmette mit der Familie fürs nostalgische Gemüt.

Die Liturgiereform sorgte in deren Augen dafür, dass alles volksnaher wurde, bei der Sprache mal angefangen. Latein konnten sowieso nur noch die wenigsten (was soll man die Leutchen und vor allem die Kinder mit sowas quälen?). Ob nun die Hostie in die Hand oder den Mund gelegt wurde, wird ja schon so wichtig kaum sein und durch den Volksaltar sah man wenigstens nunmehr etwas vom Pfarrer. Nach dem Bruch mit Altvätersitte hatte sich später dann kaum etwas geändert (ja, gut, das Händeschütteln beim „Friedensgruß“, sicher) , die Messe wurde in der Regel würdig gefeiert, da sich sowohl Priester als auch die überwiegende Mehrzahl der Gottesdienstbesuchter unwillkürlich an der überlieferten Messe orientierten. Die Mitzwanziger und -dreißiger schufen sich die bequeme Fiktion „es ist ja eigentlich großartig nichts Neues passiert“, übersahen geflissentlich die bereits damals von den Bischöfen geduldeten „liturgische Experimente“ mit ihren „Gestaltungsmöglichkeiten“ eines Gottesdienstes. Ob beim späteren Heidenspektakel von Assisi oder jüngst „Amoris laetitia“, immer ist ein Zurückschrecken dieser Jahrgänge vor der Realität wahrnehmbar. Ob aus psychologischem Selbstschutz, Gewöhnung oder Denkfaulheit, das ach-so-mündige nachkonziliare Gottesvolk meint unverdrossen, es habe sich ja „eigentlich“ kaum etwas geändert. Ärgerlich diese Drewer- und Ranke-Heinemänner, dieser Küng, aber man vertraut auf die Hierarchie, an der Spitze der Heilige Vater. Die noch vorkonziliar geprägten „Alten“ starben, standen verbittert abseits oder gingen gleich zur FSSPX; die in den wilden 70ern „neugeformten“ Pfarrer hingegen begannen nunmehr, mit den nun ihrerseits ins mittlere Alter vorgerückten, vormaligen Jugendlichen als unermüdliche Laienspielschar im Rücken allsonntäglich „Liturgie zu gestalten“.

Nun fühlte man sich als älterer Mensch langsam nicht mehr heimisch bei den verquasten Predigten und politischen Fürbitten, die eher von der IG Metall oder Amnesty International zu stammen schienen, aber man hielt halt den Mund, um den „verstockten erzreaktionären Levebvrianern“ ja keinen Triumph zu gönnen. Hatte man doch selbst freudig als Kommunionhelfer oder Lektionarin „am Altar gedient“ – sollte dies alles falsch gewesen sein? Sollte dieser lächerliche mittelalterliche Bußprediger aus Hattersheim etwa Recht behalten?

Nein, nein und nochmals nein! Dann lieber zu den Kapriolen schweigen und nur hinter vorgehaltener Hand mosern, da wird im vertrauten Kreis der Pfarrgemeinderats-Veteranen reklamiert und räsoniert („Hast Du schon gehört, was der Bischof jetzt gesagt hat?„), man hangelt sich fortweg von Aufreger zu Aufreger, ohne im Geringsten irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Man wehrt sich verzweifelt gegen die sich gnadenlos aufdrängende Einsicht, dass die „Neue Messe“ lediglich ein zeitbedingter Reißbrett-Entwurf der 60er war und ist. Da dieser spirituell steril blieb, mußte die liberale Hierarchie notgedrungen seine Blößen notdürftig mit aktueller Tagespolitik, Gemeinschaftsfolklore und Entertainment-Elementen wie Gesangsvortrag oder klassischen Musikstücken bedecken. Es regiert der „Kult des Menschen“, den nicht zufällig Papst Paul VI. als Vollstrecker der Liturgiereform lobte, seine Bedürfnisse treten in den Vordergrund, die Gebote Gottes mußten dafür Platz machen. Das Gespräch des Herrn am Jakobsbrunnen wurde modernistisch interpretiert: man müsse nun in Afrika Brunnen für sauberes Wasser finanzieren – das „lebendige Wasser“ des Herrn wurde darüber vergessen.

Da konziliar geprägt, sind besagte Jahrgänge „gut ökumenistisch“ gesonnen, sie waren allzeit bereit, Glaubenspositionen nicht so wichtig zu nehmen, da die „Einheit der Christen“ ja oberstes Ziel sei. Sie machten daher auch unbesehen bei allem mit, ob Weltgebetstag der Frauen oder „ökumenische Andachten“, wenn es nur als „ökumenisch“ bezeichnet wurde. 

Allerdings wurde beim sog. „Reformationsjubiläum“ doch sehr deutlich, dass sich seit dem Konzil in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Sachen Ökumene rein gar nichts getan hatte – von fortlaufenden Zugeständnissen auf katholischer Seite einmal abgesehen. Die katholischen und protestantischen Gesprächspartnern konnten sich weder in Sachen Anzahl der Sakramente, noch Bibelkanon, Priesterweihe oder der Realpräsenz Christi im allerheiligsten Altarsakrament einigen – die eilfertig gemeldeten „entscheidenden theologischen Übereinstimmungen“ konnten daher auch bezeichnenderweise nicht präzise benannt werden.

Den konzilsgeprägten Ökumene-Begeisterten vergangener Tage dämmert langsam, dass sie einer Illusion aufgesessen sind. Eine „evangelische Kirche“ als Pendant zur katholischen gibt es nicht, auch die öffentlich-rechtliche Körperschaft Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist lediglich ein Dachverband und besteht aus nicht weniger als 20 selbständigen lutherischen, unierten und reformierten Gliedkirchen. Seit der Reformation existierten und existieren eine unübersehbare Vielzahl einzelner, untereinander zerstrittene protestantischer Denominationen, folglich gibt es übrigens auch kein „evangelisches Verhandlungsmandat“, welches alle protestantischen Denominationen inhaltlich binden könnte.

Davon abgesehen nimmt die ältere Generation unbewußt wahr, dass – mangelnder Fortschritte ungeachtet – gleichwohl der Endzweck die Protestantisierung der eigenen Kirche zu sein scheint: die kirchlichen Strukturen in Deutschland werden von den diözesanen Apparaten schrittweise an die Strukturen der protestantischen Gemeinschaften angeglichen: Zölibatswegfall, Frauen-„Priestertum“ durch die Hintertür der priesterlosen „Wort-Gottes-Feiern“ mit Albe und Schal ausstaffierter Gemeindereferentinnen, Interkommunion, kommender interkonfessionelle Religionsunterricht und protestantisierte, weil laiengeleitete, Pfarreien.

Eine ökumene-begeisterte Generation realisiert nun langsam, dass sie ihr Kirchenbild auf eine Illusion aufbauten. Die ganzen Änderungen blieben einzig auf ihre Kirche beschränkt, es änderte sich nur die Messe, diese wurde immer protestantischer:

  • Der Altar wurde in einen Tisch ohne Altarstein umgewandelt.
  • Die Einführung, daß der Priester die Messe dem Volk zugewendet zelebriert.
  • Die Konzelebration.
  • Die Messe wird in der Landessprache zelebriert.
  • Die Messe wird laut gelesen.
  • Die Messe zerfällt in zwei Teilen: die Liturgie des Wortes und die der Eucharistie.
  • Das profanierte Altargerät.
  • Das gesäuerte Brot.
  • Die Austeilung der Eucharistie durch Laien.
  • Die Handkommunion.
  • Die Unterbringung des Allerheiligsten in der Wand.
  • Die Vornahme der Lesungen durch Frauen.
  • Die Spendung der Kommunion an Kranke durch Laien

Die evangelischen Gottesdienste hingegen wurden im Gegenzug keinen Deut katholischer. Auch die sog. „Einheitsübersetzung“ der Bibel wird ausschließlich in der katholischen Kirche gebraucht, die protestantischen Gemeinschaften bleiben lieber bei ihren Übersetzungen. In der neuesten Auflage des Gotteslobes finden sich demzufolge auch mehrere Texte von Martin Luther, auf Kreuze o.ä. verzichtete man zugunsten obskurer Schlangenlinien und schwer deutbarer Symbole.

Die Lebenslüge diese Generation bestand darin, anzunehmen, dass man als guter Katholik mit der CDU das Gemeinwesen christlich prägen könnte. Dabei war klar, dass ethisch-moralische Aspekte wie etwa der § 218 StGB lediglich in die Funktion hatten, in den Koalitionsverhandlungen mit der FDP die notwendige Verhandlungsmasse darzustellen, um die eigenen, wichtigen, Ziele in Fragen der inneren und äußeren Sicherheit sowie der Wirtschaft zu erreichen. So dachte in der CDU/CSU niemand daran, den bestehenden § 218 zu verändern und gesellschaftliche Verwerfungen zu provozieren . Auch für ethische Fragen wie etwa Präimplantationsdiagnostik, Klonen oder andere bioethische Fragen hat sich die Union nie ernsthaft interessiert. Solche Themen wurden zuverlässig in Wahlkämpfen angesprochen und nach Schließung der Wahllokale ebenso zuverlässig wieder vergessen. Nicht von ungefähr berichtet der Artikel „Die neuen Gesichter der CDU“ in der DT-Ausgabe vom 1. März über die Reaktion der Parteitagsdelegierten zur Feststellung des Delegierten Eugen Adler, die CDU habe wenig Interesse am Thema Abtreibung: „und der Sender Phoenix übertrug dazu Bilder von intensiv quatschenden und lachenden Delegierten“. 

Es gehört schon eine gehörige Portion Schizophrenie zur Behauptung, die CDU hätte das Gemeinwesen christlich prägen wollen. Als dies in den 80er Jahren immer deutlicher zu Tage trat, kam verstärkt die bekannte Phrase vom „kleineren Übel“ zum Einsatz. Dieses hieß nichts anderes, als dass die anderen halt noch viel schlimmer wären.

Spätestens durch die handstreichartige Entscheidung von Frau Merkel in Sachen „Ehe für alle“ wurde wohl überdeutlich, dass selbst christliche Grundsatzfragen in der Union keinerlei Rolle spielen, sondern lediglich als Staffage für christlich-orientierte Wähler benutzt werden. Da es solche immer weniger gibt, müssen führende Unionspolitiker ihre Ignoranz gegenüber religiös-ethischen Fragen auch immer weniger verhehlen.

Die FAZ berichtet über eine Absprache zwischen der Union und der SPD über das Werbeverbot für Abtreibungen im deutschen Strafgesetzbuch: 

Laut dem Medienbericht haben sich Volker Kauder, der Fraktionschef der Union, und Andrea Nahles, die Fraktionschefin der SPD, darauf geeinigt, dass es beim Thema Abtreibungsverbot eine Ausnahme vom Grundsatz geben sollte, nicht mit anderen Fraktionen Mehrheiten zu bilden.“(Quelle: http://kath.net/news/63003).

Trotzdem die Illusion zu pflegen, für christliche Werte mit der CDU Mehrheiten erringen zu können, zeigt die Schizophrenie der Halb-und Halben auf: irgendwie schon katholisch sein wollen, aber zugleich bemüht sein, als „aufgeklärt“ von der modernen Umwelt akzeptiert zu werden. 

So gesehen sind es eigentlich nicht zwei Lebenslügen, sondern nur eine einzige, allerdings mit zwei Seiten. Die eine Seite der Lebenslüge war, mittels der CDU die liberal verfaßte Gesellschaft der Bundesrepublik katholisch beeinflussen zu können. Die andere Seite war, den katholischen Glauben einer glaubensfernen Umwelt, als aufgeklärt und modern präsentieren zu können und so im Konzilsüberschwang die Welt zu christianisieren.

Bei Licht besehen ist die „Generation Konzil“ mit beiden Vorhaben gescheitert.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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