Zeugnisse der Apostasie I (summorum-pontificum.de)

Zeugnisse der Apostasie I

 

Daß Osnabrücks Bischof Bode nun über eine kirchliche Segnung homosexueller Paare nachdenken will, kann nicht überraschen. Das Thema gehört zu denen, von deren gefälliger Beantwortung sich viele im Apparat etwas Anerkennung und Auftrieb für ihr rapide an Kundeninteresse verlierendes Unternehmen erwarten. Überraschen kann höchstens, daß der hochwürdige Herr es bei seinem Vorschlag nicht mit den üblichen „pastoralen Erwägungen“ belassen hat, sondern tiefer in das eingestiegen ist, was er für Theologie auf der Höhe der Zeit hält.

Schon seit längerem gilt die „Lebenswirklichkeit“ vielen Zeitgeist-Theologen als Erkenntnisquelle – gleichberechtigt mit der Heiligen Schrift und weit vor jeder Tradition. Nun erweitert der Herr Bischof diesen unglückselige Konzept auf die politische Realität: Die Hohe Politik hat die Homoehe nun mal beschlossen – da muß die Kirche springen. Nicht aus Zwang, sondern aus Einsicht. Und die Einsicht, die die politische Realität dem stellvertretenden Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz offenbart hat, ist:

Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen differenziert bewerten. Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen?“

Da wird sich Bodes Amtsvorgänger Paulus von Tarsus aber wundern.

Unsereins kann das nicht verwundern – damit war zu rechnen, nachdem das sog. Zentralkomitee der sog. Deutschen Katholiken bereits im vergangenen Sommer mit ähnlichen Vorstellungen hervorgetreten war.

Aus bischöflichen Kreisen war damals zwar verhaltener Widerspruch laut geworden, aber es ist ja nicht so, daß das ZDK und die Bischofskonferenz nicht auf vielfache Weise miteinander verknüpft wären – wer von beiden wann welchen Versuchsballon steigen wird, ist alleine eine Frage der Opportunität. Und schließlich steht Bode mit seiner hoffärtigen Abkehr von der Lehre und Praxis der Kirche zweier Jahrtausende im Kreis „katholischer“ Episkopen ja nicht alleine. Allein in den letzten Tagen wurden mehrere ähnlich skandalöse Zeugnisse der bedingungslosen Kapitulation vor dem Zeitgeist bekannt. Und dabei lassen wir Paul Zulehners jüngst im Interview ausgerufene Kirchenrevolution noch außen vor – die Platte hat ’nen Sprung.

Bischof Stephen Lowe von Hamilton in Neuseeland hat sich zum Thema Homoehe in gleicher Weise wie Bode geäußert und womöglich noch einen drauf gesetzt, wenn er seine Erkenntnis so begründet:

Ich denke, die jungen Leute sind die Propheten der Kirche. Sie haben der Kirche immer etwas zu sagen. Und das liegt nun auf dem Tisch: Die jungen Leute wollen, daß die Kirche sich mehr (für LGBT-Menschen) engagiert.“

Lowe sieht daher die Kirche in einem „Galileo-Augenblick“ – soll wohl heißen, in einem epochalen Umbruch, der ihr gesamtes Weltbild vom Kopf auf die Füße (oder umgekehrt?) stellen soll.

Da fällt es Kardinal Tobin, Erzbischof von Newark, New Jersey, nicht leicht, mitzuhalten. Sicher, sein Auftritt vor einer „Pilgerfahrt der LGBT-Gemeinde“ in seiner Bischofskirche im letzten Mai war schon ganz gut, aber eine andere seiner Ideen hat das Zeug zu einem richtigen Kracher: Ob das mit den Priesterinnen so schnell geht, wie er das anscheinend gerne hätte – da ist seine Eminenz angesichts der vielen kirchenrechtlichen und theologischen Probleme, die von Seiten versteinerter Traditionalisten aufgeworfen werden, eher unsicher. Aber Kompensation ist möglich:

Ich glaube nicht, daß es zwingende theologische Gründe gibt, die dagegen sprechen, daß der Papst Frauen zu Kardinälen ernennt. (Quelle)

Die kriegen dann aber Soutane und Mozetta in Bewegungslila!

Dummheit, Inkompetenz und Charakterlosigkeit in den höchsten Rängen der Kirche hat es zu jeder Zeit gegeben. Die Päpste der Neuzeit (und die allermeisten der vorhergehenden Epochen) waren freilich weitgehend willens und im Stande, in dieser Richtung tendierende Würdenträger in Zaum zu halten. Im aktuellen Pontifikat kann davon nicht die Rede sein – im Gegenteil. Apostasie, so scheint es liegt im unwiderstehlichen Zug der Zeit.

http://www.summorum-pontificum.de/themen/glaubenskrise/1253-zeugnisse-der-apostasie-i.html

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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