Herde und Hirten…

… bewegen derzeit sichtlich nicht dieselben Gedanken.

Während ihre pflichtvergessenen Hirten denken, mit dem Wolfsrudel einen „konstruktiven Dialog“ über die tiefer liegende Problematik der Überwindung des Wolf/Lamm-Antagonismus zu führen, sind unerkannt Teile des Rudels in Schafspelzen bereits mitten in die Herde eingedrungen. Dies gelang, da den Hirten die Unsinnigkeit eines Schutzgitters und die Abschaffung der Hirtenhunde vom Rudel erfolgreich vermittelt werden konnte. Begünstigt wurde dies durch „vertiefte Überlegungen“ gerade deutscher Hirten, wonach Wolfsrudel überhaupt erst durch Hirtenhunde und Schutzgitter entstehen – verschwinden letztere, werden auch die Wölfe verschwinden, da sei man sehr zuversichtlich. Der ins Auge springende Zusammenhang zwischen beiden Komponenten sei dem Rudel „im geduldigen Dialog“ zu verdeutlichen. Wobei schlaue Hirten aus Bologna die Meinung vertraten, dass „Wölfe“ überhaupt bestenfalls eine Metapher sei, so etwas gebe es eigentlich gar nicht (und Hirten und Schafe auch nicht, dies kann man aber halt noch nicht laut sagen…).

Andere Sorgen haben derweil die Schafe, in deren Reihen die getarnten Wölfe ein Tier nach dem anderen reißen. Sie können auch der Vorstellung, doch gleich die Wölfe als Hirtenhunde zu verpflichten, wenig abgewinnen. Überhaupt haben sie bedauerlicherweise für die Feinheiten vertiefter Überlegungen wenig Gelegenheit, da sie ausreichend beschäftigt sind, ihr nacktes Leben vor den Wölfen zu retten, die völlig ungehindert im Pferch jagen. Leider ist auch nun das gegenseitige Vertrauen wie weggeblasen: mißtrauisch beäugt man einander, zu welcher Hirtenfraktion das andere Schaf wohl gehören möge – eventuell auch ein Wolf im Schafspelz?

Auch, dass der Oberhirte augenzwinkernd mit den Wölfen schäkert, während er über seine anbefohlenen Schäflein nur mit abgrundtiefer Verachtung hinweg blickt und sie beschimpft, mag diese nicht zu stärken. Locker scherzend gibt er bekannt, dass er die Ammenmärchen von reißenden Wölfen sowieso nicht ernst nimmt, man müsse halt miteinander auskommen lernen, ärgerlich geht er mit der an seinen Lippen hängenden Anhängerschar etwas beiseite, da die Todesschreie der gerissenen Schafe seine wohlklingende Ansprache zu übertönen drohen.

Wird der wahre Hirte bei seiner Rückkehr überhaupt noch eine Herde vorfinden?

Ja, aber sie wird gemäß Lukas 12,32 klein sein.

Vermutlich sehr klein…

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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2 Antworten zu Herde und Hirten…

  1. Marianne Lenz schreibt:

    Und wie das meinen Seelenzustand beschreibt. Besonders jetzt, bei dem Gedanken: wo und bei wem gehe ich zur Beichte.
    Schon oft saß da auch so ein Wolf und ich ging wütend,um nicht zu weinen, nach Hause.

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    • Es ist in der Tat nicht einfach, einen guten Beichtvater zu finden. Der Typus des modernistischen Sozialtherapeuten wischt die „Rechnung“ gerne beiseite und erklärt gönnerhaft, diese gäbe es ja eigentlich nicht. Leider bleibt sie gleichwohl bestehen und wird einmal mit Zinsen eingetrieben, was immer wir für irrige Ansichten dazu haben mögen.
      Buchstäblich Gott sei Dank habe ich einen hervorragenden Beichtvater gefunden, der auch mein Seelenführer wurde und der FSSPX angehört. Aber der Wahrheit eine Gasse: auch in diesem Priorat habe ich mit zwei Geistlichen telefoniert, die meine höflichen Fragen derart kurzangebunden und sarkastisch abgewimmelt haben, dass ich es mir nicht vorstellen könnte, zu diesen in den Beichtstuhl zu gehen. Nicht wegen meines verletzten Egos, sondern wegen Zweifeln, ob diese Geistlichen überhaupt in der Lage sind, mit einer Beichte angemessen umzugehen.

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