Kardinal Burkes Warnung (summorum-pontificum.de)

01. Dezember 2017

Mit außerordentlich ernsten Überlegungen hat sich Kardinal Burke zur Situation der Kirche im 5. Jahr Franziskus‘ geäußert. In einem unter heutigem Datum erscheinenden Interview mit Paolo Gambi im Catholic Herald beginnt der Kardinal seine Ausführungen mit der Feststellung:

Gegenwärtig herrschen Verwirrung und Irrtümer über die grundlegendsten Lehren der Kirche, zum Beispiel hinsichtlich Ehe und Familie. Die Vorstellung, daß Personen, die in einer irregulären Beziehung leben, zu den Sakramenten treten könnten, widerspricht der Wahrheit sowohl hinsichtlich der Unauflöslichkeit der Ehe wie auch der Heiligkeit der Eucharistie.

Der hl. Paulus sagt uns in seinem 1. Brief an die Korinther, daß wir uns vor dem Empfang des Leibes Christi prüfen müssen, damit wir uns nicht durch unwürdigen Empfang die Verdammnis zuziehen. Inzwischen geht die Verwirrung in der Kirche aber noch weiter, denn jetzt gibt es Unklarheit darüber, ob es überhaupt Dinge gibt, die in sich böse sind – und das ist die Grundlage jeden moralischen Gesetzes. Wenn diese Grundlage in der Kirche in Frage gestellt wird, dann sind die gesamte Ordnung des menschlichen Lebens und die Ordnung der Kirche selbst bedroht.

Es gibt die Vorstellung, daß wir uns in der heutigen auf dem Säkularismus und einen völlig anthropozentrischen Ansatz gegründeten Welt selbst den Sinn des Lebens, die Bedeutung von Familie usw. schaffen können, diese Verwirrung scheint auch die Kirche erfasst zu haben. Von daher kann man das Gefühl haben, daß die Kirche anscheinend nicht bereit ist, den Geboten unseres Herrn zu gehorchen. Dann stehen wir vielleicht vor den letzten Tagen.

Als nächstes erbat der Interviewer eine Einschätzung der bemerkenswerten Aussage des Generalsekretärs der italienischen Bischofskonferenz, Bischof Nunzio Galantino, der die Reformation kürzlich als ein „Ereignis des Heiligen Geistes“ bezeichnet hatte. Im Zusammenhang damit brachte er die Rede auch darauf, daß in Rom derzeit von einer Kommission für eine gemeinsame Messfeier mit Protestanten gesprochen werde. Dazu führte der Kardinal aus:

Nun, ich kann nicht erkennen, wie die Spaltung der Kirche ein Akt des Heiligen Geistes sein könnte. Das ergibt einfach keinen Sinn. Und ich weiß nicht, worum es in dieser Kommission geht – aber es ist unmöglich, eine gemeinsame Eucharistie mit Lutheraner zu feiern, denn sie glauben nicht an die Eucharistie, die die katholische Kirche lehrt, an die Transsubstantion (…). Für Katholiken bedeutete die Teilnahme an einer ökumenischen Eucharistie die Aufgabe des katholischen Glaubens. Das ist ein von Grund auf falscher Ökumenismus, der dem Glauben und vielen Seelen schweren Schaden zufügen würde.

Eine weitere Frage Paolo Gambis bezog sich auf die oft gehörte Behauptung, die Messe des Novus Ordo stelle die Erfüllung eines Auftrages des 2. Vatikanischen Konzils dar. Dazu Kardinal Burke:

Die Einzelheiten des revidierten Messritus stellen keine notwendige Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils dar. Tatsächlich folgte die Reform des Ritus.in ihrer Umsetzung nicht so getreu, wie das hätte sein sollen, dem, was das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt hat und wollte. Das ist der Grund dafür, daß wir heute von einer „Reform der Reform“ sprechen – soll heißen: wir sollten erneut untersuchen, wie der Ritus der Messe in größerer Treue zum Konzil zu reformieren wäre.

Zweifellos hat das Konzil den Auftrag zu einigen Reformen am Ritus der Messe erteilt. Doch einige verurteilten die Reform so, wie sie dann praktisch stattgefunden hat, als gewissermaßen zu gewaltsam, da sie so viele Aspekte der Liturgie beseitigte, daß es schwierig war, noch eine Kontinuität der Riten vor und nach dem Konzils wahrzunehmen. Doch eine solche Kontinuität ist unabdingbar, denn der Ritus der Messe ist seit den ersten christlichen Jahrhunderten als eine sich organisch entwickelnde Wirklichkeit auf uns gekommen – man kann keine „neue“ Messe im Sinn eines vollständig neuen Ritus schaffen.“

Hier noch einmal das Link zum vollständigen Text des Interviews, in dem noch mehrere andere aktuelle Probleme des Glaubens und der Kirchenverwaltung angesprochen werden. Darunter auch die Frage der gegenwärtigen Position des Kardinals, der zwar noch den Titel eines Patrons des Malteserordens trägt, sich gegenwärtig aber sowohl von Seiten des Papstes als auch des Ordens selbst von allen Angelegenheiten dieser von heftigen Auseinandersetzungen erschütterten Gemeinschaft ausgeschlossen ist.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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