„Das Thema treibt mich um“ – Landrat schreibt Brandbrief zu Bistumsreform (volksfreund.de)

„Das Thema treibt mich um“ – Landrat schreibt Brandbrief zu Bistumsreform

 10.10.2017

Fritz-Peter Linden

(Bitburg/Prüm) Der Landrat des Eifelkreises und die Bistumsreform: Joachim Streit ist nicht mit den Plänen einverstanden – und hat deshalb einen alarmierenden Brief an Bischof Stephan Ackermann verfasst. Mit dessen Antwort dauert es noch ein bisschen.

Joachim Streit, frisch wiedergewählter Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, hat sich beim TV gemeldet: Anlass seines Anrufs war der Bericht über die Kritiker an der Bistumsreform, die sich vorvergangene Woche in Prüm zusammengetan hatten (TV vom 28. September).

„Das Thema“, sagt Streit, „treibt mich um.“ Nicht erst seit voriger Woche – aber er habe es vor dem 24. September nicht ansprechen wollen. „Damit die Leute nicht denken: Der macht das nur wegen der Wahl.“

Die ist jetzt vorüber. Und der Landrat sagt unverblümt, was er von den Plänen hält, die 887 Kirchengemeinden auf 35 Großpfarreien runterzureformieren: Es drohe „die Implosion einer Kultur, die in eintausend Jahren in der Eifel gewachsen ist“. Mehr als 8000 Menschen engagierten sich derzeit in Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten und für ihre Pfarrei. Die aber solle künftig ersetzt werden durch „pastorale Räume“, die aber „nur noch mit einem Dreißigstel der heutigen Beteiligten geführt und verwaltet werden“.

Mit dem Priestermangel als Begründung gebe die Kirche schlicht ihr Wirken auf dem Land auf – „und damit nicht nur die Missionsarbeit, sondern auch die Seelsorge, die Aufmerksamkeit für uns Bewohner des ländlichen Raumes“. Zwar habe er „absolutes Verständnis dafür, die Pfarrer zu entlasten“, sagt Streit. „Aber man darf nicht Tausenden von engagierten Christen den Stuhl vor die Tür stellen. Die Kirche beraubt sich selbst der Basis vor Ort und nimmt den Gläubigen das Vertrauen. Gerade die Treuesten werden ausgelöscht. Dieser Implosion wird eine Explosion folgen, und die Kirche gebiert Wutbürger um den eigenen Kirchturm.“

Nachdem bereits die Zwergschulen geschlossen, Postfilialen aufgegeben und Gaststätten dicht gemacht worden seien sowie die Tante-Emma-Läden verschwunden seien, „werden die Großpfarreien mit ihrem Vermögensübergang dazu führen, dass auch in der Kirche im Dorf der Schlüssel umgedreht wird. Denn es werden keine Feste mehr veranstaltet, um für die Renovierung des Gotteshauses zu sammeln. Die Gläubigen werden sich abwenden“, fürchtet der Landrat.

Deutliche, alarmierende Worte – die Joachim Streit auch als Brief an Bischof Stephan Ackermann gesandt hat. Das Schreiben hat der Landrat dem Trierischen Volksfreund zur Verfügung gestellt. Inklusive der Forderung, die er darin erhebt: Als Katholik wünsche er sich, „dass künftig mehr Frauen und Männer ohne Priesterweihe in die Seelsorge eingebunden werden. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, sonst stirbt das Dorf in seinem geistlichen, kulturellen und sozialen Herz.“

Bei aller Kritik: Joachim Streit belässt es nicht dabei. Sondern öffnet dem Bischof ein Türchen: „Gerne biete ich Ihnen mich und mein Team vom Zukunfts-Check Dorf als Resonanzpartner der öffentlichen Seite bei der schwierigen Frage der Pfarrreform an“, schreibt er abschließend. Denn der Zukunfts-Check sei „die größte Bürgerbewegung und -initiative im Eifelkreis und wahrscheinlich auch in Deutschlands Kreisen überhaupt, die es je gegeben hat“. Mehr als 170 der 235 Orte im Eifelkreis machen dort inzwischen mit. „Bürger gestalten den Wandel selbst, werden zu Beteiligten, nehmen Verantwortung wahr.“ Und das müsse auch das Ziel der Bistumsreform sein: dass sie „das Mitmachen vor Ort stärkt. Wir brauchen mehr Zutrauen in die Menschen der unteren Entscheidungsebenen“, schreibt Joachim Streit.

Wie die Menschen in den oberen Entscheidungsebenen des Bistums – und vor allem der Adressat – auf den Brief des Landrats reagieren, ist noch nicht bekannt: Eine Stellungnahme des Bistums auf die TV-Anfrage steht noch aus. Der Brief, bestätigt die Pressestelle, „ist zwar bei Bischof Ackermann eingegangen. Weil er aber diese und bis Mitte nächster Woche zu Konferenzen und Terminen im In- und Ausland unterwegs ist, konnte er sich noch nicht näher damit befassen.“

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/bitburg/aktuell/Heute-in-der-Bitburger-Zeitung-Das-Thema-treibt-mich-um-Landrat-schreibt-Brandbrief-zu-Bistumsreform;art752,4717732

 

Gefunden bei „Carlus“ auf Gloria.tv (https://gloria.tv/user/6irLZCz6tiL82e47JC48UFGFU/news/)

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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2 Antworten zu „Das Thema treibt mich um“ – Landrat schreibt Brandbrief zu Bistumsreform (volksfreund.de)

  1. francomacorisano schreibt:

    Eine ähnlich absurde Gebietsreform mit Mega-Pfarreien ist auch im Bistum Mainz geplant, wo sich ebenfalls Widerstand regt. Die Bischöfe sollten sich an das christliche Subsidiaritätsprinzip erinnern, das Aufgaben auf der möglichst untersten Ebene ansiedeln will und NICHT die Macht nach oben, bzw. zentralisiert vergeben will.

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