Und ich bedenk‘, was ein jeder zu sagen hat…

Und schweig‘ fein still,

Und setz‘ mich auf mein achtel Lorbeerblatt

Und mache, was ich will.

Die Worte meines Lieblings-Liedermachers Reinhard Mey kommen mir dieser Tage öfters in den Sinn, lautet doch die betreffende Strophe:

Mit großer Freude sägen

Die einen an meinem Ast,

Die andern sind noch beim Überlegen,

Was ihnen an mir nicht paßt,

Doch was immer ich tuen würde,

Ihre Gunst hätt‘ ich schon verpatzt,

Also tu‘ ich, was ein Baum tun würde,

Wenn ein Schwein sich an ihm kratzt.

Und ich bedenk‘, was ein jeder zu sagen hat,

Und schweig‘ fein still,

Und setz‘ mich auf mein achtel Lorbeerblatt

Und mache, was ich will.

Warum ich auf diese Zeilen kam? Es liegt wohl an den Zeiten, in welchen vom politisch-medialen Komplex festgelegt wird, wer als „rechts“ (-populistisch, -konservativ, -katholisch, -extrem, -radikal) zu gelten hat. Da finden sich weite Teile der einstigen bürgerlichen Mitte in der „rechten Ecke“. Leider bedeutet dies nun nicht, dass der rechte Narrensaum einfach verschwunden ist. Dessen Bestandteile können sich heute halt nur – Maas & Kahane sei Dank – besser als heimatlose Konservative tarnen, das ist alles.

Wenn alles zusammengedrängt wird, vom Wirtschaftsliberalen über Christdemokraten bis hin zu dezidiert Konservativen plus rechten Narrensaum, konzentriert sich erstmal alles – verständlicherweise – auf den gemeinsamen Gegner, alleine die gemeinsame Gegnerschaft zu Merkel und Konsorten verbindet. Der migrationsaffine und diversitätsorientierte Gesamtkomplex wird richtigerweise als Gegner erkannt und gegen den ist jedes Mittel recht – was nun allerdings nicht richtig ist. Anstand und intellektuelle Redlichkeit müssen gewahrt werden, sei es Atheisten, Buddhisten oder wem auch immer gegenüber. Anderer Ansicht ist da der „Immer feste druff!“-Typus. Fakten spielen für diesen höchstens insoweit eine Rolle, als sie sein eigenes, oftmals allzu enges Weltbild bestätigen. Ist dies nicht der Fall, werden sie zurechtgebogen oder einfach ignoriert. Sachliche Kritik wird im rotzfrechen Ton „beantwortet“, indem man Kritiker generell als Agent „der Gegenseite“ diffamiert. Nicht überraschend, wenn das eigene Bild von der Welt nur schwarz/weiß und Freund/Feind kennt.

Vermehrt hört man von vermeintlich „Konservativen“ Begriffe wie „Alternative zum System“, „Systemparteien“ und „völkisch“ – für das geschulte Ohr klar erkennbar der Tonfall der (um bürgerliche Seriösität bemühten) „Mußgnug“-NPD der 70er und 80er Jahre. Flankiert von tumber anti-kirchlicher Agitation gegen „die Pfaffen“ und irrationalen „Durchgreif-Phantasien“. Sich mit solchen engstirnigen Stieseln gemein machen, nur weil die auch gegen Merkel und den Papst angehen, ist halt meine Sache nicht. Mag jeder sehen, wie er will, für mich gehört wenigstens etwas Anstand schon noch dazu.

Manch einer mit fragwürdiger Vita schreitet zur Selbstnobilitierung und schmückt sich frech mit dem Etikett „Konservativer“, um gegen Kanzlerin und Papst „zu holzen“. Recht verstanden: Nichts gegen deftige Polemik und harte Zuspitzung, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Nur bei der Wahrheit und Verstand bleiben, dass sollte man dann schon. Wer allen Ernstes die Bundeskanzlerin mit Adolf Hitler auf eine Stufe stellt oder (pikanterweise als Atheist…) politisierende Bischöfe als „Diener Satans“ und „Handlanger des Teufels“ bezeichnet, hat sich für mich aus dem rationalen Diskurs verabschiedet und als verschrobener Sektierer mit gestörtem Wahrnehmungsvermögen geoutet. Wer dies proklamiert, diskreditiert den berechtigten Widerstand gegen die Transformation unseres Gemeinwesens als den pauschal nicht ernst zu nehmenden Amoklauf irregeleiteter Fanatiker und betreibt damit objektiv das Geschäft der Globalisierer.

Was für die höchst fragwürdige Politik der Kanzlerin gilt, gilt ebenso für die politisch unklugen bis himmelsschreienden Äußerungen von Papst Franziskus. Hier kommt in der Kritik häufig das ewiggestrige Gedankengut eines Julius Streicher wieder zu Tage. Schnell ist da von „Kirchenbonzen“, „Pfaffen“ oder ähnlichem die arg abschätzige Rede und manch einer sehnt sich sichtbar eher nach Thors Hammer als nach der Bergpredigt… Und so blökt mancher Barde aus Wotans Völkchen gen Rom und pöbelt gegen den Papst ohne Rücksicht auf Tatsachen und Stil. Schleudert Dreck und hofft, irgendwas werde doch schon an diesem hängen bleiben. In den 30ern hatte man doch wenigstens den traurigen Mut, zu schreien: „Ohne Juda, ohne Rom bauen wir den deutschen Dom!“. Redlicher wäre es.

Besteht man dann trotzdem auf Integrität und Redlichkeit, dann gilt man schnell als „Nestbeschmutzer“ und die Dreckschleudern als wackere Kämpfer. Fakten zählen nicht, nur die Parteilichkeit. Reflektionsvermögen ist durch stramme Haltung zu ersetzen! 

Na, wem’s gefällt…

Mir allerdings nicht, ich halte es hier wieder mit Reinhard Mey (allerdings ein anderes Lied):

Ich laufe nicht mit dem Rudel,

Ich schwimme nicht mit im Strudel,

Ich hab‘ noch nie auf Befehl gebellt.

Ich lasse mich nicht verhunzen,

Ich will nach Belieben grunzen,

Im Alleingang, wie es mir gefällt!

Alleingang? Im Abseits stehen? Welche Schreckensvorstellung für den Spießbürger, der sich in der Masse am wohlsten fühlt. Verschreckt blinzelt er hilflos, lautet doch sein Credo: Keinen Streit! Sein höchstes Selbstlob: „Ich habe noch nie etwas mit dem Gericht zu tun gehabt!„. Mangels Abstrahierungsvermögen unfähig, das Offenkundige zu sehen, greift er reflexhaft zu Lösungsmodellen aus dem Kindergarten: Gebt euch die Hand und habt euch wieder lieb. Er kennt eigentlich nur 2 Positionen: die eigene und die der anderen – wer auch immer das sein mag. Wir gegen die, immer feste druff! Diskurs, Auseinandersetzung sind im ein Gräuel: Ein Topf, ein Teig, ein Rührer! Da mag auch ein offensichtlich geistig Irregeleiteter am 20. Juli Polizeikräfte und Bundeswehr offen zum Staatsstreich aufrufen – alles kein Problem, „der gehört ja zu uns“. Zu mir jedenfalls nicht, wer solchen Subjekten unbedingt die Fahnenstange halten will, soll das tun, nur nicht überrascht sein, wenn dann die Fahne entrollt wird… 😉

Tröstlich ist der Schluß des Liedes:

Es gibt noch ein paar Leute,

Und an die hab‘ ich gedacht,

Für die hab‘ ich meine Lieder

So gut es geht gemacht,

Die beim großen Kesseltreiben

Nicht unter den Treibern sind.

Solang‘ mir ein paar Freunde bleiben,

Hängt meine Fahne nicht im Wind.

Und ich scher‘ mich den Teufel um Goliath,

Und schweig‘ fein still.

Habt Dank für das achtel Lorbeerblatt,

Auf dem ich tun kann, was ich will.

Dieser Blog ist mein „achtel Lorbeerblatt“ und wem es nicht gefällt, kann gehen und wo es nicht glatt ist, auch rennen…

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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4 Antworten zu Und ich bedenk‘, was ein jeder zu sagen hat…

  1. francomacorisano schreibt:

    Lieber Kirchfahrter Archangelus, wir sind Brüder im Geiste. Nur weil ich die etablierten Parteien vollständig ablehne und mich auch Papst Franziskus irritiert, werde ich mich NIEMALS mit NPD-Leuten und denen Umfeld gemein machen!

    Leider gibt es keine Trendwende zurück zu der bürgerlich-katholischen Gemeinschaft, die wir uns wünschen. Noch geht es vielen glücklichen Sklaven zu gut, so lange in der Glotze Bundesliga, DSDS und ähnlicher geistiger Dünnschiss läuft und Aldi & Co. Fertiggerichte und Dosenbier für kleines Geld verkaufen.

    Ich gebe trotzdem nicht auf. Ein Herdentier war ich noch nie!

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