Mattscheibe manipuliert Masse 6: Filmcasting als Mittel der Manipulation

Haben Sie sich auch schon mal vom „Heiligenschein“-Effekt täuschen lassen? Ja, Heiligenschein, nicht scheinheilig, um Politik geht es hier mal nicht 😉 . Gemeint ist eine aus der Sozialpsychologie bekannte kognitive Verzerrung, die darin besteht, von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften zu schließen.

In der jüngsten Vergangenheit von vielen leidvoll bei der Aktieneinführung der sog. „T-Aktie“ der Deutschen Telekom erfahren. Das Unternehmen beauftragte den Schauspieler Manfred Krug mit der Werbung für die Aktie, da dieser dem breiten Fernsehpublikum noch bestens aus seiner TV-Rolle als etwas kauziger und unkonventioneller, aber seriöser und herzensguter Rechtsanwalt Robert Liebling („Liebling Kreuzberg“) bekannt war. Die Seriosität des Fernsehanwaltes (https://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt#Unterhaltungsindustrie) bürgte damit scheinbar für die Bonität der T-Aktie – „scheinbar“, nicht „anscheinend“, denn der Ausgang der Geschichte ist ja bekannt… Manfred Krug bezeichnete übrigens das Werbeengagement später – wohl zu Recht – als seinen „größten  beruflichen Fehler“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Krug#Werbekampagnen).

Signifikant deutlich wurde der „Heiligenschein-Effekt“, als Henry Fonda, der in Filmklassikern wie Früchte des Zorns und Die zwölf Geschworenen stets als aufrechter, moralisch integerer US-Amerikaner, in Befehl des Gewissens sogar als katholischer Priester besetzt wurde, in Abkehr von dieser Rolle nunmehr als gewissenloser Killer in Spiel mir das Lied vom Tod auftrat. Glaubhaft berichtet wurde, dass viele US-Kinobesucher einen veritablen Schock erlitten, als in Leones Meisterwerk die Kamera ganz langsam auf Fonda schwenkte, während dieser mit seinen Bandenmitglieder einen Familienvater samt Kindern niedermähte. „Oh Gott, es ist Abe!“ soll in vielen Kinosälen erschrocken gerufen wurden sein – spielte doch Fonda 1939 in Der junge Mr. Lincoln den späteren US-Präsidenten Abraham „Abe“ Lincoln. Schauspieler und Image waren in den Augen des Kinopublikums untrennbar verwoben.

Was liegt nun näher, als den medial kreierten „Heiligenschein“ zur Manipulation des Film-Publikums zu mißbrauchen? Zum Beispiel, um es zur Akzeptanz einer Situation oder Entwicklung zu bringen, welche es „eigentlich“ für moralisch nicht vertretbar hält?

Ein Mittel ist das gezielte Casting der Schauspieler.

Als Casting (aus dem Englischen to cast ursprünglich: angeln, fischen, mittlerweile auch = jemanden für eine Rolle vorsehen) wird der Prozess der Auswahl von Schauspielern, Tänzern, Sängern, Fotomodellen und anderen Künstlern in der Phase der Vorproduktion von Inszenierungen (Theater, Oper, Zirkus, Konzerte), Filmaufnahmen (Kinofilm, Fernsehfilm, Werbefilm, Musikvideo) und Fotoaufnahmen (Katalog, Zeitschriften, Poster) bezeichnet. https://de.wikipedia.org/wiki/Casting_(Auswahlverfahren)

Als Beispiel kann man hier zum einen die Filmkomödie Lang lebe Ned Divine nehmen. In dem irischen 52-Einwohner-Dorf Tullymore wird ein Lotto-Jackpot i. H. v. rund 7 Mio. irische Pfund gewonnen. Der Gewinner ist bei der Ziehung vor Schreck gestorben.  Die Dorfbewohner beschließen, seinen Tod zunächst geheim zu halten und den Lottogewinn – der verfallen würde, da er keine Erben hat – an seiner Stelle zu kassieren. Eine  unbeliebte Dörflerin nutzt dies, um für sich einen höheren Anteil zu erpressen. Beim Versuch, die Lottogesellschaft zu alarmieren, kommt es zu einem absurden Verkehrsunfall, bei dem sie samt Telefonzelle die Klippe hinabgeschleudert wird. Die irische Komödie ist, bei Lichte betrachtet, ein Beispiel für gelungene mediale Manipulation und moralische Korruption. Man nehme ein heimeliges 52-Einwohner-Dörfchen in einer malerischen Landschaft. Die Rollen der Dörfler werden mit liebenswert-verschrobenen Senioren besetzt, die zur Not nackt Motorrad fahren (aber mit Helm!), gerne zusammen einen trinken und einander kennen. „Wo die Welt noch in Ordnung ist“. Zumindest, wie sich das der vereinsamte Durchschnittseuropäer halt so in seinem Wohnblock vorstellt, wo er selbst seine unmittelbaren Wohnungsnachbarn nur vom sehen kennt.

Die sympathischen Dörfler wollen schlußendlich ca. 7 Millionen Pfund, auf die sie kein Anrecht haben. Die schlitzohrigen Schnurrpfeifereien der fidelen Alten verschleiern perfekt, dass es sich doch letztendlich um einen kühl durchdachten Millionen-Betrug an der Lotterie handelt. Die „Rechtfertigung“ in Form des Traumes ist im höchsten Maße subjektiv und spekulativ nach dem Motto „Ned hätte es gewiß so haben wollen, wenn er den Gewinn bekommen hätte“.

Wer ihrem Ziel entgegensteht, wie die bewußt unsympathisch angelegte Rolle der rollstuhlfahrenden Spielverderberin, zieht dabei automatisch den Ärger der Zuschauer auf sich. Schleichend werden diese zu heimlichen Komplizen der knuddeligen Iren, man drückt die Daumen, dass es klappt. Moralische Wertungen werden seltsam diffus, ist der Betrugsversuch nun akzeptabel, nur weil es „nette Kerle“ sind, denen man das Geld gönnt? Konkrete Geschädigte gibt es ja auch nicht und die Lotteriegesellschaft bleibt anonym. Und wenn die stänkernde Lizzy samt Telefonzelle die Klippe hinabgeschleudert wird, breitet sich unwillkürlich ein behagliches Grinsen aus. Das nennt man Zuschauer manipulieren…

Als weiteres Beispiel bietet sich der Filmklassiker Die Kanonen von Navarone an. Die geschilderte Geschichte beinhaltet schlichtweg durchgehend Kriegsverbrechen. Ein zusammengestellter alliierter Trupp aus Kombattanten und Nichtkombattanten infiltriert einen regulären deutschen Armeestützpunkt, um dort einen terroristischen Sprengstoffanschlag zu unternehmen. Heimtückisch werden zahlreiche Deutsche ermordet, da sich die alliierten “Helden“ in Zivil oder feindlicher Uniform kleiden. Weder aus Sicht des Kriegsrecht ist noch aus moralische Sicht eine vertretbare Handlung. Die Teilnehmer des Unternehmens sind als Kombattanten nicht erkennbar und dürfen nach der Festnahme kriegsrechtlich erschossen werden.

Wie bringt man diesen “Stoff“ dem Publikum näher? Man wählt für die Mitglieder des Attentäter-Trupps die Blüte der zeitgenössischen angelsächsischen Schauspieler, als da wären: Gregory Peck, David Niven, Anthony Quinn, Richard Harris. Diese Darsteller werden individuell charakterisiert, Stärken und Schwächen werden dem Zuschauer vorgestellt. Die im Film auftretenden Deutschen erscheinen ohne jegliche Charakterisierung als bloße Statisten, natürlich inklusive der gängigen Film-Stereotypen wie der “anständige“ Wehrmachtsoffizier und der folternde SS-Mann.

Es lohnt sich, auch und gerade bei aus Kindheitstagen vertrauten Filmen wachsam zu sein und auf eine innere Distanz zum gezeigten Geschehen zu achten. Es gilt sich immer vor Augen zu führen, dass keine harmlose Geschichte aus dem realen Leben erzählt wird, sondern i.d.R gezielt ausgewählte Schauspieler sorgfältig gefertigte Texte sprechen.

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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