Weilers Wahrheit: Barcelona, Sprechblasen und die Dumpfheit der Deutschen

Einen interessanten Aspekt zu besagten „Werten der offenen Gesellschaft“ findet man im Werk Der Sinn der Geschichte von Friedrich Romig, 2. korr. Aufl., erschienen im Regin-Verlag. Dieses Werk sei allerdings nur Menschen empfohlen, die zur Reflektion bereit sind und offen für eine Argumentationskette, vor der sie in unseren Medien allerdings zuverlässig bewahrt werden. Wer dazu nicht bereit ist, sollte sich also besser weiterhin von Gundula Gause um Viertel vor zehn die Welt erklären lassen.

In § 7 (Seite 101 ff.) beschreibt er detailliert die besagten „Werte“:

„Die >offene Gesellschaft<, die Popper mit der Brille des Rationalismus sowohl erkennt als auch fordert, ist die moderne Industriegesellschaft. Sie hat ihren Mitgliedern nichts zu bieten außer Arbeitsplätzen. Die Beziehungen der Mitglieder zueinander beschränken sich auf das Ineinandergreifen von Funktionen. Am gesellschaftlichen Leben nehmen sie teil wie eine Maschine, wie ein Computer am Arbeitsprozeß eines Industriebetriebes: Sie werden ebenso vernutzt, abgeschrieben und, wenn sie nicht mehr funktionieren, ausgeschieden.“

Angesichts des explosionsartigen Umsichgreifen psychischer Erkrankungen und dem neuen Volksleiden „Burn out“ wird man dem nichts entgegenhalten können. Ganz oben auf der „Werte“-Liste ist die effektive Nutzung der humanen Ressourcen:

„Diese Industriegesellschaft ist >offen< für alle, die sich ihr einpassen wie abgedrehte Bolzen in vorgebohrte Löcher. Farbe, Herkommen (Fremdarbeiter), geistige Interessen, persönliche Bindungen sind gleichgültig, wenn sie die Funktionserfüllung nicht stören. Anpassung wird belohnt durch zusätzliche Belastung mit weiteren Funktionen, die Konkurrenz, d.h. der gegenseitige Kampf der Funktionsträger untereinander, wird wachgehalten“ (Seite 102 ff.).

So erklärt sich auch zwanglos die geduldete Masseneinwanderung ungelernter Analphabeten, denn tiefere Sinngebung als tägliches Funktionieren ist in der „offenen Gesellschaft nicht erforderlich:

„Die offene, abstrakte, >rationale< verwissenschaftlichte Industriegesellschaft bietet keinen von der Arbeitswelt unterschiedenen geistigen Lebensraum, kein Feld für geistige, zwecklose, gesellschaftlich relevante und anerkannte Aktivität. Sie hält sich Künstler, Literaten, Geisteswissenschaftler, Anarchisten, Idealisten, Utopisten wie exotische Vögel in den Käfigen der Spießbürger oder in zoologischen Gärten, sorgsam ausgesperrt vom wirksamen Einfluß auf die Arbeitsstruktur und Arbeitswelt.“

Alles, was nicht zumindest mittelbar eine Funktion im Produktionsprozeß erfüllt, gerät zunehmend unter einen rigiden Legitimationszwang: Familie, Hobbies, Vereinsleben etc.

Jeder darf auf seine von ihm selbst gewählte Weise verblöden und zum alles glotzenden Konsumidioten werden, da herrscht absolute Toleranz.

„(Die Gesellschaft) ist tolerant bis zum Exzeß, wo sie die Kontrolle ausübt oder die Tore verschlossen hält. Der Einzelwille, die Konsumwahl ist frei, den die Großzahl wird zum Massenbedarf, der isolierte freie Einzelwille hat keine Qualität, er wird in Quantität „umgeschlagen“. Ohne den geistigen, gesellschaftlich relevanten Lebensraum erkennt sich der Einzelne nicht im Denken, sondern in seinen Funktionen, die er erfüllt und in den Produkten, die er kauft“.

Innerhalb der offiziellen (straf-)rechtlichen oder zumindest der inoffiziell gesellschaftlich vorgegebenen Grenzen darf jeder sanktionslos meinen, was er will – habe er eine Ahnung vom Gesprächsgegenstand oder nicht.

Dieses Gesellschaftsmodell benötigt

„die Öffnung, die die Widerstände abbaut, die der universalen Geltung von Technologie, Industrie, Verwaltungs- und Militärbürokratie heute noch im Wege stehen. Seine (also Poppers) Gesellschaft ist >offen<, weil wertentleert und repressiv.“

Also genau die Gesellschaft, in der wir heute leben…

Conservo

(www.conservo.wordpress.com)

Von Michael Weilers *)

Sprechpuppen

Als Reaktion auf den islamischen Terror in Barcelona werden sie jetzt wieder reihenweise von deutschen Spitzenpolitikern abgesondert.

Worthülsen, Floskeln und einstudierte Beileidsbekundungen.

Wie Sprechpuppen, bei denen eine bestimmte Platte einlegt und der „An-Schalter“ gedrückt wird, wirken die Statements wie auswendig gelernt, abgelesen und alles andere als glaubhaft.

Besonders beliebt sind Textbausteine wie etwa „Unsere Gedanken sind bei Soundso“, „Wir stehen an der Seite von XYZ“ oder „Wir dürfen unsere Lebensweise deswegen nicht ändern“.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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