Eine persönliche Anmerkung zum 30. Todestag von Pfarrer Hans Milch

Warum soll man über einen bereits seit 30 Jahren toten Pfarrer aus Hattersheim schreiben? Einem lokalen Seelsorger, der seinen Schäfchen wohl salbungsvoll vom lieben Gott predigte und dessen Horizont vermutlich über seine Gemeindegrenzen nicht hinaus ging? Dies mag einem heutigen Menschen, der nichts von Pfarrer Milch weiß, verständlicherweise durch den Kopf gehen.

Aber: Wohl selten wird man mit seinem aus dem Ärmel geschüttelten Urteil derart falsch liegen. Zum einen: Pfarrer Milch lebt. In den Herzen derjenigen, die das Privileg hatten, ihn kennen zu lernen und vor allem in seinen Predigten. Die werden von der actio spes unica vertrieben, per Heft oder CD und sind wie schwerer Wein: gehaltvoll und befeuernd. Wer mit lauwarmen Predigten des Liberallala-Katholizismus aufwuchs, muß sich erst dran gewöhnen. Hier habe ich ihn „kennen gelernt“ – Predigten wie Blitz und Donner (http://www.spes-unica.de/milch/texte/). Das Werk von Wolfgang Schüler (Pfarrer Hans Milch. Eine große Stimme des katholischen Glaubens. Mit einer Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil. Edition Actio Spes Unica 2005. 2 Bände, 1.730 Seiten, mit Bildteil, 49,90 Euro) gibt einen profunden Überblick über seine Person und vor allem sein Denken. Zum anderen: Dieser Pfarrer war alles andere als ein lediglich durchschnittlicher Seelsorger – hören Sie in seine Predigten und Vorträge hinein. Wort- und stimmgewaltig und sowohl kirchlich als auch politisch von geradezu beängstigender Prophetie (weiteres auf http://www.spes-unica.de/milch/).

So aus seiner Predigt zum 14. Sonntag nach Pfingsten von 1985 (!): „Und wenn diese Gleichmacherei sich völlig durchsetzt, dann ist die Katastrophe vollends da, d.h. es ist dann noch nicht einmal nennenswert, ob ein solches Nicht-Volk überhaupt noch eine Katastrophe erreicht oder nicht. Es ist sowieso nicht mehr nennenswert dieses Volk, in dem es keine polaren Spannungen, kein DU-zu-DU mehr gibt!

Messerscharfe Logik, brillanter Weitblick. In diesem völlig gleich gemachten „Nicht-Volk“ leben wir aktuell, die Katastrophe der Islamisierung ist demgegenüber nachrangig.

Dass sein Wirken spaltete, ist völlig richtig – im doppelten Sinne richtig. Zum einen gibt es das damalige Geschehen korrekt wieder, zum anderen folgte er konsequent dem Schriftwort, wonach durch unseren Herrn nicht der (faule) Friede, sondern das Schwert gebracht wird. Wobei den verursachten Schmerz auf jene zurück zu führen ist, welche die konziliaren Wirren verursachten, nicht auf den glaubenstreuen Pfarrer aus Hattersheim…

Der war ein katholischer Streiter, ein im besten Sinne Militanter, denn er stritt für den Christkönig: „Wehe uns, wehe Dir, wehe mir, wenn Dich, wenn mich die Welt nicht hasst!Worte wie Hammerschläge, die sich wohl für fassungslose, lauwarme Mainstream-Katholiken wie Faustschläge im Gesicht anfühlen müssen.

Aufrüttelnd, ja maßlos:

„Uns rügen die, die von der Masse gekennzeichnet sind, die von der Masse leben, die von der bequemen, feigen Masse genährt werden und sich sattessen an der Behaglichkeit eines armseligen, schläfrigen, widerstandslosen Gewimmels, eines Miteinanders, einer lächerlichen Komödie von Solidarität und Mitmenschlichkeit, die das Schicksal des Einzelnen ausklammert und dem Einzelnen keinen Atemraum läßt“.

Dieser Prediger steht für ein mannhaftes Glaubensverständnis, für geistige Militanz mit offenem Visier. Er ist anspruchsvoll, nicht der billige Jorge Jakob, sondern er verlangt alles. Nicht nur viel. Denn er ist der Priester desjenigen, der uns auch verlangt: vollständig, mit Haut und Haaren. Keine Discount-Barmherzigkeit, kein nebulöses Geschwätz: Wehe uns, wehe Dir, wehe mir, wenn Dich, wenn mich die Welt nicht haßt! Glühende Liebe zum Heiland spricht aus solchen Worten, nicht lauwarmes Dialogisieren. Konsenssucht ist ihm fremd, er spricht die Sprache der Kreuzzüge, als Männer ihren Glauben noch verteidigt haben (schauen Sie mal rein: https://kirchfahrter.wordpress.com/2016/04/20/rest-oder-sekte-h-h-pfarrer-hans-milch/).

Er war ein Radikaler, denn er betonte die radikale, weil von der Wurzel her bestimmte Absage an das heute vorherrschende kollektive Gewimmel der „Gemeinden“, des Wir-alle-miteinander-zusammen-gemeinsam. Persönlich im wahrsten Sinne befreiend war für mich die klare Aussage: das Heilsangebot Christi richtet sich ausschließlich an den einzelnen Menschen.

Solche Streiter sterben nicht friedlich im Bett, sie sterben von Mörderhand (lesenswert: http://www.spes-unica.de/aktuell/nachrichten/2012/120808_todestag_pfarrer_milch/) ihre Stimme wird gewaltsam zum Schweigen gebracht. Denn die Welt kann sie nicht ertragen.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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