Wie benutze ich das Volksmissale richtig? (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_08.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

August 2017

Wie benutze ich das Volksmissale richtig?

 

P. MARTIN RAMM FSSP

 

Es ist wahr: Die Sakramente haben ihre Kraft in sich, und die heilige Messe ist eine geistliche Quelle von unerschöpflicher Fülle. Wieviel aber jeder Einzelne daraus schöpft, hängt erstens davon ab, ob er überhaupt am heiligen Messopfer teilnimmt, und zweitens, wie gut er sich auf diese Teilnahme vorbereitet. Es gibt unterschiedliche Grade der Gegenwart, von einer rein äußerlichen Anwesenheit bei gleichzeitiger innerer Abwesenheit bis hin zu einer innerlich wachen und wahrhaften „participatio“.

Schon ob man ganz bewusst ein klein wenig früher zur Kirche geht, um sich vor Beginn der heiligen Messe in stiller Andacht vor dem Tabernakel zu sammeln, oder ob man gewohnheitsmäßig fast gleichzeitig mit Sakristeiglocke in die Kirche hineinstolpert, macht einen großen Unterschied. Ebenso ist es nicht einerlei, ob man sich jeweils davon überraschen lässt, was denn heute wohl «dran» ist, oder ob man sich über den Charakter des liturgischen Tages vorab informiert. Es hat ja eine Bedeutung, ob beispielsweise der Priester weiße, rote, violette oder grüne Messgewänder trägt. Die Farben sprechen ihre eigene Sprache, die man kennen muss, um sie zu deuten. Haben Sie je daran gedacht, dass das Rot Ihnen etwas sagen will? Jedenfalls ist das bewusste Leben im Kirchenjahr und damit verbunden die Wahrnehmung seiner traditionsreichen Details ein wesentliches Element des katholischen Christseins.

Ein ganz vorzügliches Hilfsmittel, um immer tiefer in die katholische Glaubenswelt einzudringen, ist das 2015 von der Priesterbruderschaft St. Petrus herausgegebene und soeben in zweiter Auflage erschienene „Volksmissale“. Es steht in der segensreichen Tradition des erstmals 1884 gedruckten volkssprachlichen Laienmessbuches von Anselm Schott. Dieser würde übrigens in diesem Jahr sein «dreimal‐goldenes» Priesterjubiläum feiern, denn Pater Schott empfing am 10. August 1867 zu Rottenburg die heilige Priesterweihe. Unser Volksmissale ist aber nicht einfach ein „Reprint aus alter Zeit“. Vielmehr ist es ein lebendiges Buch, ein Zeuge der Vitalität des überlieferten Messritus, der sich im gläubigen Volk bei Jung und Alt wachsender Beliebtheit erfreut. Es zeichnet sich aus durch eine hervorragende Qualität, eine angenehme Schriftgröße, eine benutzerfreundliche Gestaltung und geistlich gehaltvolle Erklärungen.

Angenommen also, Sie sind der glückliche Besitzer eines Volksmissale, und sie lesen schon vor Beginn der heiligen Messe die rotgedruckten einleitenden Erklärungen zum jeweiligen liturgischen Tag, beispielsweise über die Besonderheiten des Kirchenjahres, über die großartigen Kompositionen der sonn‐ und festtäglichen Messformulare oder über das Leben des Tagesheiligen, dann werden Sie zur Teilnahme am heiligen Geschehen vorzüglich gerüstet sein. Es gibt eben Dinge, die nimmt man erst wahr, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird.

Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich manchmal recht bald nach der heiligen Messe kaum mehr an die Lesung und das Evangelium, geschweige denn an den Introitus oder die Tagesoration erinnern können? Angenommen aber, Sie würden schon vorher die Texte lesen und ein ganz klein wenig betend darüber betrachten, wäre dann nicht anzunehmen, dass Sie sie im eigentlichen liturgischen Vollzug sehr viel bewusster aufnehmen und dass sie sich viel tiefer einprägen? Nehmen wir an, ein Katholik wird auf diese Weise im Kirchenjahr beheimatet gleich einem „Fisch im Wasser“, so muss er nicht fürchten, dass für ihn die Liturgie durch Gewohnheit verflacht, sondern ganz im Gegenteil: Sie ist wirklich unerschöpflich, und die Erfahrung zeigt, dass man mit der je intensiveren Beschäftigung beständig an geistlicher Tiefe gewinnt und in der zeitlosen Schönheit des liturgischen Erbes immer wieder neu Staunenswertes zu entdecken vermag.

Vor nicht allzu vielen Jahrzehnten noch war es gang und gäbe, dass spätestens ab der Firmung jeder eifrige Katholik stolz darauf war und sich glücklich schätzte, wenn er ein Volksmessbuch sein Eigen nennen durfte. Es war auch selbstverständlich, dass man es zu jeder heiligen Messe mitgenommen hat. – Ob wir dort nicht wieder hingelangen könnten?

Das wäre ein Segen!

Den Umgang mit dem Volksmissale lernt man am schnellsten, indem man zunächst aufmerksam die Erläuterungen auf dessen ersten Seiten liest, sich einen Überblick über das Inhaltsverzeichnis verschafft und anhand der aktuellen Gottesdienstordnung den liturgischen Tag ortet. Dazu gehört freilich auch, dass man sich mit den gleichbleibenden Teilen jeder heiligen Messe, dem sogenannten „Ordo Missae“, recht gut vertraut macht und dann sicher weiß, an welchen Stellen genau die veränderlichen Teile eingefügt werden. Solch ein Studium sollte aber eher außerhalb der heiligen Messe stattfinden.

Noch ein kleiner praktischer Tipp: Es geht nicht darum, während der heiligen Messe jedes Wort mit dem Priester mitzulesen. Das wird kaum möglich sein, weil der Priester still und vieles dazu noch auswendig betet. Und sollte es vor allem in der Anfangszeit geschehen, dass man sich im Buch verliert, dann verbringe man doch nicht den Rest der heiligen Messe mit Blättern! Man lege das Buch ganz ruhig zur Seite und lasse sich anschließend zeigen, wo die Messtexte gestanden hätten. Vielleicht könnte ja vor der nächsten heiligen Messe ein erfahrener „alter Hase“ einen raschen Blick darauf werfen, ob alle Lesebänder an den richtigen Stellen eingelegt sind.

Schließlich sei bemerkt, dass das Volksmissale neben dem eigentlich liturgischen Teil durchaus auch weitere bedeutsame Schätze enthält. Da wäre beispielsweise neben der Beichthilfe im Anhang auch eine Sammlung von wunderschönen Gebeten zu nennen, die bestens dazu geeignet sind, die Vorbereitung auf die heilige Messe, die anschließende Danksagung oder die geistlich so wertvollen Augenblicke nach dem Empfang der heiligen Kommunion zu befruchten.

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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Eine Antwort zu Wie benutze ich das Volksmissale richtig? (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_08.pdf)

  1. dorothea krüger schreibt:

    ein super Beitrag, und eine wirkliche Hilfe, vielen Dank dafür
    D. Krüger

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