Sozialismus und Islam zwischen Gott und Mensch – Teil 1: Der Sozialismus als Welt- und Machtproblem (http://www.die-neue-ordnung.de/)

Nr. 3 / 2017 Juni                71. Jahrgang

 

 

 

Hans-Peter Raddatz

Sozialismus und Islam

zwischen Gott und Mensch

 

Teil 1: Der Sozialismus als Welt- und Machtproblem

 

1. Das Problem der Macht mit dem Christlichen

Wer auf die „Gnade der mittleren Geburt“ zurückgreifen kann, d.h. alt und wach genug ist, um die aktuelle politkulturelle Landschaft Europas mit derjenigen vor etwa vier Jahrzehnten zu vergleichen, wird erhebliche Veränderungen der kollektiven Wahrnehmung und Lebenswelt sowie sich selbst als Produkt derselben feststellen. Solches wird durch den seltenen Fall ermöglicht, daß die individuelle Lebenszeit mit dem zwischenzeitlichen Übergang zwischen Weltdeutungen zusammenfällt, was viele indes weniger als „Gnade“, sondern als Belastung empfinden, weil sie die Gewohnheit den Anforderungen des Wandels vorziehen. Die Dynamik unserer Zeit verdankt sich vordergründig dem Nachkriegs-Paradigma der sogenannten „Turns“, einer Umkehrung des Denkens und Handelns, die alle Wissenschaften erfaßt, über die globalen Organisationen (UNO, IMF, WTO, UNESCO etc.) in die Praxis der Staaten und Institutionen hineinwirkt und heute die Weltmacht USA sowie mit besonderer Wucht die Strukturen der EU-Staaten umbaut. Unter dem akademischen Dach des scientific turn treiben linguistic, social, cultural, artificial und zahlreiche weitere turns eine umfassende Transformation an, die sich in der Mathematisierung der Wissenschaften allgemein und in der Befreiung der Humanwissenschaften von der Metaphysik speziell ausdrückt, d.h. in der Trennung der Gottesfrage, der Probleme von Gut und Böse vom Humanen selbst.

Indem sich mit der Gottes- auch die Wahrheitsfrage und der Herrschaftsbezug im Machtgefälle zwischen Elite und Masse vom Jenseits ins Diesseits verlagert, machen sich im kollektiven Bewußtsein die Gegensätze Freiheit-Gleichheit, Sakral-Profan, Reich-Arm, Befehl-Gehorsam, Idealismus-Materialismus (s. NO 1-2/17) deutlicher als je zuvor geltend. Hier entstehen veränderte Formen von Staat und Kirche, Wissen und Glauben, in deren Kielwasser sich mit den Kriterien des Atheismus und Eigentums der wissenschaftliche Sozialismus machtvoll zu Wort meldet. Der Prozeß hat mit dem Fortschritt von Wissenschaft und Kolonisation seine Wurzeln bereits in den Kulturschüben der Reformation und Aufklärung, erklärt aber nur teilweise, wieso im weiteren Verlauf damit kompatible Kulturen wie vor allem der Islam und der Buddhismus von dieser Dynamik erheblich profitierten. Damit kommt die Orientophilie des 19. Jahrhunderts zur Geltung, die in Literatur, Dichtung und Philosophie das Morgenland und seine Despoten verklärte und die Gottesfrage mit der Verschiebung in den esoterischen Atheismus scheinbar erübrigte. Hier geben sich nichtchristliche Gottes- bzw. Prophetie-Varianten wie der fernöstliche Buddha, der mittelöstliche Zarathustra und der nahöstliche Allah ein illustres Stelldichein, das sich alternativ um die Zeitenwende des Jesus Christus spannt und eine bedeutsame Front gegen dessen fundamentale Machtkritik („der werfe den ersten Stein“), also gegen das singuläre Zentralereignis des Christentums aufbaut. Dieser Gottesersatz ist in der Moderne nicht ohne die geometrische Philosophie des Baruch Spinoza (gest. 1677) denkbar, der Gott mit einer mathematisch und geometrisch strukturierten Natur identifiziert. Er setzt den (elitären) Menschen in eine chimärenhafte Gottesfunktion ein, die zwischen Pan- und A-Theismus schillert und in vieldeutiger Auslegbarkeit die Gesellschaft quasi-naturgesetzlich steuerbar macht.

Damit verwirklicht er den Traum der Alchemisten, die schon immer nach dem Stein der Weisen suchten, mit dem sich das Gold aus der materia prima und das Geld aus der Masse, der materia humana ziehen ließ. Der solcherart geldnormierte Materialismus wurde zum modernen Passepartout der Machtfunktion mit besonderer Bedeutung für den wissenschaftlichen Sozialismus. Dessen Scheinalternative besteht in der Verlagerung der Verfügung über das Eigentum vom elitären Geldadel auf die proletarische Masse, was indes gegen die Übermacht des evolutionären Elitenprivilegs aussichtslos bleibt. Es sei denn, man handelte gegen sich selbst und stimmte dem Geist der jesuanischen Zeitenwende zu, die mit dem „ersten Stein“ an die Schuld der Macht am Bösen in der Welt erinnert und seither den überzeitlichen Stachel im Gewissen der Herrschenden bildet. Er fordert einen verantwortlichen, d.h. menschlichen Umgang mit den Menschen, der sie nicht als Geldfunktion, sondern als ihres Selbst bewußte Geschöpfe sieht. Zwar würdigt dieses Prinzip die Natur des Menschen, dessen Naturrecht darin besteht, als ein vom Tier- und Maschinenhaften unterscheidbares, mit besonderen Fähigkeiten begabtes Geistwesen wahrgenommen zu werden. Doch haben sich in der Kulturentwicklung erhebliche Relikte der Natur bewahrt, die sich den Anfängen der Herden- bzw. Horden-Existenz verdanken und im Wandel der Weltdeutungen immer wieder zu Verschärfungen der Elite-Masse-Schere führten. Unter deren Druck konnten ausufernde Machthaber, deren historische Beispiele Legion sind, raubtierartige Züge annehmen, die sich oft mit finanziellen, sexuellen und sadistischen Exzessen verbanden. Schon aus Uruk, der ersten Megastadt der Menschheit, melden zahlreiche Rollsiegelbilder den Strafaspekt des MachtMasse-Modus, der im zeitlosen Dreiertakt abläuft – zwischen Herrschern, Menschentreibern, die man auch „Knüppler“ nennt, und Massenmenschen, die gebückt oder kniend dargestellt sind (Brandes, Rollsiegel, Wiesbaden 1979). Interessanterweise schauen die „Knüppler“ stereotyp nach rechts, d.h. in die richtige Richtung des Rechts, nämlich dorthin, wo der Herrscher steht, ein offenbar unveränderbares Muster, das in vielen Sprachen mit der Gleichsetzung von Recht und Richtig verankert ist und sich in der Euro-Gegenwart zu wiederholen scheint (s.u.).

Kaum verwunderlich taucht das Problem begrifflich gleich, aber ethisch entgegengesetzt bei Jesus auf, der davon spricht, daß wer nicht glaubt „gerichtet“ ist, also einer Herde angehört, die bewußtlos dem Führerbefehl folgt. Auch die Ideengeschichte und die klassischen Utopien als Schaugläser der sozialen Zukunft stimmen darin überein, daß Gleichheit nur die Unterklasse betrifft, die in dem Maße die Freiheit der Oberklasse erhöht, in dem man ihre Erziehung nivelliert und das Wissen über den Weltlauf einschränkt. Vom Wächterstaat des Platon und dem spartanischen Kriegerstaat des Lykurgos bis zum Utopia des Thomas Morus, Sonnenstaat des Tommasio Campanella und Organon des Francis Bacon ziehen sich Muster statischer Gesellschaften, deren Menschen in einem monotonen Tagesablauf ohne Eigentum dahinleben sowie unter der Kontrolle wissender Führer mit Kadern rigoroser Aufseher stehen. Das Leitmotiv für das Design dieser Kommunen beruht auf – bis dahin immerhin viertausendjähriger – Herrschaftserfahrung. Denn wie es bei Morus‘ (gest. 1515) ironischen Protagonisten heißt, würden, wenn es die freie Besitzverteilung gäbe, nur die Wenigen darüber bestimmen und „Zwietracht“ unter den Vielen säen. Damit war man über ein Jahrtausend hinter den Standard der Kirchenväter zurückgefallen, denn deren Mehrheit war sich unter Ägide des Clemens von Alexandria (gest. um 216) im Grunde darüber einig, daß man für eine harmonische Entwicklung der „Herde“ das freie Eigentum brauchte. Dies erfordere allerdings innerhalb der Elite eine bestimmte, eben christliche Spezies von Reichen, die ihren Wohlstand als von Gott zur Verwaltung anvertraut verstünden und ihrem Gewissen gemäß zum Gemeinwohl beitrügen (vgl. dazu Gray, The Socialist Tradition, London 1948). Im Megamuster des zwar nicht immer Gleichen (F. Nietzsche), aber mit Endlos-Serien von Fortschritten und Rückschlägen sich selbst Ähnlichen kommt der Systemcharakter der Dynamik zwischen Natur und Kultur zum Vorschein, wobei die serielle Zeitlosigkeit des Ähnlichen auch die Systembedingung der Zeitinvarianz bestätigt.

Sie besagt im Klartext, daß der Humanprozeß sich in einem Raum-Zeit-Raster entwickelt, der mit den Schüben und Korrekturen der Schichtenschere auf den Weltwandel einwirkt und mit Ausnahme der jesuanischen Zeitenwende keine Phase enthält, die nicht schon einmal irgendwann ähnlich vorgekommen wäre. Es versteht sich also, daß der integrale Motor des Geschehens die Ideengeschichte zwischen Religion, Politik und Eigentum ist, die die Willkür des Elitenprivilegs legitimiert, solange sie die jesuanische Machtkritik ausblendet. Die Uralt-Fragen von Raum und Zeit, Zufall und Kausalität, Gerechtigkeit und Moral in Philosophie und Wissenschaft bleiben offen, weil sie Macht spenden. Dabei ist zumindest eines sicher: Die zwar kontroverse, aber über die LeibSeele-Einheit komplementäre Dynamik zwischen Natur und Kultur garantiert einen Fortgang, solange es Menschen gibt, die eine Seele haben. Denn indem sie sich ihrer selbst in Bezug auf ihre Welt und deren Moral bewußt sind, indem sie eben „nicht gerichtet“ sind (Jesus), bleibt die Fähigkeit erhalten, den Mißbrauch des Elitenprivilegs zu erkennen. Wie unlängst erläutert, hat Kant dagegen mit dem machtgünstigen Behelf der „Ordnung der Erscheinungen“ ein Mittel nach Art des doppelten Bodens geschaffen, das „offizielle Täuschungen“ ermöglicht, indem die elitär konstruierte Weltdeutung zur „Wahrheit“ erklärt und mit dem Kategorischen Imperativ herrschaftsfähig wird. (NO 2/17). Unter vielen anderen Widersprüchen bei Kant taucht hier ein sehr wichtiger auf, nämlich seine Definition der Aufklärung als „Herausführung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“, die man nun vor der Folie seines Systems als Mutter der vernünftigen Täuschung bezeichnen kann.

 

2. Zugpferde der Kulturtransformation

Die Ideologie der Globalisierung, die nach spinozistischem Vorbild das Denken und Handeln naturgesetzlich meßbar sowie pekuniär zählbar macht, entfaltet sich als Teilphase des hier vorgestellten Megamusters nicht abschließbarer Macht. Das mathematisierte Maß aller Dinge läßt sich im weiteren Verlauf elektronisieren, immer leichter von früheren Gottesbindungen lösen und über den funktional disponiblen Menschen in die Geldbindung der Arbeits-, Konsum- und Informations-Netzwerke überführen. Um diese Transformation als „natürlich“ erscheinen zu lassen, lieferte Jaques Derrida (gest. 2002) ein kongeniales Konzept, das zu den meistzitierten des akademischen Diskurses gehört. Gemäß dem Welttrend, der die Kultur Europas fundamental umkehren soll, tritt Derrida zu deren Basis-Destruktion mit dem Zentralbegriff des Logozentrismus an. Damit sollen die Abwege deutlich werden, auf die sich die Altkultur mit individuellem Denken und logischem Definieren hat locken lassen. Schwieriger, weil in Theorie und Praxis von großer, aber verdeckter Zerstörungskraft ist Derridas zweite Waffe, der Begriff der différance, der das Dasein als technokybernetische Funktion festlegt. Da der Meister es ablehnte, seine dunklen Aussagen zu erklären, stehen sie dem Interpreten um so offener zur Verfügung, wobei sich die Deutung erleichtert, indem man sie auf ihren weltweiten destruktiven Erfolg hin auslegt.

Die abweichende Schreibweise der différance soll auf den Unterschied verweisen, der in der Aufnahme eines Textes zwischen Lesen der Schrift sowie dem Klang beim Sprechen und Hören entsteht. Zwischen Texten, die individuell gelesen bzw. kollektiv gehört werden, entfällt auch für den Laien erkennbar ein Großteil des Sinns. Diesen Sinnverlust erleidet das Individuum, das nicht liest, sondern hört, und setzt sich auf Gesellschaftsebene in Gestalt eines Identitätsverlusts der mehr oder minder „Hörigen“ fort. Hier drückt sich die différance als Unterschied zwischen Person und Funktion aus, indem sie im seriellen Kontakt mit den pluralen Lebensbereichen – Arbeit, Familie, Konsum, Computer etc. – von der intakten Person zu einem Bezugs-„Bündel“ (Derrida) aus Wahrnehmungen, Handlungen und Reflexen degeneriert. Das Konzept bewährt sich in der Praxis, aktuell in der Smartphone-„Persönlichkeit“, die sich bis zu 6 Stunden täglich mit ihrem elektronischen Bezugszentrum beschäftigt. Solches ergibt sich aus ständig wechselnder Kommunikation, die in eine Existenz zwischen Nichtmehr und Nochnicht überführt, wo Derrida den Menschen schließlich zu einer „Spur“ reduziert sieht, nicht unähnlich einer Zeitreihe in der analytischen Geometrie.

Und nicht nur das: Die „Spur“ ist auch ein Begriff der tausendjährigen Kabbala, jener jüdischen Mystik, deren alphanumerischen Kombinatorik die Interpreten einst auf die „Spur“ kamen, indem sie dort Hinweise ihres Gottes fanden, die sie in Regeln für das Denken und Verhalten der Gläubigen umsetzten. Derridas Konzept setzt an der Schnittstelle zwischen Gott und Mensch an, von wo sich die „Spuren“ der Humanexistenz in Richtung Tier und Maschine verzweigen, wenn das Denken hinreichend eingeschränkt ist. Es ist die ästhetische Verbindung von Sprache, Mathematik und Esoterik, die der Kultur-Umkehrung offenbar wirkungsvolle Impulse gibt und die Sozialdestruktion durch die funktionale Vernetzung sich selbst reduzierender „Individuen“ begleitet. Der Philosoph nimmt zwar Anleihen bei Brüdern im Geiste wie Spinoza, Nietzsche und Heidegger, doch hat kaum jemand den scientific turn, den Spagat zwischen moralfreier Zwangstoleranz und künstlicher Intelligenz, zwischen Christenkultur und Esoterik ähnlich kunstvoll, d.h. perfide bewältigt wie Jacques Derrida. Mit Abstrichen lassen sich weitere Vertreter der französischen Postmoderne nennen, die Heideggers Dunkelsprache und Kants Doppelboden auf Teilbereiche anwenden. So konstruiert Michel Foucault (gest. 1984) eine spezielle „Diskursanalyse“, die das Bildungssystem, Krankenhaus und Gefängnis im 18. Jahrhundert als unmenschlich destruiert, um Platz für Prothesen zu schaffen. Neben den etablierten Mafiabereichen präsentieren sich die modernen Ersatzformen wesentlich in Gestalt von Genetik und Euthanasie sowie Intensiv-Kontrolle und Dressur-Bildung auf digitalisierter Rundum-Basis, wobei sich in der Drittwelt-Moderne eine Humankatastrophe anbahnt. Inwieweit es hier um menschlichere Alternativen gehen soll, braucht Foucault nicht zu erklären, weil er die einstigen Schreckensbilder der Altkultur übermächtig in die Gegenwart ragen läßt und die negative Gegenwart unterläuft. Das Prinzip bewährt sich als zeitinvariante (s.o.) Allzweckwaffe, speziell im Stereotyp der Kreuzzüge, der längst überwundene Strukturen verteufelt, um die Massenmorde der „modernen“ Gegenwart in mildes Licht zu tauchen.

Mit einem ähnlichen „Systemteufel“ operiert Gilles Deleuze, der ihn in einem Verfahren zwischen Foucault und Derrida auf den Menschen als Produkt institutioneller Netze überträgt. Hier gerät er ebenfalls zu einem „Bündel“, vorliegend zum „Bedürfnisbündel“, das mit der irritierenden „Wahlfreiheit“ unter den Optionen der Arbeits- und Konsum-Komplexität ein fremdbestimmtes Verhalten entwickelt. Daß eben dieses das systemische Ergebnis der Antikultur ist, bleibt ebenso systematisch unerwähnt, um das „Bündel“ im Verlauf serieller Wiederholungen schließlich in Dauerreflexe einer „Wunschmaschine“ zu überführen. Während Deleuze diesen Zustand scheinkritisch beschreibt, gibt er zugleich vor, den Systemteufel des Dilemmas durch verbesserte, nicht weiter erläuterte Information vertreiben zu können. Bliebe es bei der „Information“ des Systems, würde die Wunschmaschine „naturgemäß“ zur Totalmaschine, anderenfalls sie aus dem Seinsstatus der Antikultur herausspringen müßte. Dies ist erkennbar unwahrscheinlich angesichts der riesigen, kollektiven Wunschmaschinen, die Europa als „Reformen“ betreibt, dabei aber in verhärtende Herrschaftsdomänen abgleitet, die sich zur Revolution von oben verdichten: Islam, Euro, Klima, Gender.

 

3. Genese der „demokratischen“ EU-Despotie

Damit läßt sich zur politischen Euro-Praxis überleiten, deren Vertreter den Umkehrdrang der Turn-Technik, finanzwirtschaftlich ausgedrückt im Wechsel von Nachfrage- zu Angebotspolitik und von Markorientierung zu Börsensteuerung, zunächst zögerlich aufnahm. Erst bei süffisanter US-Kritik („Old Europe“) kam auch stärkeres Interesse in Kontinental-Europa auf, nachdem man dort endlich die gigantischen Geldpotentiale des Strukturwandels erkannt hatte. Seinen politsozialen Niederschlag fand dies in einer universalen Dauerreform, welche die sechs Gründerstaaten in vier Jahrzehnten mehr als vervierfachte und zugleich die Souveränität der Staaten auf ein vergleichbares Niveau (etwa 25 Prozent) absenkte. In gleichem Zuge expandierte die Machtergreifung des Brüsseler EUPolitzentrums, indem Kommission und Ministerrat die einverleibten Staaten entdemokratisierten und dem US-geführten Globalsystem unterwarfen, das mit den „Turns“ die Nivellierung der Wissenschaften sowie die börsenbasierte Privatisierung aller Versorgungsbereiche (Banken, Strom, Telekom etc.) erzwingt. Dieser geldnormierte Prozeß, der sich im theaterhaften Spiel zwischen den Feudalkommissaren der EU und deren „Parlament“ mit Kulissenfunktion abbildet, entwickelte mit den Endlosforderungen des Strukturwandels und der Deregulierung einen offenbar „alternativlosen“ Zwang zur dynamischen Auflösung.

Sie brachte mit der Geldakkumulation die Institutionen – Parteien, Recht, Stiftungen, Universitäten, Kirchen – unter das Regime einer sich anonym ermächtigenden Globalelite, deren Dominanz die Regierungen in das Management des Weltwandels einspannt. Während dieses System in den nichtwestlichen Ländern mit Korruption und Bürgerkrieg durchgesetzt wird, bewährt es sich im Westen als selbstlaufendes Eigengewächs mit besonderem Wucherungspotential in der EU. Hier wirkte die Angst vor Inkompetenz, speziell der deutschen Führer, und etwaigem Machtverlust durch Stillstand im neoliberalen Fortschritt, der sich aus mangelnder Konkurrenz um das Wachstum ultimativer Profitabilität ergibt – aus der Kombination der „Freisetzung“ teuren „Alt“-Personals mit der Zufuhr von Billigarbeit per Immigration. Dies bedingte wiederum die Erweiterung der EU selbst, die sich der Grenzen der Machbarkeit entledigte und die Freiheit der Expansion zum alleinigen Metamotiv erhob. Da es dazu „keine Alternative“, zum Beispiel die Vernunft des Gemeinwohls, geben durfte, verstärkte sich der elitäre Darwinismus des MachtMasse-Modus – die Schichtenschere zwischen den wenigen Führenden und vielen Geführten. Damit hat sich das „Europa der zwei Geschwindigkeiten“, das sich früher auf das Reformtempo bezog, auf die Ebene der Staaten verlagert, wo sich nun ein „Europa der drei Geschwindigkeiten“ abzeichnet. Hier hat die Toleranz-EffizienzDoktrin zu einer Konkurrenz der Verschuldung geführt, die vor allem eine inflationäre Islam-Zuwanderung und mit dem sogenannten „Kulturdialog“ eine sich laufend selbst radikalisierende Immigrations-Bürokratie mit wachsender Korruptionsneigung nährt. In einem ruinösen Dreiertakt läuft in der Alt-EU die Verschuldung des romanischen Südens dem germanisch-keltischen Norden voran, aus dem sich Großbritannien zur Schadensbegrenzung ausklinkt („Brexit“). Daneben verweigern die überwiegend slawischen Kernstaaten des ehemaligen Ostblocks in der Neu-EU dem völkischen Immigrationsdrang des Islam den gebührenden Gehorsam.

Da der „Kulturdialog“ zur historischen Sicht nicht willens und/oder fähig ist, erscheinen seinen radikalisierten Vertretern Hinweise auf die Unterschiede der drei Euro- Kulturbereiche „rassistisch“, nicht zu reden von den begründeten Zweifeln am „Frieden des Islam“, Dabei melden die aggressiven Reflexe der Kulturaktivisten auf Kritik ihre wachsende Entfernung von der Realität, was dem distanzierten Beobachter die Analyse erleichtert. Dies um so mehr, als „die drei Geschwindigkeiten“ sich der Geschichte der Bereiche und dem formativen Geistesgang Europas insgesamt verdanken, der spätestens seit der Aufklärung klare Tendenzen zum Extremismus entfaltet. Als deren politreligiöse Vorläufer erscheinen die Reformatoren Luther und Calvin, deren Konzepte die kirchenfeindliche Verlagerung von Macht und Geld auf den Adel förderten und eingedenk des Luther-Jahres im Folgeteil des Beitrags gewürdigt werden. Nachdem der Adel in der Schubphase der Napoleonischen Kriege kurzzeitig unter Druck geriet, verbesserte die Reaktion des Wiener Kongresses die Bedingungen für die „Revolution von oben“. Im 19. Jahrhundert formiert sich die nächste Ausbaustufe der Moderne, die mit einer neuen, industriell verstärkten Kapitalintensität die Wissenschaft, Technik und Arbeitsteilung vorantreibt.

Die Folgen für die Besitzstände der bürgerlichen Gesellschaft drücken sich zwischen Hegel, Marx und Nietzsche in vermassenden Konzepten der Machtdisposition aus, die sich von Adel und Kirche auf die Banken und Unternehmen verlagert. In die enorme Bewegung der gesellschaftlichen Veränderungen rücken flankierende Impulse ein wie der evolutionäre Darwinismus und die nichtchristlichen Religionen, die zu einer grundlegenden Neuordnung des Gemeinwohls auffordern.

Sie überziehen Europa mit neuen Praxis- und Lebenstheorien zwischen Kommunismus, Anarchismus, Soziologie, Phänomenologie und Esoterik, die ihre wichtigsten Vertreter in Frankreich, England, Deutschland und Rußland haben. Auffallend hoch ist deren jüdischer Anteil speziell in Deutschland als Motor der Judenemanzipation – dies freilich nicht nur aus Altruismus, sondern weil sie Denker hervorbrachte, die immense Beiträge zum Fortschritt der Human- und Naturwissenschaften leisteten. Mit ihren Kernen des historischen Materialismus und ökonomischen Nationalismus bedeutet die Entwicklung eine Modernisierung des in die Antike zurückreichenden Sozialismus und Utopismus (s.u.), die in die zeitgenössischen Extremismen des bolschewistischen International- und faschistischen National-Sozialismus münden. Sie fußen auf den Gründungs- bzw. Vorbild-Triumviraten Lenin-Stalin-Trotzki und Hitler-Goebbels-Himmler, die von den einen verehrt, von den anderen dämonisch aufgeladen, einen wertvollen Fundus für die Diskursliteratur hergeben. Sie sorgten mit mörderischen Nachfolge-Figuren wie Mao, Ho Chi Minh und Pol Pot dafür, daß der Genozid auch nach dem Zweiten Weltkrieg hoffähig blieb und sich daran angesichts vieler altersstarrer 68er in gehobenen Funktionen wenig geändert hat.

 

4. Die euro-islamische Gewaltfamilie

Denn nach dem Krieg entfaltete sich ein Universitäts-Diskurs, der mit kongenialen Konzepten der besagten „Turns“ die kollektive Gewalt hinter den Schleier der sozialtechnischen Vernetzung zog bzw. der Effizienz soziologischer Täuschungsbegriffe wie Toleranz, Effizienz, Kompetenz, Kontingenz etc. und der dort wirksamen Denkschrumpfung überließ. Sie erfaßte zwecks flächendeckender Volkspädagogik bevorzugt die Avantgarden in Medien, Bildung und Kirchen, hier speziell die Jesuiten, deren Gehorsamstradition dem Welttrend auf klerikalem Hochniveau dient und im zweiten Teil zur Sprache kommt. Der erwähnte Heydorn fand für diese bewährte Praxis mit Bezug auf Rousseaus „Emile“ eine so knappe wie zutreffende Formulierung: „Sein Bewußtsein wird unter dem Vorwand der Freiheit auf die sorgfältigste Weise fremdstimmt. Künftige Möglichkeiten der Steuerung und Narkotisierung sind bereits angezeigt“. Sehr ähnliche Konzepte der perfektionierten Massenlenkung finden sich bei der organisierten Esoterik, die man früher „Freimaurer“ nannte, die aber schon der Logen-Spezialist Adam Weishaupt (gest 1830) als „dekadent“ abkanzelte.

Wer heute Einblick in die Hochgrad-Methoden der Großlogen in Orient und Okzident hat, weiß, wie obsolet die Freimaurer und wie aktuell die alternativen Weishaupt-Methoden sind. Denn in Anlehnung an die Jesuiten entwickelte er das bis heute praktizierte Grundmuster der antikulturellen Unterwanderung. Es beruht auf einer scheinchristlichen Bildungs- und Wissenschaftselite, die in offiziellen Ämtern arbeitend den Staat infiltriert, in geheimer Allianz den bürgerfeindlichen Wandel vorantreibt und somit nichts Geringeres darstellt als die Blaupause für den aktuellen globalsozialistischen Strukturwandel. Unter solchen Umständen ergeben sich frappante Parallelen, denn es entstehen „Spannungen, die auch jene Ambivalenz und jenen Zwiespalt des zugleich Vorwärts- und Rückwärtsgewandten, des Schwankens zwischen Tradition und Moderne enthalten… die dem historischen Übergangsphänomen eigen sind“ (Agethen, Geheimbund und Utopie, 97 – München 1984). Folgerichtig fließen langfristige Elemente ein, vom „edlen Wilden“ Rousseaus über Macchiavellis Fürstentugend bis hin zum gnostischen Demiurgen, der zur „teuflischen Umgestaltung der göttlichen Weltschöpfung“ verleitet (Ebd., 111). Die VorwärtsRückwärts-Dialektik entspricht der Selbstähnlichkeit im Systemraster, die der Hochgrad-Planung mit der Massendressur ansteigende Freiheitsgrade öffnet. Die Systematik enthält in ihrer Anlage zwischen Komplexität und Perfidie aufgrund des elitären Täuschungsprivilegs schlicht zu viele Paradoxa und Vexierbilder, als daß sie vom Massenintellekt verstanden werden könnte.

Die „Gnade der mittleren Geburt“ kann freilich die Erkenntnis vermitteln, daß in den Gebetsmühlen des „Kulturdialogs“ heute die gleichen abgegriffenen Wortmünzen und Verschwörungstheorien umgewälzt werden wie vor vier Jahrzehnten. Der Unterschied besteht im enormen Anstieg der Radikalität und Kontrollqualität, der denn auch das Kronjuwel des Systems offenbart: Wann immer die nächste Windung der Toleranz- bzw. Kontrollschraube angezogen wird, kommt aus dem Off der Masse das machtgerechte Echo: „Wir haben nichts zu verbergen“. Insofern erstaunt es kaum, daß weder die Islamexpansion in Europa noch der Djihad, die islamische Verfolgung, Vertreibung und Beseitigung der orientalischen Christen, zu nennenswerten Gegenreaktionen führte. Und dies auch dann nicht, nachdem im Rahmen der zur Invasion gesteigerten Immigration die Energie des islamischen „Friedens“ mit Raub, Körperverletzung, Vergewaltigung etc. die ihr per Koran und „demokratischer Religionsfreiheit“ offenen Ausdrucksformen tagtäglich realisiert. Solches ist bekanntlich höchstrichterlich abgesegnet, indem das deutsche Bundesverfassungsgericht für Recht erkannte, daß der Muslim seinen rechtlichen Imperativen (Scharia) gemäß leben können muß. Somit handelte der deutsche Bundespräsident nicht nur nach geltenden Rechtsvorstellungen, sondern folgte auch den links-rechten Extrem-Vorbildern, als er im Mai 2017 einen Kranz am Grab des Terrorvaters und Massenmörders Yassir Arafat (gest. 2004) niederlegte.

Dies erschien um so legitimer, als der Muslimbruder Arafat ein Ziehsohn des berüchtigten Amin al-Husayni (gest. 1973) war, ein Günstling Hitlers und SS-Kollaborateur auf dem Balkan, der wesentlich zum Respekt des „Führers“ vor dem primordialen Gewaltpotential islamischer Formationen beitrug (vgl. Raddatz, Allah und die Juden – Berlin 2007). Und nicht nur das: Indem der Präsident Arafats Terror-Verdienste ehrte, offenbarte er den Wert des „Blicks nach rechts“, der die Dominanz des linksradikalen und neoliberalen Internationalismus sowie beider Familienähnlichkeit mit dem rechtsradikalen Nationalsozialismus bewahrt. Dies leisten vor allem ihre gemeinsamen Feindbilder – Staat, Kirche und Israel. Insofern setzt die demonstrative Verehrung Arafats, der als Erfinder Palästinas und Vorkämpfer der Vernichtung Israels häufigster Gast Johannes Pauls II. im Vatikan war (nach dem Dalai Lama), ein weiteres wichtiges Zeichen für die neue Leitkultur des Islam und die Renaissance des Antisemitismus. Ohnehin hatten sich die Pflicht-Phrasen der EU und die Holocaust-Rituale der deutschen Politik seit geraumer Zeit als Makulatur erwiesen, weil zugleich jährliche MilliardenSubventionen an die palästinensischen Gewaltgruppen flossen.

Als Teil der elitären Revolution personifizierte der Bundespräsident das inhumane Potential der Moderne, deren Führer die Demokratie als Feigenblatt für die Auferstehung der „gefallenen Engel“ der Extremismen nutzen. Dieses Patentinstrument öffnet ein Füllhorn ideologischer Legitimation und wirtschaftlicher Absicherung, das der neoliberale Globalsozialismus unerschöpflich aktiviert. Ständig neue Avantgarden abnehmend gebildeter „Experten“ konkurrieren um Gehorsam mit der charismatischen Folge nicht abschließbarer Radikalisierung – die fatale Spirale des Totalitarismus. Vorliegend sind sie Produkte der „Turns“, deren Umkehrdynamik die zivilisierende Bildung der Altkultur verdrängt und die Hemmschwellen zur Diffamierung und Gewalt stetig absenkt. Dem entsprach auch Martin Schulz, der Führer der Sozialdemokratie in Deutschland und ehemalige Präsident des EU-Parlaments, der seine antikulturellen Anhänger nicht enttäuschte, indem er die Islam-Invasion „wertvoller als Gold“ einschätzte. Diese neo-alchemistische Interpretation knüpft an die Willkommensbotschaft der Kirchenführungen an, die in zahlreichen Grußworten die Muslim-Massen als eine Art „Gottesvolk“ ausrufen. Hier schwingen apokalyptische Aspekte mit, nach denen Schulz zufolge „die Dämonen, die diesen Kontinent in den Abgrund gezogen haben, lebendiger sind denn je“ (Heidelberger Hochschulrede Juni 2016).

Erneut wird der schwierige Vexiercharakter des Kulturkampfs sichtbar. Die beschworenen „Dämonen“ haben natürlich nebst den Pfarrern und Prälaten auch den Vorsitzenden längst heimgesucht, weil sie im Djihad per Immigration zum einen „Gott“, zum anderen „Gold“ erkennen. Indem sie offenbar ein göttlich begnadetes Goldenes Zeitalter heraufziehen sehen, muß ihnen Kritik daran nicht nur als Systemteufel, sondern gar als Endzeit-Dämon erscheinen, der ihren heiligen Zorn „provoziert“. Die politreligiösen Führer stehen für einen neofeudalen Herrschaftsstil, der Politik mit Basisemotionen (Haß, Wut, Trauer) und bombastischer Moral betreibt und die Akteure zwingt, kritische Prüfung mit Verbalkeulen abzuwehren, als deren aktuelle Variante derzeit die Diffamierung von Widerworten als „Haßrede“ kursiert. Die davon lebende Staatsform bildet ein EU-typisches Muster, das sich zwar noch „Demokratie“ nennt, aber mit wachsenden Kontrollnetzen audiovisueller Überwachung und digitaler Datenauswertung die Plünderung der bürgerlichen Besitzstände unaufhaltsam vorantreibt. Denn mit einheitlichen Parteiprogrammen, gleichgeschalteten Medien, maßgeschneiderten Umfragen, beeinflußbaren Wahlergebnissen, moralträchtigem Entertainment-Konsum und gezähmten Gewerkschaften ist jederzeit eine hinreichende Optimierung der Massenlenkung und Finanzierung der wuchernden „Kultur“-Kader gewährleistet.

Auch hier fehlt natürlich nicht der Islam, den die EU zur neuen Leitkultur, zur politkulturellen und biologischen Existenzbasis entwickelt und mit „demokratischer Religionsfreiheit“ schützt. In der Praxis sind diejenigen Teile des ansässigen Altvolks, die durch mangelnde Toleranz gegenüber der neuen Leitkultur auffallen, als Abweichler auszugrenzen und bei Widerstand gegen die finanziellen, rechtlichen und kulturellen Dauerverluste mit einem drastischen, idealerweise schariagemäßen Straf-„Recht“ zu bedrohen. Dieses System enthält „keine Alternative“ zu seiner totalitären Logik, der auch die Bundeskanzlerin nicht entging, die für die Muslim-Invasion „keine Obergrenzen“ vorsah. Indem sich die rechts- und linksradikalen Tendenzen im Zuge der Parteien zur Einheitspartei (s.o.) verähnlichen und mit den Imperativen des Islam das Ziel der Auflösung von Staat und Kirche unter dem Schutz der Religionsfreiheit anstreben, ergibt sich die obligate „Augenhöhe“ mit den Anhängern Allahs wie von selbst. Da sich das Rechts-Links-Gerede erübrigt, weil in der rotbraunen Allianz mit dem Islam „zusammenwächst, was zusammen gehört“ (Willi Brandt), erledigt sich auch Ernst Noltes (gest. 2016) Version, der zufolge der Islam bzw. Islamismus als „die dritte radikale Widerstandsbewegung“ gegen die Moderne zu verstehen sein soll. Wie erläutert, kommt die Verbindung des Islam mit dem Radikal-Globalismus der Gegenwart eher über die Familienähnlichkeit mit der Links-Rechts-Extremfusion und hier über die gemeinsamen Feindbilder zustande.

Die jüdisch-christliche Kultur und der von ihr geprägte westliche Staat sind Anathemata des Islam, was die ebenso staats- und kirchenfeindlichen Führer Europas motiviert, ihren Kontinent den Muslimen verfügbar zu machen. Hinzu kommt, daß Noltes These auf der Islamischen Revolution des Ayatollah Khomeyni fußt, die vom schiitischen Erlösungskonzept des „Verborgenen Imam“ in der Nachfolge Alis, des Märtyrers in den frühislamischen Kalifatswirren, ausgeht (vgl. Raddatz, Iran, München 2005). Dagegen beruht die euro-islamische Kollaboration auf dem sunnitischen Dogma der Dauerreform, die mit den Vermächtnissen orthodoxer Größen wie Ibn Hanbal (gest. 855), Ibn Taymiya (gest. 1228) und Al-Suyuti (gest. 1505) in den saudischen Wahhabismus überführt. Dessen Sachwalter wachen über die Heiligtümer von Mekka und Medina und betreiben die Rückbesinnung des vom westlichen Lebensstil infiltrierten Islam auf die Gründerzeiten Muhammads. Daß die königliche Saudi-Führung und ihre Tausendschaften von „Prinzen“ von der bekämpften Konsumkultur geradezu durchtränkt sind, ist ein krasser Ausdruck des Elitenprivilegs im Macht-MasseModus und der „Revolution von oben“ nach orientalischer Luxus-Tradition. Der Verfasser verfügt – im Gegensatz zu den dilettantischen Kadern des proislamischen Aktionismus – über hinreichende Islamkenntnis und Orient- bzw. Saudi-Praxis, um ihre und auch Noltes eingeschränkte Wahrnehmung auf eine Unterschätzung der Muhammad-Ideologie hinzuweisen. Wenn die wahhabitische OIC-Führung bereits seit den 1970er Jahren die Kollaboration mit dem Elitensozialismus der EU (bzw. EG) anstrebt, mag dies als Stütze der globalsozialistischen Expansion gelten, die derzeit auch auf Japan übergreift. Sie basiert jedoch auf dem strikten Impetus der islambezogenen Orthodoxisierung, die den Djihad in Europa mit der Dienstverpflichtung der lokalen Eliten einschließt.

Der als „Islamismus“ verzeichnete Islam ist mithin alles andere als eine „dritte Widerstandsbewegung gegen die Moderne“, sondern wird mit der Kassen-Dynamik aus Öleinnahmen und Aktienbesitz zunehmend kompatibel mit den kapitalistisch domestizierten Euro-Extremismen. Diese sind ihrerseits keine „Widerstände“, sondern im Gegenteil radikale Schubphasen der Moderne, deren antikulturelle Expansion mit christen- und judenfeindlicher Stoßrichtung den durch Koran und Tradition ebenso ausgerichteten Islam „modern“ erscheinen läßt. Nach dem Orient-Signal Napoleons, der auch Ägypten und Syrien zur „Revolution der Vernunft“ aufrufen wollte, bilden die Euro-Revolutionen Steigerungsphasen der modernen Kulturdestruktion, in der die Spaltwirkung des Islam als dritte Kraft die Funktion eines Beschleunigers übernimmt. Waren es zuvor die proletarische Klasse oder die arische Rasse, die die rotbraunen Extremisten mörderisch beflügelten, ist es nun die muslimische Masse, die dem Djihad der radikalen „Kultur“-Aktivisten gegen die gehaßte Bürgerkultur, koste es, was es wolle, auf die Sprünge helfen soll. Kosten spielen indes keine Rolle, wenn es um totalitäre Machtexpansion geht, was wie es ein lockerer Zufall will, auch das kuriose Reimwiesel des Christian Morgenstern verdeutlicht. Denn es ist die darwinistische Kultur der Kassen, die sich in der ehernen Schichtenschere des Elite-Masse-Gefälles durchsetzt. Sie führt die Übermenschen einer anonymen Geldelite im Marsch durch alle Klassen, Rassen und Massen der End- bzw. Erlösung durch die ultimative Weltherrschaft zu, wobei die Islam-Kassen – von islamophoben Abweichlern oft als „Korruption“ verkannt – hilfreiche Subventionen und nützliche Abgaben spenden (s.o.).

 

5. Der Sozialismus als zeitloses Weltphänomen

In der Retrospektive erscheint die bundesrepublikanische „Demokratie“ Deutschlands weniger als eigenständige Staatsform, sondern als transitorischer Übergang zu einer in der Wiedervereinigung um ein halbes Jahrhundert versetzten Fusion zweier rechts- bzw. linksradikaler Staaten (1949-1989). Seine erhebliche Wirtschaftskraft befähigt dieses Gefüge, wenn nicht die Führung, so doch das politische Design der weiteren EU-Radikalisierung zum dritten Totalitarismus zu übernehmen, nachdem es schon in der scheindemokratischen Hybridphase etwa zwei Drittel der EU-Struktur- und Immigrationskosten getragen hat. Zweifel an der latenten Radikalität der frühen Bundesrepublik lassen sich u.a. zerstreuen durch die Avantgarde der Grassisten, jene zu Linksidealisten umgetauften Nazifunktionäre, die führende Positionen in den Institutionen übernahmen, allen voran ihr Namensgeber, der einstige SS-Mann, spätere Schriftsteller und Links-Profiteur Günther Grass (gest. 2015). Indem die Grassisten ihren sinnigen Kampfbegriff des Rassismus in inflationären Umlauf brachten, offenbarten sie das rotbraune Erbe des antibürgerliche Darwinismus, dem es gleichgültig erscheint, ob seine Missionare links- oder rechts-radikal gegen die Feind-„Rasse“ vorgehen. Dabei klingt auch unvermeidlicher Haß gegen die Vätergeneration mit, deren Nazi-Schuld, ob vorhanden oder nicht, den Söhnen vermeintlich ihre Originalität nimmt, sozusagen die „Unschuld“ ihrer Radikalität raubt. Diese Form der Psycho-Projektion, die das Altvolk in Sippenhaft nimmt und dem Normalbürger fremd bleibt, mischt der Revolution von oben einen Borderline-Zug zur „Revolution der Gestörten“ (Norbert Bischof) bei, der mit den Tätern des Islam eine vorhersagbare Zeitbombe bildet.

Institutionell kam die von Anbeginn antidemokratische Haltung in Deutschland bei den Sozial-„Demokraten“ zum Vorschein, die ihren Vordenker und Mitbegründer der Republik, Heinz-Joachim Heydorn (gest. 1973), wegbissen und aus der Partei ausschlossen. Er wurde zum Paria, weil er unermüdlich auf Bildung und Erziehung als Antrieben zu selbständigem Denken und verantwortlichem Handeln beharrte, das zum Widerstand gegen mißbräuchliche Macht befähige. Eben deshalb sei nach seiner Erfahrung leider eher mit Mißbrauch zu rechnen, weil die Genossen „Drillpädagogen“ vorzögen, welche „die Produktion des effizienten, gehorsamen, austauschbaren Debilen“ betrieben. Da diese und andere Aussagen die sozialistische Willensbildung in der deutschen „Demokratie“ offenlegten, mußte Heydorn verschwinden, zumal sie der Aushöhlung von Staat und Gesellschaft zuwiderliefen und den bevorstehenden Start zur euro-islamischen Allianz gefährdeten. Indem nun Links- und Rechtsradikalismus, International- und National-Sozialismus mit dem Islam in den Globalsozialismus münden und auf einer jahrhundertelangen Genese beruhen, erscheint der Sozialismus insgesamt als integraler Motor der Geschichte, der in der Gegenwart eine neue Steigerung erfährt. Deren Dynamik wirkt fundamental, weil sie an den Schnittstellen zwischen Immanenz und Transzendenz ansetzt und die Dialektik zwischen Materialismus und Idealismus, Freiheit und Gleichheit, Zufall und Zwang etc. als Formkraft des Machtgefälles unmittelbar mitgestaltet (s. NO 12/17). Kein Wunder, daß man sich im Diskurs einig ist, keine Einigung über eine Definition dieses schwierigen Phänomens zu erreichen. Aus dem, was als gesichert gilt, läßt sich allerdings ableiten, daß der Macht-Masse-Modus in der Tat als effizienter Deutungsrahmen der Weltbilder dient, was auf die ultralangfristige Relevanz des Sozialismus verweist. Wer darin einen infiniten Regreß zu erkennen glaubt, möge sich an den Fortschritt selbst erinnern, der nicht auf dem immer Gleichen, sondern auf dem sich selbst Ähnlichen beruht (s.o.).

Denn der modernen Feindschaft gegen Staat und Kirche sowie den Revolutionen in Frankreich, Amerika, Rußland und Deutschland ging, beginnend im antiken Griechenland, die Jahrtausende-Diskussion über das Problemquartett Gleichheit, Gerechtigkeit, Besitzverteilung, Moral voraus – zentrale Themen des Sozialismus, die im wahren Wortsinne „natürlich“ vom Macht-Masse-Modus und zwar grundsätzlich zugunsten der Oberklasse entschieden werden. Hier meldet sich machtvoll der „erste Stein“ der jesuanischen Zeitenwende zu Wort, der die Schuld der Herrschenden – Klerus inbegriffen – an Mißbrauch und Unterdrückung offenlegt und die Schärfe der Schichtenschere mit dem Humanum mildert, mit dem, was den Menschen zum Menschen macht. Es entstand eine politsoziale Metamoral, die mit der Aufwertung des geschöpflichen Menschen – Mann wie Frau – und der Abwertung des Geldes, mit der Aufwertung des individuellen Denkens und der Abwertung des dumpfen Gehorsams „weiß Gott“ eine wahrhafte Wende der Zeiten markiert. Dieses Ereignis offenbart seine transzendente Kraft durch die Emanzipation aller Menschen, Herrschender wie Beherrschter, vom Druck des evolutionären Elitenprivilegs.

Damit ist das Problem machtabhängiger Moral zwar nicht beseitigt, aber in Bezug auf Gleichheit, Gerechtigkeit und Besitzverteilung bewußt und lösbar gemacht. Gleichwohl hat die Geschichte – mit Ausnahme der Kirche – aus der Zeitenwende, die erst nach einigen Jahrhunderten bewußt wurde, nur geringe Konsequenzen gezogen, die in keinem Verhältnis zu der ganze Bibliotheken füllenden Literatur über Gleichheit, Gerechtigkeit und Besitzverteilung stehen. Mithin läßt sich feststellen, daß die Logik und Praxis des Machtgefälles außerhalb des Jesus-Prinzips kein Sozialsystem mit einer Moral erzeugen können, das eine machtunabhängige Gerechtigkeit zwischen den Klassen sichert. Insofern bedeutet die Zeitenwende eine Revolution des Orients, die ein Bewußtsein für seine Tradition der despotischen Übermenschen in Machthybris, Besitzakkumulation, Sklaverei und Frauenunterdrückung entstehen ließ. Dieses Bewußtsein brauchte im Prozeß der christlichen Expansion in Europa ein halbes Jahrtausend, um als Machtlegitimation akzeptiert zu werden, und kam dennoch nicht ohne Blutvergießen aus. Das verweist sowohl auf die Härte der Schichtenschere als auch auf das exzeptionelle Niveau der jesuanischen Lehre. Sie fordert die Macht zu Verantwortung für und Respekt vor dem Naturrecht des Menschen auf, als einmaliges Geschöpf mit Anspruch auf soziale Teilhabe zu gelten. Dieses unverfügbare Recht stellt den elitären Willküranspruch in Frage, der uns im Islam und Euro-Extremismus als Gegenprinzip der Teilhabe durch Unterwerfung begegnet (Christoph Bürgel). Dies folgt jeweiligen Imperativen, wobei im Islam der Schariatische und in Europa der Kategorische Imperativ die Unterwerfung unter das verordnete Gesetz absichert. Dabei ermöglicht hier Kants „doppelter Boden“, sein flexibles Täuschungsspiel zwischen Verstand und Vernunft (NO 2/17), der Kultur-Revolution, auf breiter Front der Institutionen, den Kategorischen mit dem Schariatischen Imperativ zur Deckung zu bringen.

Die Strategie der modernen Umkehrung basiert erkennbar auf einer so hohen wie perfiden Intelligenz, die über unbegrenzte Mittel verfügt, weil sie ihrem Zweck alle Kräfte des Staates dienstbar macht, um ihn eben daran zugrunde gehen zu lassen. Wäre dem nicht so, müßte der Macht-Masse-Modus erstmals in der Weltgeschichte außer Kraft gesetzt sein, was selbst die egalitären Utopien nicht zustande brachten. Es gäbe weder Sozialismus, noch historischen Materialismus, noch Islamisierung, noch die antizivilisatorischen Extreme, die unentwegt an der Demontage der europäischen Kultur arbeiten. Heute schließen die Euro-Eliten an ihre totalitären Vorgänger zeitgemäß an, indem sie die ansässigen, „hier länger Lebenden“ mit multipler Enteignung zermürben und per Islam-Immigration für eine Verkürzung der statistischen Lebenserwartung sorgen. Dieses Verfahren steht in der gesamt-sozialistischen Tradition des anti-europäischen Kulturkampfs, den man im sozialistischen Jargon als Konterrevolution des Okzidents umschreiben kann. In diesem Rahmen würde die Moderne als eine Bewegung der kolonialistischen Islampolitik im restchristlichen Europa zu einer Renaissance des orientalischen Revisionismus mutieren. Denn der Original-Islam bildet mit Koran und Tradition eine psycho-physische Konterrevolution gegen die jüdisch-christliche geistige Dominanz im spätantiken Arabien, die Hans Küng, Mitbegründer und Tonangeber des „Kulturdialogs“, in beispielhaftem Harmoniedrang eher als „judenchristlichen Impuls“ für Muhammads Djihad mißverstehen möchte (Der Islam, München 2004). In der Tat kann die spiegelbildliche Gegensätzlichkeit der Systeme zu solchen Fehlschlüssen verleiten, denn hier wirkt erneut die retroaktive Projektion des „Kulturdialogs“. Wie erwähnt, formiert sie im christlichen Bereich proislamische Fraktionen, die die institutionelle Dienstfunktion im elitären Machtapparat bestätigen. Durch besondere Innovationskraft zeichnen sich hier die Führungen beider Kirchen aus, die wenig unversucht lassen, Gott mit Allah zu verbinden, was sie zu kuriosen orientalischen Revisionisten macht.

Dr. Hans-Peter Raddatz, Orientalist und Finanzanalytiker, ist Autor zahlreicher Bücher über die moderne Gesellschaft, die Funktionen der Globalisierung und den Dialog mit dem Islam.

 

Die Neue Ordnung ist eine seit 1946 erscheinende christliche Zeitschrift mit sechs Ausgaben pro Jahr. Chefredakteur ist der römisch-katholische Sozialethiker und Dominikaner Wolfgang Ockenfels und Herausgeber das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, dessen Vorsitzender er ist.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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Eine Antwort zu Sozialismus und Islam zwischen Gott und Mensch – Teil 1: Der Sozialismus als Welt- und Machtproblem (http://www.die-neue-ordnung.de/)

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