Mein Tagesposting: Bohnen in den Ohren (die-tagespost.de)

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Mein Tagesposting: Bohnen in den Ohren

Von Prälat Wilhelm Imkamp

In dem Jahr, in dem das II. Vatikanische Konzil beendet wurde, hatte Gus Backus mit dem Schlager „Bohnen in den Ohren!“ einen seiner letzten großen Erfolge. Das war eine Zeit, als die „Daueroptimisten vom Dienst, die verpflichteten Besserwisser, die Auswegmacher“ (Drewermann) die Seelsorge neu erfinden wollten. Der Sämann, der in „Handaussaat“ seine Arbeit tat, war Vergangenheit. Die Gegenwart brauchte „schleppergezogene Säkombinationen“, „Einzelkornsämaschinen“ und „Saatbeetbereinigungsgeräte“, die optimalen Aufgang und reiche Ernte versprachen. Aus Seelsorge wurde Pastoral(-therapie), aus Frömmigkeit Spiritualität und für alles gab es hochqualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung. Dazu kamen die Serviceleistungen der Supervision, die die pastoralen Säkombinationen immer auf dem neuesten Stand hielt. Schließlich war ja die Zeit, in der „im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“, vorkonziliar und endgültig vorbei.

Die Bohnen in den Ohren des modernen Menschen konnten aber auch durch die modernsten Methoden nicht überwunden werden. Sie wuchsen sogar, und wenn sie verschwanden, dann nur, um im Kopf Durchzug herzustellen. Der Durchzug von Ohr zu Ohr ermöglichte zwar eine problemlose Verkündigung, die auf keinen Widerstand stieß, aber auch keine Spuren hinterließ. Das galt als Erfolg, der in „strukturierten Dialogprozessen“ möglichst synodal gefeiert werden konnte. Der Rückgang von Gottesdienstbesuchern, Kirchenschließungen und leere Priesterseminare zeigen, dass die professionellen Techniken oft gewirkt haben, „wie ein Walzwerk, es hat alles mehr plattgestampft und flachgedrückt, als zum Leben erschlossen – man kann es einfach nicht mehr hören!“ Manchmal hat sogar Drewermann Recht, und da hatte er Recht.

In strukturierten Dialog- und synodalen Prozessen wurde das alles als Erfolg gefeiert, denn inzwischen hatten auch die spesengenährten Funktionäre Bohnen in den Ohren. Die Bohnen des Zeitgeistes sind in den Ohren festgewachsen und alle modernen Methoden versagen. Es fehlt der Mut zur Unterscheidung, es fehlt auch die Kraft zur Individualseelsorge. Es fehlt sogar die Erkenntnis, dass die Stimme des Zeitgeistes eben nicht die Stimme Gottes ist.

Rechtsfreie Zonen, von Steuergeldern gar nicht so schlecht ausgehaltene Terroristen, vom Parlament abgesegnete Homo-„Ehen“, bedrängte Christen in deutschen Flüchtlingsunterkünften, von der öffentlichen Moral bleibt nur die Steuermoral. In der Verkündigung unterbleibt alles, was Widerstand wecken könnte! Schließlich soll das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Das Bundesverfassungsgericht wird zum Lehramtsersatz.

Überall Bohnen, auf den Augen und in den Ohren, Bohnen auf allen Sinnesorganen. Das ist ein richtiger Bohnensalat. Wer sich dieser Sicht auf die Wirklichkeit verweigert, kann sich hemmungslos in Zwangseuphorien ergehen. Die Heilsbotschaft in Zeitgeistbefindlichkeiten aufzulösen ist eine besonders sozialverträgliche Art der Glaubensauflösung. Viele Vertreter der Botschaft sind inzwischen zu Lieferanten von Bohnen für die Ohren der Noch-Gläubigen geworden. Weder Bohnen in den Ohren noch Durchzug zwischen den Ohren sollten Seelsorgsziele sein.

http://www.die-tagespost.de/feuilleton/Mein-Tagesposting-Bohnen-in-den-Ohren;art310,180249

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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