Globalisierung und Globalisierungskritik (http://www.die-neue-ordnung.de/)

Nr. 3 / 2017 Juni                71. Jahrgang

 

Felix Dirsch

Globalisierung und Globalisierungskritik

 

1. Globalismus versus Antiglobalismus

Der Diskurs über Globalisierung, dessen Vorläufer bis in das Mittelalter und die Antike zurückreichen1, intensiviert sich in den 1980er Jahren2. Immer mehr Entwicklungen im ökonomischen, technischen, kulturellen und religiösen Bereich erweisen sich als weltumfassend und zunehmend in Echtzeit. Die tendenzielle Vereinheitlichung der Lebensstile und die Unmittelbarkeit der Übertragungsmodi sind wesentlich für das neue Entwicklungsstadium. Um 1990 endet der West-Ost-Gegensatz, der eine wesentliche Schranke für erdumspannenden Handel darstellt. Schon aus diesem Grund ist die gegenwärtige Globalisierung zuvörderst eine wirtschaftlich bedingte. Hier setzt die in den frühen 1990er Jahren anhebende Globalisierungskritik an3, die sich deshalb etwas verspätet, weil die weltweite Vernetzung lange als naturhaftes Phänomen begriffen wird. Gegen dieses erscheint Widerstand zwecklos. Diese Einstellung hat sich längst geändert. Mit dem derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump macht erstmals eine politische Führungspersönlichkeit in der westlichen Welt auf die Schattenseiten solcher Tendenzen aufmerksam. Die Antiglobalisten sammeln sich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre in verschiedenen Bewegungen. Das Netzwerk „Attac“, ursprünglich aus dem Bestreben nach Einführung einer Finanztransaktionssteuer entstanden, ist wohl die bekannteste Gruppe. Sie umfaßt rund 100.000 Mitglieder in 50 Ländern.

In den letzten Jahren konkretisiert sich die Globalisierungskritik häufig im Kontext von Protesten gegen Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA. Insbesondere Investitionsschutzabkommen stoßen auf harsche Ablehnung, da als Voraussetzung für den Abschluß solcher Verträge die Verhandlungsmacht von Konzernen vermutet wird, die ihre Vorteile maximieren. International renommierte Gelehrte – stellvertretend sind Jacques Derrida, Naomi Klein, Pierre Bourdieu und Noam Chomsky zu nennen –, unterstützen die zahlreichen Aktivisten publizistisch. Fast alle sind gegenwärtig auf der politischen Linken anzusiedeln.4 Primär aufgrund der Informationsfülle und der tendenziellen Vereinheitlichung, etwa in vielen technischen Bereichen, treten die weltweiten Unterschiede immer stärker hervor. Das Schicksal vieler Modernisierungsverlierer erscheint gerade im Lichte des märchenhaften Reichtums, der in letzter Zeit etliche Gesichter bekommt und auf diese Weise anschaulich wird5, besonders bemitleidenswert. Der älteren katholisch-konservativen Argumentation, die dem Vergessen zu entreißen ist, geht es nicht um Einwände gegen ungerechte Verteilungsmechanismen, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts nicht so offenkundig sind wie an dessen Ende, sondern um einen grundsätzlichen Kritikpunkt: Die Einheit der Welt ist in der Neuzeit nicht mehr primär metaphysisch, theologisch oder kosmologisch gegeben, aus der Kugelspekulation wird vielmehr eine reale „Kugelerfassungs-Praxis“6. Sie äußert sich fast ausschließlich ökonomisch, technisch, militärisch, politisch und auf sonstige innerweltlich-aktivistische Art und Weise. Dieser deutliche Umbruch ist keineswegs unerheblich für menschliches Dasein insgesamt.

2. Akzentverschiebungen der päpstlich-lehramtlichen Doktrin

Die propagandistische Aufwertung der „einen Welt“ wird seit dem 18. Jahrhundert in vielen Intellektuellenzirkeln intensiv betrieben. Auf diese Weise findet der aufgeklärte Universalismus seine praktisch-politische Seite. Besonders Freimaurerkreise, die die Kirche wiederholt verurteilt, werden in dieser Angelegenheit aktiv. Derartige Netzwerke breiten sich in allen europäischen Ländern aus, vornehmlich (und besonders radikal) in Frankreich. Die politische Relevanz solcher Wühlarbeit, etwa als eine Voraussetzung der Französischen Revolution, ist öfters untersucht worden. In der internationalistisch-aufgeklärten Tradition steht der Genfer Völkerbund. Er wird 1919 als Geschöpf der USA unter Präsident Woodrow Wilson gegründet. Daß diese neue Weltmacht nicht Mitglied der von ihr maßgeblich beeinflußten Institution wird, kann nicht überraschen, registriert man deren isolationistische Traditionslinien. Im Umfeld wirken jedoch auch Gelehrte aus dem deutschsprachigen Raum. Zu ihnen zählt der österreichische Jurist Hans Kelsen, ein jüdischer Gelehrter mit kantianischen Hintergründen, dem man Kontakte zur Freimaurerei nachsagt. Angesichts solcher Beiwerke verwundern die Gerüchte nicht, die diese Einrichtung delegitimieren wollen. Sie dringen bis in den Vatikan vor. Im Motu proprio „Bonum sane“ Papst Benedikts XV. (1920) ist die „Eine Welt“ mit einer „noch nie dagewesenen Schreckensherrschaft verbunden“.7 Die kryptisch anmutenden Verlautbarungen erinnern an den Weltrepublikaner Kant, der gleichwohl auf eine wesentliche Gefahr des Weltstaates verweist: den wahrscheinlichen Dauerkampf zwischen zentripetalen und zentrifugalen Kräften. Ein wichtiger Grund für die Meinung des Papstes liegt auf der Hand: Der Pontifex sieht wohl Freimaurer als Drahtzieher dieser neuen Macht. Sie sind seinerzeit einflußreicher als man im nachhinein annimmt. 1917 feiern Anhänger der Freimaurerei mit großem Aufwand – auch in der italienischen Hauptstadt – und mit hoher Provokationswirkung das zweihundertjährige Bestehen ihrer Vereinigung. Wenig fundierte Verschwörungstheorien über geheime jüdische Mächte sind seinerzeit im Umlauf.

Die Haltung des Papstes dürfte von der bald nach dem Ersten Weltkrieg intensivierten Rezeption der (wie man heute weiß: gefälschten) „Protokolle der Weisen von Zion“ bestärkt worden sein, die die Phantasie über Weltmachtpläne assimilierter Juden nicht nur in antisemitischen Kreisen anregen. In der – oft weit überzogenen – reflexhaften Verbindung von Völkerbund und Freimaurerei liegt nichtsdestotrotz ein Körnchen Wahrheit: Führende Politiker, etwa der Deutsche Gustav Stresemann und der Franzose Aristide Briand, bekennen sich nicht nur zu dieser weltanschaulichen Überzeugung, sondern formulieren auch Reden in einem entsprechenden Vokabular. Seit den späten 1950er Jahren, nach dem Ende der pianischen Ära, ist ein Umschwung im kurialen Denken festzustellen. Dieser Wandel ist auch anhand der Sozialenzyklika Pacem in terris, 1963 erschienen, zu belegen.8 Vor dem Hintergrund eines veränderten Lebensgefühls in vielen Staaten der westlichen Welt ist das Schreiben Johannes‘ XXIII. zu bewerten. Manche sehen in zentralen Aussagen eine Art „kopernikanische Wende“ der katholischen Sozialdoktrin. Die Gründung der UNO und ihrer Charta sowie die Publikation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ werden positiv gewertet. Nur noch unterschwellig kommen Einwände zum Tragen, die bei der Vorgängereinrichtung mit Sitz in Genf noch deutlich benannt worden sind. Diese neue Bewertung hängt auch damit zusammen, daß der philosophische Kontext dieser Institution anders gewesen ist als der von 1919. Von der UNO wird gesagt, sie sei der Zugang zu einer „zu schaffenden rechtlichen und politischen Ordnung aller Völker auf der Welt“9. Die Anerkennung der Würde der Person wird ausdrücklich gelobt. Die Anliegen aller Völker werden in Erinnerung gerufen. Erstmals nimmt der Apostolische Stuhl umfassende, weltweit profane Entwicklungen in den Blick (jedenfalls im Rahmen eines bedeutenden Rundschreibens) und würdigt sie. Insbesondere stellt die Enzyklika die Genese der Menschheitsfamilie in politischer wie sozialer Hinsicht positiv dar. Herausgestellt wird die umfassende Verbreitung des Gedankens von der Gleichheit und Würde der menschlichen Natur. Zum hundertsten Jahrestag der Sozialenzyklika Rerum Novarum veröffentlicht Papst Johannes Paul II. 1991 das Rundschreiben Centesimus Annus.10 Das Kirchenoberhaupt geht auf die Herausforderung der internationalen Gerechtigkeit ein. Er thematisiert Probleme, die globalisierte Wirtschaft auf das Gemeinwohl zu lenken,11 das stets ein zentrales Anliegen der katholischen Sozialethik ist.

Der Pontifex fordert die Mächtigen der Welt auf, die Interessen der Menschheitsfamilie zu vertreten. Dabei geht er auch auf die Bedürfnisse der ärmsten und unterentwickeltsten Länder ein. Fast drei Jahrzehnte nach Pacem in terris bleibt der Apostolische Stuhl Grundlinien treu, die sich ab den 1960er Jahren abzeichnen. 2015 publiziert Papst Franziskus die Umwelt-Enzyklika Laudato si. Deren Thematisierung globaler Zusammenhänge bedürfte einer eigenen Untersuchung. Breiten Raum räumt der Verfasser der Umweltproblematik ein, ebenso dem Klimawandel, der im Sinne des Hauptstroms der Wissenschaftler und der öffentlichen Meinung gedeutet wird. Diese Perspektive kann angesichts der Berater, die im Hintergrund wirken, kaum erstaunen. Hinweise auf weltweite soziale Ungerechtigkeiten fehlen nicht. Die Erde begreift der amtierende Pontifex als gemeinsames Gut aller Erdbewohner, was die Anknüpfung an biblisches Gedankengut sowie an traditionelle Autoren wie Thomas von Aquin ermöglicht.

3. Glaubenstreu-katholische Autoren und die Sicht der One World

Zu den Autoren, die dem katholischen Lehramt nahestehen und die von ihrer Ausrichtung als konservativ-katholisch bezeichnet werden können, zählt der Sozialethiker Johannes Messner (1891-1984). Vor einigen Jahren hat der Vatikan das Verfahren für den Seligsprechungsprozeß des dreifach promovierten Gelehrten (Jurist, Ökonom, Theologe) eingeleitet, der in Innsbruck und Wien lange Professuren bekleidet. Zu Messners grundlegenden Werken gehört die materialreiche Untersuchung über das Naturrecht, die in ihrem Kern eine großangelegte Monographie über basale Prinzipien von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft darstellt. In diesem Rahmen erörtert er auch die Problematik des Weltstaates. Dabei greift er auf unterschiedliche Autoren verschiedener Epochen zurück. Bereits die Universalmonarchie Dantes kann als ein solches kosmopolitisches Gebilde begriffen werden, freilich erleben diese Vorstellungen (trotz diverser Vorläufer) erst im 19. Jahrhundert Hochkonjunktur.12 Folgerichtig erwähnt Messner besonders den Schweizer Staatsrechtslehrer Johann C. Bluntschli und den Schriftsteller H.G. Wells.

Beide sehen den Weltstaat als Organisation der fortgeschrittenen Menschheit, die nach Ansicht von Intellektuellen immer mehr als Handlungssubjekt auftreten soll. Allerdings zeigen sich Schranken. Bereits Messner betont, daß die Praktikabilität eines „Welttages“ – analog zu den nationalen Parlamenten – an der Zersplitterung der Weltbevölkerung scheitert. Schon vor Jahrzehnten ist diese zu zahlreich, um im traditionellen Sinn repräsentiert zu werden. Mittlerweile ist sie nochmals angestiegen. Messner unterstreicht, daß die technische, wirtschaftliche, kulturelle und sonstige Entwicklung die Menschen einander näherbringt. Das bedeutet indessen nicht, daß sich alle Institutionen, die auf nationalstaatlicher Ebene verbreitet sind, ebenso auf der internationalen organisieren lassen. Messner führt die Abhängigkeiten des Einzelnen an partikulare Faktoren an: an das eigene Volk, die eigene Nation, dazu viele ethnische, soziale, geologische und sonstige Gegebenheiten. Aufgrund der Souveränität der Staaten, für deren Aufweichung er keinerlei Grundlage erkennt, sieht er lediglich die Möglichkeit der Föderation gegeben.13 Das verbindet seinen Entwurf mit Versuchen jüngeren Datums, wie den Arbeiten Otfried Höffes.14 Messner kann sich auf eine lange Tradition der Völkerrechtswissenschaft berufen, die stets föderale Strukturen auf der universellen Ebene propagiert.

Der Philosoph Franz von Suarez ist ein Beispiel hierfür. Messner schlägt ein Umdenken vor: Eine organisierte Völkergemeinschaft muß für alle Staaten offen sein, aber auch für alle verpflichtend. Das konstitutionelle Recht der Völkergemeinschaft wäre der Souveränität der Staaten übergeordnet. Die Grundordnung der Staatenwelt wäre dann „übernational“ geregelt.15 Messner betrachtet den Weg zu einer solchen Ordnung aber als mühsam. Er weiß, wie schwierig es ist, Staaten zur Abtretung von Souveränität zu bewegen. Insbesondere Großmächte sind daran nicht interessiert. Selbst kriegerische Erfahrungen verblassen, so meint der Verfasser, in aller Regel schnell. Vor Jahrzehnten, als Messner sein Standardwerk, das etliche Auflagen erlebt, verfaßt, ist ein solches Urteil kaum zu bestreiten. Indessen erfährt die Staatenwelt seither häufig Marginalisierungen, so daß sie versucht, ihre Macht durch Souveränitätsübertragungen an zwischenstaatliche Institutionen zu bewahren. Vor allem die kleineren Staaten betrachtet Messner als Hort von Menschlichkeit und Zivilisation. Sie widersetzen sich schon deshalb reinem Machiavellismus, weil sie bei einer derartigen politischen Vorgehensweise unter die Räder kommen, was ihren Führern bekannt ist. Schon Augustinus ist dieser Grundgedanke nicht fremd, weswegen er für eine größere Zahl von Staaten plädiert, nicht für wenige große Reiche. Die Völkergemeinschaft ist Messners Ansicht nach gut beraten, diese Richtung einzuschlagen.

In der Tat hat sich die Zahl der Staaten nach 1991 deutlich erhöht. Das hat nicht zuletzt mit der Implosion des Sowjetimperiums zu tun. Aus der Sicht Messners ist es bedauerlich, daß die Großstaaten als Vetomächte im Sicherheitsrat der UN eine Sonderstellung einnehmen, während der weitaus größte Teil der souveränen Länder in der Vollversammlung nur mehr oder weniger unverbindlich abstimmen und debattieren kann. Ohne die Hinweise Messners zur Organisation der Völkergemeinschaft im Einzelnen beleuchten zu können, ist doch auffällig, wie sehr er die dynamischen Entwicklungen nach 1945 befürwortet. Das gilt insbesondere für die partielle Einschränkung der Souveränität der Staaten, etwa bei der Entkolonialisierung, für die er Sympathien aufbringt. Daher sieht er das Prinzip der Nichtintervention durchaus skeptisch. Zwar lehnt er den Weltstaat dezidiert ab, nicht aber einzelne Schritte in diese Richtung. Der Subsidiaritätsgedanke ist ihm wichtig. Er verrät konservative Implikationen, da er sich an Institutionen anlehnt, die schon vorhanden sind. Bei seinen Ausführungen kann sich Messner von manchen Verzerrungen der katholischen Tradition freimachen, die die One-World-Vorstellungen öfters pauschal mit den Ideen der Freimaurer in Verbindung bringt.

Auch der Religionsphilosoph Romano Guardini (1885-1968) zeigt Reserven gegen die Kultur der One World. Die Zugriffshaltung des neuzeitlichen Menschen auf die Welt im Rahmen vielfältiger Macht-Möglichkeiten spielt in einigen Veröffentlichungen eine Rolle, beispielsweise in der viel beachteten Studie „Das Ende der Neuzeit“.16 In seiner nachgelassenen „Ethik“ konstatiert er die partielle Ersetzung einer seit der Aufklärung mehr und mehr verblaßten „Vorstellung der Christenheit“ durch einen ökonomisch-politisch begründeten „Begriff von Menschheit“.17 Die Folgen sind für den Gelehrten durchaus gravierend: „Die verschiedenen Völker, Nationen, Staaten erfahren eine Relativierung auf gemeinsame kulturelle und politische Nenner, von denen wir noch nicht wissen, wie sie sich auswirken werden“.18

Guardini bemerkt die nivellierenden Tendenzen von Technik und Wirtschaft als Katalysatoren, „dieses Ganze immer einheitlicher zu gestalten“.19 Die säkularisierte „eine Menschheit“ ist für den Gelehrten das universale Pendant des autonomen Subjekts, welches in sich steht und praktisch keine Instanz außerhalb seiner selbst akzeptiert. Guardini erachtet das Programm als Gefahr, das Christentum als Humanismus auszulegen, wie es einer der Aufklärer, Gotthold E. Lessing, seinem Nathan in den Mund legt („Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?“). Das ähnelt heute verbreiteten Versuchen, die Nächstenliebe der Gottesliebe überzuordnen und den Glauben in bloße Caritas zu verwandeln. Guardini ist sich jedoch bewußt, daß die frühe Kirche gegen die Partikularismen und Nationalismen die Einheit des Menschengeschlechtes herausstellt.20

4. Einwände: Carl Schmitt und Martin Heidegger

Carl Schmitts Verhältnis zum Katholizismus wird in etlichen Publikationen erhellt.21 Zwar tritt Schmitt in den 1920er Jahren als katholischer Staatsrechtslehrer auf. Die Beziehungen zur Welt seiner Herkunft, mit der ihn zwiespältige Gefühle verbinden, werden aber durch die Entscheidung amtlicher katholischer Stellen tangiert, die sich gegen die kanonische Nichtigerklärung seiner zivilrechtlich geschiedenen Ehe aussprechen. Das bedeutet bis zum Tod seiner zweiten Frau 1950 die Exkommunikation. Trotzdem findet sich im „Glossarium“, den Aufzeichnungen aus den Jahren 1947-1951, die zugespitzte Bemerkung, er sei Katholik der „Rasse“ nach. In seiner Habilitationsschrift über den „Wert des Staates“ arbeitet Carl Schmitt die Notwendigkeit heraus, daß dem Staat die primäre Aufgabe zukomme, Recht zu setzen und zu verwirklichen. Das Individuum ist dem Staat unterworfen. Staaten kann es aufgrund der territorialen Begrenzung nur im Plural geben.

Der Ausdruck „Weltstaat“ ist nach Schmitt eine bloße Redeweise. Seine Verwirklichung hebe den Staatsgedanken de facto auf. Im Briefwechsel mit dem jüdischen Philosophen Leo Strauss in den frühen 1930er Jahren, vornehmlich über Schmitts Klassiker „Der Begriff des Politischen“, präzisiert der konservative Revolutionär seine pointiert antibürgerlichen Vorstellungen, eine späte Spitze gegen die Welt vor 1914.22 Die One World als umfassende Gemeinschaft des Handels und der Vergnügungen führe zu Öde und Langeweile. Der Antrieb des Menschen komme zum Erliegen. Wenn kriegerische Zustände nicht mehr vorhanden seien, sei ein massenhafter Einsatz des Daseins nicht denkbar. Es fehle an Herausforderungen, wenn es keine existentiellen Bewährungsproben mehr gebe. Die Suspendierung der für die Konstitution des Politischen so zentralen Freund-Feind-Distinktion ist ein Schreckgespenst für den Rechtswissenschaftler, der in der Neuzeit eine Grundtendenz zu Entpolitisierung und Neutralisierung erkennt.23 Schmitt lehnt den Weltstaat daher vehement ab, weil die so garantierte „Kirchhofsruhe“ die widergöttliche Errichtung eines Paradieses auf Erden fördere, letztlich also die Selbstvergottung des Menschen.24

Es besteht kein Zweifel, daß Schmitt im Kern den (insbesondere ökonomisch fundierten) Globalismus mit theologischen Argumenten treffen will. Schmitt spricht sich gegen diesseitigen Lebensgenuß und die damit verbundenen Sicherheiten aus.25 „Pax et securitas“ sind für ihn Stichworte eines antichristlichen Projekts. Auch Strauss sieht mit der umfassenden Behaglichkeit Nietzsches „letzten Menschen“ heraufziehen. Eine Welt als bloße Konsum- und Produktionsgemeinschaft betrachtet er, gleich dem verehrten Meister, als unerträglich. Die Aktualität des Briefwechsels ist dadurch bedingt, daß die ökonomischen Verflechtungen in den Jahren unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg erst wieder im späten 20. Jahrhundert, in einer Zeit des schrittweisen Zusammenwachsens Europas, erreicht werden. Die Parallelen zur unmittelbaren Gegenwart sind also evident. Die entgrenzende Kraft des Menschheitsbegriffes, so Schmitt, bedeute in letzter Konsequenz die Aufhebung aller Unterschiede zwischen Völkern, Nationen und so fort.26 Alle sozialen und politischen Schranken würden beseitigt. Da solche Nivellierungsprozesse in toto utopisch seien und im universellen Rahmen nicht zu verwirklichen, sei das Superkonstrukt „Menschheit“ ein Instrument für Ideologen. In der Epoche der Aufklärung treten nach Schmitt selbsternannte Vertreter umfassender Brüderlichkeit auf. Dem nur imaginär „handlungsfähigen Singular ‚Menschheit‘“ sollte durch einen Exekutor Leben eingehaucht werden27, der vorgibt, deren Interessen durchzusetzen. Ein weltberühmter Advokat aus Arras durchschaut, wie sich aufklärungsmythischer Universalnominalismus partikular nutzen läßt. Ergebnis der humanitären Zwangsbeglückung ist der Jakobinerterror.

„Wer Menschheit sagt, will betrügen“28, lautet ein vielzitiertes Wort Schmitts. Weniger theologisch ausgerichtet ist Schmitts Kritik am juristischen Universalismus. Die Raumrevolution, die sich Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Ausgriff nach Amerika, aber auch durch bestimmte, diese Umwälzung begleitende Philosophien, etwa von Nikolaus von Kues, deutlich zeigt, schlägt sich in den folgenden Jahrhunderten in vielen Bereichen nieder. Im frühen 19. Jahrhundert gewinnen diese Neuerungen für die völkerrechtliche Ordnung an Bedeutung. Die für die USA so traditionsreiche Monroe-Doktrin, die politische wie juristische Grundsätze umfaßt, markiert für Schmitt das erste völkerrechtliche Großraumprinzip.29 Sie zeigt das Selbstbewußtsein der einst kolonialisierten Macht. Nunmehr ist sie so mächtig, daß sie die Nichtintervention europäischer Nationen, insbesondere der durch die „Heilige Allianz“ verbundenen monarchistischen Länder, als wichtige Basis der eigenen Außenpolitik festlegen kann. Die von den Vereinigten Staaten vertretenen liberal-demokratischen Grundsätze sind damals noch stark in der Defensive. Als diese freilich weltweit an Bedeutung gewinnen, etwa durch die (wenn auch vielfach nur kurzzeitige) Welle der Demokratisierung in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, ändert sich auch die Sicht auf die Monroe-Doktrin, die indessen schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Funktionswandel erlebt. Von einer starken Abwehrhaltung wird sie mehr und mehr ein Instrument der Offensive. Hintergrund ist natürlich der außenpolitische Bedeutungszuwachs der USA in dieser Periode, der im frühen 20. Jahrhundert nochmals gesteigert werden kann.

Daß die Monroe-Doktrin im Laufe der Dekaden immer stärker eine global-imperialistische Ausrichtung erkennen läßt,30 verdeutlicht nichts mehr als die Ausgestaltung des Artikels 21 des Genfer Völkerbundes. Darin schreiben die USA die Priorität der Monroe-Doktrin für die Mitgliedsstaaten fest. Obwohl der Siegerstaat durch den Einspruch des Kongresses nicht beigetreten ist, bleibt Artikel 21 erhalten. Vorher schon ist die Umfunktionierung der Monroe-Doktrin zum aggressiven „Ausdehnungsgrundsatz“ mit Händen zu greifen,31 rechtfertigen sie und ihre Interpreten die Sicherung der Vorherrschaft der USA, etwa gegen Kuba. In den 1930er Jahren werden die so lange hochgehaltenen völkerrechtlichen Maxime dann von führenden US-Juristen für obsolet erklärt. Das ist durchaus nicht unplausibel, sind die Verteidiger mittlerweile Weltmacht. Schmitt intendiert nun die sinngemäße Übertragung einiger Grundsätze der Monroe-Doktrin auf die Situation des Deutschen Reiches Ende der 1930er Jahre. Damals ist klar, daß sich die Regierung Roosevelt bald mehr oder weniger offen auf die Seite ihres englischen Verbündeten schlagen wird. Damit besteht die Gefahr, daß Deutschland und seine Mitstreiter in die Defensive geraten, was später auch tatsächlich so kommt. Schmitt stellt heraus, was ihn an der MonroeDoktrin fasziniert: ihre Ausrichtung als „in einem modernen Sinne raumhaft planetarisch“.32 Freilich können diese globalistischen Implikationen nicht über die inhärente Dialektik hinwegtäuschen. Ursprünglich stehen die westliche Hemisphäre und deren Sicherung als realistisches Ziel im Mittelpunkt außenpolitischen Denkens. Später erfolgt eine deutliche Ausweitung.

In Stufen wird die ganze Welt tendenziell westlich, da der US-Einfluß im Laufe des 20. Jahrhunderts rasch vordringt. Dies geschieht manchmal militärisch-brachial, vor allem aber mittels „soft power“ (Joseph S. Nye jr.) auch in der unmittelbaren Gegenwart, so sehr immer wieder militärische und politische Grenzen offenkundig werden33. Wie lautet nun der Kern der Monroe-Doktrin, den Schmitt auf die europäische Situation um 1940 übertragen will? Das echte Großraumkonzept erkennt er in der Verbindung von politisch erwachtem Volk, politischer Idee und einem Gedanken von umfassenden Räumen, die Interventionen ausschließen.35 Schmitt ist bemüht, ein Gegengewicht gegen den amerikanischen Universalismus zu schaffen. Der Staat kann diese Aufgaben nicht übernehmen. Schmitt sieht dessen Schwächen aufgrund zunehmender transnationaler Strömungen und Bewegungen, lange bevor er 1963 im Vorwort der Neuauflage des Klassikers „Der Begriff des Politischen“ die Epoche der Staatlichkeit für beendet erklärt. Folglich braucht er eine andere Ebene, um gegen die Vereinigten Staaten als Vertreterin des Globalen Widerlagers zu konzipieren, eben die Großräume. Inwiefern fungiert die Schrift über „Völkerrechtliche Großräume“ als globalisierungskritische Veröffentlichung? Anders als im Briefwechsel mit Leo Strauss fehlt die spezifisch theologische Stoßrichtung. Schmitt greift hier eher auf geopolitische Theoreme zurück, wie sie Karl Haushofer, der Lehrer von Rudolf Heß,35 in einer einst verbreiteten Art und Weise vertritt. Der Staatsrechtslehrer attackiert das völkerrechtliche Pendant des Globalismus: das „universalistische Völkerrecht“.

In seinem Mittelpunkt des traditionellen Völkerrechts steht die Gleichrangigkeit der Völkerrechtssubjekte, vornehmlich also Staaten. Schmitt verweist in Abgrenzung dazu auf die Relativierung der Staatenmacht durch immer stärkere überetatistische Strömungen, etwa die zunehmende Bedeutung der Luftfahrt oder der vor 1914 ausgeweiteten weltweiten Handelsnetze, aber auch auf den Kolonialismus und die Protektorate, die eine Ausweitung des Staateneinflusses nur jenseits ihrer angestammten Territorien ermöglichen.36 Staaten wirken demnach auch durch transstaatliche Gebilde. Das belegt für Schmitt eher ihre Schwäche als ihre Stärke.

Einwände äußert Schmitt gegen die Ausweitung des spezifisch europäischen Völkerrechts, des „Jus Publicum Europaeum“, zu einem globalen internationalen Recht aller Nationen, Rassen, Völker und Stämme. Durch diesen Prozeß des Überstülpens ursprünglich raumgebundener Regeln, im Sinne einer Entortung, auf die ganze Erde läuft der Normativismus des Regelwerks leer. Das Buch „Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum“ moniert diese Entwicklung. Die Prägung des Rechts geschieht durch partikulare Räume, beispielsweise durch Einflüsse der europäischen Länder. Die universalistischen Lehrmeinungen der westlichen Juristen wollen nunmehr die Umprägung dieses Rechtsguts, eine „Wendung ins Pazifistisch-Humanitäre“, wodurch ein „universalistisches Welt- und Völkerrecht“ entstanden sei,37 das verschiedentlich auch in der unmittelbaren Gegenwart proklamiert werde.38 Dieses führe jedoch zu einer Entleerung der ursprünglichen Prinzipien. Sichtbarster Ausdruck sei der Völkerbund, den Schmitt heftig als Instrument der Sieger attackiert.39 Durch diese „Maske der Universalordnung“ sei „der Hegemonialanspruch der westlich-demokratischen Großmächte“ verborgen.40

Ziel Schmitts ist es, eine ReOrtung des Völkerrechts zu erreichen. Er möchte politische wie geographische Tatsachen und Prägekräfte in ein neu zu fundierendes Völkerrecht einfließen lassen, die bisher eher peripher behandelt worden sind. Mit der Geographie sind den Kulturräumen stärkere Einflüsse zuzubilligen. Die Völkerrechtssubjekte sollen mehr gemäß ihrer tatsächlichen Stärke gewichtet werden, nicht mehr im Sinne einer nur fiktiven Gleichrangigkeit. Folgerichtig will er den Staat als primäres Subjekt durch den des Reiches ersetzen, das einen Großraum beherrschen solle. Weiter beabsichtigt er, mittels Großräumen dem neuen Zugriff auf vielen Gebieten des Lebens Rechenschaft zu tragen, also „erdraumhaft“ zu sein, und dennoch keine Vernichtung der Völker zu betreiben, wie er es dem USImperialismus unterstellt.41 Schmitt sieht den Übergang in die global-planetarische Ordnung als irreversibel an. Das wird durch seine realistische Sicht auf die geschwächte Rolle der Staaten unterstrichen. Er will indessen die neue Weltordnung und das neue Völkerrecht nicht von den USA und den liberal-demokratischen Ländern gestaltet wissen. Gegen die Pläne westlicher Hegemonie bringt er seine Vorstellungen von den Großräumen vor, die andere Akzente setzen als die nationalsozialistisch ausgerichteten, wenngleich sie diesen auch nicht entgegengesetzt sind. Eine solche Opposition wäre unter den damaligen Gegebenheiten öffentlich schlicht nicht durchführbar gewesen. Schmitt unterstreicht, daß mit Großräumen Lebensbereiche gemeint sind, „in denen freiheitsliebende Menschen ihre geschichtliche, wirtschaftliche und geistige Substanz und Eigenart zu wahren und zu verteidigen wissen“.42

Das NSDAP-Mitglied ist sich wohl kaum im klaren darüber, daß andere Mitglieder des Machtapparats, die der herrschenden Ideologie näherstehen, ganz andere Ziele mit dieser Konzeption verfolgen als er selbst. Auch nach 1945 bestehen seine Aversionen gegen die „eine“ Welt weiter. Sie scheint – wenn auch nur für kurze Zeit – realistischer denn je, existiert doch ein Atomwaffenmonopol der USA. Es liegt für den kritischen Betrachter, der nach seiner Nürnberger Haft in sein sauerländisches „San Casciano“ zieht, nahe, daß angesichts einer solchen Dominanz das Völkerrecht als Ausdruck der Gleichrangigkeit der Völkerrechtssubjekte noch stärker ins Wanken gerät als das schon im frühen 20. Jahrhundert der Fall ist. So heißt es in einem Tagebucheintrag vom 31.08.1947: „Früher war die Welt statisch und es gab Krieg, jetzt wird sie dynamisch und es soll Frieden geben; merkwürdig: die Wut und das schlechte Gewissen suchen einen Schuldigen und einen Sündenbock; … Je furchtbarer die Waffen werden, um so weniger Achtung sie dem Gegner lassen. Das ist das Neue: um so intensiver wird der Gegner disqualifiziert.“43 Eine Auseinandersetzung mit dem Globalismus und der Thematik der One World findet sich auch in Schmitts Spätwerk „Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum“.44 Mit der Modellierung der ersten Globen entsteht ein neues Raumgefühl, das bald viele Varianten erkennen läßt.

Mit der deutlichen Ausweitung der Räume auf die entdeckten Regionen der Neuen Welt geht ein neuer Blick auf die Grenzen des Rechts einher. Es werden globale Linien gezogen, von denen eine bekannte die Raya ist, die im Vertrag von Tordesillas 1494 zwischen Spanien und Portugal festgelegt wird. Weiter rückt die Frage nach dem Menschen und nach dessen Rechten stärker hervor. Der Rechtsstatus der Indios soll als Beispiel dienen. Während der Dominikaner Francisco de Vitoria in seinen „Relecciones de Indis et de iure belli“ die Rechte der Indios verteidigt45, weist der Humanist Juan Gines Sepúlveda dieses Anliegen zurück: Er weigert sich, den Wilden Humanität zuzuschreiben. Schmitt positioniert sich auch in diesem Kontext nicht als Universalist, sondern als europäischer Partikularist. Für ihn besitzt der Entdecker eine höhere Position als der „Entdeckte“. Es liegt im Akt der Aneignung dieser Territorien eine geistige und politische Überlegenheit vor. Aus einer derartigen Legitimität geht der Rechtstitel hervor, der den Vertretern des okzidentalen Rationalismus zusteht.46 Zuerst findet sich das Faktum der Landnahme, dann kommt es durch Verträge zur Legalisation auf der normativen Ebene. Eine Einreise der neuen Herren mittels Visum, so ironisiert Schmitt, sei schwerlich vorstellbar. Er ist der letzte bedeutende Rechtswissenschaftler, der die europäischen Aneignungen rechtfertigt, die um 1950 längst einen rapiden Glaubwürdigkeitsverlust erfahren. Während zu dieser Zeit die Intellektuellen in Europa fast ausnahmslos trommeln, um die Entkolonialisierung voranzutreiben47, springt Schmitt den einst so selbstbewußten Usurpatoren, die mittlerweile unverkennbar in Agonie liegen, bei. Festzuhalten bleibt: Schmitt hält am überlieferten Jus Publicum Europaeum fest, das freilich zwischen 1890 und 1918 einen Niedergang erlebt. Scharf kritisiert er Versuche, als Nachfolger für das Jus Publicum Europaeum ein entortetuniversalistisches Völkerrecht nach dem Ersten Weltkrieg zu schaffen, das im Genfer Völkerbund seinen institutionellen Anker findet. Andere Einrichtungen, die diesen Übergang hätten flankieren können, etwa ein Internationaler Strafgerichtshof, sind in den 1920er Jahren zeitweise im Gespräch.48 Auch Schmitts zeitweiliger Vertrauter Martin Heidegger stammt aus kleinbürgerlich-katholischem Elternhaus.

Bis heute ist sein Verhältnis zum katholischen Erbe Gegenstand vieler Abhandlungen.49 Heidegger löst sich in jungen Erwachsenenjahren von kirchlich-dogmatischen Lehren. Überaus polemischdenunziatorisch äußert er sich 1933 gegen das „System des Katholizismus“. Gleichwohl bleibt er aber in einem weiteren kulturellen Sinn mit dem katholischen Erbe verbunden. Für ihn ist Zukunft nicht ohne Herkunft möglich („Herkunft aber bleibt stets Zukunft“). 1945 wird seine Bibliothek beschlagnahmt, er erleidet einen Nervenzusammenbruch. Das nicht zuletzt durch seine aufsehenerregende Rektoratsrede belastete NSDAP-Mitglied wird nach langer Absenz im gleichen Jahr bei seinem Meßkircher Landsmann, dem Freiburger Erzbischof Conrad Gröber, vorstellig, wohl um einen Persilschein zu erbitten. Einige Kommentatoren betrachten den späten Wunsch des Abtrünnigen an den Freiburger Religionsphilosophen und Priester Bernhard Welte, der aus dem gleichen Dorf stammt, ihn im katholischen Ritus beizusetzen, als Indiz für eine Rückkehr in den „Mutterschoß“. 1933 verzichtet Heidegger auf eine Professur an der Universität Berlin. Er begründet seine Entscheidung in einem Beitrag „Schöpferische Landschaft: Warum bleiben wir in der Provinz?“50 Heidegger positioniert sich als Denker der Heimat und des Holzweges. Er folgt dem Ruf des Feldweges, auf dem er gelegentlich posiert.51 Die Gräser, Knollen und Pflanzen des vertrauten Bodens fungieren als sein Existenzial. Kritisch beäugt er das planetarische „Gestell“, so sein Ausdruck für das Wesen der Technik, die alles (auch die Natur) dem Gebrauch des Menschen unterwirft. Den Nationalsozialismus, dem er nur kurze Zeit anhängt, begreift er wie den Kommunismus und den Amerikanismus als Ausdruck dieses „planetarischen Gestells“ und der „technischen Raserei“.52

Es mag sich für heutige Ohren merkwürdig anhören, daß Heidegger Mitte der 1930er Jahre, nach seiner „Rückkehr aus Syrakus“ – diese Floskel wird bald nach dem kurzzeitigen Rendezvous mit dem Nationalsozialismus zur gängigen Redensart in seiner Umgebung –, versucht, drei unterschiedliche politische Phänomene zusammenzubinden. Doch spielt die Technik nicht nur im Bolschewismus und im Amerikanismus eine entscheidende Rolle, sondern ebenso im Kontext nationalsozialistischer Weltmachtpläne.53 Insofern betrachtet Heidegger auch den Nationalsozialismus im Rahmen des „Projekts der Moderne“ (Jürgen Habermas).54 Er untersucht die rationalistischen Strukturen, die in diesen politischen neuzeitlichen Mammutunternehmen zusammenfließen. Dieser Rationalismus äußert sich nach Heidegger konkret in dem Hang zur Berechenbarkeit sowie zur Machbarkeit. Daraus ergeben sich spätestens in der Neuzeit vernetzte weltweite Machinationen. Es kommt zur „Vernutzung der Erde“ und „Verrechnung der Welt“. Symptom dafür ist der Weltkrieg, der die Auswirkungen des „Planetarismus“ – Heideggers Ausdruck für Globalisierung – offenkundig macht und zur „Verwüstung“ der Erde führt.55 „Etwas rast um den Erdball, was Nirgendwer nirgendwo mehr in der Hand hat,…“, heißt es in einer Notiz in den „Schwarzen Heften“.56

Als weitere Kostprobe ist zu nennen: Der „Planetarismus“ ist „der letzte Schritt des machenschaftlichen Wesens der Macht zur Vernichtung des Unzerstörbaren auf dem Wege der Verwüstung“.57 Als ein Schrittmacher dieses „Planetarismus“ wird vor allem der „Amerikanismus“ identifiziert. Heidegger rechnet sich mental nicht zu den Neuzeiteuropäern.58 Diese sind dadurch charakterisiert, daß sie den Ausgriff in die Neue Welt wagen, auf Kapitalien setzen, Handel unternehmen und die Skyline der Großstädte in den Blick nehmen. Der Hüttenphilosoph par excellence, eher an dörflichen Kirchturmspitzen orientiert, ignoriert die globale Ökonomie weitgehend,59 nicht jedoch die planetarische Dimension der Technik. Ein „notorischer Umzugsverweigerer“ (Sloterdijk) verbindet sein Begräbnis auf dem Meßkircher Gottesacker mit hintergründiger Symbolik – nämlich als abschließende Hommage an die eigene Herkunft von einem, der immer (und somit auch im Tod) „unterwegs zur Heimat“ ist und so von der weiten Welt Abstand hält. Ein Wort Laotses verbleibt in seinem Hinterkopf: „Wer sein Haus nicht verläßt, der kennt die Welt“. Wie anders hingegen seine stadtaffine Geliebte aus Marburger Tagen, die Philosophin Hannah Arendt, die auf einem Universitätscampus im US-Staate New York beerdigt ist.

So ist zu resümieren: Die ältere Globalisierungskritik, insbesondere von Heidegger und Schmitt, versucht nicht, soziale Verwerfungen anzuprangern, die im Zuge der Ungleichverteilung von Kapital, Techniken, Informationen und so fort entstanden und seinerzeit noch kaum ins öffentliche Bewußtsein gedrungen sind. „In the long run“ gesehen erscheinen solche unstrittig existentiellen Strömungen um den Erdball nicht als das wesentliche Analyseobjekt der Globalisierungsbetrachtung schlechthin. Der älteren Kritik der „runden Welt“ geht es primär darum, zweierlei Tiefenstrukturen zu beleuchten: die Profanisierung des Menschheitsbegriffes (Schmitt, Guardini) als Konsequenz der Aufklärung wie den Verlust bodenverwurzelter Identitäten (Heidegger). „Kryptotheologen“ und „Letztmetaphysiker“ (Sloterdijk) wie Heidegger, der bekanntlich die Rettung nicht von Menschen, sondern nur von einem Gott erwartet, schlagen einen Bogen von der Genese des neuzeitlichen Weltbildes zur „Vernutzung der Welt“. Dieser Prozeß wird in verdichteter Weise bald nach dem Zweiten Weltkrieg reflektiert, was naheliegt, da technische Innovationen, etwa die Kernspaltung, unter friedlichen Bedingungen weitergeführt werden. Das wirft die Frage auf, wie damit umzugehen ist.60

Den totalitären Gigantenkampf hätte es nicht ohne technische Mittel gegeben, mit denen er ausgetragen wird. Diese entspringen einem bestimmten Rationalitätsverständnis, das abendländische Wurzeln aufweist und zu zentralen Weichenstellungen der griechischen Geistesgeschichte führt. Das „rechnende Denken“ macht die Welt in toto berechenbar. Die Digitalisierung, momentan in aller Munde, ist der vorerst letzte Höhepunkt eines jahrhundertelangen Trends. Sie verwandelt die Welt in einen Riesencomputer.61 Hier ist auf besonders drastische Weise ersichtlich, was sich vorher schon in den unterschiedlichen Etappen der neuzeitlichen Geschichte gezeigt hat: Die Daseinstotalität ist nicht mehr primär theologisch, metaphysisch und kosmologisch ausgerichtet, sondern ökonomisch, politisch und technisch, also immanent statt transzendent. Die Kritik an derartigen Grundlinien ist keinesfalls überholt.

Anmerkungen

1) Als herausragendes Epos der Globalisierung, das bis in die Antike, zum Farnesischen Atlas, der die Himmelskugel auf seinem Rücken trägt, zurückgeht, darf das dreibändige, materialreiche Sphärenprojekt Peter Sloterdijks gelten, vgl. etwa den zweiten Band „Globen“: Peter Sloterdijk: Sphären II: Globen. Makrosphärologie, Frankfurt a.M. 1999.

2) Aus der großen Zahl an Darstellungen ist zu erwähnen: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.): Globalisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart/Weimar 2011. Das Handbuch versucht die Fülle an Informationen zu kanalisieren; besonders einflußreich im Kontext der reichhaltigen Globalisierungskritik und längst ein Klassiker: Michael Hardt/Antonio Negri: Empire. Die neue Weltordnung, Frankfurt a.M. 2002.

3) Als früher Titel der Globalisierungskritik ist zu nennen: Jacques Derrida: Marx‘ Gespenster: Der verschuldete Staat, die Trauerarbeit und die neue Internationale, 4. Auflage, Frankfurt a.M. 2005.

4) Eine Ausnahme ist der Vordenker der französischen Neuen Rechten und bekannte Publizist Alain de Benoist: Schöne vernetzte Welt. Eine Antwort auf die Globalisierung, Tübingen 2001, dessen Manifest, abgedruckt am Ende dieses Buches, für eine adäquate Gestaltung der Globalisierung wirbt.

5) Pointiert-biographisch dargestellt bei Hans-Jürgen Jacobs: Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus, München 2016. Addiert man das Vermögen der in dieser Studie vorgestellten 200 Personen, so kommt man zusammen auf rund 60% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

6) Sloterdijk: Sphären II (wie Anm. 1), S. 824.

7) Zum diplomatischen Agieren Papst Benedikts XV. im Umfeld des Friedensvertrages von Versailles vgl. Christoph Goldt: Die Heilige Stuhl und die Folgen des Friedensvertrages von Versailles, in: Die Neue Ordnung 70 (2016), S. 458-466.

8) Zum Inhalt dieser Enzyklika vgl. Texte zur katholischen Soziallehre, herausgegeben vom Bundesverband der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands (KAB), 5. Auflage, Kevelaer 1982, S. 271-320.

9) Ebd., S. 311.

10) Vgl. Vor neuen Herausforderungen der Menschheit. Sozialenzyklika Centesimus Annus Papst Johannes Pauls II. Mit einem Kommentar von Walter Kerber, Freiburg/Basel/Wien 1991.

11) Vgl. ebd., S. 121.

12) Johannes Messner: Das Naturrecht. Handbuch der Gesellschaftsethik, Staatsethik und Wirtschaftsethik, 5., neu bearbeitete, erweiterte Auflage, Innsbruck/Wien/München 1966, S. 694-699.

13) Vgl. ebd., S. 696.

14) Otfried Höffe: Demokratie im Zeitalter der Globalisierung, überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe, München 2002.

15) Messner: Das Naturrecht (wie Anm. 12), S. 700.

16) Romano Guardini: Das Ende der Neuzeit. Ein Versuch zur Orientierung. Die Macht. Versuch einer Wegweisung (RGW, Bd. 1), Mainz 1986.

17) Romano Guardini: Ethik. Vorlesungen an der Universität München. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Hans Mercker, Bd. 1. (RGW, Bd. 16), Mainz 1993, S. 547.

18) Ebd., S. 547 f.

19) Ebd., S. 547.

20) Vgl. dazu Joseph Ratzinger: Die Einheit der Nationen: Eine Vision der Kirchenväter, unveränderte, mit einem neuen Vorw. vers. Neuauflage, Salzburg/München 2005.

21) Zu den wichtigsten Veröffentlichungen zählen: Manfred Dahlheimer: Carl Schmitt und der deutsche Katholizismus 1888-1936, Paderborn/München u.a. 1998, der Schmitt trotz seiner offiziell peripheren Stellung im Katholizismus als dessen geheimes Gravitationszentrum herausarbeitet und Bernd Wacker (Hg.): Die eigentliche katholische Verschärfung… Konfession, Theologie und Politik im Werk Carl Schmitts, München 1994.

22) Heinrich Meier: Carl Schmitt, Leo Strauss und der „Begriff des Politischen“. Zu einem Dialog unter Abwesenden, erweiterte Neuausgabe, Stuttgart/Weimar 1998; zu Schmitt als Protagonisten der Konservativen Revolution vgl. Armin Mohler/Karlheinz Weissmann: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, 6., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Graz 2005, bes. S. 209.

23) Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien, ND der Auflage von 1963, 7. Auflage, Berlin 2002, S. 79-95.

24) Vgl. Meier: Carl Schmitt (wie Anm. 22), S. 55.

25) So, mit Bezug auf den „Begriff des Politischen“, bei ebd., S. 52.

26) Zum Menschheitsbegriff bei Schmitt vgl. die juristische Dissertation von Dániel Puskás: Einzelner – Menschheit – Volk. Zentrale Begriffe im Werk von Carl Schmitt bis 1928 – eine rechtsphilosophische Untersuchung, Zürich 2014, bes. S. 75-92.

27) Rüdiger Safranski: Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch? München/Wien 2003, S. 45.

28) Schmitt: Der Begriff (wie Anm. 23), S. 55; zur Welt als politisches Pluriversum bei Schmitt vgl. Hasso Hofmann: „Die Welt ist keine politische Einheit, sondern ein politisches Pluriversum“ (S. 54-58). Menschenrecht im politischen Pluriversum? in: Reinhard Mehring (Hg.): Carl Schmitt. Der Begriff des Politischen. Ein kooperativer Kommentar, Berlin 2003, S. 111-122.

29) Carl Schmitt: Völkerrechtliche Großraumordnung. Mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte, Berlin/Wien 1939, S. 23; aus der älteren Forschung ist zu nennen: Lothar Gruchmann: Nationalsozialistische Großraumordnung. Die Konstruktion einer „deutschen Monroe-Doktrin“, Stuttgart 1962, bes. S. 20-27, der neben Lob von nationalsozialistischer Seite für Schmitts Konzeption auch die Kritik von biologistisch orientierten Juristen wie Schmitts Rivalen Reinhard Höhn und Werner Best erwähnt; aus der neueren Literatur sind Felix Blindow: Carl Schmitts Reichsordnung: Strategie für einen europäischen Großraum, Berlin 1999 und Rüdiger Voigt (Hg.): Großraum-Denken. Carl Schmitts Kategorie der Großraumordnung, Stuttgart 2008, anzuführen. Dieser Sammelband stellt vornehmlich die Aktualität der Großräume im frühen 21. Jahrhundert heraus, nicht zuletzt die EU als ökonomischen Großraum; weiter ist auf Reinhard C. Wilde: „Die letzte globale Linie“. Carl Schmitt und der Kampf um das Völkerrecht, Berlin 2014, bes. S. 149-266, hinzuweisen.

30) Vgl. Schmitt: Völkerrechtliche Großraumordnung (wie Anm. 29), S. 53, der auf die Umdeutung bei Woodrow Wilson und Theodor Roosevelt verweist.

31) Vgl. ebd., S. 30.

32) Ebd., S. 33.

33) Aus der Fülle an Literatur der letzten Jahre, die die Grenzen der US-Hegemonie aufzeigt, ragt die Schrift von Michael Lüders: Wer Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet, München 2016, heraus; weiter zeigt Carlo Masala: Weltunordnung. Die globalen Krisen und das Versagen des Westens, München 2016, die negativen Folgen des westlichen Unipolarismus und des kulturimperialistisch anmutenden US-Universalismus auf. Bereits Schmitt moniert den Trend des US-Universalismus zur Unordnung und will zur Stabilisierung des Weltsystems Großräume etablieren, die durch Planung und Lenkung ein Antidot darstellen sollen (Carl Schmitt: Beschleuniger wider Willen: oder Problematik der westlichen Hemisphäre, in: ders.: Staat, Nomos, Großraum. Arbeiten aus den Jahren 1916-1969, herausgegeben, mit einem Vorwort und mit Anmerkungen versehen von Günter Maschke, Berlin 1995, S. 431-440, hier S. 432 f., für den der Gedanke einer von den USA ausgehenden „Weltordnung grotesk erscheint“ [S. 434]).

34) Schmitt: Völkerrechtliche Großraumordnung (wie Anm. 29), S. 35.

35) Zu den Zusammenhängen stellvertretend vgl. Bruno Hipler: Hitlers Lehrmeister: Karl Haushofer als Vater der NS-Ideologie, St. Ottilien 1996.

36) Vgl. Gruchmann: Nationalsozialistische Großraumordnung (wie Anm. 29).

37) Vgl. die Diskussionen zum Welt- und Völkerrecht bei Wilhelm G. Grewe: Vom europäischen zum universellen Völkerrecht. Zur Frage der Revision des „eurozentrischen“ Bildes der Völkerrechtsgeschichte, in: Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht 42 (1982), S. 449-479.

38) Vgl. etwa Angelika Emmerich-Fritsche: Vom Völkerrecht zum Weltrecht (Rechtsfragen der Globalisierung), Berlin 2007.

39) So neben anderen Carl Schmitt: Der Völkerbund und das politische Problem der Friedenssicherung, Leipzig 1930.

40) So die Umschreibung bei Gruchmann: Nationalsozialistische Großraumordnung (wie Anm. 29), S. 26.

41) Hinweise vgl. ebd., S. 27.

42) Schmitt: Beschleuniger wider Willen: oder Problematik der westlichen Hemisphäre, in: ders.: Staat (wie Anm. 33), S. 431-452, S. 448.

43) Carl Schmitt: Glossarium. Aufzeichnungen der Jahre 1947-1951, herausgegeben von Eberhard Freiherr von Medem, Berlin 1991, S. 6 f; zur Behandlung der One World in den Nachkriegsjahren vgl. auch Carl Schmitt: Die Einheit der Welt (1951), wieder abgedruckt in: ders.: Frieden oder Pazifismus? Arbeiten zum Völkerrecht und zur internationalen Politik 1924-1978, herausgegeben, mit einem Vorwort und mit Anmerkungen versehen von Günter Maschke, Berlin 2005, S. 841-871, bes. S. 858 f., wo der Herausgeber, Günter Maschke, die Genese des Begriffs „One World“ im Kontext der Schmitt’schen Erörterungen herausarbeitet. Wendell L. Willkie verfaßt 1943 ein Buch mit dem Titel „One World“, der sich schnell verbreitet.

44) Carl Schmitt: Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum, Köln 1950.

45) Vgl. ebd., S. 69 f.

46) Vgl. ebd., S. 102 f.

47) Als eines von vielen Beispielen, allerdings ausnehmend prominent: Jean-Paul Sartre: Vorwort zu Frantz Fanon: Die Verdammten dieser Erde. Vorwort von Jean-Paul Sartre, Frankfurt a.M. 1981.

48) Schmitt kritisiert schon in den 1920er Jahren Bestrebungen zur Gründung eines Internationalen Strafgerichtshofes, dem er wenig Durchschlagskraft zubilligt, da die militärisch siegreichen Mächte diesen blockieren, was auch in den 2000er Jahren noch gilt, als unter anderem die USA ihre Zustimmung verweigern. Zu den neuesten Entwicklungen des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) vgl. das Interview mit einem seiner Richter: „Die Kritik ist oft sehr feindselig“. Im Gespräch: Bertram Schmitt, Richter am Internationalen Strafgerichtshof, in: FAZ vom 23.12.2016, S. 4.

49) In spärlicher Auswahl sind zu nennen: Hugo Ott: Heidegger. Unterwegs zu seiner Biographie, Frankfurt/New York 1988, der Heideggers Denken im Kontext der Metastasen des Katholizismus im frühen 20. Jahrhundert deutet; Silvio Vietta: „Etwas rast um den Erdball …“ Martin Heidegger: Ambivalente Existenz und Globalisierungskritik, Paderborn 2015, bes. S. 25-43.

50) Martin Heidegger: Schöpferische Landschaft. Warum bleiben wir in der Provinz (1933), in: ders.: Aus der Erfahrung des Denkens 1910-1976 (Gesamtausgabe, Bd. 13), Frankfurt a.M. 1983, S. 9-13.

51) Vgl. Christoph Witt: Der Weg durch das Feld des Denkens: Eine Deutung zu Martin Heidegger „Der Feldweg“ (Regionalgeschichte im GMEINER-Verlag), Meßkirch 2011.

52) Zur Kritik Heideggers an Nationalsozialismus, Bolschewismus und amerikanischer Kultur vgl. Silvio Vietta: Heideggers Kritik am Nationalsozialismus und an der Technik, Berlin/New York 1989.

53) Vgl. zur Technikbejahung Hitlers Rainer Zitelmann: Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs, Stuttgart 1994, S. 358-366.

54) Bedeutend werden, neben anderen, seine Erörterungen zum neuzeitlichen Weltbild: Martin Heidegger: Holzwege (Gesamtausgabe, Bd. 5), Frankfurt a.M. 1977, S. 75-113.

55) Martin Heidegger: Überlegungen XII-XV (Schwarze Hefte 1939-1941); Gesamtausgabe Bd. 96, Frankfurt a.M. 2014, S. 260; Vietta: Etwas rast (wie Anm. 49), S. 135-169.

56) Heidegger: Überlegungen (wie Anm. 55), S. 267.

57) Vgl. ebd.

58) Zu den Widerständen Heideggers gegen den von ihm als verquer empfundenen Weltlauf, vgl. Peter Sloterdijk: Absturz und Kehre. Rede über Heideggers Denken in der Bewegung, in: ders.: Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, Frankfurt a.M. 2001, S. 1281, hier S. 80, der Heideggers Kehre, die eine tiefere Neuorientierung impliziert als alle Versuche der neuzeitlichen Revolution, als Fortsetzung von Augustinus‘ conversio und Platons periagogé deutet. Heidegger wirkt auch da als Vertreter einer katholisch-agrarischen Regionalkultur, wo er explizit als Antikatholik agitiert.

59) Felix Dirsch: Martin Heidegger: Die Leerstelle des ökonomischen Denkens. Kein Ende der Debatte über den „Meister aus Deutschland“, in: Eigentümlich frei (November 2014), S. 50 f.

60) Martin Heidegger: Gelassenheit, 8. Auflage, Pfullingen 1985.

61) Yvonne Hofstetter: Das Ende der Demokratie. Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt, München 2016, bes. S. 38 f.

 

Prof. Dr. phil. Felix Dirsch lehrt Politikwissenschaft an der Universität „Progress“ in Gyumri (Armenien) und ist Lehrbeauftragter an der Hochschule für Politik (München).

 

Die Neue Ordnung ist eine seit 1946 erscheinende christliche Zeitschrift mit sechs Ausgaben pro Jahr. Chefredakteur ist der römisch-katholische Sozialethiker und Dominikaner Wolfgang Ockenfels und Herausgeber das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, dessen Vorsitzender er ist.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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