Messe aller Zeiten (summorum-pontificum.de)

04. Juli 2017

Die Messe aller Zeiten

Das Pontifikat von Papst Benedikt und die Klarstellung der vollen Legitimität der „alten Messe“ haben vielen Katholiken, die an der überlieferten Lehre und Liturgie der Kirche festhalten, große Hoffnung und Freude gegeben. Der bevorstehende 10. Jahrestag des Motu Proprio sieht viele Hoffnungen enttäuscht und die Freude vergangen.

Der infolge des unerhörten Aktes des Rücktritts von Benedikt von einer undurchsichtigen Gruppierung ins Amt gehobene Papst Franziskus geht mit Macht daran, alles zu zerstören, was Benedikt XVI. und Johannes Paul II. getan haben, um die Kirche aus den Unruhen der Nachkonzilsjahre herauszuführen. Der Relativismus, der alle Gewissheiten untergräbt und alle Verbindlichkeiten auflöst, dehnt seine Diktatur auch auf die Kirche aus. Das Chaos in der Kirche ist heute schlimmer als jemals zuvor in vielen Jahrhunderten. Seit 500 Jahren war die Gefahr einer offenen Spaltung nicht mehr so groß wie heute. So scheint es zumindest.

Denn auf der anderen Seite spricht vieles dafür, daß die Zeiten offener Spaltung mit einem Papst in Rom und einem Gegenpapst anderswo nicht wieder zurückkehren werden. Dafür gibt es äußere wie innere Gründe. Die Kirchenspaltungen des Mittelalters und der Reformation hatten immer auch eine starke politische Komponente und waren z.B. Ausdruck von Machtkämpfen zwischen König und Kaiser oder verschiedenen Adelshäusern. Ähnliche Entwicklungen sind im Zeitalter des umfassenden Säkularismus kaum vorstellbar. Während eine Kirche des Relativismus buchstäblich der Liebling der ganzen Welt ist, könnte eine Kirche der Tradition nirgendwo auf Unterstützung und in vielen Staaten noch nicht einmal auf Duldung zählen.

Die Entwicklung in der Kirche seit dem letztlich erfolglosen Versuch Papst Pius X., den „Modernismus“ aus der Kirche zu vertreiben, hat gezeigt, daß es für die Apostel des Zeitgeistes keinen Gegenpapst und keine Gegenkurie braucht, um als „Gegenkraft“ wirkmächtig zu sein. Es brauchte nur die Entschlossenheit, an den eigenen Positionen festzuhalten und aussichtslosen Konfrontationen auszuweichen, während man die unter Beifall der Öffentlichkeit erworbene Stellungen entschlossen befestigte und ausbaute. Das brachte letztlich sogar den – nach irdischen Kategorien betrachtet – weitgehenden Sieg. Allerdings ist vom triumphierenden Modernismus nicht zu erwarten, daß er sich gegenüber abweichenden Strömungen ähnlich langmütig-hilflos erweisen wird wie die Tradition ihm gegenüber.

Das Gerede von Barmherzigkeit und Offenheit hat nichts zu bedeuten – siehe Franziskaner der Immakulata, siehe Verweigerung eines Gesprächs mit den kritischen Kardinälen, siehe die Abservierung von Kardinal Müller. Doch hat der Relativismus eine Schwäche, die ihm schon in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu schaffen machte: Wer selbst alle Dogmen untergräbt und ablehnt, hat wenig Mittel, um Abweichler „auf Linie“ zu bringen. Eigentlich nur eines: Die unverhüllte Machtausübung entlang der Befehlskette organisatorischer Strukturen, verbunden mit und gestützt auf ökonomischen Zwang.

Die „Befehlskette“ hat zwar gegenüber den Modernisten nicht funktioniert, wie man an der Entwicklung in den Theologischen Fakultäten und bei Bischofsernennungen erkennen kann. Hier gab es – meistens verkörpert in den Medien – eine „Gegenmacht“, die sich oft als stärker erwies als Roms Kraft und Wille zur Durchsetzung der eigenen Grundsätze. Die Traditionalisten sind da skrupulöser – sie lassen sich über die Befehlskette an dieselbe legen, wie Beispielhaft am Fall der Franziskaner der Immakulata zu besichtigen. Doch auch hier ist es den Verfolgern des Ordens nicht gelungen, die Liegenschaften und sonstigen Vermögenswerte der Gemeinschaft an sich zu bringen. Diese sind nämlich in guter franziskanischer Tradition nicht im Besitz des Ordens selbst, sondern von lokalen Gemeinschaften vertrauenswürdiger Laien. Das ist doppelt ärgerlich: Einmal weil die Beutemacher leer ausgehen, und zweitens weil die Infrastruktur erhalten bleibt, auf deren Grundlage auch nach der Enthauptung und Säuberung des Ordens die Seelsorge im Geist der Tradition auf vielfache Weise weitergeführt werden kann und auch tatsächlich weitergeführt wird.

Ein vielleicht noch aufschlußreicheres Beispiel für die Grenzen, die der Macht des Modernismus gesetzt sind, bietet die Piusbruderschaft. Daß diese Gemeinschaft, auch wenn sie sich dem Bischof von Rom nicht voll unterordnet, katholisch ist, wird nur in der Polemik von Hardlinern bestritten, die ihrer eigenen Propaganda zum Opfer gefallen sind. Der Papst selbst erkennt das an, wenn er den Priestern der Gemeinschaft die Erlaubnis zur Spendung von Sakramenten ausspricht – und er würde diese Anerkennung selbst dadurch bekräftigen, sollte er diese Erlaubnis eines Tages mit welcher Begründung auch immer widerrufen wollen. Sie gehören dazu – wenn auch vielleicht als „Dissidenten“.

Wer weiß, vielleicht liegt in der Dissidenz für die nächste Zeit die Zukunft der Kirche unter den Menschen. Eher wohl als im offenen Schisma.

Der Modernismus wollte eine pluralistische „Kirche“, und er scheint sie zu bekommen. Aber das Ergebnis ist nicht ganz das, was er wollte. Der Modernismus an der Macht eröffnet den Weg zu einer bisher undenkbaren freien Konkurrenz der Kräfte innerhalb einer immer konturloser werdenden Kirchenhülle. Daran kann ein auch noch so autoritär auftretender Papst nichts ändern, denn der Modernismus verflüssigt nicht nur jedes Dogma, sondern auch jede Autorität. Wer die vom Säkularismus allseits gepredigte Konturlosigkeit als Wert akzeptiert, wird diese Hülle früher oder später abstreifen oder in einer Gemeinschaft der Gläubigen an „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ (Heinrich Bölls Dr. Murke) aufgehen lassen. Der gegenwärtig von „Ökumene der Christlichen Kirchen“ zur „Gemeinsamkeit der abrahamitischen Religionen“ fortschreitende Trend zeigt die Tendenz.

Die als „fundamentalistisch“ verächtlich gemachten und als „fortschrittsfeindlich“ bekämpften „harten Kerne“ werden das überstehen und bleiben. Als Kristallisationskerne, an denen sie sich sammeln können, bieten sich die Orte an, an denen die überlieferte Lehre und Liturgie präsent sind. Das läßt für die Zukunft harte Auseinandersetzungen erwarten. Widerstandsnester haben es überall nicht leicht. Gemeinschaften nach dem Konzept der „Option Benedikt“ werden eine große Rolle dabei spielen, diese Auseinandersetzungen zu bestehen.

 

http://www.summorum-pontificum.de/themen/usus-antiquior/1114-messe-aller-zeiten.html

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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