Wer einem von diesen Kleinen Ärgernis gibt … (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_07.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

Juli 2017

Wer einem von diesen Kleinen Ärgernis gibt …

 

Vater Staat und Mutter Kirche im Ringen um die Seelen unserer Kinder

P. ALEXANDER METZ FSSP

André Gide (1869-1951), der große französische Literaturnobelpreisträger, schrieb in seinen allerletzten Notizen, wenige Wochen vor seinem Tod: „Vornehmheit, Würde, Größe – ich fürchte und fast geniere ich mich, diese Worte zu verwenden: so schamlos hat man sie missbraucht, wie alle noblen Worte, angefangen mit dem Wort Tugend.“ Man könnte dieser Liste missbrauchter Worte – André Gide würde sicher kopfnickend zustimmen – ohne langes Überlegen auch noch die Worte Freiheit und Liebe hinzufügen, die heute wahrscheinlich zu den am meisten missbrauchten Worten überhaupt gehören. Ein neues Kapitel in Sachen Missbrauch nobler Worte – mit allen damit verbundenen Folgen – hat eine vom Bundesministerium für Familie und Jugend in Österreich unterstützte und bereits seit letztem Jahr allen Jugendlichen in der Alpenrepublik zugängliche Broschüre aufgeschlagen, die den Titel trägt „Erster Sex und große Liebe“. Was dabei den jugendlichen Lesern auf den ungefähr 30 Seiten dargeboten – oder sagen wir lieber zugemutet – wird, ist nichts weniger als eine unvorstellbare Ungeheuerlichkeit (um das hier zweifellos treffendere Wort Verbrechen zu vermeiden). Der Grundtenor der Broschüre lautet: „Normal“ gibt es nicht. Erlaubt ist, was gefällt und allen Beteiligten Spaß macht. – Dass es nach Ansicht der Autoren „normal“ nicht gibt, verdeutlichen diese gleich auf den ersten Seiten, wenn sie das, was man heute „sexuelle Orientierung“ zu nennen pflegt, unterschiedslos nebeneinander stellen. Auf dieser sog. Gendertheorie, die den gottgewollten Unterschied der Geschlechter leugnet, fußen alle nun folgenden „Ratschläge“, die den Jugendlichen gegeben werden. Es wird zur Selbstbefriedigung animiert, Pornographie verharmlost, Homosexualität gutgeheißen und Abtreibung als Lösung einer ungewollten Schwangerschaft vorgestellt. Dazu ist die Broschüre mit Zeichnungen und Bildern übersät, die in jedem Menschen, der sich nicht bereits jeglichen Schamgefühls entledigt hat, nur Ekel und Abscheu hervorrufen können. Die Worte Treue und Verantwortung, Verzicht und Opfer, die Gütesiegel und Garanten jeder wahren Liebe, sucht man in dieser Broschüre hingegen vergebens. Dafür aber nicht die eigentlichen Leitsterne der Urheber dieses Machwerkes: Spaß, Lust und Befriedigung in allen nur denkbaren (und undenkbaren) Varianten. Dabei fußt die Broschüre auf einem dezidiert atheistischen Menschenbild, – wie letztlich alle Erziehung, die den Menschen den Lustgewinn als oberstes Prinzip des Lebens vor Augen stellt. Wenn es aber keinen Gott gibt, der den Menschen herrlich erschaffen hat und wunderbar erhält, gibt es folglich auch keine von Gott gegebene, alle Menschen verpflichtende moralische Ordnung, die der Mensch erkennen kann und befolgen muss, will er sein irdisches Wohl und sein ewiges Heil nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Damit gibt es aber auch keine letzte Verantwortung mehr vor dem, dem ich mein Leben verdanke und zu dessen Ehre ich leben soll. Der Mensch gibt sich dann notwendigerweise selbst sein Gesetz, entscheidet selbst, was gut und was böse ist, scheint nichts und niemandem mehr verantwortlich zu sein – ja, setzt sich in letzter Konsequenz selbst auf Gottes Thron. Wahre Liebe, das unverdiente Urgeschenk Gottes, ist dann nicht mehr denkbar, ein Streben danach nur noch eine unerfüllbare Illusion. Was bleibt, sind nur noch Gefühle und Leidenschaften, die es zu befriedigen gilt, einzig darauf achtend, dass es Spaß macht. Der andere ist nicht mehr der mir von Gott Anvertraute, für den ich Verantwortung trage, sondern nur noch ein Objekt meiner egoistischen Begierde, den ich so lange „liebe“, wie er meinen Wünschen dienstbar ist. Wie recht hat doch der dänische Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855), wenn er schreibt: „Wer in der Liebe unbedingt auf Genießen besteht, hat seinen Fuß auf den Weg der Verzweiflung gesetzt.“ – Die Autoren dieser Broschüre tun aber genau dies: Alles auf das Genießen, den zügellosen Genuss hinlenken und so die Füße der Jugendlichen auf den Weg der Verzweiflung setzen. Erinnert man sich angesichts solch dämonischer Verführungskunst, die in dieser Broschüre ungeahnte Höhen erreicht, nicht unweigerlich an ein Wort Jesu, das er angesichts kommender Ärgernisse gesprochen hat? – „Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ (Mt 18,6) – Und ist es wirklich allzu kühn, zu denken (nicht: zu wünschen!), dass unser Herr dabei in erster Linie diejenigen im Auge hatte, die ihre ganze Kraft dafür einsetzen, das Schamgefühl der Kinder nachhaltig zu zerstören?

Was aber ist zu tun angesichts solcher Gefahren, die unseren Kindern drohen? – Bereits Sokrates (469-399 v. Chr.), der große Denker der Antike, hat sich angesichts dieser wohl auch schon damals vorhandenen Gefahren, die beunruhigende Frage gestellt: „Wie wird es da wohl dem jungen Menschen zumute sein? Welch eine ungewöhnliche Erziehung müsste er empfangen haben, um da Widerstand zu leisten und nicht fortgerissen zu werden in dem Strom, wohin er eben treibt! Muss man nicht sagen: Wenn sich der Jugendliche wirklich frei macht und in geradem Wachstum gedeiht – dann ist es göttliche Fügung und reines Geschenk?“ Sokrates spricht von einer ungewöhnlichen Erziehung und von göttlicher Fügung, von dem also, was wir Christen Gnade nennen würden, die unbedingt vonnöten wäre, um unsere Kinder und Jugendlichen davor zu bewahren, in diesem Strom der Schamlosigkeit fortgerissen zu werden. 1. Es geht nicht ohne die Gnade Gottes. Das heißt konkret: Es geht nicht ohne das Gebet und die Sakramente. Ein Leben aus der Kraft des Gebetes und den Sakramenten der Kirche ist der beste Schutz für das Kind, weil sie in ihm die übernatürliche Widerstandskraft gegen die Angriffe des Bösen stärken und ihm helfen, den Sieg davonzutragen. Darüber hinaus ist es unerlässlich, das Kind zur Verehrung der Heiligen anzuleiten, allen voran zur Verehrung der Gottesmutter, des hl. Joseph und des Schutzengels. Auch sollte jedes Kind und jeder Jugendliche unbedingt die wundertätige Medaille tragen. 2. Es geht aber auch nicht ohne unseren Einsatz, da wir – ein Wort des hl. Augustinus frei zitierend – zwar vertrauen sollen, als ob alles von Gott abhinge, gleichzeitig aber auch so arbeiten müssen, als ob alles in unserer Hand läge.

Was also ist zu tun? – Nun, ein Erstes ist schon getan worden. Um die Verbreitung der Broschüre zu stoppen, hat eine Gruppe von Jugendlichen aus Österreich bereits Gespräche mit den Herausgebern geführt. Darüber hinaus haben sie eine Petition (siehe http://www.citizengo.org) gestartet, die an den Landeshauptmann gerichtet ist und den Stopp der Finanzierung und Verteilung dieser Broschüre fordert. Unabhängig vom Ausgang dieser höchst lobenswerten Initiative ist es die jederzeit unerlässliche Aufgabe der Eltern, dafür zu sorgen, dass ihr Kind vor solchen schädlichen Einflüssen bewahrt wird. Dazu heißt es in einem im Jahr 1995 vom päpstlichen Familienrat zu diesem Thema veröffentlichten Dokument: „Dagegen [gemeint ist die Erziehung zur Unreinheit in Schule und Medien] müssen sich die Eltern in zweifacher Hinsicht zur Wehr setzen: durch eine vorbeugende und kritische Erziehung den Kindern gegenüber und durch energische Beschwerden bei der Staatsgewalt.“ (Die wichtigsten Aussagen dieses Dokumentes finden Sie in der Broschüre „Erziehung zur Keuschheit“, erhältlich beim Freundeskreis Maria Goretti)

Wie man Kinder „vorbeugend und kritisch erzieht“, wird in hervorragender Weise nicht nur in dem eben genannten päpstlichen Dokument beschrieben, sondern auch auf sehr einfühlsame und zugleich sehr klare Weise auf den drei CDs von Irmgard Hagspiel (erhältlich über introibo.net oder das Priesterseminar), die Eltern sicher wertvolle Dienste bei ihren notwendigen Gesprächen mit ihren Kindern leisten werden. Hinsichtlich der „energischen Beschwerden bei der Staatsgewalt“ hilft sicher der Freundeskreis Maria Goretti e.V. in München weiter, der in diesem Anliegen über einen reichen Erfahrungsschatz verfügt, bereits vielen Eltern geholfen hat und an den man sich jederzeit vertrauensvoll wenden kann.

In Baden-Württemberg gilt nach wie vor noch die sogenannte „Dissensregelung“, die es Eltern ermöglicht, ihre Kinder von der schulischen Sexualerziehung zu befreien. Dort heißt es: „Kommt es in einem Gespräch [zwischen Eltern und Schule] nicht zu einer einvernehmlichen Lösung, so ist ein Fernbleiben einzelner Kinder von den Unterrichtsstunden bzw. Unterrichtssequenzen, in denen Inhalte der Geschlechtserziehung behandelt werden, seitens der Schule nicht zu ahnden.“ Auf Anfrage wurde von Seiten des zu- ständigen Referenten im Kultusministerium bestätigt, dass diese Dissensregelung auch für höhere Klassen und andere Schularten gültig ist. Übrigens, eine Schule, in der man gewiss keine Dissensregelung braucht, ist das Collegium Musicum im Südschwarzwald (siehe Artikel in der MaiAusgabe des Informationsblatts). Dass der Kampf um die Reinheit nicht immer ohne Gegenwind vonstatten geht, sollte uns nicht besonders verwundern, sind doch in dieser Welt die kostbaren und edlen Dinge immer die am meisten angefochtenen und deshalb die am notwendigsten zu verteidigenden. Es mag uns aber – neben dem zugesagten Beistand unseres Herrn Jesus Christus – trösten, dass es dem bereits erwähnten Sokrates nicht anders ergangen ist. Als man ihn zum Tod verurteilte, lautete einer der Vorwürfe von Seiten seiner Richter, er habe durch sein Reden einen verderblichen Einfluss auf die Jugend. Er, dessen Ansinnen doch nachweislich gerade das gegenteilige war, nämlich die Jugend vor den Schamlosigkeiten der damaligen Zeit zu bewahren, wird verurteilt. –

Wie sich die Zeiten doch nicht ändern!

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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