Die Zunge schlägt links (die-tagespost.de)

Bildergebnis für die tagespost

Die Zunge schlägt links

Neue Sprachformeln und Tabus sind gegenwärtig: sowohl in der Medienlandschaft wie auch an den Universitäten gefährden linksideologisch gefärbte „Frames“ die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. Das ist zunehmend eine Bedrohung für den Pluralismus.

Von Felix Dirsch

Wie man spricht, so denkt man. In der Bundesrepublik regeln zunehmend „Frames“, wie man die Welt beschreiben darf. Foto: Wikipedia

 

Jedes Gemeinwesen wird bestimmt durch einen öffentlichen Sprachstil. Er zeigt, welche Ideologien und Interessen nicht unbedingt für die Mehrheit der Bevölkerung, zumindest aber für die Meinungsmacher nachhaltig sind. Das erklärt, warum der Zugang zur Wirklichkeit nicht von „Vielfalt“ geprägt ist, obwohl dieser Ausdruck zu den politisch-korrekten Standardfloskeln gehört. Traditionell haben Kommunikationstheoretiker wie der US-Schriftsteller und Journalist Walter Lippmann, Lehrer der Demoskopin Elisabeth Noelle, von „Gatekeepern“ gesprochen, welche das Informationsangebot in ihrem Sinn kontrollieren.

So einfach ist der übliche Konformismus, der schon längere Zeit zum Vorschein kommt, heute nicht mehr zu erklären. Die Leitmedien verwenden üblicherweise stereotype Begrifflichkeiten und beteiligen sich – quasi halboffiziell – an sprachregelnden Vorgaben der politischen Klasse. Dieses Vokabular ist für einen kognitiven Deutungsrahmen verantwortlich, der in letzter Zeit inflationär „Frames“ genannt wird. Sie werden über begriffliche Assoziationen im Gehirn aktiviert und legen fest, wie wir politische Fakten wahrnehmen und welche Entscheidungen wir treffen. So begründet die Kognitionsforschung eine alte Gleichung neu: Sprache ist demnach Politik.

Gerade in den letzten Jahren werden diese Zusammenhänge aufgrund neurowissenschaftlicher Forschungen stärker betont. Der publizistische Erfolg der deutschen Soziologin und Linguistin Elisabeth Wehling („Politisches Framing“), die in den Vereinigten Staaten und Europa als umtriebige Beraterin in Wirtschaft und Politik fungiert, ist ein Indiz für die Bedeutung des linguistischen Ansatzes. Wie sehr diese allgemeinen begrifflichen Vorgaben das Denken und Reden prägen, zeigt die fehlende Streitkultur sowohl innerhalb der diskutierenden wie auch innerhalb der herrschenden Schicht: Zwischen vielen Angehörigen von SPD und CDU, zwischen vielen katholischen und evangelischen Würdenträgern, zwischen vielen Qualitätsjournalisten sämtlicher Couleur sind größere Unterschiede in tagesaktuellen Debatten weithin eingeebnet.

Noch bedenklicher als das Verschwinden begrifflicher (und damit politischer) Pluralität ist die Stigmatisierung von Diskursteilnehmern, die von der Mehrheitsmeinung abweichen: Wer Zweifel gegenüber den Theorien vom menschengemachten Klimawandel äußert, mutiert schnell zum Klimaleugner (in Analogie zum Holocaustleugner). Wer die Homo-Ehe wegen unzulässiger Gleichsetzung verschiedener Lebensformen kritisch beäugt, muss sich den Vorwurf der „Homophobie“ gefallen lassen. Wer gegen die evidente Islamisierung Einwände erhebt – 1970 lebten rund 300 000 Muslime in Deutschland, um 2000 zwischen drei und vier Millionen, 2015/16 etwa sechs bis sieben Millionen, 2030 gewiss eine weitaus höhere Zahl – wird schnell als „islamophob“ hingestellt. Wer auf die Tragfähigkeit nationalstaatlicher Strukturen hinweist, wird (nach Vorgaben der Friedrich-Ebert-Stiftung) wahlweise als Vertreter eines „Extremismus der Mitte“ oder als Rechtsextremist verunglimpft.

Auf die orwellschen Verdrehungen der Sprache durch viele Mehrheitsmedien ist gelegentlich hingewiesen worden. Grundsätzlich positiv konnotierte Worthülsen implizieren einen anderen Inhalt als sie dem hinters Licht geführten Publikum suggerieren. Beispiele sind leicht zu finden: Toleranz-und-Weltoffenheitsphrasen beabsichtigen öfters eine vorbehaltlose Akzeptanz von Masseneinwanderung. Wortschöpfungen wie „Rettungsschirme“ sollen (gegen die EU-Verträge gerichtete) Umverteilungsmechanismen verschleiern. „Zivilcourage“ dient häufig dazu, demonstrativer Uniformität, beispielsweise „gegen rechts“, zu huldigen.

Dass dieser Trend an Universitäten Resonanz findet, überrascht kaum. Daran ändert die Tatsache nichts, dass Studieren schon seit geraumer Zeit pragmatischer verläuft als in früheren Generationen. Hexenjagden, veranstaltet von Mitgliedern linksfanatischer Gruppen, sind dennoch auch heute Realität. Dies bekam in den letzten Jahren auch ein angesehener Gelehrter wie der Berliner Politologe Herfried Münkler zu spüren. Waren in den späten 1960er Jahren und danach Vorlesungsstörungen gang und gäbe, existieren heute subtilere Methoden. Um Münklers angeblich rhetorische Entgleisungen anzuprangern, gründeten notorische Berufsantifaschisten die (überaus niveaulose) Plattform „Münkler-Watch“. Sie machte zeitweise Verfehlungen in jeder Vorlesungsstunde publik. Verdammungsworte aus dem Vokabular linken Neusprechs waren schnell gefunden: Sexismus, Chauvinismus, Rassismus, Militarismus, Eurozentrismus. Die Herrschaft des Verdachts gewann in Windeseile die Oberhand, zumal der Angegriffene die Funktionsfähigkeit des Nationalstaates hervorgehoben hat und das Wesen des Krieges anders bewertet als seine pazifistischen Gegner. Nicht jeder Witz Münklers stellte ein Glanzstück dar. Lächerlich ist jedoch die platte Sexismus-Anschuldigung. Man zieht sie sich schon zu, wenn man äußert, es gebe überhaupt Geschlechter. Umso schlimmer, man vertritt die Einstellung, es existierten zwei Geschlechter und nicht rund 60, wie es auf der Internetplattform Facebook seit Kurzem zu lesen ist. Tieferer Hintergrund des Vorwurfes ist die Ablehnung des Gendermain-streaming durch Münkler. Diese Ideologie aus dem Arsenal des Feminismus hat schon eine Reihe von Hochschullehrern in die Bredouille gebracht. Schon vor längerer Zeit musste der Mainzer Jurist und Soziologe Michael Bock ablehnende Stellungnahmen über diese Doktrin von seiner Netzseite nehmen, da ihm ansonsten Sanktionen gedroht hätten.

Gender-Mainstreaming stufte er als „totalitäre Steigerung von Frauenpolitik“ ein. Angesichts von über hundert Lehrstühlen, die sich schwerpunktmäßig mit allen Varianten von „Gendergaga“ (Birgit Kelle) beschäftigen, eine mutige Haltung! Doch nicht nur mit seiner vermeintlichen Genderinkompetenz setzte sich Münkler ins Abseits: Er publizierte zum hundertjährigen Jubiläum des Beginns des Ersten Weltkrieges eine Gesamtdarstellung über die Ereignisse. Darin weist er die Kriegsschuldthese zurück – eine Auffassung, mit der er wahrlich nicht allein steht. Eine solche Meinung kann zur Abqualifizierung als Militarist und Chauvinist führen.

Die Substanzlosigkeit der Rufmordkampagnen zeigt nicht zuletzt die jüngst erfolgte Wendung Münklers zum „Kavaliers-Politologen“ (Peter Sloterdijk) der Bundeskanzlerin. In seiner Schrift „Die neuen Deutschen“ sekundierte er mit Verve die Merkel?sche Flüchtlingspolitik. Seit der Publikation dieser Monografie dürfte er aus der Sicht rufmörderischer Blogger rehabilitiert sein.

Der Historiker Jörg Baberowski, ebenfalls an der Humboldt-Universität tätig, wurde kürzlich erneut Opfer linken Gesinnungsterrors. Der Verfasser viel gelesener Bücher hat sich einige Aversionen zugezogen, weil er die Folgen des Migrationschaos in aller Deutlichkeit aufgezeigt hat. Zudem lobte er den schon vor Jahrzehnten verfemten, letztes Jahr verstorbenen Kollegen Ernst Nolte. Schon seit einiger Zeit führt er eine juristische Auseinandersetzung mit dem Allgemeinen Studentenausschuss Bremen. Einige seiner Mitglieder diffamierten ihn anlässlich eines Vortrages als rechtsradikal. Diese Beleidigung wurde von den Richtern des Kölner Oberlandesgerichts nunmehr als mit der Meinungsfreiheit vereinbar gesehen. Immerhin haben seine Vorgesetzten ihn verteidigt, ebenso der Mommsen-Schüler und prominente Buchautor Götz Aly. Das Problem Baberowskis ist jedoch, dass er sich manchmal in Nebensächlichkeiten verheddert. Die Frage etwa, ob Hitler persönlich „grausam“ gewesen sei oder Stalin den Deutschen in dieser Hinsicht übertroffen habe, ist für die Beurteilung des braunen Diktators irrelevant.

Schlimmer geht auch hier immer: Der Berliner Linguist Markus Egg, als aktives AfD-Mitglied bekannt, wurde während seiner Vorlesung im November 2016 tätlich angegriffen. Solche Vorfälle hatte der Bundesverfassungsrichter Andreas L. Paulus bei einem Vortrag anlässlich einer Tagung des Deutschen Hochschulverbandes 2017 im Blick, deren Thema wohl nicht von ungefähr lautete: „Political Correctness vs. Freiheit der Wissenschaft?“ Der Völkerrechtler bekannte, dass „wir uns vor kurzem kaum noch hätten vorstellen können oder wollen, wie die Freiheit der Wissenschaft innerhalb und außerhalb Deutschlands Gefährdungen ausgesetzt“ sei. Auf ein weiteres, nicht irrelevantes Detail sei hingewiesen: Die antizionistische Agitation der Linken, die sich vornehmlich gegen den Staat Israel richtet, findet an den Universitäten heute zwar weniger Heimstatt als zu APO-Zeiten. Damals waren Ausfälle gegen jüdische Professoren wie Helmut Kuhn, Ernst Fraenkel und Kurt von Fritz an der Tagesordnung. Vereinzelte, nicht immer friedliche Solidaritätsaktionen mit den Palästinensern und lautstarke Proteste gegen den „US-Imperialismus“, der Israel unterstütze, schließen jedoch an solche Aktionen an. Auch in linken Universitätszirkeln tobte der Streit darüber, ob man den von ARTE und WDR gedrehten, aber zuerst nicht ausgestrahlten Film („Auserwählt und ausgegrenzt“) über aktuelle antisemitische Vorfälle und Überzeugungen zeigen soll. Erfreulicherweise war der Streifen nun doch zu sehen.

Der erhebliche islamistische und linke Anteil an derartigen Tendenzen in Deutschland (neben dem rechten) wird nicht nur nicht bagatellisiert, sondern sogar hervorgekehrt. Importierten Judenhass zu brandmarken gilt in manchen Kreisen weiterhin als „No-go“. Unerträgliche Hamas-Hetze („Juden ins Gas“) ist für sie zumeist ein peripheres Phänomen. Es wird Zeit, den linken Sprachstil und das gefährliche Denken, das ihn prägt, öffentlich zu thematisieren und kritisch einzuhegen.

http://www.die-tagespost.de/feuilleton/Die-Zunge-schlaegt-links;art310,179709

Advertisements

Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
Dieser Beitrag wurde unter Empfehlung kath. Medien, Gesellschaftsumgestaltung/Social Engineering, Globale System-Transformation, Katholischer Glaube, Koordinierte Repressalien und Einschüchterung gegen dissidente Strukturen, Staats(nahe) Formung der öff. Meinung abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s