Nostalghia…

 

„Wie kann ein Mensch normal, vollwertig leben, wenn er sich von seinen Wurzeln losgerissen hat? Auf russisch ist Nostalghia eine Krankheit, eine lebensgefährliche Krankheit“

Andrei Tarkowski

Gerade habe ich mir wieder Nostalghia von Andrei Tarkowski angesehen (liebe Praktikanten der Amadeu Antonio Stiftung und andere Zensur-Selbstbeauftragte: ja, er ist Russe – nein, hat nichts mit Putin zu tun).

In der Handlung des Films spielt das Heimweh-Gefühl eine zentrale Rolle, worauf sich auch der Titel bezieht. (Das russische Wort Ностальгия und auch das italienische nostalgia beziehen sich auf das Verlangen nach einem Ort oder einer Person, nicht wie im Deutschen nach einer vergangenen Zeit.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Nostalghia

Symbolträchtige Bilder verdeutlichen die Fremdheit des Einzelnen in einer Zeit, welche er als fremd und nicht die „seine“ erkennt. Hilflose Gesten wie das brüderliche Mahl mit Brot und Wein, der völlig irrational scheinende Gang durch das leere Thermalbecken mit der brennenden Kerze. Der „Narr“ des Films sieht im Fanal der Selbstverbrennung den letztmöglichen Protest.

Eine unbeschreiblich schöne, gewaltige und auch wieder verzweifelt traurige Vision, der die unerfüllbare Sehnsucht nach Rückkehr, nach Geborgensein eingeschrieben ist.“

Ulrich Gregor, epd Film

Tarkowski behandelt in diesem Film voller Poesie die Sehnsucht eines Exilanten nach seiner Heimat. Eine Thematik, welche in unserer Zeit immer aktueller wird für „die, die schon länger hier sind“. Deren Heimat ist gerade dabei, unwiederbringlich zu verschwinden. Wenn jemand vor 20 Jahren, z.B. auf einer Weltraummission, Deutschland verlassen hätte und heute wieder käme, würde er das Gemeinwesen kaum mehr wiedererkennen. Die Heimat, der verlassen hätte, existiert nicht mehr. Die politischen Parteien, die Medienlandschaft, die Bevölkerungsstruktur: alles hat sich fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. Bezugspunkte zu dem Land vor 20 Jahren gibt es kaum mehr.

Hilflos sieht er die rationale – beileibe nicht vollkommene – Welt seiner Kindheit und Jugend versinken. Festgefügte, scheinbar unumstößliche Begriffe wie „Ehe“ und „Familie“, ja sogar biologische Geschlechter werden ratiophob deutbar, beliebig variabel. Er findet sich immer weniger zurecht, fühlt sich bestohlen und betrogen. Aber es fehlen markante Wegmarken im kollektiven Gedächtnis, mit Hilfe deren man eigene Empfindungen und Verlustgefühle einordnen könnte.

Ein verlorener Krieg.

Eine fremde Besatzung.

Aber solche Wegmarken fehlen in der Erinnerung. Alles geschieht schleichend, anfangs unmerklich, dann immer schneller. Zurück bleibt nur das Wissen, dass etwas unrettbar verloren ist.

Für immer.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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