2 Beiträge zu Amoris laetitia – sozusagen „in action“…

Herrenleib oder leere Hülle

 

Am vergangenen Sonntag fand in der Kirche des hl. Rochus im argentinischen Reconquista eine bemerkenswerte Zeremonie statt. Ortsbischof Angel José Macín geleitete etwa 30 Paare, die in, wie man sagt, „irregulären Verbindungen“ leben, mit ihren Familienangehörigen in die Kirche ein, um ihre „Wiedereingliederung mit allen Rechten“ zu feiern. Es gab eine kurze Begrüßungszeremonie, in deren Rahmen der Bischof mitteilte, die „Wiedereingegliederten“ hätten sich in den vergangen 6 Monaten einer Prüfungsphase unterzogen, so wie das in Amoris Laetitia verlangt werde. Sechs mal hätten sie an einer Veranstaltung teilgenommen, die man sich wohl als eine Art nachgeholter Brautunterricht vorstellen soll. Nun kämen sie wieder ins Vaterhaus, um es nie mehr zu verlassen. Davon, daß die Beteiligten ihre Verhältnisse in der einen oder anderen Weise geordnet hätten, war nicht die Rede, und natürlich auch nicht von Beichte und Absolution. Anschließend stand der Bischof einer Eucharistiefeier vor, in deren Rahmen die Ehrengäste auch zur Kommunion gingen. Es gab Beifall und Erinnerungsphotos, gerade wie bei einer Erstkommunion.

Eine Woche vor dem Fest Fronleichnam illustriert der Vorgang, daß der Empfang des Herrenleibes in Reconquista und anderswo nur noch als wenig mehr als die Teilnahme an einer Mahlgemeinschaft verstanden wird. Der sakramentale Charakter der Eucharistie ebenso wie der der Ehe und der Beichte sind weitgehend aus dem Bewußtsein geschwunden. Von daher ist auch gar nicht sicher, daß es sich bei der Veranstaltung um ein Sakrileg gehandelt hat: Wo sich Gemeinde, Priester und Oberhirte so weit von der Tradition, dem Recht und der Lehre der Kirche entfernt haben, ist nicht garantiert, daß der Vorsteher der Feier beim an die Gemeinde gerichteten Vortrag der Einsetzungsworte das tun will, was die Kirche tut. Vielleicht gab es tatsächlich für jeden, der das haben wollte, nur ein Stückchen Brot.

Fronleichnam 2017, im 53. Jahr des neuen Frühlings und dem 4. Jahr der großen Umwälzung – Kekse für alle. Grund, irgendwie herablassend auf Südamerika zurückzuschauen, gibt es bei alledem nicht. Wir erinnern uns des Umzuges am Fronleichnamstag 2009 in Linz, bei dem Dechant Part mit einer übergroßen Brötchenzange ein Fladenbrot durch die Straßen trug → unsere Meldung vom 13. 6. 2009. Die Sakramente sind Zeichen, die das bewirken, was sie darstellen. Wo diese Darstellung zu sehr dem Zeitgeist unterworfen, mangelhaftem Verständnis angepasst und nach Lust und Laune darüber verfügt wird, bleibt nur eine leere Hülle.

http://www.summorum-pontificum.de/

 

Amoris laetitia – Von der Einzelfallprüfung zur Kollektivabfertigung

Bischof Macín in San Rocco. Gruppenbild mit wiederverheirateten Geschiedenen.
Bischof Macín in San Rocco. Gruppenbild mit wiederverheirateten Geschiedenen.

(Buenos Aires) Gruppenbildung zur Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion? Diese Confusionis laetitia (Freude der Verwirrung), so der Vatikanist Marco Tosatti, herrscht in der argentinischen Diözese Reconquista im Staat Santa Fe. Wer nach dem umstrittenen nachsynodalen Schreibens Amoris laetitia gedacht habe, nun gebe es eine „Unterscheidung“ durch „Einzelfallprüfung“, wird eines Besseren belehrt. Die Tür ist offen, nun wird kollektiv abgehandelt.

Mit den „Pastoralen Richtlinien“ der Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos Aires in der Hand, die von Papst Franziskus ausdrücklich gelobt wurde, wird im Bistum Reconquista zur Tat geschritten. Von „Einzelfallprüfung“, weil „jede Situation anders ist“ und es daher „keine generellen Regeln geben“ könne, ist in der argentinischen Provinz keine Rede mehr. Der Papst und seine treuesten Gefährten ließen wissen, daß mit der Pipette und mit größter Sorgfalt und genauester Prüfung tröpfchenweise vorgegangen werde.

Die Wirklichkeit sieht allerdings ganz anders aus, wie die Heilige Messe zeigte, die am vergangenen Sonntag in der Pfarrei San Rocco in Reconquista zelebriert wurde.

Zelebrant war der 2013 von Papst Franziskus ernannte Bischof Angel José Macín. Er spendete rund 30 wiederverheirateten geschiedenen Paaren  die heilige Kommunion. In den vergangenen sechs Monaten hätten Treffen stattgefunden, in denen die Paare en bloc auf die Wiederzulassung zur Kommunion vorbereitet wurden. Die Diözese bietet keine Einzelfallprüfung sondern – praktischerweise – einen Kurs an. So wie es einen Ehevorbereitungskurs gibt, gibt es in Reconquista auch einen Kurs zur Wiederzulassung zur Kommunion. Der Kurs nennt sich „Weg der Unterscheidung“. Alle Teilnehmer sind entweder wiederverheiratete Geschiedene oder leben in einer anderen irregulären Situation.

Bischof Mancín berief sich öffentlich auf einen Brief von Papst Franziskus. Dabei kann es sich nur um das Schreiben an die Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos Aires handeln.  Der Papst lobte sie für ihr Pastoralprogramm, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zu zulassen. Diesem Weg sei nichts mehr hinzuzufügen, so der Papst. Anders ausgedrückt: Die Richtlinien entsprechen genau seinem Denken.

Während der ganzen heiligen Messe, so Tosatti unter Berufung auf Augen- und Ohrenzeugen, wurde weder vom Bischof noch einem anderen Kirchenvertreter auf die Lehre von Johannes Paul II. in Familiaris consortio hingewiesen. Es wurde den versammelten Paaren nicht gesagt, daß die Kirche von ihnen eigentliche ein der Enthaltsamkeit fordert. Ebensowenig wurden die Worte Jesu über die Ehe zitiert. Statt dessen wurde aus irgendwelchen Broschüren über Amoris laetitia zitiert, in denen behauptet wird, wiederverheiratete Geschiedenen dürften die heilige Kommunion empfangen.

Bischof Macín sagte zu den Paaren in irregulären Situationen:

„Willkommen wieder im Haus“.

Tosatti zu dem Vorfall:

„Das dürfte der erste Fall sein, bei dem die Wiederzulassung zu den Sakramenten auf der Grundlage eines kollektiven Weges erlaubt wurde. Mit Sicherheit handeln das Bistum Reconquista und Bischof Macín aber als Türöffner für weitere solche Erfahrungen.“

Papst Franziskus weigert sich jedoch unbeirrt, auf die klärenden Fragen zu antworten, die vier Kardinäle in Form von Dubia (Zweifeln) zu Amoris laetitia formuliert haben.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Nuova Bussola Quotidiana (Screenshot)

http://www.katholisches.info/2017/06/67827/

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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