Mattscheibe manipuliert Masse 4: Die gefürchteten Vier (1966)

Ein interessantes Beispiel für Publikumsmanipulation ist der Film Die gefürchteten Vier (im Original: The Professionals) von Filmregisseur Richard Brooks, die Verfilmung des Buches A Mule for the Marquesa (dt. “Die Wölfe von Mexiko“, erschienen im Heyne Verlag 1968) von Frank O’Rourke. Schildert der Romanautor noch Raza, den mexikanischen Entführer der Ehefrau des reichen amerikanischen Minenbesitzers als einen rücksichtslosen Psychopathen und Strauchdieb, der sich der mexikanischen Revolution wegen der Aussicht auf bessere Verdienstmöglichkeiten angeschlossen hat und auch vor Massenmord an 133 Gefangenen nicht zurückschreckte, inszeniert ihn Brooks als glühenden, Mexiko liebenden Berufsrevolutionär. Die entführte Mrs. Grant, im Roman eine oberflächliche Egomanin, welche an ihrer Umwelt wenig Anteil nimmt, mutiert im Film zur heißblütigen Revolutionärin, die mit Raza, ihrem Geliebten aus Jugendzeiten, die Entführung vortäuscht, um Geld für Waffen zu besorgen. Aus ihrem als etwas naiv geschilderten, sie aber aufrichtig liebenden amerikanischen Ehemann Mr. Grant (dem Auftraggeber der Söldner) wird im Film eine Art häßlicher Verkörperung des US-Kapitalismus: Brutal seine Machtmittel einsetzend, um seine von ihm als Besitz betrachtete, weil damals teuer „gekaufte“ mexikanische Schönheit zurückzuholen. Ausdrücklich „im Namen der Menschlichkeit“. Daher wird ihm im Film auch lustvoll eine lange Nase gedreht, schicken doch die 4 Söldner Mrs. Grant mit ihrem treuen Liebhaber Raza samt Lösegeld nach Mexiko zur Revolution zurück. Im Roman wird Raza schlichtweg erschossen und die alerte Mrs. Grant schmiegt sich nun halt kurz entschlossen mangels anderer Alternativen an ihren Ehemann, nachdem ihr Liebhaber Torres ebenfalls bei der Verfolgung der Flüchtenden umgekommen war.

Man wird sich mit Recht fragen, warum denn für die Verfilmung eines – übrigens recht guten – Westernromans eigens eine verkitschte Revolutions-Lovestory kreiert wurde?

Die Antwort liefert Wikipedia:

The Professionals war einer der ersten Hollywood-Filme, vermutlich der erste Western, der kritisch zum amerikanischen Engagement in Vietnam Stellung nahm. Die Parallelen zwischen den mexikanischen und vietnamesischen „Banditen“ waren für Zeitgenossen der 1960er Jahre unübersehbar. Die Botschaft, dass solche Hilfsaktionen im Namen der Menschlichkeit zu verbrecherischen Unternehmen werden können, wurde als unverblümte Aufforderung zum Rückzug aus Vietnam verstanden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gef%C3%BCrchteten_Vier#Hintergr.C3.BCnde

Wenn also die mexikanischen Revolutionäre eigentlich den Vietkong darstellen sollen, sind Hinweise auf ihre Massaker für linksliberale Medienschaffende natürlich nicht opportun. Der Auftraggeber muß dann auch möglichst schmierig und abstoßend gezeigt werden und aus einer egomanischen Primaballerina und ihrem Entführer werden flugs Romeo und Julia, die außer ihrer Liebe nur noch die heiße Liebe zu ihrem Land kennen…

Revolutionsprosa gibt es auch reichlich im Film (aber bezeichnenderweise nicht im Roman…)

  • Die Revolution? Wenn die Schießereien aufhören und die Toten begraben werden und die Politiker wieder aus ihren Löchern kommen, stellt sich heraus, dass alles eine verlorene Sache war. (Bill Dolworth)
  • Die Revolution ist wie die Geschichte einer großen Liebe. Zuerst ist sie eine Göttin, eine heilige Sache. Aber alle Liebesgeschichten haben einen schrecklichen Feind. Die Zeit. Wir fangen langsam an, klarer zu sehen. Die Revolution ist keine Göttin, sie ist eine Hure. Sie war niemals rein, niemals heilig, niemals vollkommen. Also machen wir uns wieder auf, suchen eine neue Geliebte, eine neue Sache. Ohne Liebe, ohne eine Sache sind wir nichts. Wir bleiben, weil wir glauben. Wir gehen, weil wir desillusioniert sind. Wir kehren wieder, weil wir verloren sind. Wir sterben, weil wir uns engagiert haben. (Capitan Raza)https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gef%C3%BCrchteten_Vier

Die vier (im Roman: 5) Söldner sind mit US-Schauspielern der Spitzenklasse besetzt: Burt Lancaster, Lee Marvin, Robert Ryan und Woody Strode. Als Raza figuriert Jack Palance, also alles dem Publikum bekannte und zugkräftige „Western-Gesichter“, die Besetzung der Maria Grant mit Claudia Cardinale als eye-candy war absolut genial, bei der vollen Bluse sympathisiert jeder (Spät)pubertierende mit la revolución

Bei der Starbesetzung der „Guten“ mit Sympathieträgern reicht es mit Ralph Bellamy als Mr. J.W. Grant nur noch zu einer schlappen Besetzung. Nicht übel, zieht die Wurst aber auch nicht vom Teller. Idealbesetzung für den ignoranten, schwitzenden Gringo-Imperialisten, der keinerlei Sympathie auf sich ziehen wird – und dies auch erkennbar gar nicht soll. Die von den Stars generierte Sympathie der Masse wird durch deren selbstloses Handeln unmittelbar auf das Revolutionspärchen weitergeleitet und damit auf den Aufruhr, den Umsturz als solchen. Siehe Heiligenschein-Effekt…(https://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt).

Bemerkenswert, das dies alles bereits 1966 stattfand, nicht wahr?

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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