Erneuerung in Liebe (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_06.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

Juni 2017

Erneuerung in Liebe

Robert Kardinal Sarah läßt auf der Liturgischen Tagung in Herzogenrath einen Beitrag verlesen, der vom Denken Benedikt XVI. inspiriert ist.

P. LIC. SVEN LEO CONRAD FSSP

 

Eine dem Herrn aufgeopferte Enttäuschung kann zuweilen Wunder bewirken und sich in Freude wandeln. So mag es den Veranstaltern der Liturgischen Tagung 2017 in Herzogenrath gegangen sein, als sie nach der unerwarteten Absage Kardinal Sarahs von ihm einen Beitrag erhielten, der es förmlich in sich hat. Seit seiner Ernennung zum Präfekten für die Gottesdienstkongregation erhebt der Kardinal unermüdlich seine Stimme, um ein Kernanliegen Papst Benedikt XVI. wachzuhalten und einzufordern: die Erneuerung der hl. Liturgie. In Herzogenrath weist er geistige Linien auf, analysiert die Entwicklung in den letzten 50 Jahren und eröffnet Perspektiven für den Weg der Kirche in unserer Zeit.

Kardinal Sarah entwirft seinen Vortrag auf dem Hintergrund der Liturgischen Bewegung. Dabei bewertet er sie nicht in ihrer Vielschichtigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf ihre Rezeption durch das kirchliche Lehramt. Hier habe man vor allem seit dem Motu proprio Tra le sollecitudini des hl. Papstes Pius X. zur Musica sacra nach einer Erneuerung der Liturgie als der entscheidenden „Quelle eines wahrhaft christlichen Lebens“ gestrebt. Die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils Sacrosanctum Concilium und das Motu Proprio Summorum Pontificum Papst Benedikt XVI. sind gemäß Kardinal Sarah beide Ausdruck der damals begründeten Erneuerungsbewegung: „Es kann also festgestellt werden, dass die vom heiligen Papst Pius X. initiierte „liturgische Bewegung“ nie unterbrochen war und dass sie infolge eines neuen Impulses, der ihr von Papst Benedikt XVI. verliehen wurde, noch bis heute fortdauert.“

Inhaltlich knüpft diese Sichtweise an jenen berühmten Vortrag an, den seinerzeit Joseph Kardinal Ratzinger zum zehnten Jahrestag des Motu Proprio Ecclesia Dei 1998 in Rom gehalten hat. Ratzinger benennt damals klar die Gründe dafür, warum der usus antiquior „an vielen Orten“ abgelehnt werde, legt dar, warum er keinen Widerspruch zum II. Vaticanum darstelle und würdigt die Liturgische Bewegung. Kardinal Sarah betont nun, daß es keineswegs die Absicht des Konzils war, „eine Reform einzuleiten, die Anlaß zu einem Bruch mit der Tradition werden könnte.“ Den faktisch dennoch erfolgten Traditionsbruch beschönigt er aber keineswegs: „Man wirft dem politischen Europa vor, seine christlichen Wurzeln aufzugeben oder zu verleugnen. Doch wer zuerst seine christlichen Wurzeln und seine christliche Vergangenheit aufgegeben hat – das ist mit Sicherheit die nachkonziliare katholische Kirche.“ Diese Aussage ist erschütternd! Der Präfekt der Gottesdienstkongregation bemerkt eine Weltverfallenheit der Kirche. Zwar würdigt er auch gute Entwicklungen, um dann aber festzustellen: „Dennoch können wir unsere Augen vor dem Desaster, der Verwüstung und dem Schisma nicht verschließen, die die modernen Förderer einer lebendigen Liturgie verursacht haben, indem sie die Liturgie der Kirche nach ihren Vorstellungen umgestalteten. Sie vergaßen, dass die liturgische Handlung nicht nur ein Gebet, sondern auch und vor allem ein Mysterium ist, bei dem sich für uns etwas vollzieht, das wir zwar nicht gänzlich verstehen können, doch das wir im Glauben, in der Liebe, im Gehorsam und in einem anbetenden Schweigen annehmen und empfangen müssen. Und genau das ist die wahre Bedeutung der aktiven Anteilnahme der Gläubigen.

Die schwere Glaubenskrise – nicht nur bei den Gläubigen, sondern auch und vor allem bei zahlreichen Priestern und Bischöfen – hat uns unfähig gemacht, die eucharistische Liturgie als ein Opfer zu begreifen, als die ein für alle Mal durch Jesus Christus vollbrachte identische Handlung, die das Kreuzesopfer auf unblutige Weise überall in der Kirche durch alle Zeiten, an allen Orten, Völkern und Nationen gegenwärtig setzt. Oft neigt man dazu, die hl. Messe frevelhafterweise auf ein einfaches Gastmahl zu reduzieren, auf die Feier eines profanen Festes und auf eine Selbstzelebration der Gemeinschaft, oder – noch schlimmer – auf eine riesige Ablenkung von der Angst vor einem Leben, das keinen Sinn mehr hat oder gegen die Furcht, Gott von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, weil sein Blick entlarvt und uns dazu zwingt, die Hässlichkeit unseres Inneren in aller Wahrheit und unabgelenkt zu schauen.“

Diese Worte sind eine prophetische Mahnung, prophetisch ist aber auch die Zukunftsvision des Kardinals. Er fordert jene Erneuerung ein, um die es Benedikt XVI. mit dem Konzil stets ging und diese ist „eine vor allem geistliche Notwendigkeit“. Gemeint sind die Überwindung der liturgischen Krise und des Jahrzehnte währenden „liturgischen Kampf[es]“ durch jene Liebe, die uns die Liturgie selbst objektiv zu schenken vermag. „[W]enn der Bund Gottes mit den Menschen in der Feier der Eucharistie neu bekräftigt wird, werden die Gläubigen von der drängenden Liebe Christi angezogen und entzündet.“ Konkret bedeutet dies, auf der Grundlage derselben Kirchlichkeit aller Beteiligten Feindschaften abzubauen, „was voraussetzt, dass jeder in seinem eigenen Empfinden geachtet wird.“

Der Kardinal wird auch hier sehr deutlich: „Daher lehne ich es energisch ab, unsere Zeit damit zu verbringen, die eine Liturgie einer anderen entgegenzusetzen, oder das Missale des heiligen Pius V. demjenigen des seligen Paul VI. Es geht vielmehr darum, in die große Stille der Liturgie einzutreten und sich durch alle liturgischen Formen befruchten zu lassen, ganz gleich, ob sie nun lateinisch oder orientalisch seien. Denn ohne diese mystische Dimension der Stille und ohne einen kontemplativen Geist wird die Liturgie tatsächlich auch in Zukunft zu hasserfüllten internen Kämpfen, zu ideologischen Konfrontationen und öffentlichen Demütigungen der Schwachen durch diejenigen Anlass geben, die behaupten, über eine Autorität zu verfügen, anstatt dass sie der Ort unserer Einheit und unserer Gemeinschaft im Herrn ist. So sollte die Liturgie – anstatt uns gegeneinander aufzubringen und uns zum Hass aufzustacheln – uns alle gemeinsam zur Einheit im Glauben und zur wahren Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollkommenen Menschen, zum Vollmaß der Gestalt in der Fülle Christi gelangen lassen … Und in der Wahrheit wollen wir stehen und in der Liebe alles hinwachsen lassen auf Ihn, der das Haupt ist, Christus (vgl. Eph 4,13-15).“ Wenn wir dies zusammenfassen, so attestiert Kardinal Sarah, daß die überlieferte Liturgie nicht im Widerspruch zum Konzil steht und beide Formen des Römischen Ritus Ausdruck des Betens der Kirche sind und damit, wie Benedikt XVI. lehrte, Ausdruck desselben Glaubens. Polemische Grabenkämpfe sind zu unterlassen; beides hat kirchlich garantiertes Existenzrecht.

Diese Aussage ist wichtig im Kontext der aktuellen Lage. Bei der großen Verwirrung, die derzeit über zentrale Fragen der sakramentalen Struktur der Kirche um sich greift, ist es ein Gebot der Stunde, daß all jene in einem Geist christlicher Brüderlichkeit zusammenarbeiten, die unzweideutig den katholischen Glauben bekennen und durch diesen Glauben, die Sa- kramente und die Unterordnung unter die kirchliche Hierarchie geeint sind. Kardinal Sarah möchte mit Blick auf die kirchliche Liebe den Bruch in der Liturgie überwinden und Erneuerung ermöglichen. Benedikt XVI. hatte öfter darauf hingewiesen, daß die frühe Kirche die Eucharistie selbst als „Caritas“, als „Liebe“ bezeichnet hat. Hier liegt der Grund dafür, warum gerade mit Blick auf ihren Vollzug die Liebe bestimmend sein muß. Von hier verstand Papst Benedikt auch seinen Petrusdienst, dem wir Summorum Pontificum verdanken. Dieser Dienst bedeute, „die Menschen in eine eucharistische Umarmung – in die Umarmung Christi – hineinziehen, die jede Schranke und jede Fremdheit überwindet und aus den mannigfaltigen Verschiedenheiten die Gemeinschaft bildet.“ (19. Feb. 2012). Man wird ergänzen können, daß die Instruktion Universae Ecclesiae als offizielle Interpretation von Summorum Pontificum den usus antiquior als etwas ansieht, das sich an alle Gläubigen richtet, denn er ist „ein wertvoller Schatz …, den es zu bewahren gilt“.

Er ist der Urmeter (Paul Badde) katholischer Liturgie des Westens. Mittelmäßigkeit darf es im liturgischen Bereich nicht mehr geben, und dies ist nicht weniger als eine Frage der geistlichen Fruchtbarkeit der Kirche. Die Worte des Kardinals als Absage an eine sachliche, wissenschaftliche und im kirchlichen Geist vorgebrachte Aufarbeitung der mit der Reform selbst verbundenen, zum Teil gravierenden Probleme zu interpretieren, wäre ein Mißverständnis. Hier wird man Korrekturen erbitten müssen. Zwischen den Zeilen des Präfekten kann man auch deutlich den immer noch aktuellen Kampf um die Instruktion Liturgiam authenticam erkennen. Nachhaltige Erneuerung wird allerdings nicht die alleinige Folge eines Eingreifens der Hierarchie sein. Es geht um einen Wandel der Herzen, der geistlicherweise nur durch jene Gnade bewirkt wird, die am Altar erbetet sein will; die intellektuelle Seite, also die Frage, wie der Mensch die heilige Liturgie versteht, wird erst durch einen mehr oder minder langen Weg der Hinführung zu ihrem Wesen Klärung finden.

Die Worte von Robert Sarah dürfen auch nicht als eine Fixierung des status quo interpretiert werden. Kardinal Ratzinger hatte bereits 2001 mit Blick auf den klassischen Ritus betont, es müsse „in jedem Fall vermieden werden, dass diese Liturgie in einem Kühlschrank für eine bestimmte Art von Menschen tiefgefroren wird.“ (JRGS 11, 679). Kardinal Sarah erinnert in diesem Sinne an den Plan Benedikt XVI., in den traditionellen Ritus neue Heiligenfeste und neue Präfationen einzuführen. Das Plädoyer des Kardinalpräfekten könnte ein Wort von historischer Bedeutung werden. Möge es wahrer Erneuerung in Liebe effektiv dienen!

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Die – zumindest für einen Kurienkardinal beinahe schon grenzwertig offenen – Ausführungen (siehe auch den DT-Artikel vom 3. April auf diesem Blog) bieten mir die Gelegenheit, zumindest den Versuch zu unternehmen, nunmehr die Grenzlinie zwischen „konservativen“ Konzilsbefürwortern und traditionstreuen Katholiken aus meiner Sicht etwas näher auszuleuchten, nachdem ich selbiges vorher bezüglich der Sektierer versuchte.

In der gebotenen Kürze bereitet dies naturgegeben Schwierigkeiten, fand doch auch mein diesbezüglicher Kommentar auf dem Blog des Forums Deutscher Katholiken irritierte Nachfragen (http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=8137#comment-3904).

Die obigen Ausführungen des Kardinals zur Neuen Messe sprechen sicherlich für sich, z.B. dass diese „frevelhafter Weise auf ein einfaches Gastmahl, auf die Feier eines profanen Festes und eine Selbstzelebration der Gemeinschaft“ reduziert wurde – dies wird man problemlos in jeder diözesanen Pfarrgemeinde (mehr oder weniger) feststellen können.

Wenn man so will, wird man Kardinal Sarah als eine Art Benediktianer bezeichnen können und in der Tradition des Papstes Benedikt geht er auch von der sog. „Hermeneutik der Kontinuität“ aus. Demzufolge betont er, es sei keineswegs die Absicht des Konzils gewesen, „eine Reform einzuleiten, die Anlaß zu einem Bruch mit der Tradition werden könnte.“ Bereits dieser Ausgangsthese begegnet jedoch grundlegenden Bedenken, welche ich in meinem Beitrag „Traditionalistisch“, „konservativ“ oder nur einfach … katholisch? Von der Mühe des Begriffes (5) vom 26. April 2016 aufführte. Um Redundanzen zu vermeiden, führe ich dies hier nicht weiter aus, sondern empfehle einen Blick hierauf, übrigens gerade zur angesprochenen Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium

Die benediktianische „Hermeneutik der Kontinuität“ führt Kardinal Sarah zum Denkmuster Ein Ritus – zwei Formen und dieses Denkmuster ist die Grundlage des Wunsches, beide Formen („ordentliche“ und „ausserordentliche“) mögen sich „in Liebe ergänzen“ und so den realen liturgischen Bruch heilen helfen. Als Kurienkardinal verwendet er natürlich die durch Papst Benedikt kirchlich gleichsam „approbierten“ Begriffe der sog. „ordentlichen“ bzw. „außerordentlichen Form des römischen Ritus“.

Besieht man sich die geistige Grundthese, das Konzil müsse mit der Hermeneutik der Kontinuität interpretiert werden, um es mit der Tradition in Einklang bringen zu können, so möchte ich in aller Kürze aus meiner unzulänglichen Sicht auf das Welt- und Gottesbild der „geistigen Väter“ des ominösen „Geist des Konzils“, nämlich die Jesuitenpatres de Lubac, Rahner und Teilhard de Chardin, hinweisen. Dieses war sowohl grundlegend für die Interpretation des Konzils als auch die Gestaltung der Liturgiereform und hat Generationen von Theologen geprägt (bei weiterführendem Interesse an fundierter Analyse empfehle ich die einschlägigen Vorträge von H.H. Pater Niklaus Pfluger, dazu bitte dessen Bild hier am Blog-Rand anklicken).

In seinem Buch Der Guerilla-Priester aus den 60er Jahren über den in den bewaffneten Kampf abgeglittenen linksradikalen Ex-Priester Camilo Torres fasst der niederländische Autor Wim Hornmann auf Seite 385 kurz und einprägsam die Lehre von Pater Teilhard de Chardin zusammen:

Der Begriff Entwicklung erhält innerhalb einer dynamischen Konzeption vom Kosmos von der Erde und dem Menschen eine außergewöhnliche Dimension. Wenn der Mensch das Zentrum ist, auf dass sich die Totalität der kosmischen Evolution richtet, dann ist seine vollkommene Entwicklung als menschliche Person ein Teil dieses Fortschritts. Ein armes Volk, eine unterentwickelte Gesellschaft ist in den Augen Gottes eine Beleidigung und steht im Widerspruch zu den Plänen der Schöpfung.“

Pater Karl Rahner konzipierte darauf fußend die Vorstellung eines anonymen Christentums. Der Mensch als anonymer Christ ist, bereits weil er als Mensch auf Gott bezogen ist, erlöst. Er mag im konkreten Fall auch Buddhist oder Atheist sein, er ist von Gott erlöst – er weiß es nur noch nicht. Gott denkt dem Menschen das Heil zu, sie gehört bereits zur Grundstruktur des Menschen. Demzufolge sind nach Rahner alle Religionen lediglich sog. „suchende Christologien“. Der Buddhist sucht z.B. als Buddhist im Buddhismus Christus und wird in den Himmel kommen. Ebenso der explizierte Gottesleugner – Gnade ist nicht mehr erforderlich. Er ist erlöst – sozusagen, ober will oder nicht.

Eindeutig bezieht sich auch Torres in einem im Anhang des Buches abgedruckten kurzen Zitat auf diese dubiose Lehre, die – auf der Grundlage der Allerlösung – den Glauben an Jesus Christus für nicht konstitutiv für die Erlösung des Menschen denkt:

Als Priester bin ich kein Antikommunist, denn, wenn auch die Kommunisten es selbst nicht wissen, so können doch viele echte Christen unter ihnen sein. Wenn sie im guten Glauben sind können Sie die heiligmachende Gnade haben, und wenn sie die heiligmachende Gnade haben und ihren Nächsten lieben, werden sie erlöst werden.“

Mit dem besagten Jesuiten-Dreigestirn hat man sich vom überlieferten theozentrischen Glauben ab- und einem neuen, nunmehr klar anthropozentrischen, Glauben zugewandt.

Ersterer betet Gott an (und fragt: was muß ich tun, um gerettet zu werden?), letzterer betet gleichsam den Menschen an (und fragt: Was kann Gott sonst für mich tun? Retten kann ich mich selbst). Ist der Mensch bereits erlöst und geht mit absoluter Sicherheit nach dem Tode zu Gott ein, kommt es ja in der Tat auf Gottesdienstbesuche, Beichte oder Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche nicht an. Dann wird auch klar, warum Papst Johannes-Paul II. die Moslems aufrief, gute Moslems zu bleiben und den Koran küßte, warum Papst Franziskus von Mission nichts hält, weder bei Moslems, noch bei Orthodoxen oder gar Juden. Diese sind erlöst, fertig.

Faktisch schuf das Konzil durch die Allerlösungstheologie á la Rahner eine neue Religion, in welcher jeder Mensch ohne Erbsünde, Meßopfer und der Kirche als Heilsnotwendigkeit bereits erlöster anonymer Christ ist.

Der Katalysator dieser Grundhaltung ist die per Liturgiereform (Landessprache statt Latein, Zelebration zum Volk, fehlende Kommunionbank, Altartisch statt Hochaltar etc.) brachial aufgezwungene Neue Messe – sie ist nicht mehr eindeutig Opfer, sondern vielmehr Gemeinschaftsmahl der sich versammelnden Gemeinde. In ihr steht der Mensch mit seinen Problemen im Mittelpunkt, die diesseitige Welt, welche sozial verträglich und umweltgerecht gestaltet werden muß. Gott hat sich hier dem Menschen anzupassen, nicht umgekehrt.

Wie sollte da die Neue Messe die Alte Messe befruchten können? Gibt es doch „die“ Neue Messe gar nicht, sondern nur unzählige, der konkreten Gemeinde vor Ort jeweils passgenau nach ihren Bedürfnissen gestaltete Varianten. Die Liturgie atomisiert sich, um dem egozentrischen Mikrokosmos des Einzelnen auch ja genehm zu sein. Wie könnte sie, wie der Kardinal wünscht, „alle gemeinsam zur Einheit im Glauben und zur wahren Erkenntnis des Sohnes Gottes“ führen? Unterschlägt sie doch (aus Sicht „der bereits Erlösten“ logischerweise) die Notwendigkeit der Annahme Gottes als Vorbedingung des persönlichen Heils.

Folgerichtig wird die theozentrische überlieferte Messe (und die sie bewahrende Priesterbruderschaft St. Pius X.!) als Todfeind der anthropozentrischen Nouvelle Théologie begriffen und von progressistischen Bischöfen mit gleichsam „rattenhafter Wut“ (Heinrich Böll) bekämpft. Wer bereits erlöst ist, benötigt weder das Kreuzesopfer Christi noch das Beichtsakrament, der würde ja gleichsam wieder „in das Joch“ der Sonntagspflicht sowie des Beichtstuhls gezwungen, woraus ihn die kirchlichen 68er – zumindest in deren Selbstwahrnehmung – doch so heldenhaft befreiten. Darum der verbissene und unaufrichtig im Dunklen geführte Kampf der DBK um die bewußt verfälschten Wandlungsworte „mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden“. Für alle, denn alle sind erlöst. Wie wäre mit dieser die beschworene „Zusammenarbeit in einem Geist christlicher Brüderlichkeit“ denkbar, fehlt es doch hier am „unzweideutigen Bekenntnis des katholischen Glaubens“?

Denkt man dies in Ruhe zu Ende, überrascht es nicht, dass diese Neue Theologie andere Priester hervorbringt – nicht mehr Opferpriester, sondern Pastoralteam-Moderatoren, gemeindetherapeutisch denkende Sozialarbeiter. Und natürlich andere Gläubige – und einen anderen Glauben.

Daher bin ich nicht so optimistisch wie der – von mir sehr geschätzte – Kardinal, der „von der Grundlage derselben Kirchlichkeit“ spricht. Die ebenso angesprochene „Achtung eines jeden in seinem eigenen Empfinden“ mag angehen, so lange alles hinlänglich abstrakt bleibt – sobald es konkret wird, wird sich aus besagten Gründen unweigerlich die Spreu vom Weizen trennen. Und dann wird Kardinal Sarah entgültig Farbe zu bekennen haben – und die Petrusbruderschaft auch…

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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Eine Antwort zu Erneuerung in Liebe (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_06.pdf)

  1. Neukatholikin schreibt:

    Da möchte ich bescheiden auf die Zeitzeugin Isa Vermehren hinweisen, deren Tagebücher der Jahre 1950-2009 kürzlich veröffentlicht wurden: http://www.kathnews.de/isa-vermehren-tagebuecher-1950-2009. Wenn man gelesen hat, was sie in den Jahren ab 1965 schreibt glaubt man nicht mehr an eine Kontinuität…

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