Mattscheibe manipuliert Masse 3: Father Brown reloadet…

Man mußte sich daran gewöhnen, dass die Werke christlicher Autoren im 20. und 21. Jahrhundert nicht mehr mit dem religiösen Hintergrund wiedergegeben werden, mit welchem sie der Autor im Original ausstattete. So wurden beispielsweise die Bücher des zutiefst vom christlichen Geist durchtränkten Karl May – in der „Züricher Ausgabe“ gottlob wortwörtlich reproduziert – in den populären grünen Büchern des Karl-May-Verlages lediglich stark vereinfacht wiedergegeben. In den Filmen mit Pierre Brice und Lex Barker ist der – für Karl May bezeichnende – christliche Hintergrund der Protagonisten vollkommen verschwunden.

Dasselbe Vorgehen fiel mir zuletzt bei der Geschichte Die falsche Form von G. K. Chesterton auf. Der Titel der – im Original im 19. Jahrhundert angesiedelten – Geschichte des zutiefst katholischen Autors bezieht sich auf die Form eines Dolches, welchen Pater Brown in einem Garten vorfindet sowie auf den Schnitt aufgefundenen Papiers. Die auf dieser Geschichte lediglich „lose basierende“ Fernsehfassung spielt Mitte des 20. Jahrhunderts, hier bezieht sich der Titel auf die körperlichen Mißbildungen eines Babies.

Den indischen Götzendiener schildert Chesterton (durch Father Brown) im Originaltext noch als „den schwarzen Kerl“ und „den gelben Teufel“ – Formulierungen, welche es heute weder in ein Buch noch einen Film schaffen würden [Nebenbei: Vielleicht wäre es ratsam, sich die Bände der Haffmans Verlag AG Zürich noch schnell zu beschaffen, bevor Sie vom Gesinnungsjustizminister wegen hate speech aus dem Verkehr gezogen werden 😉 ] 

In der Fernsehfassung ist er natürlich politisch korrekt ein mitleidsvoller Mensch, welcher dem Hausherren in seinem starken Schmerz lediglich spirituellen Beistand leistet. Hat dieser doch als Arzt die Mißbildungen durch die gutgläubige Verabreichung eines verbotenen Medikaments an die eigene Frau selbst verursacht. Im TV werden die Zweifel des skeptischen Paters schnell zerstreut und am Schluss der Folge sieht man, wie der Götzenanbeter neben dem Latein murmelnden katholischen Priester gleichberechtigt sein heidnisches Begräbnisritual am Grab vollzieht.

Für den Zuschauer wird damit optisch einprägsam unterstrichen, dass alle Religionen im Angesicht des Todes denselben Stellenwert einnehmen. Sie sind nützlich, soweit sie den Hinterbliebenen Trost in schweren Stunden zu spenden vermögen. Welche Religion dies im Einzelfall erledigt, bleibt gleich. Das Fremde erscheint nur durch selbstverschuldete Unkenntnis fremd – Father Brown entschuldigt sich daher auch in aller Form für seinen böswilligen Verdacht.

Durfte der katholische Autor im Original noch auf die potenzielle Gefahr heidnischen Götzenkultes hinweisen,

Als der Inder mit uns sprach“, fuhr Brown in leichtem Plauderton fort, „hatte ich eine Art Vision, eine Vision von ihm und seinem ganzen Universum. Und doch sagte er nur dreimal das gleiche. Als er zum ersten Mal sagte >ich wünsche nichts<, bedeutet dass lediglich, dass er undurchdringlich sei, dass Asien sich nicht selbst aufgebe. Dann sagte er wiederum >ich wünsche nichts<, und ich wusste, er meinte, dass er sich selbst genüge wie der Kosmos und dass er weder einen Gott brauche noch irgendwelche Sünden anerkenne. Und dass er zum dritten Mal sagte >ich wünsche nichts< da sagt er das mit flammenden Augen. Und ich wusste, dass er buchstäblich meinte, was er sagte; dass nichts sein Begehren und seine Heimat sei; dass er sich nach nichts sehnte wie nach Wein; dass Vernichtung, die reine Zerstörung von allem und jedem -“

so ist dies heutzutage in unserer toleranten Gegenwart natürlich nicht mehr möglich.

Wer den spezifischen Katholizismus des Autors weglässt, reduziert Pater Brown allerdings auf einen normalen Detektiv. Nicht umsonst sagte Hanswilhelm Haefs zu seiner Neuübersetzung (Haffmans Verlag, 1999):

„Ich widme diese Neuübersetzung dem Gedächtnis der Eltern, die gläubige bewusste Katholiken waren, denen daher die Amtskirche manche dunkle Stunde bereitete und die deshalb an der souveränen, unklerikalen Katholizität Father Browns ihre Freude hatten“.

Man erkennt ohne weiteres, dass die Katholizität des Paters unumgänglich für das Verständnis des Werkes Chestertons ist, wobei man über den Gebrauch des Begriffes “Amtskirche“ hier sicherlich nicht streiten muss…

Jede Geschichte hat sich aber heutzutage in das politisch-korrekte Narrativ der herrschenden one world/one religion-Ideologie anzupassen. Probleme sind da höchstens Missverständnisse, welche aufgrund mangelnder kultureller Sensibilität des Pfarrers entstehen. Damit korrespondierend wird die Rolle des heidnischen Götzenanbeters als sanftes verständnisvolles Wesen ausgestaltet, welches keinerlei Vorurteile erkennen lässt, sondern sehr zurückhaltend und menschlich angenehm erscheint. Der Part des kulturell unsensiblen, haltlose Verdächtigungen äußernden „Elefanten im Porzellanladen“ bleibt hier dem katholischen Priester vorbehalten. In dieser Folge wird er daher auch sichtlich „von seinem hohen Ross“ herunter geholt und spielt am Grab während des interreligiösen Begräbnisrituals eine bescheidene Nebenrolle. Dies verdeutlicht auch prägnant den Stellenwert, welchen die in Medien, Politik und Wirtschaft einflußreiche Bruderkette dem Katholizismus noch zugestehen will. Er wird als überkommenes, hoffnungslos veraltetes und daher museales Relikt geschildert.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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