Einheit „einfach so“? (summorum-pontificum.de)

22. Mai 2017

Am 9. Mai haben wir unter der Überschrift Schisma ist auch nicht besser über aktuelle Entwicklungen um die Piusbruderschaft berichtet, die darauf hindeuteten, daß die von einigen Vatikan-Astrologen bereits für diesen Monat erwartete „volle Einheit“ noch einige Zeit auf sich warten lassen werde. Aus der FSSPX war ein Schreiben von zehn lokalen Oberen bekannt geworden, die sich weigern wollen, Eheschließungen im Personenstandsregister der zuständigen Diözese anzuzeigen, wie das von Rom zum Erfordernis für die Gültigkeit von Eheschließungen vor einem Priester der Bruderschaft gemacht worden ist. Und aus Rom selbst kamen Wortmeldungen dahingehend, daß die Verhandlungen zwar in einem guten Geist verliefen, von einem Termin jedoch keine Rede sein könne. Und der Papst selbst ließ anläßlich einer Pressekonferenz „Dem Himmel so nah“ im Flugzeug erkennen, mit diesem Stand der Dinge durchaus zufrieden zu sein: „Ich halte nichts davon, Dinge zu übereilen. Gehen, gehen, gehen – dann werden wir weitersehen.“.

Es sieht so aus, als könnten und müssten wir das wörtlich nehmen. Bischof Fellay hat Ende April in einem Interview, das erst jetzt veröffentlicht wurde, wissen lassen, daß der Vatikan ihm bereits Ende letzten Jahres brieflich mitgeteilt hat, die Bruderschaft könne auch ohne Genehmigung des Ortsbischofs Priesterweihen vornehmen. Man wird ihm schwerlich widersprechen können, wenn er darin eine weitere Anerkennung sieht, daß die Kirche diese Weihen nicht nur als gültig, sondern auch als ordnungsgemäß betrachtet und die Priester daher nicht mehr wie bisher als gleich mit Beginn ihres Amtes suspendiert gelten.

Damit ergibt sich jetzt nach der Legalisierung von Beichten und Eheschließungen durch bzw. vor Priestern der Gemeinschaft hinsichtlich der Verwaltung der Sakramente folgendes Bild: Taufen und Eucharistie waren nie umstritten, ebensowenig die Krankensalbung. Beichterlaubnis und Eheassistenz sind neuerdings ebenfalls geregelt, und nun also auch die Priesterweihe – einschließlich der dieser vorausgehenden niederen Weihen und der Weihe zum Diakon. Unerwähnt geblieben ist bislang die Firmung, deren Gültigkeit freilich auch nie in Frage gestellt worden ist und deren Einbeziehung in die diözesanen Strukturen analog dem Verfahren bei Eheschließungen gestaltet werden könnte: Durch schlichte Meldung des Vollzugs an die Personenstandsregister.

Das allerdings könnte – ebenso wie bei den Eheschließungen zu Schwierigkeiten führen, die auch den Widerspruch der zehn lokalen Oberen erklären dürften: Eintragungen ins Personenstandsregister der Diözese sind logischerweise nur für Personen möglich, die in diesen Registern geführt werden. Wer etwa durch Kirchenaustritt oder weil er nie eingetragen war in diesem Register nicht vorkommt, wird zum Problemfall, und das für beide Seiten. Für Länder mit staatlicher Eintreibung einer Kirchensteuer ergibt sich in diesem Zusammenhang noch eine zusätzliche Komplikation.

Ein zweites, theologisch und kirchenrechtlich anspruchsvolleres Problem entsteht bei der Frage von Bischofsweihen. Daß die drei Bischöfe der Bruderschaft fähig sind, Bischöfe zu weihen, steht außer Frage. Daß sie das „in voller Einheit mit dem Nachfolger Petri“ nur dann tun können, wenn dieser in der einen oder anderen Form seine Zustimmung oder Anerkennung zu Protokoll gibt, ebenfalls. Derzeit ist nicht absehbar, wie ein dazu geeignetes Verfahren aussehen könnte, wenn es für beide Seiten akzeptabel sein soll.

Dahinter allerdings tut sich noch ein drittes, größeres, Problem auf: Die sich jetzt abzeichnende Figur einer in weitgehender Unabhängigkeit von den Ortsbischöfen agierenden Bruderschaft steht quer zum in der Kirche traditionell geltenden Territorialprinzip – und dieses Prinzip hat nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine ekklesiologische Dimension. Das Problem ist nicht gänzlich neu. In der großen Zeit der Orden hat es zu vielfältigen Schwierigkeiten geführt, die bestenfalls in der Praxis neutralisiert werden konnten, wenn beiderseits guter Wille vorhanden war – was nicht immer der Fall war.

In der Gegenwart findet es eine Entsprechung in den außerhalb der Diözesanstrukturen existierenden Rituskirchen östlicher Traditionen, die ihre eigene Organisation der römischen quasi überlagern. Problematisch ist hier vor allem die Frage des Zugangs und der Mitgliedschaft. Sie wird derzeit nur dadurch einigermaßen handhabbar gemacht, daß man bei den in Einheit mit Rom stehenden Kirchen quasi in seine Kirche hineingeboren bzw. -getauft wird. Ein Wechsel ist nur unter höchst restriktiv gefassten Bedingungen möglich ist. Genau eine solche Regelung erscheint aber im Zusammenhang mit der Piusbruderschaft schwer denkbar. Außerdem wird beim Gedanken an eine Rituskirche der überlieferten Liturgie sofort die Frage der schon seit längerem in Gemeinschaft mit Rom stehenden altrituellen Gemeinschaften virulent. Die hier aufgeworfenen Fragen gehen also weit über die Unterzeichnung einer professio fidei hinaus.

Denkbar hingegen erscheint es, daß Papst Franziskus mit seinem eingangs zitierten „Gehen, gehen, gehen – dann werden wir weitersehen“ die Absicht signalisiert, auf eine klare Regelung dieser Fragen zu verzichten – so wie er das in anderer Hinsicht ja auch tut. Einheit würde dann „einfach so“ praktiziert, ein Bischof oder Erzbischof aus der Bruderschaft bekäme vielleicht seinen Sitz in römischen Gremien – und die unvermeidlichen Konflikte müßten auf lokaler Enbene ausgetragen werden – hier so, da anders. Ein solches Vorgehen würde sich gut in die allgemeinen Strategie des Argentiniers einfügen – zumal Franziskus schon des öfteren die Überzeugung ausgesprochen hat, daß es sich bei den treu zur Liturgie und Lehre der Tradition stehenden Katholiken um eine Modeerscheinung handele, die sich angesichts des aufblühenden Neuen Frühlings der neuen Pastoral von selbst erledigen werde.

Diese Strategie des „Hagan lio“ ist höchst riskant und geeignet, die ohnehin nur noch nominell bestehende Einheit der Kirche dauernden Zerreißproben zu unterziehen. Allerdings: Weder die Piusbruderschaft allein noch die Gläubigen der Tradition insgesamt sind in der Lage, Rom an der Verfolgung dieses Kurses zu hindern. Sie sollten genug Selbstbewußtsein aufbringen, die Wette mitzugehen: Welche Erscheinung nur eine vorübergehende Mode ist, wird sich dann zeigen.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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