Die 18. Woche (summorum-pontificum.de)

6. Mai 2017

 

Verpasst haben wir in dieser Woche den Jahrestag des hl. Papstes Pius V. am 5.5. dem wir die offizielle Promulgation des nach den Vorgaben des Trienter Konzils revidierten Missale Romanum verdanken, das in seiner Grundstruktur bis heute den überlieferten Ritus bestimmt. Auf Einzelheiten wird in anderen Zusammenhängen einzugehen sein – hier nur ein kurzer Hinweis auf zwei verbreitete Missverständnisse: Das Missale nach Trient war bei weitem keine Neuschöpfung nach dem Geist der Zeit, sondern verstand sich als eine Wiederherstellung der Form der hl. Messe, wie sie im 13. und 14. Jahrhundert am päpstlichen Hof und in den daran orientierten Bistümern gefeiert worden war – also bevor in den Wirren der Reformationszeit vielerorts Mißbräuche und Irrtümer eingedrungen waren. Und zweitens wollte dieses Missale nicht andere und vorhergehende Formen der Messfeier vereinheitlichen und abschaffen, sondern es erlaubte ausdrücklich die weitere Verwendung aller Formen, die vor der Unruhezeit gebräuchlich waren und daher als orthodox angesehen werden konnten. Nicht Bruch, sondern Sicherung der Kontinuität war das Ziel. Eine schöne Kürzestbiographie des hl. Papstes findet sich bei sacerdos viennensis.

Nach langem, schweren Mühen – so möchte man es fast sagen – hat sich nun ein kleiner bayrischer Verlag bereitgefunden, eine der wichtigsten Veröffentlichungen von Roberto de Mattei, die bereits 2011 im Original erschienene „Verteidigung der Tradition“, in deutscher Übersetzung herauszubringen. Die Aktualität des Werkes hat in den Vergangenen Jahren ständig zugenommen, selten zuvor wurde die Tradition so offen und so schamlos zurückgewiesen und bekämpft wie in den letzten Jahren. Ein neues Vorwort von Martin Mosebach stellt diese Bezüge in eindringlicher Weise vor Augen.

[Kirchfahrters Empfehlung dazu: http://www.katholisches.info/2017/05/roberto-de-matteis-verteidigung-der-tradition-nun-auch-auf-deutsch/]

Kein ganzes Buch, aber einen „offenen Brief“ hat Antonio Socci letzte Woche geschrieben, nachdem er den Video-Aufruf des Papstes an die Jugendlichen mit seinem Gebetsanliegen für den Mai gesehen hatte. In diesem Brief wundert sich Socci darüber, daß Seine Heiligkeit die Jugendlichen zwar eingeladen habe, „sich für die großen Ziele der Welt zu mobilisieren“, jedoch mit keinem Wort davon spreche, sie sollten „sich für die große Sache Gottes … engagieren und für das Heil der Seelen und das Heil der Menschheit“. Wir wundern uns mit – wirklich?

Genauso wenig wundern wir uns über die Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz zum Abschluß des Kongresses der Allianz für Weltoffenheit in Köln zu Monatsbeginn. Eine interessante Allianz ist das, Arbeitgeber und Gewerkschaften, Christen, Juden und Muslime, Kulturrat und Politische Bildner – alle vereint in dem großen Ziel, eine „demokratische, weltoffene und plurale Zivilgesellschaft“ zu schaffen. Das hat Jesus doch auch stets gepredigt, oder war da noch was?

Und da aller guten Dinge drei sind, hier noch so ein Klops: Das „theologische Feuilleton“ feinschwarz.net zerbricht sich unter schwarz-rot-goldenem Signet den Kopf über „Chancen und Risiken kirchlicher Organisationsentwicklungsprozesse“. Den Beitrag selbst haben wir gar nicht erst angeschaut, die Überschrift sagt für sich schon mehr als genug über den Stand der Dinge Christi in unseren Breiten zu Beginn des 3. Jahrtausends.

Das ist nicht mehr zu toppen? Sag niemals nie.

Passend zur Wahl in Schelswig-Holstein bringt Focus Online ein PR-Gespräch mit dem CDU-Spitzenkandidaten Günther und fragt unter Aufbietung allen vom Alllianzkongress mitgebrachten zivilgesellschaftlichen Mutes: Was entgegnen Sie einem CDU-Anhänger, der sagt: „Die CDU sperrt sich vehement gegen die Ehe für Homosexuelle. Das ist für mich nicht konservativ, sondern hinterwäldlerisch.“ Sind die möglicherweise dadurch verlorenen Mitglieder diese CDU-Position wert?

Darauf CDU-Mann Günther: „Ich finde, dafür lohnt es sich nicht, auf Mitglieder zu verzichten.“

Die anschließend gegebene Erläuterung mag im Volltext nachlesen, wer sich an Geschwafel noch ergötzen kann. Festzuhalten ist das „es lohnt sich nicht“ als ultimative Antwort eines führenden Christdemokraten zur Erledigung einer von Gott gegebenen und vom Naturrecht gewiesenen Ordnung, die seit Tausenden von Jahren zum Kernbestand der Kultur nicht nur im ehemals christlichen Europa gehörte. Ab auf den Müllhaufen der Geschichte.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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