Gedanken Pfarrer Milchs zu den Gründen der rasanten „Erfolges“ der konziliaren Umgestaltung

Pfarrer Milch bei der Wiesbadener RedeNachdem im Kommentarbereich eines ansonsten lesenswerten Blogs häufiger nicht genug durchdachte Anschuldigungen auftauchten, wonach ein dubioser „Papalismus“ von „Traditionalisten“ (oder denen, die von der Kommentierenden – wohl aufgrund der eigenen zu engen Vorstellungen – fälschlicherweise dafür gehalten werden) für die kirchlichen Mißstände im Allgemeinen und die aktuellen Kapriolen des Heiligen Vaters im Besonderen verantwortlich ist, lohnt es sich, einmal bei kompetenter Stelle nachzuschauen.

Wer daher an Überlegungen zu den Gründen interessiert ist, warum die konziliaren Neuerungen samt „Liturgiereform“ sich in den 70ern steppenbrandartig in der Kirche ausbreiten konnten, dem sei ein Blick in seine Predigt der Vorabendmesse zum 1. Advent 1985 empfohlen.

 

„Ich hatte mal gemeint, die Genußsucht sei das größte Laster in der Welt. Ich bin längst dahintergekommen, daß die Feigheit das größte Laster in der Welt ist, vor allem, wenn sie sich das Etikett „Gehorsam“ aufklebt! Die Feigheit: das ist das schlimmste aller Laster! Jetzt muß man sich nicht nur fragen: „Wer sind die Urheber?“, sondern man muß sich selbstverständlich auch fragen: „Was waren die Bedingungen, die es den Urhebern, den Zerstörern überhaupt ermöglichte zu kommen; wie konnten sie einbrechen?“, denn die Zerstörer waren schon immer auf dem Sprung, die warteten schon immer darauf. „Wie kam es, daß sie sich so formieren und so einbrechen konnten?“ Das muß man sich eben überlegen. „Warum? Was wurde falsch gemacht in unseren Reihen, daß sie so kommen konnten?“

Na ja, und da ist man sehr schnell auf der Spur: die mangelnde Unterweisung der Gläubigen, die Abfertigung, die Abspeisung der Gläubigen – mit Rohrstock in der Schule und Einbleuen auswendig zu lernender Sätze! „Da waren wir wohl unterrichtet“, wie es hieß, „im Glauben.“ Sie waren überhaupt nicht unterrichtet! Sie haben was eingebleut bekommen und hingen und hängen weithin an Äußerlichkeiten. Und je äußerlicher die Äußerlichkeiten sind, im Maße ihrer Äußerlichkeit, desto fanatischer diejenigen, die daran hängen; je oberflächlicher, desto verbissener die Verteidigung. Das ist zum Beispiel eine Folge mangelnder Unterweisung, mangelnder Tiefe!

Ich höre heute noch den großen Prälaten Wolker, ein großer Name in der katholischen Jugendbewegung der zwanziger, dreißiger bis in die fünfziger Jahre hinein. Ich höre ihn noch, wie er bei uns im Seminar sich beklagte über die Armseligkeit der Verkündigung. Er hatte wahrlich recht gehabt. Diese Unterernährung, diese geistige Unterernährung, die muß schleunigst aufhören! Man kann nicht einfach so weitermachen! Man kann nicht weitermachen dort, wo man 1958 aufgehört hat! Das ist vollkommen unmöglich! Man muß einen völlig neuen Stil anfangen. Man muß wieder zurückkehren zu der Einheit von Theologie und Seelsorge, und man darf „Einfachheit“ nicht mit „Primitivität“ verwechseln!

 

Die komplette Predigt ist einsehbar unter http://www.spes-unica.de/milch/texte/text.php?datei=1985_1advent).

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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