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„Maria löst die Zunge und öffnet die Herzen“

Warum die schwäbische Wallfahrt Maria Vesperbild zu den beliebtesten in Deutschland zählt.

Von Claudia Fuchs

Am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel leuchtet die Fatimagrotte in prächtigem Blumenschmuck. Foto: Weizenegger

Der Prälat ruft, und alle kommen. Sonntag für Sonntag füllen sich im bayerisch-schwäbischen Maria Vesperbild die Bänke – während andernorts die Kirchen leerer und leerer werden. Der ländlich gelegene Weiler im Bistum Augsburg ist einer der meist besuchten Wallfahrtsorte in Deutschland. Vielleicht liegt es an der perfekten Mischung: eine kleine barocke Wallfahrtskirche samt Zwiebelturm inmitten des Naturparks Westliche Wälder, eingebettet in sanfte Hügel und Wiesen, eine Fatimagrotte, an der die Pilger ihre Sorgen und Nöte Maria zu Füßen legen, und ein Wallfahrtspriester, der zur Predigt noch auf die Kanzel steigt, nie um markige Worte verlegen ist und genau in die Herzen der Gläubigen trifft – das perfekte Zeitmanagement eingeschlossen: Kaum eine Messe dauert länger als 45 Minuten.

Tägliche Messfeier in den Anliegen der Pilger

Maria Vesperbild sei eine Symphonie, schwärmt denn auch Wallfahrtsdirektor Prälat Wilhelm Imkamp selbst, „ein herrliches, strahlendes, nicht allzu großes Gotteshaus aus dem 18. Jahrhundert, ein Gnadenbild aus dem 16. Jahrhundert (das sogenannte Vesperbild: Maria hält ihren toten Sohn Jesus auf dem Schoß), das wir alle in unserem Leben schon einmal gelebt und nachgelebt haben, weil es gleichsam die urmenschliche Erfahrung des Leids illustriert, und die herrliche Gestalt Unserer Lieben Frau von Fatima aus dem 20. Jahrhundert, die uns entgegentritt, uns anschaut und nicht mehr loslässt.“

Auch ihn selbst hat Maria Vesperbild nicht mehr losgelassen. Seit mittlerweile fast 30 Jahren wirkt der am Niederrhein gebürtige Prälat nun schon an diesem Ort. Keine Spur von Frust oder Amtsmüdigkeit. Mit Leidenschaft und Eindringlichkeit predigt er Sonntag für Sonntag von Jesus, der gekommen sei, um sich dem Tod auszuliefern, damit die Menschen das ewige Leben haben. Imkamp glaubt an Wunder, auch an das Wunder der Bekehrung, wie er selbst anlässlich des 40. Jahrestag seiner Priesterweihe im Oktober 2016 bekannte. Und Bekehrungen gibt es in Maria Vesperbild tatsächlich immer wieder. Das müssen auch Imkamps Kritiker, die ihn nicht selten als „gnadenlosen Selbstdarsteller“ betiteln, neidlos zugestehen. In Maria Vesperbild floriert selbst die Beichte. „Maria löst die Zunge und öffnet die Herzen“, bringt es Prälat Imkamp auf den Punkt.

Und seine Aufgabe als moderner Wallfahrtspriester? Wilhelm Imkamp lächelt hintersinnig: „Naja, der Wallfahrtspriester ist zuerst einmal Hausmeister der Gottesmutter. Er muss dafür sorgen, dass ihre Tür offensteht.“ Wichtig sei eine „sakramentenfundierte Seelsorge“, etwa die tägliche Zelebration der heiligen Messe insbesondere in den Anliegen der Pilger. Und die bringen ihre Sorgen, Nöte und Hoffnungen nicht mehr nur in den Messintentionen zum Ausdruck, sondern zudem per Brief und längst auch per Internet.

Auf seine Weise schafft es der Prälat, jegliche Altersgruppen und sämtliche Schichten der Gesellschaft, vom kleinen Ministranten bis zur Fürstin, für die Sache Gottes zu begeistern. Der Spagat zwischen modernem Pilgermanagement und glaubhafter Verkündigung gelingt. Das Mysterium des Glaubens, er lebt es vor. Wenn Imkamp die Eucharistie versus Deum, am Hochaltar mit dem Rücken zu den Gläubigen, feiert, steht er an der Spitze der Gottesdienstgemeinde zusammen mit ihr vor Gott. An das Ohr der Pilger dringen lediglich die geflüsterten lateinischen Wandlungsworte. Die Stille macht das Geheimnis des Verborgenen für jeden spürbar.

Einst war es nur eine kleine schlichte Feldkapelle mit dem Vesperbild, das die Menschen zum Gebet und zum Verweilen lockte. Heute strahlen das Gold des Hochaltares, die barocken Prunkelemente an den Seitenaltären und an der Kanzel mit den Sonnenstrahlen, die durch die hohen Fenster brechen, um die Wette. Zur Wallfahrtsstätte gehören neben der Kirche auch ein Pilgerhaus mit Wallfahrtsladen, der Marienbrunnen und Außenmonitore, damit die heiligen Messen auch im Freien mitgefeiert werden können. Tatsächlich bietet die Wallfahrtskirche bisweilen schon zwanzig Minuten vor dem Gottesdienstbeginn keinen freien Platz mehr. Die Mariengrotte liegt einige hundert Meter entfernt im Wald. Es gibt keinen Tag im Jahr, an dem sie unbesucht bleibt. Keinen Tag ohne Kerzen: große, prächtig gestaltete Pilgerkerzen neben den kleinen, schlichten weißen Lichtern im roten Plastikbecher. Keineswegs nur an den großen Wallfahrtstagen wie Pfingstsonntag oder Maria Himmelfahrt. An letzterem freilich stehlen die Blumen den flackernden Kerzen die Schau: Maria Vesperbild ist berühmt für die geradezu opulenten Blütenteppiche an diesem Hochfest.

Zur Fatimagrotte hat übrigens auch der Prälat eine ganz persönliche Beziehung. Ende der 70er Jahre war er Kaplan in einer Pfarrei im Rheinland, wo er zum ersten Mal mit der Fatimafrömmigkeit konfrontiert wurde. „Dort gab es eine kleine Fatimakapelle, dort gab es Lichterprozessionen, dort gab es das tägliche Rosenkranzgebet. Und jedes Jahr kam auch ein Karmelit aus Fatima in Ferien. Ich habe damals zum ersten Mal etwas von der Bedeutung Fatimas gespürt“, erinnert sich Wilhelm Imkamp. In Maria Vesperbild habe sich diese Erfahrung durch das „Grotten-Erlebnis“, wie er sagt, wesentlich intensiviert. „Diese Gottesmutter hier in der Grotte ist von einer einzigartigen Intensität. Sie scheint sich zu bewegen, sie vermittelt das Gefühl einer unmittelbaren lebendigen Zuneigung. Ihrem Blick kann man sich aussetzen, er ist liebevoll und tröstend, aber auch ermunternd“, beschreibt er seine Erfahrungen.

Weit über tausend Danktäfelchen in der Grotte

„Maria hat geholfen“ steht in vielen Sprachen auf weit über tausend Danktäfelchen an der Grotte. Hier in der kleinen schwäbischen Wallfahrt erfahren die Menschen, warum es Sinn hat, zu glauben. Prälat Imkamp hat diese Erkenntnis einmal so formuliert: „Der Glaube ist schön, und der Glaube macht das Leben leicht, in manchen Fällen sogar erst erträglich. Alle Not, alle Katastrophen, alle Trauer, alles Versagen, alle Schlechtigkeit freilich bleiben, und für den Nichtglaubenden sind sie das letzte Wort in einer sinnlosen Welt. Für den Glaubenden aber sind sie schlimmstenfalls das vorletzte Wort vor der Ewigkeit.“

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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