Koreanische Halbinsel: die nukleare Pandora! (strategische-studien.com)

Strategische Studien

Koreanische Halbinsel: die nukleare Pandora!

Panmunjom - Panmun-gak von Nordkorea
Panmunjom – Panmun-gak von Nordkorea

Erschienen im PORTAS CAPITAL Newsletter

1. Koreanische Halbinsel: geostrategische Bedeutung

Wie ein Drohfinger weist die koreanische Halbinsel vom eurasischen Festland aus auf Japan hin. Zweimal haben die Seestreitkräfte von Kublai-Khan (1215-1294), dem Gründer der über China herrschenden Yuan-Dynastie der Mongolen (1279-1368), von Korea aus versucht Japan zu erobern. Dabei sind sie gescheitert. Japan selbst hat gegen Korea Eroberungsfeldzüge unternommen. 1905 wurde Korea zum japanischen Protektorat und 1910 zur Kolonie Japans degradiert.

Jene Macht, die über die koreanische Halbinsel herrscht, kontrolliert das Gelbe Meer und das Japanische Meer. Die Lage der Halbinsel ist von hoher seestrategischer Bedeutung.

Eine Vereinigung der beiden Koreas würde zu einem Industriestaat mit einer Bevölkerung von über 76 Millionen Menschen führen, die bezüglich Innovation und Leistungsfähigkeit jene der Nachbarstaaten übertreffen könnte. Nur schon deshalb haben weder Japan noch China ein echtes Interesse an der seit 1945 aufgezwungenen Teilung des koreanischen Volkes. Die heutige Grenze zwischen Nord- und Südkorea bildet die seit dem Ende des Koreakrieges, 27.08.1953 festgelegte Waffenstillstandslinie.

Die Vereinigung die beiden Koreas könnte, so die Sicht von China, auch zur Stationierung von US-Truppen an den koreanisch-chinesischen Grenzflüssen Yalu und Tumen führen. Eine solche Lage will China unter allen Umständen verhindern.

 

2. Das Nuklear- und Flugkörperprogramm Nordkoreas

Bereits in den 90er Jahren hat Nordkorea einen schwunghaften Handel mit weiterentwickelten ballistischen Flugkörper des Typ Scud an Staaten des Mittleren Ostens und Nordafrika (Libyen) betrieben. Im Verborgenen dürfte Nordkorea in dieser Zeit auch nukleare Gefechtsköpfe entwickelt haben. Am 9. Oktober 2006 fand die erste unterirdische Zündung eines nuklearen Gefechtskopfes statt. Die Sprengkraft wurde auf 0.7 bis 2 Kilotonnen (Hiroshima-Bombe 13.5 Kilotonnen TNT) geschätzt.[1] Am 5. April 2009 testete Nordkorea einen dreistufigen ballistischen Flugkörper Taepodong/Unha. Am 25. Mai 2009 fand die zweite nukleare Explosion mit einer Sprengkraft von 2 bis 5.4 Kilotonnen statt. Am 13. April 2012 fand wieder ein Test mit einem Flugkörper Taepodong/Unha statt, der aber misslang. Der Test wurde am 12. Dezember 2012 mit einem Satelliten erfolgreich wiederholt.

Am 12. Februar 2013 erfolgte die dritte nukleare Explosion mit einer Sprengkraft von 6 bis 16 Kilotonnen. 26. März 2014 wurden zwei ballistische Flugkörper mit einer Reichweite von 650 km abgeschossen. Am 28. November 2015 testete Nordkorea zum ersten Mal den Abschuss eines U-Boot-gestützten ballistischen Flugkörpers. Am 21. Dezember 2015 fand ein weiterer Abschuss statt. Die vierte nukleare Explosion erfolgte am 6. Januar 2016 mit einer Sprengkraft von 7 bis 15 Kilotonnen. Diesmal soll es sich um eine Wasserstoffbombe gehandelt haben.

Der Abschuss eines Satelliten mit einem ballistischen Langstreckenflugkörper erfolgte am 7. Februar 2016. Die Abschüsse von zwei Mittelstreckenflugkörper misslangen am 28. April 2016. Die fünfte nukleare Explosion mit einer Sprengkraft von 10 bis 30 Kilotonnen erfolgte am 9. September 2016.

Für 2017 sind folgende Tests mit ballistischen Flugkörper bekannt:

  1. Februar ein Mittelstreckenflugkörper Pukguksong-2

6.März vier ballistische Flugkörper Richtung Japan

  1. April ein ballistischer Flugkörper Pukguksong-2
  2. April ein gescheiteter Test

Genaue Angaben über den Umfang des Nuklear- und Flugkörperarsenals Nordkoreas existieren nicht. Es ist denkbar, dass Nordkorea heute über beinahe 30 nukleare Gefechtsköpfe verfügen könnte. Was das Arsenal an ballistischen Flugkörpern, die für deren Einsatz notwendig wären, betrifft, so ist bis anhin Nordkorea immer unterschätzt worden.

 

3. Nuklearmächte China, Russland und USA

Nordkorea grenzt an zwei der drei grössten Nuklearmächte der Welt, China und Russland. Dazu kommen aufgrund der Stationierung von Streitkräften in Südkorea auch die USA dazu. Im Vergleich zu den nuklearen Arsenalen dieser drei Mächte erscheint jenes von Nordkorea wie ein Zwerg. Russland dürfte zum gegenwärtigen Zeitpunkt über 8’000 einsatzfähige und nichteinsatzfähige nukleare Gefechtsköpfe verfügen. Bei den USA könnten es 7’300 nukleare Gefechtsköpfe sein. Das chinesische Arsenal an nuklearen Gefechtsköpfen wird auf 250 geschätzt. Gleichzeitig verfügen die drei Nuklearmächte für den Einsatz dieser nuklearen Gefechtsköpfe über ein beachtliches Arsenal an Trägersystemen (Land- und U-Boot-gestützte Ballistische Flugkörper, Langestreckenbomber).[2]

Da sich aber diese drei Nuklearmächte ausgerechnet auf der koreanischen Halbinsel gegenüberstehen, könnte das nordkoreanische Arsenal, sollte es zu dessen Einsatz kommen, wie ein Auslöser für eine gewaltige Konfrontation zwischen den drei Mächten wirken. An einer solchen Konfrontation dürften weder Washington DC noch Moskau noch Beijing ein Interesse haben. Das Problem ist nicht die Grösse und der Umfang des nordkoreanischen Arsenals, sondern die Tatsache, dass die klassischen Abschreckungstheorien hier unwirksam sind. Das Regime in Pjöngjang will offenbar mit seinem Nukleararsenal die USA zu einem Friedensvertrag erpressen und damit die Herrschaft der Kim-Familie für die Zukunft sichern. Vorgehen und Ziel entsprechen jenem der Gangsterbosse der Mafia.

 

4. Szenarien

Ein Eingehen der USA auf die Forderungen der nordkoreanischen Gangster würde nicht nur zu einem Gesichtsverlust in Asien führen, sondern würde mit Sicherheit eine nukleare Aufrüstung Japans wegen der Bedrohung durch Nordkorea auslösen. An einer Nuklearisierung Japans, die jederzeit möglich ist, hat aber keiner der drei Grossstaaten Nordostasiens ein Interesse. Nur schon deshalb werden die USA auf die nordkoreanischen Forderungen nicht eingehen. Aufgrund der gegenwärtigen Lage sind drei Szenarien denkbar:

  1. Beijing zwingt mit dem Einsatz aller China zur Verfügung stehenden Mittel – dazu gehört insbesondere die Versorgung Nordkoreas mit Nahrungsmittel – Pjöngjang zur Aufgabe seines Nuklear- und Flugkörperprogramms. Gibt Pjöngjang nicht nach, dann muss die Volkrepublik China in Nordkorea mit militärischer Überlegenheit einmarschieren und das nordkoreanische Nukleararsenal unter seine Kontrolle bringen. Dies dürfte allerding zum sofortigen Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes und einer riesigen Fluchtbewegung aus Nordkorea Richtung China führen. Denkbar ist auch, dass das nordkoreanische Regime gegen China einen Teil seiner Nuklearwaffen einsetzen könnte;
  2. Washington DC führt gegen das nordkoreanische Regime einen Enthauptungsschlag mit ballistischen Flugkörper durch, die mit konventionellen Gefechtsköpfen ausgerüstet wären. Ein erfolgreicher Enthauptungsschlag wäre aber nur aufgrund gesicherter Informationen über die Standorte der Stützpunkte des Regimes und der nuklearen Depots möglich;
  3. Washington DC greift mit konventionellen Streitkräften Nordkorea terrestrisch und amphibisch an und versucht das Land zu besetzen. Das Risiko dabei wäre die Zerstörung von Seoul durch die nordkoreanische Artillerie und ein möglicher Einsatz der nordkoreanischen Nuklearwaffen. Ein solcher Angriff wäre auch nur mit der Zustimmung von Beijing möglich.

Das erste Szenario erscheint aufgrund der Risiken und der Folgen als das plausibelste. Allerdings müsste es angesichts der nuklearen Aufrüstung und der Gangstermentalität von Nordkorea sehr bald umgesetzt werden.

 

[1] STRATFOR, 2017 Second-Quarter Forecast: East Asia, 12.04.17, 07:21, P.3/4.

[2] The Military Balance 2017, The International Institute for Strategic Studies, London, 2017, P. 22.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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