Das Kreuzzeichen als Weihe und Siegel

Bei meinen Nachforschungen zum Rosenkranzgebet stieß ich auf interessante Gedanken zum Kreuzzeichen (Das heilige Kreuzzeichen als Quelle steter Erneuerung im geistlichen Leben von P. Gustav E. Closen SJ, Valkenburg [file:///C:/Users/Alle%20anderen/Downloads/17_1942_3_138_155_Closen_0.pdf]).

Mit diesem – doch oftmals eher unbewußt und beinahe mechanisch ausgeübt – beginnt jeder Rosenkranz. Dabei stellt es alles andere als eine bloße Formalie, sondern vielmehr eine Schutzmaßnahme dar, die uns vom Einfluß des Bösen erlöst. Die Abwehr des bösen Geistes gehört wohl sicher zum geschichtlich ältesten Sinn, den Christen mit der symbolischen Handlung des Kreuzzeichens verbanden.

Zudem ist es ein Weiheritual an das heilige Kreuz, welches

  • unser ganzes Selbst, all unsere Gedanken [wir berühren die Stirne],
  • all unser Fühlen [wir berühren die Brust],
  • all unser Tun [wir berühren unsere Arme und Schultern]

umfaßt.

Diese Weihe unserer selbst schließe, so Pater Closen, eine vielfältige Bedeutung ein, seien doch unser ganzer Glaube an die Erlösung und an die Segenskraft des Kreuzes, all unsere Liebe zum Gekreuzigten in dieser Handlung enthalten.

Das Zusammen von Zeichen und Wort prägt unserem Glauben an die heiligste Dreifaltigkeit das Siegel des Kreuzes auf und macht das Kreuzzeichen zu einer „Segenshandlung“, die unserem Leib und unserer Seele zu übermenschlichen Kräften verhilft. Hier liegt wohl eine von den Fragen, in denen die Theologie des Kreuzzeichens bis heute noch nicht völlig abgeschlossen ist, wo die Theologie in der Erklärung und Bewertung des Kreuzzeichens noch Fortschritte machen kann. Da es hier nicht unsere Auf- gabe sein kann, diese Frage einer legten Klärung entgegenzuführen, möge es an dieser Stelle genügen, kurz darzulegen, was sich beim heutigen Stand der theologischen Erforschung von Sinn und Bedeutung des Kreuzzeichens vermuten und sagen läßt. Das Zusammen von heiligen Worten und heiligem Zeichen, wie es beim Kreuzzeichen vorliegt, erinnert zweifellos stark an sakramentale oder sakramentalische Handlungen, wie wir sie von vielen anderen Beispielen in der katholischen Kirche her kennen. Diese Ähnlichkeit könnte die Frage nahelegen, ob durch das Zusammen von Wort und Zeichen beim heiligen Kreuzzeichen auch eine eigene gnadenvermittelnde Kraft gegeben ist.

Pater Closen sieht zudem im Kreuzzeichen, mit dem jeder Katholik sich selbst bezeichnen kann, in seiner Verbindung von Wort und Zeichen ein Segen, den sich jeder Katholik selber spendet.

Man könnte hier vielleicht den Zweifel erheben, ob nicht in der Vorstellung einer „Selbstsegnung“ ein begrifflicher Widerspruch liegt. Doch scheint das nicht der Fall zu sein. Ein Liturgiker wie L. Eisenhofer scheut da, wo er vom Gebrauch des Kreuzzeichens durch die Gläubigen spricht, vor der Auffassung einer „Selbstsegnung“ nicht zurück15. Es ist auch nicht zu sehen, worin dieser begriffliche Widerspruch liegen soll. Ein Segen ist eine mit entsprechenden Worten verbundene symbolische Handlung, durch die ein Mensch den allmächtigen Gott, den Spender allen Segens, um Gnade und Hilfe bittet. Warum soll ein Mensch eine solche Handlung nicht bezüglich der eigenen Person vornehmen können? Wenn der Priester beim heiligen Opfer vor seiner eigenen Kommunion mit der heiligen Hostie, bzw. mit dem Kelch, über sich selbst das Kreuzzeichen macht und dazu die Worte spricht: „Der Leib, das Blut, unseres Herrn Jesus Christus behüte meine Seele zum ewigen Leben“, so scheint uns hier sogar eine Selbstsegnung mit dem allerheiligsten Sakrament vorzuliegen. Ähnlich könnte man sich auch eine Selbstsegnung vorstellen, die sich jeder Gläubige durch das Kreuzzeichen erteilen kann. In Kraft der Gnade der Gotteskindschaft, die in ihm lebt schon der Taufcharakter gibt eine erste Teilhabe am Priestertum Jesu Christi 16 , spricht er die heiligen Worte und verbindet sie mit dem Zeichen des Kreuzes. Die ganze Handlung ist eine Bitte an den allmächtigen Gott, daß er, die Quelle allen Segens, dies Menschenkind mit seiner Gnade, Liebe und Hilfe beschenken möge. Selbstverständlich handelt es sich hier um keinen „liturgischen“ Segen, wie ihn Papst, Bischöfe oder Priester einem andern erteilen. Aber zweifellos gibt es auch außerliturgische Segnungen. Wir brauchen nur an den Segen zu denken, den Eltern ihren Kindern geben. Ob sie dabei nun ihrem Kind die Hände aufs Haupt legen oder seine Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnen, jedenfalls erflehen sie durch ihre Handlung und ihre Worte ihrem Kind Gottes Segen und geben durch diesen Segen ihrem Kind eine heilige Weihe. Zu dieser Ordnung der außerliturgischen Segnungen dürfte auch die Selbstsegnung gehören, die sich der Katholik durch das heilige Kreuzzeichen gibt.

(…)

Wenn sich diese Auffassung des Kreuzzeichens als einer außerliturgischen Selbstsegnung als richtig erweisen sollte, dann läge hierin eine weitere Quelle steter Vertiefung und Auffrischung des geistlichen Lebens. Die getauften Gotteskinder haben in Kraft der heiligmachenden Gnade die Vollmacht und das Recht, sich selber segnen zu dürfen. Sie können Gottes wirksame Gnadenhilfe für Leib und Seele durch diese heilige Handlung auf sich herabflehen. Wenn ein katholischer Christ in einer Stunde der Prüfung und Versuchung allein ist, wenn kein Vater, keine Mutter und auch kein Priester ihm zur Seite steht, und er dann das Zeichen des heiligen Kreuzes über sich macht und dabei frommen und aufrichtigen Sinnes die Worte „Im Namen des Vaters …“ spricht, so gibt er sich selbst einen heiligen Segen und er kann der Hilfe und Gnade Gottes gewiß und sicher sein in all seinen Kämpfen und in all seiner Not.

15 Handbuch der katholischen Liturgik I, Freiburg 1932, S. 274.

16 S. Th., III, qu. 63, art. 3, c.

Vielleicht lassen wir uns beim nächsten Kreuzzeichen diese Überlegungen doch noch mal durch den Kopf gehen…

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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Eine Antwort zu Das Kreuzzeichen als Weihe und Siegel

  1. francomacorisano schreibt:

    Wo ich gerade zu Hause bin, geloben wir das vollständige Glaubensbekenntnis:
    Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, den Himmel und die Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
    Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.
    Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
    Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
    und aufgefahren in den Himmel. Er sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, um zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
    Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
    Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben in der kommenden Welt. Amen.

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