Zu Besuch bei den Christen in Syrien (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_04.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

April 2017

Zu Besuch bei den Christen in Syrien

Von den ursprünglich zwei Millionen Christen in Syrien sind nur etwa 900.000 übrig geblieben. Sie leben in elenden Verhältnissen, geben aber die Hoffnung nicht auf. Bericht von einer Syrienreise.

P. STEFAN DREHER FSSP

Auf den Spuren der ersten Christen zu wandeln ist stets ein besonderes Erlebnis, jene Orte zu besuchen, die Ausgangspunkte des Christentums sind. So war es für mich sehr bewegend, Ende Januar 2017, am Fest Pauli Bekehrung, in Damaskus, der Hauptstadt Syriens zu sein, durch das uralte Stadttor Bab Sharqi das Christenviertel zu betreten, auf der Geraden Straße zu gehen und in der St.-Ananias-Kirche zu beten, an dem Ort, wo Paulus von Ananias die Taufe empfing.

Das christliche Viertel in der Altstadt von Damaskus erinnert an Rom: So viele gepflegte Bildstöcke sowie Herz-Jesu- und Heiligendarstellungen findet man an den Plätzen, Straßen und Häusern, überall stehen Kirchen und Kathedralen, die jeweils mit bedeutenden Bischofssitzen verbunden sind. Aus den vielen kirchlichen Schulen hört man die Stimmen der quirligen Kinder. Schon zweimal hatte ich Syrien bereist, zuletzt Ende 2010, kurz vor Ausbruch der Krise. Ich war von der großen Freundlichkeit der Syrer sehr beeindruckt. So war es mir jetzt ein Bedürfnis, die Menschen, die mich damals so gastfreundlich und liebenswürdig aufnahmen, wieder zu besuchen, um Anteil zu nehmen an ihrem entbehrungsreichen Leben im immerhin schon sechsten Kriegsjahr.

Syrien ist ein arabisches Land, in dem bis 2011 ungefähr 2 Mio. Christen lebten. Die Heilige Schrift berichtet, daß viele Jünger Jesu vor der Verfolgung durch die Juden aus Palästina nach Syrien flohen, wo sie dann in Antiochien zum ersten Mal Christen genannt wurden. Syrien ist die Wiege des Christentums und zu Recht sind die Christen Syriens stolz auf ihre Geschichte, die sie bis heute fortschreiben. Im laizistisch ausgerichteten syrischen Staat lebten sie stets selbstbewußt als gleichberechtigte Bürger. Kirchen, Klöster und christliche Schulen gehören ganz selbstverständlich zum Bild syrischer Städte. Erst nach Ausbruch der Aufstände im Jahr 2011, die von Anfang an nicht friedlich waren, wie man mir in Syrien sagte, änderte sich die Situation der Christen. In den von den Rebellen eroberten Gebieten gibt es keine Sicherheit mehr für Angehörige der nicht-sunnitischen Minderheiten. Ob die Rebellen sich Al Nusra, IS oder Freie Syrische Armee nennen, sie kämpfen alle für die Errichtung eines von Christen und Nicht-Sunniten gesäuberten, islamistischen Gottesstaates in Syrien. Wo sich die Regierungsarmee zurückziehen mußte, da begann die Terrorherrschaft der Islamisten, die vielen Christen das Leben kostete. Ich habe einige christliche Familien getroffen, die aus ihren von den Rebellen eroberten Heimatorten in die sicheren Gebiete unter Regierungskontrolle geflohen sind. Zwar befinden sie sich jetzt in Sicherheit, leben aber meist unter primitivsten, beengten Verhältnissen und sind auf finanzielle Unterstützung für Miete, Nahrungsmittel und Medikamente angewiesen. Was vor dem Krieg selbstverständlich war, nämlich vom Staat finanzierte Krankenfürsorge, Medikamente, Schulbildung und Universitätsstudium ist nun – auch wegen der Wirtschaftssanktionen des Westens – alles sehr teuer und für die einfachen Menschen oft unerschwinglich geworden. Während die westlichen Regierungen Rebellengruppen eifrig unterstützen, weigern sie sich beharrlich, den Menschen in den von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten Hilfe zu bringen.

Die Kirche und kleine christliche Hilfsorganisationen wie Christian Solidarity International (CSI) leisten jedoch vorbildlich Hilfe, wie ich in Aleppo feststellte. Aleppo im Norden Syriens wurde im Dezember 2016 von der syrischen Armee mit Hilfe Rußlands aus den brutalen Händen der Islamisten befreit. Bei meinem Besuch in dieser ältesten durchgehend bewohnten Stadt der Welt konnte ich mit Bischöfen, Priestern und christlichen Familien über ihre Lage sprechen. Immer wieder sagten mir meine Gesprächspartner, ich solle meinen deutschen Landsleuten die Wahrheit über Syrien berichten. Ihrer Meinung nach seien die Medien in Europa und den USA dazu nicht bereit. Erschütternd anzusehen war das zerstörte Altstadtviertel Aleppos rund um den Suq (Bazar) und die berühmte Zitadelle. Sehr überrascht hat mich jedoch die Tatsache, daß viele Stadtteile vom Krieg völlig unversehrt sind. Da pulsierte das alltägliche Leben einer orientalischen Großstadt, Geschäfte und Supermärkte waren geöffnet, Handwerker arbeiteten, und die Restaurants und Cafés luden zum Verweilen ein.

Wegen der zusammengebrochenen öffentlichen Wasser- und Stromversorgung ist das Leben allerdings sehr beschwerlich. Abends legte sich eine fast undurchdringliche Dunkelheit lähmend über die Stadt. Die Menschen in Aleppo leiden seit vielen Jahren unter der zerstörten Infrastruktur, die aufgrund der Sanktionen nicht leicht repariert werden kann.

Der griechisch-katholische Erzbischof Jean-Clément Jeanbart erklärte mir, daß rund 20% der Innenstadt zerstört sind. Er selbst lebt ausgebombt in einer kleinen, fast unbeheizten Wohnung; seine Kathedrale samt Bischofshaus wurde durch Granaten der Rebellen zerstört und auch geplündert. Erzbischof Jeanbart berichtete von der Freude über die Befreiung Aleppos aus der Hand der Rebellen, die zumeist Ausländer aus sunnitischen Ländern waren. Dem betagten Erzbischof ist es ein Herzensanliegen, seinen Christen eine Perspektive zu geben, ihnen zu helfen, im Land zu bleiben. Dafür arbeitet er wieder wie ein junger Pfarrer, ohne daran zu denken, sich auszuruhen.

Doch kehren wir zurück in die Altstadt von Damaskus mit ihren engen Gassen und alten Häusern, um noch einen Besuch in der Schule der armenisch-katholischen Diözese von Bischof Joseph Arnaoutian zu machen. Unsere Gemeinde in Stuttgart hat diese Schule bereits 2016 durch das Fastenopfer unterstützt. Obwohl die Schule schon mehrmals durch Rebellen mit Granaten beschossen wurde und ein Kind getötet und weitere verletzt wurden, machten die Schüler im Alter von 6 bis 18 Jahren, die mich mit Liedern und vielen Fragen über Deutschland empfingen, einen glücklichen Eindruck. Sie sind froh und dankbar, in die Schule gehen zu können.

Spendenkonto: P. Stefan Dreher FSSP Stichwort: Fastenopfer IBAN: DE32 7509 0300 0006 4919 52 BIC: GENODEF1M05

Viele Familien können aber das Schulgeld nicht mehr aufbringen. Auch die Lehrer wirken entmutigt. Ein monatliches Lehrergehalt von umgerechnet 60 Euro reicht kaum mehr aus, die Mietkosten zu bezahlen. Schüler und Lehrer brauchen dringend Hilfe! Bischof Arnaoutian hofft weiterhin auf die Großherzigkeit der Wohltäter aus Europa und ich kann bestätigen, daß wir mit wenig Mitteln sehr viel für die kriegsgebeutelten Menschen in Syrien tun können. Vor allem bedarf es unseres Gebetes um Frieden, daß die Politiker die richtigen Entscheidungen treffen.

Wir Christen in Deutschland müssen uns mehr und mehr für unsere Glaubensgeschwister in Syrien verantwortlich fühlen. Herzlich lade ich Sie ein, das Fastenopfer unserer Stuttgarter Gemeinde für die armenisch-katholische Schule in Damaskus zu unterstützen. Geben wir den Menschen in Syrien eine Zukunft in ihrer Heimat. Der Segen Gottes ist sicher der Lohn für jedes Gebet und jede gute Tat!

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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