„Selig, die nicht sehen und doch glauben“ (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_04.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

April 2017

Selig, die nicht sehen und doch glauben“

Die Versuchung der Frommen: Esoterik auf katholisch – Wunder- und Erscheinungssucht – ein Mangel an Glaube.

P. BERNHARD GERSTLE FSSP

 

Selig, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20, 29) Das waren die Worte des Herrn an den „ungläubigen“ Apostel Thomas. Dieser war nicht anwesend, als Jesus zum ersten Mal seinen Aposteln erschien und hatte die Erscheinung des Auferstandenen angezweifelt. Erst wenn er ihn mit seinen Händen berühren könne, wollte er glauben. Trotz des Tadels Jesu über seinen „Unglauben“ kann ich eine gewisse Sympathie für die Haltung des Apostels Thomas nicht verhehlen. Immerhin hat sich die Kirche diese Haltung mehr oder weniger zu eigen gemacht, wenn es darum geht, Berichte über außerordentliche Phänomene, wie Botschaften vom Himmel oder Erscheinungen Jesu und Mariens, kritisch zu prüfen. Heilige, wie Teresa von Avila (+1582) oder Johannes vom Kreuz (+1591), beide Kirchenlehrer in Sachen Mystik, empfehlen bei vermeintlichen Erscheinungen oder inneren Stimmen, eine abwehrende Haltung einzunehmen. Aus Erfahrung wissen sie nämlich um die Täuschungsmanöver des bösen Feindes und die Möglichkeit einer krankhaften Phantasie.

Der Apostel Thomas hatte jedoch den Tadel Jesu verdient, denn Jesus selbst hatte ja sein baldiges Wiederkommen mehrmals angekündigt. So zuletzt bei seiner Abschiedsrede im Abendmahlssaal, indem er zu seinen Aposteln sprach: „Noch eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht mehr; und wiederum eine kleine Weile, und ihr seht mich wieder!“ (Joh 15,16) Spätestens nach der Erscheinung Jesu bei den übrigen Aposteln hätte sich Thomas dieser Verheißung erinnern können. Insofern fiel sein Misstrauen nicht nur auf die anderen Apostel, sondern auch auf Jesus zurück. Doch von diesem Sonderfall abgesehen, ist es durchaus berechtigt, in außergewöhnlichen Dingen eher zur Nüchternheit und Skepsis als zur Leichtgläubigkeit zu neigen. Leichtgläubige Menschen sind mehr gefährdet, manipuliert und Opfer von Betrügern zu werden. Sie lassen sich schneller von einer Sache überzeugen, doch sie wechseln auch eher die Seite und sind leichter geneigt, eine Überzeugung wieder aufzugeben.

Ihre Bekehrungen sind nicht selten ein Strohfeuer, das wieder erlischt, sobald die erste Begeisterung abgeklungen ist. Charaktere wie der Apostel Thomas, die nicht sofort einer Aussage Glauben schenken und sie auf ihren Wahrheitsgehalt kritisch prüfen, sind hingegen oft beständiger und zuverlässiger. Entscheidend ist aber die Liebe zur Wahrheit. Ihr stehen häufig ein Wunschdenken und das Suchen des eigenen Vorteils im Weg. Ein Musterbeispiel der unbestechlichen Suche nach Wahrheit sowie der treuen Beständigkeit im Glauben trotz aller Widrigkeiten ist für mich der selige Kardinal John Henry Newman (1801- 1890). In langen inneren Kämpfen und intellektuellen Auseinandersetzungen unter dem Verlust zahlreicher Freunde und Weggefährten konvertierte er als hoch anerkannter anglikanischer Pastor und Gelehrter zur katholischen Kirche.

Dort wurde er zunächst alles andere als mit offenen Armen empfangen. Misstrauen und Neid schlug ihm von hohen Kirchenfürsten entgegen. Doch diese menschlichen Enttäuschungen konnten ihn nicht mehr von den gewachsenen und im Gebet erkannten Überzeugungen abbringen. Von solchem Glauben gilt es, zu lernen. Weder menschliche Enttäuschungen, auch nicht von Priestern, noch das Versagen kirchlicher Autoritäten ändert etwas an der Wahrheit des katholischen Glaubens. Glaubenserfahrungen sind schön, wenn sie echt sind. Fromme Gefühle beim Gebet können besonders am Beginn eines religiösen Lebens eine Hilfe sein, den Weg des Glaubens treu zu gehen. Aber sie ersetzen nicht den Glauben selbst, der sich nicht auf Zufälligkeiten gründet, sondern auf die Wahrheit Gottes selbst. Als ein königlicher Beamter um die Heilung seines kranken Knechtes bat, der im Sterben lag, beklagte sich

Jesus: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht!“ (Joh. 4,48) Diese kritische Bemerkung des Herrn ist sicherlich an die Adresse jener gerichtet, die in ungeordneter und übertriebener Weise ihr Interesse auf außerordentliche Dinge richten. So erlebt die Esoterikbranche heutzutage einen wahren Boom und macht damit Millionenumsätze. Aber auch im katholisch-traditionellen Milieu müssen wir eine weit verbreitete Wunder- und Erscheinungssucht beklagen. Die Gefahren, die von zweifelhaften und erst recht von ganz offensichtlich falschen „Botschaften vom Himmel“ ausgehen, sind gerade in unseren Kreisen nicht zu unterschätzen. Die sogenannte „Warnung“ ist nur eines von vielen Beispielen. Es bedarf neben eines soliden Glaubenswissens heutzutage vor allem einer guten Portion nüchternen Urteilsvermögens sowie einer übernatürlichen Unterscheidungsgabe, um diesen Gefahren zu entgehen.

Pater Stefan Reiner wird im nächsten Informationsblatt das Thema „göttliche Offenbarung und Privatoffenbarung“ näher beleuchten. Darum möchte ich mich auf den abschließenden Hinweis beschränken, dass ungesunde Neugier und der Hang zum Außerordentlichen für den bösen Feind ideale Eingangstore sind, Menschen zu verwirren und vom rechten Weg abzubringen. Eine reservierte und vorsichtige Haltung gegenüber scheinbar übernatürlichen Phänomenen einzunehmen, entspricht daher einer klugen Einstellung und ist ein großer Schutz vor manch törichten Ideen. Vielleicht sollten wir aber wieder mehr den Sinn für die kleinen Wunder und Zeichen schärfen, durch die Gott zu uns spricht. Dies entspricht einem Leben aus der Vorsehung Gottes. Das schließt auch Phasen ein, in denen sozusagen „Funkstille“ herrscht und Gott uns scheinbar vergessen hat. Wer hier der Versuchung widersteht, sich menschlichen oder irdischen Trost zu suchen, wird im Glauben wachsen. Jene, die sich vertrauensvoll auf die göttliche Vorsehung einlassen, dürfen dann nicht selten im Rückblick erkennen, wie „von oben“ entscheidende Begegnungen gefügt und Weichen in ihrem Leben gestellt worden sind. Auch ohne heidnische oder katholische Esoterik …

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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Eine Antwort zu „Selig, die nicht sehen und doch glauben“ (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_04.pdf)

  1. Christine Kissel schreibt:

    Sehr gut!

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