Von Storch weinte vor Freude über den „Weg aus der EU heraus“ [„Die Welt“ auf http://www.msn.com]

Von Storch weinte vor Freude über den „Weg aus der EU heraus“

Sandra Maischberger lässt die Folgen des Brexit diskutieren. Dabei unterstellt sie der AfD-Politikerin von Storch Angriffe auf Griechenland – die es so nicht gab. Erschreckend selbstgerecht tritt eine Grüne auf.

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Aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, kommt in den Polit-Talkshows von ARD und ZDF selten vor. Wohl aber, dass ein Elefant, der eigentlich zur Mücke geschrumpft werden könnte, als Mammut verkauft wird. Dann wird kräftig an der verbalen Eskalationsschraube gedreht, um das Tier an den Zuschauer zu bringen.

Sandra Maischbergers Mammut hieß am Mittwochabend „Brexit“. Sie behandelte das Thema, als hätten die Briten erst wenige Stunden zuvor – und nicht vor Monaten – für den Austritt aus der EU votiert. Der Austrittsantrag bringe „unabsehbare Folgen für Großbritannien und Europa“, hieß es in der Ankündigung zur Sendung, die da lautete: „Brexit stärkt Europa! Nationalisten am Ende?

Die in dem Titel enthaltene These ist gewagt bis unsinnig. Die nationalistischen und/oder populistischen Bewegungen sind mitnichten am Ende, nur weil eine Frau May das längst überfällige Londoner Gesuch einreichte. Maischbergers Redaktion urteilte: „Ausgerechnet jetzt präsentiert sich die EU so einig wie lange nicht mehr – so als wären alle Streitigkeiten um Euro-Rettung und Flüchtlinge vom Tisch, als würden nationalistische Kräfte die Debattenhoheit verlieren.“ Es folgten die Fragen: „Ist der Populismus überwunden? Oder ist das ein Trugschluss?“

Einerseits ist nicht jede Kritik an der teils absurden Euro-Rettungsakrobatik und der Flüchtlingspolitik Angela Merkels blanker Populismus. Andererseits wird der Konflikt zwischen den EU-Staaten sofort wieder eskalieren, sobald Griechenland mal wieder ein paar Milliarden braucht, ein Euro-Schwergewicht wie Italien oder Frankreich in finanzielle Bedrängnis gerät und/oder der Flüchtlingsstrom wieder anschwillt, was nun nicht völlig auszuschließen ist. Von einem Zusammenrücken kann nicht die Rede sein. Allein in Bezug auf die Verhandlungsposition der Europäischen Union gegenüber Großbritannien herrscht Einigkeit, erzeugt von der Angst, dass der Laden auseinanderfliegt, wenn London zu viele Zugeständnisse gemacht werden.

Quälende 70 Minuten

Maischbergers Gäste erklärten zunächst alle erst einmal, wie sie den Brexit finden. Das Urteil von Rolf-Dieter Krause, ehemaliger ARD-Studioleiter in Brüssel, brachte es wunderbar auf den Punkt: „Kein schöner, kein schwarzer Tag und auch keine Katastrophe.“ Damit hätte die Sendung zu Ende sein können. War sie aber nicht. Es folgten noch quälende 70 Minuten. An Krause lag es nicht. Er war der einzige Mensch in der Runde, der nie Politiker war oder es ist. Ihm ging es nicht darum, Botschaften unters Volk zu bringen. Er trug seine Argumente ohne Inbrunst und Selbstverliebtheit vor.

Anders hingegen Marieluise Beck, eine spürbar von sich selbst überzeugte Bundestagsabgeordnete der Grünen, wie man es in diesem Ausmaß sogar in der Politik selten findet. Nichts gegen Engagement und Leidenschaft. Politiker sollen für ihre Meinung werben. Wenn der Einsatz aber arrogante Züge trägt und die Protagonistin die superschlaue Oberlehrerin abgibt, ist es schwer zu ertragen. Kein Wunder, dass die Grünen in Umfragen abstürzen. Frau Beck saß auf einem Ross, das in Gedanken locker über 30 Prozent springen könnte. Dabei reichte es im Saarland noch nicht mal für die Fünf-Prozent-Hürde.

Die Aussagen der Beatrix von Storch, ihres Zeichens stellvertretende AfD-Vorsitzende, begleitete Beck häufiger mit einem jovialen Überlegenheitslächeln, das bedeutete: Storch, was reden Sie denn da wieder mal für einen Stuss. Dabei präsentierte sich die AfD-Plaudertasche ungewohnt zahm. Keine Spur von Provokation. Im Gegenteil zeigte sie – zumindest verbal – das, was ihrer Partei gerne abgesprochen wird: Demokratieverständnis. Von Storch begrüßte die gegenwärtigen proeuropäischen Demonstrationen als wichtigen Meinungsbeitrag. „Ich möchte eine offene Debatte über das Für und Wider“ eines EU-Austritts Deutschlands führen. „Ich finde das toll, dass Menschen für ihre Meinung auf die Straße gehen.“

Von Storch folgt einem inneren Drehbuch

Es war fast langweilig, was von Storch bot. Man merkte viel zu sehr, dass sie einem inneren Drehbuch folgte und sich fest vorgenommen hatte, nicht den Höcke zu machen und lieber ihre Sympathie für Volksentscheide zu bekunden. Toll sei es, dass die Briten über den Brexit hätten abstimmen können. Sie habe geweint vor Freude, dass es „nicht nur einen Weg hinein“ in die EU gebe, „sondern auch heraus“ – ganz so, als existiere ein Zwang für eine Mitgliedschaft in dem Staatenbund.

Von Storch gab zudem einen Einblick in ihre Maßstäbe für politischen Erfolg. Sie stellte fest, dass Großbritannien, dem nach dem Referendum der Untergang prophezeit worden sei, nach wie vor existiere. „Die Insel gibt es immer noch.“ Auch die Prognose, „es gibt Pest, es gibt Krieg“, sei nicht eingetroffen. Doch wenn man Vorhersagen, für die noch nicht mal Londoner Wettbüros Wetten annehmen würden, zur Benchmark erklärt, kann die Welt auch froh darüber sein, dass die USA mit ihrem dilettierenden Präsidenten noch nicht in Krieg, Pest oder Cholera versunken sind.

Die AfD-Politikerin beherrscht denn auch schon Trump-Rhetorik. In den Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien müssten die Gesprächspartner „einen klugen Deal machen“. Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU), der sich spürbar bemühte, fair mit der AfD-Frau umzugehen, meinte jedoch: „Das Land zerlegt sich ja selber“ und drohe zu einem „Little England“ zu werden.So wurde geredet und geredet, natürlich auch über Griechenland, wie es sich den Euro erschwindelte, ohne die Frage zu ergründen, ob der Nationalismus nun am Ende sei. Der Sozialdemokrat Klaus von Dohnanyi sagte immerhin: Der Brexit habe „ein Bewusstsein geschaffen, dass Europa etwas wert ist“.

Dass auch Maischberger nicht wirklich an ihre These glaubte, zeigten zwei Einspieler: Der eine hob hervor, dass zahlreiche EU-Länder nach wie vor keine oder zu wenige Flüchtlinge aufnehmen, obwohl in dem Staatenbund etwas anderes abgesprochen worden ist. Der andere widmete sich den Spannungen zwischen den finanzstarken Euro-Ländern im Norden und den Krisenländern im Süden der Währungsunion, die Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem mit einer Aussage zum Thema Solidarität verstärkt hat. „Wer sie einfordert, hat auch Pflichten“. Und: „Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre Unterstützung bitten.“

Darauf entbrannte unter den Gästen die im deutschen Fernsehen schon Millionen Mal geführte Debatte über Sinn und Unsinn der Regeln des Euro-Stabilitätspaktes, die – wenn man ehrlich ist – sowieso für die Katz sind. Kein Land hält sich daran. Zudem wäre es ein Treppenwitz der Geschichte, würde Griechenland wegen zu hoher Defizite mit geborgtem Geld der Euro-Partner Strafen an die EU zahlen.

Die AfD sei dagegen, dass Brüssel oder einzelne Staaten anderen Ländern vorschrieben, was sie tun sollten und was nicht, erklärte von Storch. „Ich möchte den Griechen nicht sagen, wie sie leben sollen, und auch nicht den Italienern oder Franzosen, ob sie sparen sollen.“ Maischberger konterte: „Mit Verlaub, Sie haben einen Tweet losgelassen, der klang jetzt auch nicht so fein. Da sagten Sie den Südeuropäern: Die muss man zum Sparen zwingen und den Griechen den Marsch blasen.“ Von Storch: „Das ist ganz bestimmt nicht so.“ Maischberger: „Das ist Ihr Tweet.“ Von Storch: „Dann haben Sie den Kontext…“  Beck fällt ihr ins Wort: „Tweets haben 140 Zeichen“, sagte sie, wieder begleitet von einem selbstgerechten Grinsen.

Auch wenn von Storch den Eindruck erweckte, nicht zu wissen, was auf ihrem Twitter-Account los ist, hatte sie recht. Die Sozialdemokraten Nordrhein-Westfalens hatten ein Zitat des SPD-Vorsitzenden Martin Schmidt getwittert: „Wir wollen ein europäisches Deutschland und nie wieder ein germanisiertes Europa.“

Darauf erwiderte von Storch auf dem Kurznachrichtendienst: „Will kein ‚germanisiertes Europa‘ – aber die Südeuropäer zum Sparen zwingen und den Griechen den Marsch blasen.“

http://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/von-storch-weinte-vor-freude-%C3%BCber-den-weg-aus-der-eu-heraus/ar-BBz29po?li=AAaxdRI&ocid=spartandhp

 

Eine wohltuend unvoreingenommene Darstellung der Talkshow. Bemerkenswert der zumindest um Objektivität bemühte Ansatz. Traurig, das etwas, was selbstverständlich sein sollte, ausdrücklich hervorgehoben werden muß.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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