Langsamer Niedergang – I (stmarcelinitiative.com)

Eleison-Kommentare

von Seiner Exzellenz Bischof Richard Williamson

Langsamer Niedergang – I

 

Und spiegeln meine Taten nicht getreu mein Denken wider,
So sinkt mein Denken auf die Stufe meiner Taten nieder.

Das hier angeführte Zeugnis eines gläubigen Katholiken aus den USA trifft gar manchen Nagel auf den Kopf:

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat sich „ein neues Image verpasst“ und ist nicht mehr, was sie einst war. So wie die ursprüngliche Priesterbruderschaft zur Katholischen Kirche gehörte, gehört die Neubruderschaft zur Neukirche. Wer alt genug ist, um sich zu erinnern, dem kommt alles so vor wie eine Neuauflage von Vatikan II, nur noch schlimmer, weil es diesmal keine direkte Attacke auf die Doktrin und kein grosses Konzil gibt; stattdessen verbreitet sich die Revolution mittels eines langsamen, fast unmerklichen gesellschaftlichen Wandels.

Denn während der Anschein der Tradition noch aufrechterhalten wird, wird die traditionalistische Bewegung langsam von innen her verändert. Äusserlich und materiell scheint es um die Priesterbruderschaft besser bestellt zu sein denn je zuvor; es stehen ihr immer mehr Geld und immer mehr Gebäude zur Verfügung, doch innerlich und spirituell befindet sich die Bruderschaft in einem Prozess des langsamen Niedergangs, weil die Krankheit des Modernismus ihre Anhänger unmerklich infiziert. Eine Reihe von Symptomen weist darauf hin, dass sich der Modernismus innerhalb der Bruderschaft in gleicher Form offenbart wie früher in der Kirche; hiervon zeugen beispielsweise ihre jungen, glücksselig strahlenden Priester, die den „Friedenspriestern“ der sechziger und siebziger Jahre, wie der grosse Kardinal Mindszenty sie nannte, aufs Haar gleichen. Viele von ihnen leiden an Verweichlichung – im Gegensatz zu den früheren Generationen von Priestern, jedoch genau wie manche der führenden Laien, die in Schulen der Neubruderschaft lehren.

Und so ist die Messe immer noch traditionell, doch die ganze Kultur um sie herum ist die des Novus Ordo. Die Traditionalisten wollen die alte Messe und die Sakramente bewahren und auch einen Teil der Moral aus dem Katechismus, aber zugleich wollen sie alles andere, was die moderne Welt anzubieten hat. Dies führt dazu, dass viele sogenannte traditionalistische Katholiken sich ausserhalb der Messe und der Sakramente kaum noch von ihren Mitmenschen unterscheiden, die sich der modernen Welt mit Haut und Haaren verschrieben haben. Wenn es um Scheidung, Ehenichtigkeitserklärung, „alleinstehende“ Mütter usf. geht, sind die Statistiken ein und dieselben. Falls die Traditionalisten mit der modernen Welt gehen wollen, können sie der wahren Religion nicht treu bleiben. Hier heisst es: Entweder – oder.

Tatsache ist, dass die traditionalistische Bewegung nun für die Welt geöffnet wird, damit sie gesellschaftlich akzeptabel und normal wird, und dass der Prozess der Modernisierung in vollem Gange ist, langsam, aber unerbittlich. Eine neue, junge Generation hält das Steuer in der Hand und ändert den Kurs. Die alten, verschrobenen, peinlich wirkenden Hardliner sind von der Bühne abgetreten, und die Tradition hat ein neues Image, ein neues, glückliches, freundliches Gesicht. Die Mainstream-Kirche hat vor fünfzig Jahren ihr „Aggiornamento,“ also ihre Anpassung an die heutigen Verhältnisse, vollzogen, und die Bruderschaft holt diesen Prozess in unseren Tagen nach. Die alte Generation, die so viele Schlachten ausfocht, um den Glauben unverfälscht zu bewahren, wird nun von einer neuen Generation abgelöst, die den Novus Ordo sowie die Geschichte seiner Entstehung niemals gekannt hat und nie für etwas kämpfen musste. Die heutigen jungen Traditionalisten sind in aller Regel in einer traditionalistischen Blase aufgewachsen und wissen viel zu wenig von dem gestrigen Krieg, vor dessen Hintergrund der heutige zu sehen ist. Vor dem Konzil bezeugte Bella Dodd, dass die Kirche von den Kommunisten unterwandert wurde. Sind wir ganz sicher, dass der traditionalistischen Bewegung gegenwärtig nicht dasselbe widerfährt?

Es war alles nur allzu leicht voraussehbar. Da die Bruderschaft nicht unfehlbar ist, macht sie nun dasselbe durch wie die Kirche vor fünfzig Jahren – Infiltration, Kompromisse, Zerfall und derselbe Prozess der Selbstzerstörung. Erzbischof Lefebvre hätte diesen radikalen Wandel sofort entdeckt, doch allzu viele Frösche im Topf der Bruderschaft haben noch nicht einmal gemerkt, wie heiss das Wasser inzwischen geworden ist. Der Erzbischof „reichte weiter, was er empfangen hatte,“ doch wie kann die neue Generation weiterreichen, was sie niemals empfangen hat? Deshalb hören wir jetzt, dass die „unvermeidliche Versöhnung“ bevorsteht. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wird als Teil der Neukirche akzeptiert werden und im Gegenzug die Neukirche akzeptieren müssen. Sie wird fortan nur noch eine der vielen Seitenkapellen im Pantheon der Neuen Weltordnung bilden. Und was die „Versöhnung“ betrifft – welche Seite hat der anderen nachgegeben? Ist die Konzilskirche etwa katholisch geworden? Mitnichten!

Nächste Woche wird derselbe Zeuge abermals zu Worte kommen.

Kyrie eleison.

 

Künftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…

Für die Wiedergabe dieses Beitrages sprechen weder Originalität noch etwa stringente Argumentation. Beides Fehlanzeige. Die internen Polemiken wie „Neubruderschaft“ oder der Niedergang der FSSPX aufgrund der Infektion mit dem Modernismus können, da für Außenstehende sowieso nicht zu beurteilen, unbeachtet bleiben.

Interessant scheint mir gleichwohl, dass der „erste Aufschlag“ des Widerstands – zumindest doch im Grundsatz – die zu erwartende Grenzlinie vorwegnimmt, welche im Falle eines positiven Gesprächsausganges zwischen Rom und der FSSPX in den Reihen der Tradition wohl auftreten wird. Aus diesem Grund scheint es mir lohnend, sich etwas näher mit ihm zu befassen. Ob der Gläubige aus den USA dabei nun eine reale Person ist oder ob man sich da eher doch einer rhetorischen Kunstfigur bediente, sei dahin gestellt. Auch, ob sich Bischof Williamson dessen Ausführungen zu eigen macht, da er ja nur „manchen“ Nagel trifft. Oder der sog. „Widerstand“ (wie immer der auch konkret aussehen mag).

So kann sicherlich der Aussage, wonach sich „die Revolution mittels eines langsamen, fast unmerklichen gesellschaftlichen Wandels“ verbreitet, gesamtgesellschaftlich nicht widersprochen werden. Weite Teile des staatsnahen Medienbetriebes und der kirchlichen Beschäftigten (von der wiederverheirateten Erzieherin über progressive Gemeindereferentinnen bis zu genderbewegten Caritas-Mitarbeitern) stehen politisch weit links vom Durchschnittsgläubigen. Konrad Adenauer, mit seinen Auffassungen noch bis vor etwa 20 Jahren in der Mitte des bürgerlichen Spektrums, stünde heuer mit seinen kirchlichen und gesellschaftspolitischen Positionen in Kirche und Gesellschaft weit rechtsaußen. Auch die migrationseuphorische Kirchen-Hierarchie in unserem Land steht fraglos links vom Gläubigen.

Inwieweit dies auch für die Priesterbruderschaft St. Pius X. zutreffen soll, bedarf aber der näheren Erläuterung. Dass sich diese „ein neues Image verpasst“ habe und nicht mehr sei, was sie einst war, sind Behauptungen, die des Beleges harren. Leider werden im gesamten Text keinerlei Belege mitgeteilt, sondern nur (im Tonfall sich stetig steigernder Empörung) die Eingangsbehauptung FSSPX = zur Neukirche gehördende Neubruderschaft in Varianten wiederholt – nach dem Motto Sie wissen schon wer macht Sie wissen schon was. Aus der vorgeblichen „Reihe von Symptomen“ des Modernismus innerhalb der Bruderschaft bleibt offenbar lediglich nur ein einziges zitierfähiges Symptom übrig: junge, glücksselig strahlende Priester, die den „Friedenspriestern“ der sechziger und siebziger Jahre aufs Haar gleichen. Ob diese ihr Haar etwa knöchellang tragen oder der inneren Glückseligkeit mit verbotenen Substanzen nachgeholfen haben, muß mangels näherer Erläuterung offen bleiben. Bleiben also jungsein und glückseliges Strahlen als konkret genannte modernistische Symptome…

Dann folgt der Begriff der angeblichen „Verweichlichung“. Dies betreffe aber nur viele, mithin nicht alle. Wieviele genau und wen bleibt aber ebenso wie eine Definition des überhaupt Gemeinten im Dunkeln. Auf jeden Fall war natürlich früher alles besser und „die früheren Generationen von Priestern“ nicht so „verweichlicht“. Wird man jawohl mal so sagen dürfen, nicht wahr? Darf man, nur mit belegbaren Argumenten käme man halt weiter. Hier stellt sich schon die Frage, warum man die – jeder Argumentation baren – Polemik eines vorgeblich „einfachen Gläubigen“ veröffentlicht? Eine mediale Spielart der verdeckt kämpfenden, vermummten Kombattanten ohne Hoheitszeichen, die als „hybride Kriegsführung“ auf der Krim bekannt wurde?

Nach diesem – doch etwas verunglückten – Scherbengericht über die gar so verweichlichte FSSPX- Jungpriesterschaft kommen jedenfalls die Laien dran: Die ganze Kultur „um die Messe herum“ sei die des Novus Ordo. Auch dieser Begriff bleibt (vermutlich der Not geschuldet) undefiniert und so mag sich jeder frei fühlen, unter einer ominösen „um-die-Messe-herum-Kultur“ zu verstehen, was ihm behagt. Es folgt nun die nächste Philippika: „Die Traditionalisten“ (anscheinend gemeint: die FSSPX und die Besucher ihrer Priorate und Messzentren) wollen zwar „die alte Messe und die Sakramente bewahren und auch einen Teil der Moral aus dem Katechismus, aber zugleich wollen sie alles andere, was die moderne Welt anzubieten hat“. Sie hätten sich, so die Anklage, „der modernen Welt mit Haut und Haaren verschrieben“, Scheidung, Ehenichtigkeitserklärung, „alleinstehende“ Mütter inklusive. Abgesehen davon, dass man (in Deutschland) rechtlich die Scheidung gegenüber einem scheidungswilligen Partner gar nicht verhindern kann, die Ehenichtigkeitserklärung im Falle der kirchenrechtlich nichtigen Ehe kein Makel, sondern das gute Recht eines Gläubigen ist und bei einem sich absentierenden Vater die Mutter von diesem alleinerziehend gemacht wird, hagelt es lediglich weiter unbewiesene Behauptungen, diffuse Anklagen und Zirkelbeweise.

Kein Satz nach dem ebenso kategorischen wie unbewiesenen „Tatsache ist…“ wird in irgendeiner Form belegt. Wer öffnet wohl die FSSPX aus welchem Grunde „der Welt“? An welcher Stelle wird „der Kurs“ geändert? Dass erneut der Begriff des „glücklichen, freundlichen Gesichts“ angeführt wird, läßt eher eine persönliche Fixierung des (vermutlich weniger jungen und weniger glücklichen?) Autoren vermuten.

Da die Bruderschaft nicht unfehlbar ist, macht sie nun dasselbe durch wie die Kirche vor fünfzig Jahren – Infiltration, Kompromisse, Zerfall und derselbe Prozess der Selbstzerstörung.

Das stupide Aneinanderreihen von Behauptungen ergibt noch keine Argumentation. Nicht einmal eine schwache.

Vor dem Konzil bezeugte Bella Dodd, dass die Kirche von den Kommunisten unterwandert wurde. Sind wir ganz sicher, dass der traditionalistischen Bewegung gegenwärtig nicht dasselbe widerfährt?

Zumindest kann man „ganz sicher“ sein, dass man für eine inhaltliche Auseinandersetzung Argumente benötigt. Diese wird bei einer etwaigen Versöhnung zwischen FSSPX und Rom keinem Anhänger der Tradition erspart bleiben – so oder so.

Dem sich ernsthaft Prüfenden sind jedoch wüste Beschimpfungen wie diese dabei leider keine Hilfe. Wenn der „derselbe Zeuge“ in der nächsten Woche – wie angekündigt – „abermals zu Worte kommen“ sollte, soll er daher bitte Argumente mitbringen. Oder besser schweigen.

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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