Sühne! (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_03.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

März 2017

Sühne!

Ist sie ein mythisches Relikt im Christentum? Oder vielmehr eine Tatsache, die zur Heilslehre und auch in unser Leben gehört?

P. BERNWARD DENEKE FSSP

 

Der Begriff Sühne ist nicht nach jedermanns Geschmack, denn er riecht nach Blut. Er ist schon gar nicht nach dem Geschmack heutiger Theologie und Verkündigung, weil er so etwas wie Frevel gegen Gott voraussetzt. „Gott beleidigen“ – „Gott erzürnen“ – „Gottes Zorn besänftigen“: Um Himmels willen, das ist doch krudes Heidentum, mythisches und magisches Denken, bestenfalls noch Altes Testament, aber niemals echtes Christentum! Glauben wir denn nicht an einen Vatergott, der uns vorbehalt- und bedingungslos liebt? Er will bestimmt nicht, daß für Ihn Blut fließe – weder körperliches Blut noch das geistige Blut leidender „Opferseelen“.

Wen wundert’s, wenn unter solchen Voraussetzungen in Predigten selten bis nie von Sühne die Rede ist? Wenn Peter-Normalkatholik mit der Messe als Sühnopfer wenig bis nichts anzufangen weiß? Wenn das feierliche Sühnegebet, von Papst Pius XI. für das Herz-JesuFest angeordnet, und die piae invocationes, die „frommen Anrufungen zur Sühne für die Gotteslästerungen“ nach dem sakramentalen Segen (Gott sei gepriesen. Gepriesen sei Sein heiliger Name… etc.), aus dem gottesdienstlichen Leben verschwunden sind? Wen wundert’s, wenn man sich auch im Fatima-Jahr 2017 schamhaft über den Sühne-Aufruf der Gottesmutter ausschweigt? Niemand möchte doch in ein mythisches Denken zurückfallen. Apropos „mythisches Denken“: Es ist kein Fehler, zuweilen einen Blick auf die uralten Überlieferungen zu werfen, denn im Gegensatz zum zeitgeistig-seichten Mode- christentum enthalten sie oft wesentliche Einsichten in die Tragik unserer  gefallenen Existenz, aber auch Ausblicke auf Rettung. Denken wir an Agamemnon, den Anführer der Griechen im Trojanischen Krieg. Im heiligen Hain der Artemis hatte er eine Hirschkuh erlegt. Deshalb hinderte die Göttin das Heer der Griechen durch eine Wind- stille an der Weiterfahrt nach Troja. Der Seher Kalchas ließ Agamemnon wissen, erst dann, wenn er seine Tochter Iphigenie eigenhändig der Göttin zum Opfer dargebracht und damit den Frevel gesühnt habe, könne der Heerzug fortgesetzt werden. Agamemnon setzt also zur Schlachtung an. Doch im letzten Augenblick wird Iphigenie von Artemis auf die Insel Tauris entrückt, wo sie der Göttin als Priesterin dienen soll. Agamemnon aber opfert eine Hirschkuh anstelle seiner Tochter. (Kommt uns das irgendwie bekannt vor?) Endlich weht wieder der Wind, und das Heer der Griechen kann in See stechen, Troja entgegen.

Im nächtigen Schatten dieses Mythos sind die Elemente erkennbar, die das Morgenlicht der Offenbarung in ihre wahren Zusammenhänge stellt: menschliche Anmaßung und frevelhaftes Verhalten, Verlust des himmlischen Segens und Wiedergutmachung durch das Opfer. Geht ein Sünder reuevoll in sich und bemüht er sich um Umkehr des Herzens, des ganzen Lebens, so sprechen wir von Buße. Vollzieht er aber einen Akt der Wiedergutmachung für seine eigene sündhafte Tat oder die Verfehlungen anderer, dann handelt es sich um Sühne. Und diese hat dann tatsächlich mit Opfer und Blut zu tun. Man lese dazu das 16. Kapitel des Buches Leviticus. Und dann vergewissere man sich im Neuen Testament, daß auch Jesus zwar nicht mit Opfertierblut, jedoch „durch Sein eigenes Blut ein für alle Mal in das himmlische Heiligtum eingegangen ist und uns so eine ewige Erlösung erwirkt hat“ (Hebr 9,12), Er, den Gott „als Sühnestätte in Seinem Blut hinstellte“ (Röm 3,25) und der somit selbst die Sühne nicht nur für unsere, sondern für die Sünden der ganzen Welt ist (1 Joh 2,2). Schließlich beachte man, wie sich Paulus an seinen Leiden erfreut, mit denen er in seinem Fleisch das ergänzt, was am Leiden Christi für Seinen Leib, die Kirche, noch aussteht (Kol 1,24). Stellvertretende Sühneleistung! Wenn uns daher die Kirche und ihr Urbild, die jungfräuliche Gottesmutter, zur Sühne für die Frevel gegen Gottes Heiligkeit und die Schmähungen und Beleidigungen Seiner Güte aufrufen, so ist das nicht heidnische, mythisch-magische Verfremdung unseres Glaubens, sondern Christentum pur.

Gewiß, unser himmlischer Vater ist kein launenhafter Rachegott, der Blut sehen will. Doch freut Er sich an dem Eifer für die Ehre Seines Namens und an der Liebe zu denen, die Ihn verunehrt haben. Deshalb blickt Er mit Wohlgefallen wie auf das Opfer Seines Sohnes, so auf die Sühne, die Ihm von Seinen Gliedern dargeboten wird durch, mit und in Christus. Diese Sühne riecht mehr nach Liebe als nach Blut. Und wie das Opfer des Agamemnon ruft sie „Wind“ herbei, nämlich den Heiligen Geist, ohne den niemand seine Lebensfahrt hin zur ewigen Heimat fortsetzen und vollenden kann.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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