Isa Vermehren: Tagebücher 1950-2009 (civitas-institut.de)

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Freitag, den 03. März 2017 um 11:43 Uhr
Es muss an einem Samstag abend in den 80er Jahren gewesen sein, dass der Schreiber dieser Zeilen sich das „Wort zum Sonntag“ anschaute und völlig verblüfft reagierte: da sprach eine Nonne im Habit, und was sie sagte, das war so katholisch, so klar und eindeutig, wie es schon „damals“ eine große Seltenheit war. So erfuhr er zum ersten Mal von Sr. Isa Vermehren, einer ebenso beeindruckenden wie überzeugenden Persönlichkeit. Dem Patrimonium-Verlag und der Herausgeberin Helga Böse ist nun für die verdienstvolle Veröffentlichung der Tagebücher von Schwester Isa Vermehren ganz besonders zu danken.

Schwester Isa Vermehren war zunächst Kabarettistin, die sich schon in der Schulzeit als, sagen wir: „unangepaßt“ erwies. Ihre Opposition schon in der Schule und in der erfolgreichen Kabarett-Karriere brachte ihr Probleme mit dem nationalsozialistischen Staat ein; sie führte auch zu einer einjährigen Inhaftierung im KZ Ravensbrück, eine Erfahrung, welche sie ein für allemal gegen das Rousseau-Virus („Der Mensch ist von Natur aus gut“) resistent machte. In den 30er Jahren konvertierte sie zum katholischen Glauben, 1951 trat sie in die Gesellschaft vom Heiligsten Herzen Jesu ein, holte die notwendigen Examina nach und wurde Lehrerin, später Schulleiterin an zwei Gymnasien dieses Ordens. Sie starb 2009 im Alter von 91 Jahren.

Wie wenig diese trockenen und kurzgefaßten Fakten ihr Leben wirklich wiedergeben können, wird bei der Lektüre der von Helga Böse so geschickt redigierten Tagebücher Isa Vermehrens aus den Jahren 1950 bis 2009 deutlich. Helga Böse hat die von ihr kompetent ausgewählten Passagen aus den Tagebüchern nicht chronologisch aneinandergereiht (was Tagebücher manchmal schwer lesbar macht), sondern sie thematisch und dann innerhalb der thematischen Ordnung chronologisch geordnet. Das hat den ganz großen Vorteil, dass sowohl die fortlaufende Lektüre des ganzen Buches als auch das „steinbruchartige“ Lesen nach jeweiligem Interessengebiet den Leser ungemein bereichert. Die Herausgeberin hat eine Einführung in ihr Leben und dann in den jeweiligen Zeitabschnitt vorangestellt, und das erleichtert Einordnung und Verständnis dessen, was Sr. Isa Vermehren uns zu sagen hat, ganz ungemein.

Und das ist eine ganz, ganz große Fülle.

Sr. Isa Vermehren hat eine ganz nüchterne und doch begeisterte Art, eine sehr analytische Art, ihre Sicht der Dinge, ihre Auseinandersetzung mit dem, was sie ist und was sie erlebt, zu schildern. Da ist die Beobachtung der politischen Ereignisse ihrer Lebenszeit, auf die wir hier hinweisen, aber nicht eingehen wollen.

Da ist die persönliche Seite: wenn sie über das Alter, über ihr Alter und seine Krankheiten und Gebrechen schreibt, über ihren Umgang mit eigener und anderer Krankheit und Schwäche, dann macht das sehr, sehr nachdenklich, und das nicht nur, wenn man selbst Analogien zur eigenen oder kommenden Situation sieht. Wie sie mit diesen Dingen umgeht und sich auseinandersetzt: das ist schon sehr beeindruckend, ebenso wie die Schilderung ihrer spirituellen Wege.

Ihre Lebenszeit fällt zusammen mit einer tragischen Zeit für ihren Orden und für die gesamte Kirche. Schon in den 50er Jahren sieht sie die Gefahren, den Zusammenbruch des Religiösen, und das in einer Zeit, in der die Kirchen noch vergleichsweise voll waren und die Institutionen noch recht intakt schienen. Mit sehr nüchternem, analytischem Blick, aber um so schmerzvoller sieht sie den Niedergang, der durch die „Reformen“ nach dem 2. Vatikanischen Konzil rasend beschleunigt wird. Drewermann, Küng und die bekannten anderen Protagonisten werden auf sehr sachliche Art und Weise als (mit)verantwortlich für die völlige Orientierungslosigkeit, ja: für die Abwendung vom eigentlich Katholischen geschildert, die letztlich auch den eigenen Orden erfassen.

Das Denken Sr. Isa Vermehrens ist durch die ignatianischen Exerzitien und durch die Orientierung am hl. Thomas geschult, und so sieht sie in erbarmungsloser Klarheit die Folgen dessen, was durch die „Reformen“ nach dem 2. Vatikanum in großer Schnelligkeit um sich greift und Raum fasst. Sie beklagt den immer schwächer werdenden Gottesbezug, die Tatsache, dass immer mehr das „Ich“ statt Gott in den Mittelpunkt einer (anderen?) Religion gestellt wird, sie beklagt den Verlust der Spiritualität und die dadurch immer kälter werdende Atmosphäre, die sich z.B. auch in den neuen Kapellen und Kirchen brutal darstellt. Auch den Niedergang ihres eigenen Ordens sieht sie mit unverstellter Klarheit.

Man spürt, dass Isa Vermehren unter der Situation, die sie erlebt hat, gelitten haben muss. Man spürt aber auch den Gehorsam dieser Frau, einen Gehorsam, der ihr möglicherweise ganz und gar nicht leicht gefallen ist. Sah sie eine Lösung?

„Msgr. Lefebvre ist z. Zt. der Einzige, der sichtbar dokumentiert und bezeugt, dass Kirche einen überzeitlichen „Zweck“ hat, dass Gebet einen Sinn in sich hat, dass das Lob Gottes objektive Pflicht ist, deren Wert nicht erst nachgewiesen werden muss an der Anziehungskraft, den er für Jugendliche und Touristen hat.“ schreibt sie 1977.

Und 1998: „Was mich z. Zt. am meisten bedrängt und bedrückt: ich kann die Liturgie nicht mehr ertragen, merke, wie sie gänzlich fruchtlos bleibt, … . So, wie sie gefeiert wird, verhindert sie mit Macht die eigene, heilende, läuternde Mitfeier. (…). Ob ich nicht endlich alt und unabhängig genug bin, um wenigstens hin und wieder teilzunehmen am tridentinischen Gottesdienst [der Piusbruderschaft in Bonn] am Kaiser Karl Ring? Es wird mich Vertrauen und Frieden in der Kommunität kosten. Ich muss einen anderen Weg suchen, … .“

In einem Interview wurde Isa Vermehren gefragt, was sie denn Jesus sagen würde, wenn sie ihm nach dem Tode begegnet. Möglicherweise wurde eine inhaltsschwere Antwort erwartet, und die kam auch, aber ganz anders als erwartet, nämlich: „Gott sei Dank, et hät jeklapp!“

Wir wollen es hiermit bewenden lassen, der Reichtum dieser Quelle kann in einer kurzen Besprechung sowieso nicht ausgeschöpft, sondern bestenfalls angedeutet werden. Mit nochmaligem Dank an Helga Böse und an den Patrimonium-Verlag sei das Buch unbedingt, ja: dringend zur Lektüre empfohlen. Es ist in jedem Fall ein sehr großer Gewinn, das Denken dieser großartigen Frau kennenzulernen.

JV

Isa Vermehren: Tagebücher 1950 – 2009, Bearbeitet von Helga Böse (Hrsg.), Patrimonium-Verlag Heimbach / Eifel 2017, ISBN-10: 3-86417-072-9; ISBN-13: 978-3-86417-072-0

 

Isa Vermehren auf youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=J_-htwBM7bw (ab min. 22.00)

https://www.youtube.com/watch?v=GVHrvwwkKm4 (!!!)

 

Nachrichtenarchiv des Civitas-Institut

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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