Kulturelle Hegemonie und mediale Beeinflussung

Kulturelle Hegemonie und mediale Beeinflussung

Besieht man sich die in bundesdeutschen Parlamenten vertretenen Parteien (ohne AfD) ohne Zorn und Eifer, wird einem vor allen deren fehlende Unterscheidbarkeit in den wesentlichen Fragen auffallen: „wir“ werden bunter „in den Lebensentwürfen“, werden „toleranter“ und hoffen fest auf Vater Staat. Nüchtern gesehen ist für den Wähler lediglich die Geschwindigkeit wählbar, mit der diese für „die Politik“ feststehenden Ziele angesteuert werden, bei rot/grün/dunkelrot schneller, schwarz & irgendwer müssen halt doch noch etwas mehr Rücksicht auf die „aus der Zeit Gefallenen“ nehmen, die mit den neuen Vorgaben „ihre Probleme haben“. Wer „Probleme hat“ ist pathologisch, wer hip und clever ist, setzt die Segel in den Wind des Zeitgeistes und wählt das einheitlich ausgerichtete und geschlossen handelnde Parteienkartell der Einheitsmeinung (CDU-General Tauber feierte ernsthaft Frank-Walter Steinmeier als siegreichen „eigenen Kandidaten“), welches aus inhaltlich flexiblen, informellen Kartell-Modulen besteht, welche die gerade aktuelle „alternativlose“ Politik, beziehungsweise einen diffusen „humanitären Imperativ“ umsetzen. Welches Kartell-Modul gerade „vom Wähler“ mit der Regierung „beauftragt“ wurde, spielt keine wahrnehmbare Rolle mehr. Das politische Handeln ist zunehmend von den in Wahlkämpfen beschworenen grundsätzlichen politischen Überlegungen unabhängig: „Konservative“ schalten Atomkraftwerke ab und setzen die Wehrpflicht aus, die ersten Kampfeinsätze der Bundeswehr geschahen unter der Regierungsmitverantwortung der „antimilitaristischen“ und „pazifistischen“ Grünen, die Hartz IV-Reform wurde von der SPD als „Anwalt der unteren Lohngruppen“ umgesetzt.

In Bayern inszeniert sich die CSU in der medialen Darstellung erfolgreich als lautstarkes konservatives Korrektiv, das „in der Grundhaltung“ selbstverständlich gegen Abtreibung, Gender etc. ist, dagegen Klagen androht und auch sonst verbal die Muskeln spielen läßt. In der Realität versucht sie, die Bildungspolitik an Gender-Richtlinien auszurichten und läßt Funktionäre auf der Homosexuellen-Parade „CSD“ mit eigenem Wagen mitfahren. Zudem verdient bekannterweise ein Münchner Bezirksvorstandsmitglied als Vermieter einer Abtreibungsstätte mit an der Tötung Ungeborener, ohne dass dies die Partei zu irgendwelchen Schritten veranlaßt hätte. Als „Transmissionsriemen“1 fungieren Institutionen, welche ihr ursprüngliches Gedankengut nicht mehr vertreten und stattdessen dem Postulat des umgreifenden, politisch-korrekten Umbaues der Gesellschaft mit dem Ziel der allseits multikulturellen, nichtdiskriminierenden, niemanden ausgrenzenden Inklusionsgesellschaft das Wort reden. Als da wären die Deutsche Bischofskonferenz mit den Kardinälen Marx und Woelki. Oder der Deutsche Fußballbund, die Deutsche Fußball-Liga, der Deutsche Feuerwehrverband oder der Deutsche Olympische Sportbund. Diese vier fungieren als Schirmherren beim sog. „Netz-gegen-Nazis“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Netz_gegen_Nazis), dem Internetportal der „Amadeu Antonio Stiftung“. Selbige wird von Frau Anetta Kahane geleitet, die in der DDR für das Ministerium für Staatssicherheit tätig war, was aber offenbar von niemanden der Verantwortlichen hinterfragt wurde.

Schaut man sich nun die nationale wie internationale Film- und Fernsehproduktion einmal genauer an, fällt einem der Grad hoher Übereinstimmung zwischen der von den (beileibe nicht nur in Deutschland) herrschenden Machteliten proklamierten Politik (etwa Gender, „sexuelle Vielfalt“, „Refugees welcome“ u.ä.) und dem identischen Inhalt der Produktionen auf. So wird zum Beispiel in den Produktionen der Degeto Film GmbH (Deutsche Gesellschaft für Ton und Film, die gemeinsame Filmeinkaufsorganisation der ARD) und ihrer Auftragsnehmer wie etwa Mafilm – Martens Film- und Fernsehproduktions GmbH Berlin (vgl. hierzu http://www.augenauf.net/dateien/courage.pdf) ein politisch-korrektes Meinungsklima transportiert: signifikant viele Homosexuelle werden in „ganz normalen“ Lebenssituationen gezeigt, wobei sie jedoch arg „diskriminiert“ werden, etwa keine Kinder adoptieren dürfen. In der Regel wird dem Zuschauer nicht auffallen, dass ihm in seiner persönlichen Lebenswirklichkeit nie so viele Homosexuelle mit offensiv zur Schau getragenem „schwulen Lebensstil“ begegnen. Demzufolge macht er sich über diese eklatante Diskrepanz auch keine Gedanken. Auch nicht, dass die „positiv“, also als Sympathieträger besetzten Schauspieler-Rollen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt#Effekt) sich im Einklang mit der politischen Agenda (Inklusion, Integration, „Toleranz“ etc.) befinden – im Gegensatz zu den bewußt unsympathisch dargestellen Rollen (Neurotiker, bigotte Fundamentalisten, verbitterte Zukurzgekommene etc.). Vermutlich realisieren – aufgrund mangelnder innerer Distanz – die Wenigsten, dass es sich hier lediglich um fiktionale, kreierte Unterhaltung handelt. Die Rezipienten der Medienberichterstattung werden so subtil zum beabsichtigten Ergebnis geschubst (oder „genudged2). Unter einem Nudge versteht man eine Methode, das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen. Die Medienrezipienten projizieren so die eingeträufelten Botschaften auf die einstweilen intakt gebliebenen Fassaden, während deren Inhalte unbemerkt transformiert werden.

Die massive Häufung in Film und Fernsehen läßt die Vermutung aufkommen, dass die politisch gewünschte „gesellschaftliche Wirklichkeit“ durch TV-Serien und Kinofilme medial konstruiert werden soll. Bezüglich Deutschland bietet sich hier des Deutschen liebstes TV-Kind, der Krimi, förmlich an. Dieser wird seit einiger Zeit dreist zur Volkserziehung mißbraucht: Von SOKO Leipzig – von der UFA Fiction GmbH für das ZDF produziert – (Folge „Ein Fall aus der Hölle“: Ein Rentner, der gemeinsam mit seiner Frau Nora einen syrischen Flüchtling bei sich zu Hause aufgenommen hat, wird vor seiner Kirche ermordet. Leipzigs Islamgegner sind alarmiert) bis zu Nord Nord Mord, wo der Kommissar natürlich auf eine geflüchtete syrische Akademikerin trifft, die in Heidelberg studiert hat und akzentlos deutsch parliert. Engagierte und couragierte Gutdenker schützen akademisch gebildete „Geflüchtete“ vor dumpfpopulistischen Fremdenfeinden. Wohlgemerkt: es wird nicht lediglich legitimerweise ein aktuelles Thema für eine Krimifolge aufgegriffen, sondern der Rezipient per Halo- Effekt zur “richtigen“ Einstellung geführt – auf dass er “Haltung zeige“…

Während einige Aspekte wie etwa gleichgeschlechtliche Verbindungen, Abtreibung, Verhütung etc. medial gepusht werden, bleiben andere seltsam ausgespart. Etwa die „gezielten Tötungen“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Gezielte_T%C3%B6tung), mit der die geltende Militärdoktrin der Vereinigten Staaten, die „Full-spectrum dominance“ (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Full-spectrum_dominance), also die Bekämpfung jedes möglichen Feindes und mit allen dafür erforderlichen Kräften und Maßnahmen, umgesetzt wird. Dies geschieht u.a. mittels Henker-Drohnen (sinnigerweise „Reaper“, also Sensenmann, genannt) welche mit ihren Hellfire-Raketen ohne Gerichtsurteil oder Anhörung Menschen liquidieren (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-legen-regeln-fuer-gezielte-toetungen-fest-drohnen-ausgenommen-a-878594.html) oder durch militärische Spezialeinheiten wie den britischen Special Air Service SAS (http://www.focus.de/magazin/archiv/anti-is-aktion-briten-erlauben-gezielte-toetungen_id_4310718.html) oder die professionellen Attentäter der israelischen Kidon (https://de.wikipedia.org/wiki/Kidon). Findet das Thema in die Medien statt, wird es in der Regel als „ethisch umstritten“ vorgestellt – als könnte es bei diesen regierungsamtlich angeordneten Auftragsmorden aus ethischer oder juristischer Sicht ernsthaft zwei unterschiedliche Meinungen geben. Oder die Morde werden bewusst falsch als “Hinrichtungen“ bezeichnet, wobei in Kauf genommen wird, dass der arglose Zuschauer dabei von einem Gerichtsprozess und Todesurteil ausgehen wird.

Die Reihe Black Ops- Elitetruppen im Einsatz (derzeit im Kabelsender „Kabel 1 Doku“ zu sehen) glorifiziert diese Morde unkritisch in – als seriöse „Dokumentation“ getarnten – Propaganda-Streifen. Bild- und Ton-Häppchen in schneller zeitlicher Taktung verhindern ein differenziertes Nachdenken. Der Zuschauer wird förmlich in einen reißenden Strudel von visuellen und akustischen Signalen hineingezogen, komprimierte Informationen inszenieren für den Zuschauer durch nachgestellte Szenen einen Handlungsbedarf unter Zeitdruck. Dass journalistische Sorgfalt nicht an erster Stelle steht, wird deutlich, wenn z.B. in der Folge Geiseldrama in Lima die Tupac-Amaro-Bewegung MRTA fälschlicherweise als Sendero Luminoso bezeichnet wird. Durch reißerische Hintergrundmusik wie im Actionfilm, eine bekannte Synchron-Stimme aus dem „Off“ (in der Regel die von „Dr. House“ oder Robert de Niro) und gleichsam als neutrale Zeugen präsentierte Journalisten oder Ex-Geheimdienstler wird der Zuschauer gezielt konditioniert, rechtliche oder ethische Bedenken als nebensächlich zu betrachten. Im Bezugsrahmen dieser veritablen Kriegsberichtserstattung haben nur Fakten Platz, wenn sie als in ihn passend redefiniert wurden: nach den medial transportierten Denkschablonen ist Staat X ist per se „gut“, Staat Y per se „böse“, rechtsstaatliche Überlegungen scheiden, da nicht redefinierbar aus, ihren Platz nehmen dann militärische Szenarien und Machbarkeitsanalysen ein.

„Wir haben nicht nur eine bestimmte Auffassung von der Beschaffenheit aller uns umgebenden Dinge, sondern haben uns auch darauf festgelegt, daß diese Dinge tatsächlich so und nicht anders sind. Diese Denkschablonen sind bereits so verinnerlicht, daß wir uns erst im Gespräch mit Personen, die anderer Auffassung sind, ihrer Existenz bewußt werden“ (aus: SITTE, W. und H. WOHLSCHLÄGL, S. 508, Hrsg. (2001): Beiträge zur Didaktik des „Geographie und Wirtschaftskunde“-Unterrichts).

Gerade in der Politik sind Denkschablonen verbreitet. Vor allen Informationen über unübersichtliche Situationen werden durch Denkschablonen (allerdings in der Regel übermäßig) vereinfacht und damit vielfach für den individuellen Bezugsrahmen des Einzelnen überhaupt erst verwertbar. Bezugsrahmen dabei verstanden als „Realität, in der jemand lebt“, der Bezugsrahmen ist also die Bedeutung, den Sinn und den Wert, den jemand dem, was ihm von außen oder innen begegnet, zuordnet (gut lesbar aufbereitet: http://www.choehn.net/gloeckner/images/stories/Bezugsrahmen_2011.pdf).

Medial werden dem unkritischen Zuschauer unterschwellig Kategorien vermittelt, in welche er dann vermeintlich „typische“ Situationen durch das in den Nachrichten benutzte Label (z.B. „Terror“) wunschgemäß „einordnen“ kann, das selbstständige Erschließen neuer Aspekte durch eigenständiges Nachdenken wird so meist erfolgreich verhindert werden. Wenige Hinweisreize wie etwa Schlüsselwörter genügen dann und er glaubt bereits zu wissen, „worum es geht“. Sie betätigen einen inneren Trigger – komplette Filme laufen im persönlichen Kopf-Kino ab. Eine Reaktion erfolgt dann nur auf diese Vermutungen und Unterstellungen, die unbewußt für äußere Realität gehalten werden, zum eigenständigen Infrage-stellen oder überprüfen kommt es dann gar nicht mehr.

Die Fähigkeit, Argumente differenziert wahrzunehmen, kritisch abzuwägen, Zustimmung oder Ablehnung präzise formulieren können, ist nicht das Ziel solcher „Dokus“. Sie sollen den Bezugsrahmen klar definieren, „Wir“ gegen „sie“. Dann genügen in den TV-Nachrichten einzelne, negativ besetzte Reizworte, diese werden automatisch im Kopf um die Denkschablone „ergänzt“, „was diese Typen  ja eigentlich meinen“, denn man weiß ja sowieso, was die sagen, denn „das kennt man ja“. Kritisches Hinterfragen von Legalität oder Legitimität der Mittel kann daher gar nicht vorkommen, wo (wie hier) Denkschablonen benutzt werden. Allein das Zauberwort „Terror“ reicht dann in unseren von „nine-eleven“ geprägten Zeiten, rechtsstaatliche Vorgaben von vornherein als hinderlich und lächerlich zu bewerten. Der Zweck heiligt die Mittel, ob Henkerdrohne, Guantanamo oder gezielter Auftragsmord.

Vergleichbar mit den Zuständen in der DDR Ende der 80er Jahre wird für die Masse so medial eine Art “virtuelle Realität“ kreiert. Der gesellschaftliche Diskurs des Einzelnen mit der als einheitliches Parteienkartell auftretenden Politik wird im Wesentlichen durch die “political correctness“ normiert, läßt er diese ausser Acht, wird dies negativ sanktioniert. Sei es durch politische Ächtung als Rechtsaussen (wie etwa Roland Tichy, Eva Hermann, Erika Steinbach oder Martin Hohmann) oder wirtschaftlichen Boykott (etwa Gewerbetreibende, Hotellerie). Eine objektive Information mit (durchaus legitimen Kommentar) tritt immer häufiger hinter offener Agitation zurück, es wird ein in sich geschlossenes Weltbild propagiert, an welchem Kritik überhaupt nur Randständige wie Fremdenfeinde, Rechtspopulisten oder schlicht “Nazis“ üben können.

Umgesetzt wird diese kulturelle Hegemonie durch einen politisch-medialen Komplex, der beispielsweise bei Talk-Shows gegen Außenseiter wie AfD-Vertretern sichtbar harmoniert (nicht umsonst wurden von Seiten der CDU am Wahlabend der Bundestagswahl Stimmen für rot/grün als Stimmen für Kanzlerin Merkel gewertet). Handfest auf der Straße von militanten Autonomen der Antifa, die Gastwirte von einer Vermietung von Räumlichkeiten an “Rechte“ abschrecken und gegen Versammlungen von Lebensschützern gewalttätig werden. Medial als “Proteste“ verharmlost, während Demonstrationen beispielsweise der AfD häufig als Aufmärsche bezeichnet werden.

Politisch-medialer Komplex: der sperrige Ausdruck bedeutet in etwa die (in der Regel nicht sichtbare) Verquickung von Politik und Medienlandschaft. Angelehnt an den wohl etwas bekannteren Begriff des sog. „militärisch-industriellen Komplexes“. Dessen Konzeption prägte in den 50er Jahren der amerikanische Soziologe Charles Wright Mills, indem er die engen Interessenverbindungen zwischen Militär, Wirtschaft und politischen Eliten im Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg darstellte. Der einstweilen behelfsmäßige Begriff des „politisch-medialen Komplexes“ beschreibt die für den normalen Bürger schwer fassbare Kumpanei der Staatsmedien mit der politischen Klasse – den Eindruck, bei Interviews einer durchchoreografierten Aufführung beizuwohnen. Dann hat man das unbestimmte Gefühl, man habe eben nicht „heute“ oder „heute journal“, sondern die „aktuelle kamera“ aus realsozialistischen Zeiten gesehen. Beileibe kein Phänomen unserer Tage.

Bereits im 19. Jahrhundert äußerte der damalige Hauptleitartikler der New York Times, John Swinton:

„So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte“ (John Swinton, New York Times, 1880, zit. nach: Sinclair Upton: The Brass Check: A Study of American Journalism 1920., S. 400).

Auch in angelsächsischen Serien kommt man zu keinem anderen Befund. So werden beispielsweise in den Folgen der US-Serie „Dr. House“ sehr oft Patienten, die eine religiöse Einstellung hatten, mit krankhaften Zügen dargestellt: der eine ließ sich „für seine Sünden“ an ein Kreuz nageln, gläubige Eltern lehnen starrsinnig für ihr Kind eine lebensrettende Infusion ab usw. Personen, welche dem aktuellen Mainstream entsprechen, sind hingegen häufig in der Heldenrolle zu finden: liberal, tolerant und aufgeklärt – vernünftig. Da wir ja alle nicht wissen können, was wirklich stimmt und was nicht, soll jeder nach seinem Willen leben und andere nicht intolerant „bevormunden“. Gläubige fallen hingegen oftmals durch ein als „bigott“ transportiertes, engstirniges Verhalten auf, da sie – ohne es im Film rational zu erklären – z. B. dem (natürlich überaus sympathisch dargestellten) Schwulenpärchen die Ehe nicht gönnen. Auch in den britischen Serien Inspektor Barnaby oder Father Brown dominieren bei den Gottesdienstbesuchern oftmals potentiell gefährliche Fundamentalisten, die intolerant verschreckte, harmlose Agnostiker mit alttestamentarischem Vokabular niederbrüllen und sich wie veritable Geisteskranke aufführen. Im Debüt der Serie Agatha Raisin band sich der anglikanische Vikar aus hilflosem Protest gegen ein Dorf-Spektakel aus heidnischen Zeiten auf dem Dorfanger an ein Kreuz und schleuderte gegen die lustigen Dörfler Verwünschungen. Glaubensüberzeugung wird so per se als etwas Skurriles gezeigt, differenzierte Argumentation kommt nicht vor und die wohl bewußt abstoßend angelegten Rollen-Charaktere versprühen „biblischen Zorn“. (Der Wahrheit eine Gasse: Als Gegenbeispiele fallen mir allerdings die Pfarrer Braun-Krimireihe mit Ottfried Fischer als seriösem, sympathischen und glaubensfesten Pfarrer und der Kinofilm “Gottes General“ über die Christeros ein).

Der Rezipient soll als gewünschtes Ergebnis diese Konstruktion irrtümlich als reale, objektiv (also für ihn ggf. nachprüfbar) vorhandene Außenwelt gleichsetzen, da sie vom publizistisch dominierenden politisch-medialen Komplex als allgemein anerkannt postuliert wird. So werden unmerklich sozio-kulturelle Wahrnehmungsschemata geschaffen (z.B. „Geflüchteter“ = immer schutzbedürftig; Schwule = coole, hippe Typen; jeder Kritiker der Regierungspolitik bzgl. Gender oder Flüchtlingswelle = fremdenfeindlich und „homophob“), welche im Hinterkopf eine Übereinstimmungen zwischen der Medien“realität“ und gesellschaftlichen Entwicklungen suggeriert.

Die vom Rezipienten an den Film oder die Serie (bewußt oder unbewußt) angelegten Kriterien sind die Bedingung der angestrebten Konstruktion, daher wird die Bevölkerung von Politik und Medien, Kirchenfunktionären oder linken „Künstlern“ sorgfältig umerzogen: Aktuelle Beispiele wären die durchgängige Reinkarnation von Trump als größenwahnsinnigen „Dr. Mabuse“ oder von Putin als kriegslüsternen Gewaltherrscher, die durchgängige Abqualifizierung regierungskritischer Stimmen, Blogs und Zeitungen als „rechts“/„rechts-populistisch“/„fremdenfeindlich“ oder die Pathologisierung dissitenter politischer Auffassungen als Phobien, Ängste oder Neurosen. Die wohlorchestrierte Einheitlichkeit, mit der dies derzeit geschieht, läßt eine lenkende Hand im Hintergrund vermuten. Der plötzliche Karriereknick von Schauspielern, die nicht mehr für Filme verpflichtet werden, dürfte zu einem nicht geringen Teil mit deren fehlendem Kotau vor der „political correctnes“ zusammen hängen. Jedenfalls drängen sich auffallend viele Schauspieler ungefragt mit aufdringlichen „Toleranz“- und „Akzeptanz“-Bekenntnissen an die Öffentlichkeit…

Sind diese Grundlagen bei der Masse erfolgreich gelegt, werden Filme oder TV-Serien durch diese zuverlässig „politisch-korrekt“ rezipiert. Die in der unmittelbaren Wahrnehmung nicht erfaßten Aspekte werden mittels Reizimpulsen im Vorstellungsbewußtsein des Wahrnehmenden „ausgeglichen“. Er konstruiert sie aufgrund besagter Kriterien einfach hinzu, während er mit seinem individuellen Bezugsrahmen nicht harmonisierende Signale derart „redefiniert“, dass sie hinein passen. Beispiel hierfür: als Flüchtlinge „spaßeshalber“ einen schlafenden Obdachlosen anzündeten, war von „engagierten“ Gutdenkern allen Ernstes zu hören, dies sei doch „eigentlich“ nur bei Rechten bislang üblich. Oder „eigentlich“ würden „Geflüchtete“ auch nicht häufiger vergewaltigen als Deutsche. Oder: der Massenmord durch den IS sei schlimm, aber auch Katholiken brächten ja ihre Schwiegermütter um…

Zum Aufbau der notwendigen inneren Distanz zu einem Film oder Serie sollte man sich kurz folgende Fragen durch den Kopf gehen lassen:

  • Welche Rollen/Funktionen sind durch welchen Schauspielertyp besetzt worden?
  • Welche Überzeugungen äußern die „bad guys“, welche die „good guys“?
  • Welches Gesellschaftsbild wird durch sie transportiert?
  • Welches Meinungsklima soll dadurch beim Zuschauer erzeugt werden?
  • Welche Interpretationsstrategie3 wird erkennbar?
  • Wer hat die Fernsehserie/Kinofilm finanziert?

Könnte verhindern, dass man gar zu arglos in so manch aufgestellte Falle tappt…

1Schlag nach bei Lenin: Die „Massenorganisationen“ fungieren als sog. „Transmissionsriemen“ von der Avantgarde zur Masse der fortgeschrittenen Klasse und von dieser zur Masse der Werktätigen. Deren Aufgabe: möglichst umfassende Organisation der unmündigen Masse und Infiltration mit dem Gedankengut der Avantgarde. http://library.fes.de/FDGB-Lexikon/texte/sachteil/t/Transmissionsriemen.html

2Abgeleitet von Nudge: engl. für Stups oder Schubs (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Nudge)

3„Islamistischer Terror“, „Nazis“ als ultimative Bedrohung „unseres“ Lebensstils

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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8 Antworten zu Kulturelle Hegemonie und mediale Beeinflussung

  1. LePenseur schreibt:

    Cher „Kirchfahrter“,

    ich erlaubte mir, diesen Artikel zu verlinken. Chapeau! Touché!

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