„Hören, Sehen, Verstehen?“ (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2017_02.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

Februar 2017

„Hören, Sehen, Verstehen?“

Die „aktive“ Teilnahme am Geschehen der Hl. Messe ist ein oft mißverstandener Begriff. Wie nimmt man fruchtbar am „Geheimnis des Glaubens“ teil?

P. DIETER BIFFART FSSP

 

Man hört nichts, sieht nichts und verstehen tut man erst recht nichts!“ Nicht selten wird den Gläubigen, die der alten Liturgie verbunden sind, dieses Vorurteil entgegengebracht. Das Latein würde das Verstehen, der „Rücken des Priesters“ das Sehen des Geschehens verhindern und es bliebe dem Gläubigen nichts anderes übrig, denn als stummer, teilnahmsloser Zeuge einem entrückten Ereignis beizuwohnen.

Kardinal Gustaaf Joos in einem Interview 2004: „Es sind so viele Gebiete, auf denen Theologen und Gläubige nicht mehr mit der Lehre der Kirche einverstanden sind. In Holland hat man vor einigen Jahren eine Untersuchung über den Glauben an die Eucharistie gemacht. Dabei kam heraus, daß 80 Prozent der pastoralen Mitarbeiter nicht mehr an die Realpräsenz in der Eucharistie glauben. Schrecklich.“

Doch was erkennt man, wenn man sieht? Viele sehen heute jeden kleinsten Ritus der Heiligen Messe mit ihren leiblichen Augen, ohne zu sehen, was wirklich geschieht. Viele hören in ihrer Muttersprache die Liturgie, akustisch mit Mikrophonen und Lautsprechern bis ins Loch der Kirchenmaus perfekt ausbalanciert, ohne etwas davon zu verstehen. „Aktives“ Teilnehmen an der Hl. Messe bedeutet nicht in äußerem Tun aufzugehen, sondern gläubig und andächtig, also bewußt dem Mysterium Raum in der Seele zu schaffen. Der Schlüssel zur fruchtbaren Teilnahme am Meßopfer erschließt sich zunächst immer über den Glauben, denn die Hl. Messe ist das „Mysterium fidei“, das „Geheimnis des Glaubens“, das die Augen und die Ohren des Glaubens voraussetzt. Der Glaube an die wirkliche Gegenwart Jesu im Altarsakrament und an die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers im Meßopfer ist das Fundament für eine „aktive“ Teilhabe am Meßgeschehen, wie sie zum ersten Mal mit dem Begriff der „participatio actuosa“ vom heiligen Pius X. gefordert worden ist. Ohne den wahren katholischen Glauben kann es keine „tätige Teilnahme“ an der Hl. Messe geben. Es trifft vielmehr das Wort zu: „auf daß sie hinsehen und doch nicht sehen, hinhören und doch nicht verstehen“ (Mk 4,12).

Gerade die lateinische Sprache und die Hinwendung des Priesters zum Altar, oberflächlich als Hindernis zur bewußten Teilnahme mißdeutet, zeigen uns erhellend, daß es der Augen und Ohren des Glaubens bedarf, damit sich uns die gefeierten Mysterien in ihrer Gnadenwirkung erschließen. Offensichtlich entzieht sich der Ritus den Verstehenskategorien dieser Welt, damit der Mensch leichter erkenne, daß er in die Welt Gottes getreten ist und die Niederungen des Diesseits unter sich gelassen hat. So offenbart sich der Glaube gerade durch das verhüllende Element der heiligen Handlung.

Vor einer tätigen Teilnahme an den Mysterien steht immer die Katechese über die Liturgie, die zur gläubigen Annahme des gefeierten Glaubensgeheimnisses führen möchte. In der frühen Kirche geschah die katechetische Hinführung in den sog. „mystagogischen Katechesen“, wie sie uns von großen Kirchenvätern erhalten sind. Die Annahme der vermittelten Glaubenswahrheiten war sogar Voraussetzung für die Teilnahme am Gottesdienst! So wurden zum Beispiel Taufbewerber nach dem Evangelium aus der Kirche geführt, weil ihnen die Voraussetzungen für die Teilnahme am Opfer fehlten. Heute erleben wir hingegen die verheerenden Folgen des landläufigen Verlusts der Katechese, besonders in den Fragen der Glaubensvermittlung und der Erklärung der liturgischen Riten. Die Konsequenz daraus? Man sieht und hört, ohne zu verstehen … Die Antwort darauf? Die Riten werden reduziert, und was noch geblieben ist, wird nicht selten im Verlauf der liturgischen Handlung im Stil eines Kommentators erklärt, erläutert und zerredet.

Eine verhängnisvolle Fehlentwicklung! Denn die Hl. Messe ist nicht selbst Katechese, sondern setzt diese voraus. Dies besagt bereits der Name „Gottesdienst“: Vor Gott treten, vor Seinem Angesicht dienen, zu Seiner Ehre und Verherrlichung und in Vereinigung mit den Engeln und Heiligen, wie es das Gebet am Ende der Opferung zum Ausdruck bringt: „Der Herr nehme das Opfer an, zum Lob und Ruhm Seines Namens …“ Freilich wird der Glaube in der Hl. Messe auch bekennend verkündet; und dennoch wird gerade deshalb der Glaube vorausgesetzt. Dem Bestreben zu einer tätigen Teilnahme an den Mysterien der Liturgie kann daher nur Rechnung getragen werden, wenn die Katholiken wieder in die heilige Handlung durch Unterweisung eingeführt werden. An vielen Orten gab es noch vor wenigen Jahrzehnten regelmäßig die Christenlehre, damit die Gläubigen – gut vorbereitet – dem Verlauf der Hl. Messe verständig und andächtig folgen konnten.

Darüber hinaus sind die Volksmeßbücher eine wertvolle Hilfe, um an der Hl. Messe aufmerksam und tätig teilnehmen zu können. Sie erschließen auch dem, der kein Latein beherrscht, eine große Fülle aus dem Reichtum der kirchlichen Gebete und Riten. Jedoch sind die Meßbesucher keineswegs verpflichtet, noch ist es geraten, jedes einzelne Gebet des Priesters lesend zu begleiten. Bloßes Mitlesen der Texte sollte nicht dazu führen, daß dem Geschehen am Altar nicht mehr bewußt und aufmerksam gefolgt wird. Um dieser Gefahr zu entgehen, kann es durchaus hilfreich sein, die Texte vor der Hl. Messe zu lesen. Gerade die großzügige Vorbereitung auf die Liturgie ermöglicht ein fruchtbares Teilnehmen. Wer die Texte bereits im voraus verinnerlicht hat, besitzt auch die Freiheit, beim Gottesdienst näher am Geschehen zu verweilen und freier zu beten. Das freie Beten des einzelnen Gläubigen ist der alten Liturgie keineswegs fremd. Wenn heute die „Mündigkeit des Christen“ immer wieder angemahnt wird, so findet sie auch darin Ausdruck, daß der Gläubige nicht auf eine Art des Mitfeierns verpflichtet wird, sondern in Freiheit entscheiden darf: Liest und betet er die Texte im Volksmeßbuch mit – oder betrachtet er lieber die handelnden Gesten, die in deutlichem Ausdruck vom Glauben der Kirche erzählen und so die Teilnahme tätig, also fruchtbar werden lassen. Ein anderer Gläubiger wiederum wird etwa die Stille des Kanons nutzen, um seine persönlichen Anliegen auf den Altar zu legen und ein Hörender und Staunender auf Gott hin zu werden.

Denn über das sprachliche Verstehen der Texte hinaus gibt es eben noch eine gleichsam schauende Erkenntnis des gottesdienstlichen Vollzugs, die unseren Glauben befruchtet und uns mit dem Geschehen eng und bewußt verbindet. Nicht wenige Konvertiten berichten, daß sie im ersten Augenblick ihres Glaubensweges nicht durch die Wortverkündigung in der Liturgie zur Umkehr gekommen sind, sondern durch ein staunendes Ergriffenwerden, das sie als Einbruch des Himmlischen in diese Welt wahrnahmen: Als der holländische Maler Johannes Verkade (1868 – 1946) noch ungetauft und ungläubig wie er war, zum ersten Mal der Hl. Messe beiwohnte, bemerkte er auf einmal, wie die Bauern in der bretonischen Dorfkirche auf das Klingeln der Altarglocke hin niederknieten. Er stutzte: „Es gab einen schweren Kampf. Was, ich knien? Mein Stolz protestierte mit aller Kraft gegen eine solche Erniedrigung. Aber ich ragte so entsetzlich hoch über alle hinaus. Ich konnte nicht anders und kniete wie die anderen. Auf die Knie! Wie lange ich gekniet habe, weiß ich nicht … Es kam mir schrecklich lang vor, denn es tat fürchterlich weh. Endlich standen die Männer auf, ich mit ihnen. Ich war nicht mehr der gleiche wie früher. Ich war schon halb katholisch. Mein Stolz war gebrochen: Ich hatte gekniet!“ Die bewußte Teilnahme am Meßgeschehen hat viele Gesichter, weil der Mensch auf verschiedene Weise wahrnimmt und empfängt. Wichtig dabei ist, daß Herz und Verstand, Äußeres und Inneres miteinander verbunden sind und im kirchlichen Glauben und in der Andacht ihre Mitte finden. Die Herausforderung, diese Eigenschaften zu verbinden, wächst noch, wenn es darum geht, die Jüng- sten zu einer fruchtbaren Teilhabe am Geschehen zu führen. Nicht wenige Eltern sind damit betraut. Zunächst ist es vonnöten, die Kinder beharrlich über die Größe des Geschehens anhand von altersgerechten Büchern zu unterweisen. Kleinkinder entdecken die Welt über das Sehen und Hören. Es gilt, diesen Entdeckergeist auf die Handlung der Hl. Messe hinzulenken. „Warum läutet öfters am Altar die Glocke? Warum halten die Ministranten bei der Wandlung das Meßgewand? Warum steigt Rauch am Altar auf?“ Wenn es den Eltern gelingt, die Kinder zum Sehen und Hören der Handlung zu bewegen, vielleicht durch ein Bilderbuch über die Hl. Messe unterstützt, gibt es genügend Dinge, die die Aufmerksamkeit zu fesseln vermögen. Nichtsdestotrotz ist der Bewegungsdrang der Kleinen eine Herausforderung, die formend angenommen wird, wenn auch außerhalb der Liturgie die Kinder anhand „stiller Zeiten“ an Ruhephasen gewöhnt werden. Dem Zeugnis erfahrener Eltern gemäß ist es im Gottesdienst selbst gut, den Kleinsten nicht zuviel Bewegungsfreiheit zu lassen. Bei den größeren Kindern bietet es sich an, auf dem Heimweg von der Kirche den Inhalt

des Evangeliums zu erfragen und so über das Gehörte nochmals vertiefend ins Gespräch zu kommen. Dies könnte etwa auch durch ein Quiz erfolgen: „Wer weiß noch den Evangeli- sten, aus dem wir heute das Evangelium gehört haben?“ … Die Aufmerksamkeit während der Liturgie kann dadurch gefördert werden. Bei mehreren Kindern wird es den Eltern hilfreich sein, die Größeren in der Führung der Kleineren mit einzuspannen. Wenn etwa der große Bruder andächtig kniet, fällt es den Kleineren leichter, sie werden angespornt, es ihm gleichzutun. Das vorbildhafte Verhalten der Eltern überträgt sich naturgemäß von den Größeren auf die Kleinsten. Die Kinder sollen von klein auf mit Geduld und Ausdauer aller an die Hl. Messe gewöhnt werden, dann wird sie sehr bald zu einer reichen geistlichen Quelle in der Entwicklung der Kinder. In allem Ringen um die „tätige“, also andächtige und fruchtbare Teilnahme an der Hl. Messe gilt für Groß und Klein das Bitten um die Gnade, damit wir immer sehender werden und am Meßende mit dem Apostel Johannes bekennen können: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1)

 

Besonders die von mir rot hervorgehobene Passage unterstreicht, dass der überlieferte Ritus dem individuellen Menschen anspricht, wohl weniger das „Herdentier“, das zufrieden ist, in der Masse „alle-zusammen-gemeinsam-miteinander“ etwas zu tun – egal was, Hauptsache, man fällt nicht weiter auf. Höhepunkt der „aktiven Teilnahme“ sind die zuverlässig stattfindenden Meet&Greet-Harlekinaden beim Friedensgruß.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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