Gerühmt, gefürchtet, gefragt, geschätzt (die-tagespost.de)

Gerühmt, gefürchtet, gefragt, geschätzt

Gelegen oder ungelegen – Wolfgang Ockenfels OP bezieht Position Foto: KNA

 

Im katholischen Rheinland ist der Vorsitzende des „Instituts für Gesellschaftswissenschaften Walberberg“ und Chefredakteur der vom Institut herausgegebenen Zeitschrift „Die neue Ordnung“ eine Institution, im weniger katholischen Rest Deutschlands zumindest so etwas wie eine Klasse für sich: Viel gerühmter Gelehrter, gefürchteter Publizist, gefragter Redner, geschätzter Ratgeber – der streitbare Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels vereint in einer Person, was andernorts für eine ganze Reihe von Karrieren reichte. 1947 in Bad Honnef geboren, trat er im Alter von 20 Jahren in dem vom heiligen Dominikus gegründeten „Ordo Fratrum Praedicatorum“ ein. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie an der ordenseigenen Hochschule in Walberberg und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn empfing er 1973 die Priesterweihe. 1974 nahm er ein postgraduales Studium der Sozialethik und der Volkswirtschaftslehre an der Universität Fribourg in der Schweiz auf, wo er von Arthur Fridolin Utz OP, der vielen als Nestor der katholischen Soziallehre gilt, 1978 mit dem Thema „Gewerkschaften und Staat. Zur Reformdiskussion des Deutschen Gewerkschaftsbundes“ promoviert wurde. 1982 wurde er Akademischer Rat an der Theologischen Fakultät der Universität Augsburg, wo er sich 1984 unter dem „Mentorat“ des Jesuiten Anton Rauscher mit der Arbeit „Politisierter Glaube? Zum Spannungsfeld zwischen katholischer Soziallehre und politischer Theologie“ auf dem weiten Feld der Christlichen Gesellschaftslehre habilitierte. Nur ein Jahr später erhielt er einen Ruf an die Theologische Fakultät Trier. Hier prägte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2015 als Professor für Christliche Sozialwissenschaften mit den Lehrgebieten Politische Ethik und Theologie, Katholische Soziallehre und Sozialethik, Wirtschaftsethik sowie Familien, Medien und Gesellschaft, drei Jahrzehnte lang Generationen von Schülern.

Im akademischen Elfenbeinturm mag Ockenfels, dem langjährige Weggefährten ein vertrautes Verhältnis mit dem vielleicht größten aller Dominikaner, dem Heiligen Thomas von Aquin nachsagen, ein Studierzimmer besitzen, verbarrikadiert hat er sich darin nie. Der leidenschaftliche Zigarrenraucher, der an einem Abend in Gesellschaft bei einem Glas Rotwein auch schon einmal eine ganze „Theologie des Rauchens“ zu entwickeln vermag, begnügte sich nie damit, die katholische Soziallehre in den wissenschaftlichen Diskurs einzubringen. Immer ging und geht es Ockenfels, der auch Mitglied der wissenschaftlichen Kommission der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach sowie der Ludwig-Erhard Stiftung ist, auch darum, die katholische Soziallehre „in ihrer praktischen Bedeutung für die Bewältigung von sozialen und politischen Problemen geltend zu machen“, wie es Rauscher im vergangenen Jahr, bei der Verleihung des Kardinal-Höffner-Preises an Ockenfels in seiner Laudatio formulierte. Dabei ist seine „Kleine katholische Soziallehre – Eine Einführung – nicht nur für Manager“, die bislang vier Auflagen erfuhr und in sechs Sprachen übersetzt wurde, nur eine der Früchte solchen Wirkens. Andere sind die von Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg jährlich veranstalteten „Buß- und Bettagsgespräche“ oder auch die stets am 1. Mai stattfindenden Tagungen, die aktuelle und nicht selten strittige Themen aufgreifen und katholische Positionen an ein in Scharen herbeieilendes Publikum herantragen.

Dabei kommt es Ockenfels letztlich nicht darauf an, ob er nun 200 oder 500 Gäste zu solchen, meist mit durchgängig hochkarätigen Referenten besetzten Veranstaltungen begrüßen kann, sondern darauf, dass dort gesagt wird, was aus seiner Sicht gesagt werden muss, anderorts jedoch – wie er nicht selten klagt – „lautstark beschwiegen“ werde. Er sei, bekannte der Bettelmönch einmal mit seinem ganz eigenen Humor, in der glücklichen Lage, die Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ auch dann herausgeben zu können, wenn sie gar keine Leser hätte. Ob es um die Bekämpfung der marxistisch angehauchten „Theologie der Befreiung“ oder die Verteidigung der Sozialen Marktwirtschaft gegen einen „Raubtierkapitalismus“ geht, ob es um die Einforderung des Schutzes des Lebens – an dessen Anfang wie an dessen Ende oder um die Zurückweisung der „Gender-Ideologie“ oder der „Ehe für alle“ geht, stets entfaltet und verteidigt der furchtlose Dominikaner, zu dessen Markenzeichen auch das Tragen des hierzulande aus der Mode gekommenen römischen Kragens gehört, die katholischen Positionen gegen Anwürfe, aus dem säkularen Lager genauso wie gegen die verbalen Heckenschützen aus dem eigenen. So bezog er öffentlich klar Position gegen das von einigen Theologieprofessoren verfasste Memorandum „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“, welches er als „Aufstand theologischer Zwerge, die sich als Koryphäen aufspielen“ geißelte. Nicht minder spannungsgeladen ist auch sein Verhältnis zur CDU, in die er im Alter von 16 Jahren eintrat und der er heute vorhält, sich selbst zu entkernen. Immer wieder geht er deshalb hart mit der Partei ins Gericht. Ausführlich etwa in seinem 2009 erschienenen Buch: „Das hohe C: Wohin steuert die CDU?“

Gäbe es einen „Verein zur Förderung einer deutlichen Aussprache“, Ockenfels, der dem Konvent Heilig Kreuz der Dominikaner in Köln angehört, könnte jederzeit dessen Vorsitzender sein. Für den Dominikaner, der seit 2003 auch Consultor beim Päpstlichen Rat „Justitia et Pax“ in Rom ist, schließt das Respekt vor dem Andersdenkenden nicht aus, sondern ein. Anders als viele Ideologen beschränkt sich Ockenfels aber stets auf die Bekämpfung des Irrtums, was –nach katholischer Lehre, wie oft vergessen wird –, auch ein Werk der Barmherzigkeit ist und holt nicht etwa auch noch zum Schlag gegen die Irrenden selbst aus. Wer den intelligenten Streit zu schätzen weiß, ist daher bei ihm bestens aufgehoben. Und ganz gleich, ob man sich nun von ihm zu sämtlichen seiner Ansichten „bekehren“ lässt oder nur zu einigen – niemand verlässt seine Gesellschaft, ohne um etliche Erkenntnisse bereichert und – falls tatsächlich einmal nötig – von einem stets zur Versöhnung bereiten Wohlwollen begleitet worden zu sein. Am 25. Januar, drei Tage vor dem Fest des engelsgleichen Thomas von Aquin, feierte der streitbare Dominikaner jetzt seinen 70. Geburtstag.

 

Nach meinem Dafürhalten vermutlich (mit Prälat Imkamp) einer der brillantesten Köpfe der Gegenwarts-Kirche in unseren Landen. Wer seriös recherchierte und inhaltlich fundierte Beiträge zum aktuellen Zeitgeschehen aus katholischer Sicht sucht, kommt an der „Neuen Ordnung“ nicht vorbei. „Heiße Eisen“, die von den Würdenträgern nicht mit der Zange angefaßt werden, packt der streitbare Pater direkt an. Ein wahrer Lesegenuß!

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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