Kirchen stehen ziemlich blamiert da (volksfreund.de)

„Kirchen stehen ziemlich blamiert da“

Theologieprofessor Ockenfels: In der AfD zu sein oder sie zu wählen ist nicht unchristlich

Sollen sich die Kirchen in die aktuelle Politik einmischen und dabei womöglich auch einzelne Parteien kritisieren oder favorisieren? Darüber sprach TV-Redakteur Rolf Seydewitz mit dem Theologieprofessor und Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels.

13.01.2017

Sollen sich die Kirchen in die politische Diskussion einmischen, etwa in der Flüchtlingsfrage?

Wolfgang Ockenfels: Das haben die Kirchen leider schon längst getan, vorschnell, bereits Ende 2015, als Frau Merkel die Grenzen unkontrolliert öffnete. Inzwischen bedauert sie ihre unüberlegte Entscheidung. Und auch die übrigen staatstragenden Parteien rudern zurück. Aus der Welcome-Euphorie ist mittlerweile die Bereitschaft erwachsen, unbefugte und gefährliche Einwanderer möglichst schnell abzuschieben. Jetzt stehen die Kirchen ziemlich blamiert da. Denn sie haben nicht den Mut, ihre Fehler einzugestehen.


Warum sollten katholische Bischöfe keine Wahlempfehlung abgeben?

Ockenfels: Weil sie dazu weder legitimiert noch hinreichend kompetent sind. Bischöfe und andere Amtsträger haben primär den überzeitlichen Glauben ihrer Kirche zu verkündigen und glaubhaft darzustellen. Wir erleben gegenwärtig einen rasanten Verlust an Glaubenssubstanz und eine Kirchenaustrittswelle, die teils auf die Verweltlichung und Politisierung unserer Glaubensrepräsentanten zurückzuführen ist. Aus der Erlösungsbotschaft ist ein moralisierendes und utopisches Programm geworden.

Was halten Sie vom AfD-Bashing durch mehrere Bischöfe und Pastöre (zuletzt Rekowski, häufiger schon Stephan Wahl)?
Ockenfels: Nichts halte ich davon. Die parteipolitische Kritik einiger Prälaten an der AfD setzt doch mindestens voraus, dass man sich sachlich mit dem Programm dieser Partei auseinandersetzt. Dazu scheint es aber an politisch-ökonomischer Sachkompetenz zu fehlen. Stattdessen werden Betroffenheitsgefühle mobilisiert. Die rationalen Ordnungskriterien der Katholischen Soziallehre sind in Vergessenheit geraten. Und es fehlt die so oft beschworene Dialogbereitschaft.


Was sagen Sie: Ist die Mitgliedschaft in der AfD vereinbar mit dem Christentum?

Ockenfels: Das Gegenteil ist noch längst nicht bewiesen. Und wer sollte sich dieses Urteil anmaßen? Parteipolitisierte Prälaten etwa, die nur das finanzielle Selbsterhaltungsinteresse ihrer Institution im Auge haben? Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil liegt die Gewissensentscheidung in solchen Fragen unmissverständlich bei den Laien, die die eigentlichen Fachleute sind. Und sie sollten sich in diesen Fragen nicht einfach den kirchlichen Autoritäten unterwerfen, sondern sich ein eigenes Urteil bilden.
Meiner persönlichen, nicht maßgebenden Meinung nach ist es – nach gründlicher Lektüre des AfD-Programms – nicht unchristlich, dieser Partei anzugehören oder sie zu wählen. sey

 

(Hervorhebung von mir)

Wolfgang Ockenfels ist Chefredakteur und Herausgeber der „Neuen Ordnung„, einer seit 1946 erscheinenden christlichen Zeitschrift (Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg). Ausgewählte Artikel dieser hervorragenden Zeitschrift finden Sie auf diesem Blog (siehe unter Kategorien).

Advertisements

Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaftsumgestaltung/Social Engineering, Katholische Streiter, Katholischer Glaube, Stimme der Anderen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Kirchen stehen ziemlich blamiert da (volksfreund.de)

  1. francomacorisano schreibt:

    Wenn Köpfe wie Wolfgang Ockenfels das Sagen hätten, ginge es der Katholischen Kirche in Deutschland besser!

    Gefällt mir

  2. Pingback: Offener Brief an die Pfarrgemeinde St. Bernhard Wittlich - AfD Kreisverband Bitburg-Prüm

  3. Pingback: Offener Brief an die Pfarrgemeinde St. Bernhard Wittlich (afd-bitburgpruem.de) | Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s