Gegensatz zwischen Franziskus und Benedikt XVI. – Leserbrief von Dr. Heinz-Lothar Barth in „Der 13.“

Römisch-Katholisch

32. Jg./ Nr. 12 13. Dezember 2016

Preis: 2,8 Euro (A); 2,8 Euro (D); sfr 4 (CH)

 

Gegensatz zwischen Franziskus und Benedikt XVI.

Der „13.“ überschrieb in der Novemberausgabe 2016 auf S. 2/3 einen Artikel mit dem Titel „Kein Gegensatz zwischen beiden Päpsten“. Spätestens seit Anfang November läßt sich diese Einschätzung so nicht mehr aufrechterhalten. Papst Franziskus hat nämlich alle Hoffnungen zunichte gemacht, daß durch eine „Reform der Reform“ die liturgischen Verhältnisse in der katholischen Kirche sich bessern könnten, wie dies offenbar Kardinal Sarah plante. Die Anhänger der überlieferten lateinischen Messe bezeichnete er sogar als „Nostalgiker, die Gefahr liefen, sich von der Kirche zu entfernen“ („Reform der Reform ein Irrtum“, Die Tagespost vom 12.11.2016, 1).

Doch ein Bruch

Hier tut sich nun ganz offenkundig doch ein Bruch zu seinem Vorgänger auf, der trotz verschiedener Erklärungen auf beiden Seiten kaum noch bestritten werden kann. In seinem Motu proprio Summorum Pontificum (Art. 1) sagte Papst Benedikt XVI. zum traditionellen Missale: „Aufgrund seines verehrungswürdigen und alten Gebrauchs soll es sich der gebotenen Ehre erfreuen.“ Dies geht weit über eine von Franziskus behauptete reine Duldung hinaus. So betonte – mit ausdrücklicher Bestätigung durch Benedikt – die Ecclesia Dei-Kommission in ihrem Dokument „Universae Ecclesiae“, dass der „Usus antiquior“ der römischen Messe, also die ältere Form, „ein wertvoller Schatz ist, den es zu bewahren gilt“ (Nr. 8 a). Daher sei es das Ziel, „sie allen Gläubigen anzubieten (eigentlich noch stärker: zu schenken, so im Lateinischen: largiri).“ Unsere Interpretation wird auch durch die warmen Worte bestätigt, die Benedikt zur überlieferten Liturgie im Vorspann zu den einzelnen Ausführungsartikeln des Motu proprio gefunden hatte. Dort sagte er nämlich: „Auf solche Weise befruchtete die heilige Liturgie nach römischem Brauch nicht nur den Glauben und die Frömmigkeit, sondern auch die Kultur vieler Völker. Es steht fraglos fest, dass die lateinische Liturgie der Kirche – mit ihren verschiedenen Formen in allen Jahrhunderten der christlichen Zeit – sehr viele Heilige im geistlichen Leben angespornt und so viele Völker in der Tugend der Gottesverehrung gestärkt und deren Frömmigkeit befruchtet hat.“ Im Begleitbrief zum Motu proprio schrieb der Pontifex an die Bischöfe: „In der Feier der Messe nach dem Missale Pauls VI. kann stärker, als bisher weithin der Fall ist, jene Sakralität erscheinen, die viele Menschen zum alten Usus hinzieht.“ Also fehlt es der modernen Liturgie offenbar zumindest partiell an Sakralität, an Heiligkeit! Und was die Zukunft der Messe angeht, erkannte Benedikt einen entscheidenden Aspekt: „Hatte man unmittelbar nach dem Ende des zweiten Vaticanums annehmen können, das Verlangen nach dem Usus von 1962 beschränke sich auf die ältere Generation, die damit aufgewachsen war, so hat sich inzwischen gezeigt, dass junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden.“

„Reform der Reform“

Um endgültig zu beweisen, dass Papst Benedikts XVI. positive Haltung gegenüber dem alten Ritus über eine nur oberflächliche Sympathie hinausgeht, sei daran erinnert, daß er als Basis für eine künftige Verbesserung der modernen Liturgie in hohem Maße die traditionelle heilige Messe heranziehen wollte. Er favorisierte also eindeutig im Unterschied zu seinem Nachfolger jene sogenannte „Reform der Reform“, durch die viele Mißstände der modernen Liturgie hätten korrigiert werden sollen. Ich erlaube mir, aus jenem Brief zu zitieren, den er mir als Präfekt der Glaubenskongregation am 23. Juni 2003 auf meine Bitte hin, sich für die offizielle Wiederzulassung des überlieferten Ritus einzusetzen, geschickt hatte und der ja mittlerweile ohne mein Zutun überall im Internet kursiert: „Der Römische Ritus der Zukunft sollte ein einziger Ritus sein, auf Latein oder in der Landessprache gefeiert, aber vollständig in der Tradition des überlieferten Ritus stehend; er könnte einige neue Elemente aufnehmen, die sich bewährt haben, wie neue Feste, einige neue Präfationen in der Messe, eine erweiterte Leseordnung – mehr Auswahl als früher, aber nicht zu viel – eine ‚Oratio fidelium’, d.h. eine festgelegte Fürbitt-Litanei nach dem Oremus vor der Opferung, wo sie früher ihren Platz hatte.“ Man sieht also, wie eng nach der Vorstellung des emeritierten Papstes eine später einmal allgemein verbindliche Liturgie an den sogenannten Tridentinischen Ritus hätte angelehnt sein sollen! Hier ist nicht der Platz, detailliert auf die dogmatischen Unterschiede der beiden Formen der heiligen Messe einzugehen. Es ist zwar klar, dass die neue Liturgie, korrekt gefeiert, gültig ist. Aber in drei Bereichen weichen ihre Texte und Handlungen doch erstaunlich von der Tradition ab, indem sie sie zumindest abschwächen. Sie sind im Untertitel meines neuen, bei der Una Voce erschienenen Buches greifbar: Die Messe der Kirche. Opfer – Priestertum – Realpräsenz.

Dr. Heinz-Lothar Barth

D- 53111 Bonn

 

Der 13.“ erscheint als Monatspublikation und bietet einen Überblick über das Geschehen in Kirche und Welt. Wenn Sie Probe-Exemplare bekommen möchten oder die Zeitung für 24 Euro im Jahr abonnieren möchten, schicken Sie eine E-Mail an office@der13.com.

Tel.: +43 (0)7282/5797      Fax: +43 (0)7282/579713     Email: office@der13.com

Anschrift in Österreich: A-4115 Kleinzell 2

Anschrift in Deutschland:  94108 Wegscheid, Postfach 75

Die nächste Ausgabe der Zeitung „Der 13.“ wird voraussichtlich am 12. Jänner 2017 gedruckt und in Österreich noch am gleichen Tag ausgeliefert.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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