Newmans „Der Antichrist“ (civitas-institut.de)

Vor 175 Jahren: Newmans „Der Antichrist“ erscheint

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Sonntag, den 24. März 2013 um 07:11 Uhr
„Plato in Oxford“ wurde der 1801 geborene und 1890 heimgegangene anglikanische Priester, Philosophieprofessor und spätere Kardinal, der sel. John Henry Newman, zur Zeit seiner Lehrtätigkeit in Oxford genannt. „Kirchenlehrer der Neuzeit“ ist eine heute geläufige Bezeichnung. Newman war einer jener englischen Konvertiten, deren Rückkehr zur Kirche im 19. Jahrhundert enormes Aufsehen erregte. 1838 veröffentlichte er unter dem Titel „Der Antichrist nach der Lehre der Väter“ eine Sammlung von Adventspredigten, die heute fast noch mehr als damals aufrütteln.

In höchster Weise klarsichtig, wissenschaftlich begründend, vorsichtig und kritisch wertend, dabei aber ganz ausgezeichnet verständlich legt Newman dar, was vom kommenden Antichristen sicher gesagt werden kann. Er stützt sich dabei auf die Bibel und auf die Aussagen der Väter. Wichtige Aussagen der kurzen Schrift, welche hier zur Lektüre empfohlen wird, zitieren wir hier aus der exzellenten Übersetzung von Theodor Haecker:

Über die Zeiten des Antichrist:

„Bis zu der Zeit also, wann der Antichrist in Wirklichkeit erscheinen wird, ist gewesen und wird sein eine fortwährende Anstrengung von seiten der Mächte des Bösen, ihn der Welt zu offenbaren. Die Geschichte der Kirche ist die Geschichte dieser langen Geburt. „Das Geheimnis des Bösen wirkt bereits“, sagt der heilige Paulus. „Eben jetzt sind da viele Antichristen“, sagt Johannes (1 Joh. 2,18). „Jeder Geist, der nicht bekennt, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist nicht von Gott; und dieses ist jener Geist des Antichrist, von dem ihr gehört habt, dass er kommen soll und eben jetzt bereits in der Welt ist“ (1 Joh. 4,3). Er ist am Werk gewesen schon immer seither, von den Aposteln an, wiewohl niedergehalten von dem, das „aufhält“. Gerade in unserer Zeit ist ein wilder Kampf, da der Geist des Antichrist sich zu erheben versucht und die politische Macht in jenen Ländern, die prophetisch „römisch“ sind, fest und kräftig ihn niederhält. Und wir haben in der Tat vor unseren Augen, wie auch unsere Väter in der vorigen Generation, ein trotziges und gesetzloses Prinzip überall am Werke, – einen Geist der Empörung gegen Gott und Menschen, welchen die regierenden Mächte eines jeden Landes mit größter Anstrengung kaum niederhalten können. Ob dieses, dessen Zeugen wir sind, jener Geist des Antichristen ist, welcher schließlich eines Tages losgelassen werden soll, dieser ehrvergessene Geist, der Vater aller Häresien, Schismen, Aufstände, Revolutionen und Kriege – ob das so ist oder nicht: zum mindesten wissen wir aus der Prophezeiung, dass das gegenwärtige Fachwerk der Gesellschaft und der Regierungen, soweit sie römische Mächte repräsentieren, das ist, was sich erheben wird, wenn dieses Zurückhalten wegfällt.“

Kommentar: Der sel. John Henry Newman schreibt diese Zeilen fast 50 Jahre nach der französischen Revolution von 1789, 8 Jahre nach der Revolution von 1830, 10 Jahre vor dem Erscheinen des Kommunistischen Manifests. Von den kommenden Umwälzungen, Kriegen, von Hitler und den kommunistischen Diktaturen, von der Revolution von 1968 konnte er nichts wissen, unser heutiger Blick ist da noch kenntnisgeprägter, wenn wir den Zustand unserer Gesellschaft betrachten. Und doch…

…zum selben Thema: „Was ich über diesen Gegenstand gesagt habe, kann in folgendes zusammengedrängt werden: dass dem Kommen Christi unmittelbar vorhergehen wird ein überaus schauererregender und unvergleichlicher Ausbruch des Bösen, vom heiligen Paulus eine Apostasie genannt, ein Abfall, aus dem ein bestimmter furchtbarer Mensch der Sünde, das Kind der Verlorenheit, der spezielle und einzigartige Feind Christi, oder der Antichrist, in Erscheinung treten wird; dass dieses sein wird, wenn Revolutionen vorherrschen und das gegenwärtige Fachwerk der Gesellschaft in Stücke bricht, und dass zur Zeit die Gesinnung, die er verkörpern und repräsentieren wird, von „den bestehenden Mächten“ niedergehalten wird, dass aber bei deren Auflösung er aus ihrem Schoße sich erheben, sie wieder zusammenknüpfen wird nach seiner eigenen bösen Weise unter seinem eigenen Regiment mit Ausschluss der Kirche.“

Über die Religion des Antichrist:

„Wir wissen nicht, was kommen wird; aber dies können wir mit Sicherheit sagen: so unwahrscheinlich es ist, dass das Heidentum jemals öffentlich wiederhergestellt und für eine noch so kurze Zeit autoritativ aufgezwungen wird, und sei es auch nur für dreieinhalb Jahre – es ist dennoch weit wahrscheinlicher heute als vor fünfzig Jahren, ehe jenes Ereignis eintrat, von dem ich berichtet habe (i.e. die Schändung der Religion durch die französische Revolution von 1789, J.V.) Wer würde nicht vor dieser Periode für verrückt oder idiotisch gehalten worden sein, der eine so bedeutungsvolle Annäherung an das Heidentum gemutmaßt hätte, wie sie wirklich damals stattfand?“

Über die Stadt des Antichrist:

„Ich antworte, dass Roms Gerichte über es gekommen sind in großem Maßstabe, als sein Imperium von ihm genommen wurde; dass seine Verfolgungen der Kirche in großem Maßstabe gerächt und die Voraussagungen der Schrift über es erfüllt worden sind; dass, ob es weiterhin gerichtet werden soll oder nicht, von zwei Umständen abhängt: erstens davon, ob nicht „die Gerechten“ in der Stadt, die sie retteten, als ihr Gericht zuerst kam, durch Gottes große Barmherzigkeit die Erlaubnis bekommen, sie noch jetzt zu retten (gemeint ist Rom als Sitz der Kirche, J.V.); ferner davon, ob die Prophezeiung sich in ihrer Fülle auf Rom bezieht oder auf ein anderes Objekt oder Objekte, für die Rom ein Typus ist. Und weiter sage ich, dass, wenn es in den göttlichen Ratschlüssen liegt, dass Rom noch nicht gerichtet werden soll, dieses vor dem Antichrist kommen muss, weil (in der Apokalypse, J.V.) der Antichrist auf die zehn Könige folgt und diese vernichtet und nur eine kurze Weile dauert, aber es sind die zehn Könige, die Rom zu zerstören haben.“

Über die Verfolgung des Antichrist:

„In dieser vierfachen Hinsicht also, um nicht nach anderen Ausschau zu halten, wird diese letzte Verfolgung schauererregender sein als irgendeine der früheren: sie ist an sich wütender und schauerlicher; sie wird begleitet von einem Aufhören der Spendung der Sakramente, „des täglichen Opfers“, und von der öffentlichen und blasphemischen Errichtung des Unglaubens oder irgendeiner andern solchen Ungeheuerlichkeit in den heiligsten Winkeln der Kirche; schließlich, sie wird unterstützt durch eine Setzung wirksamer Wunder. Gut ist es für die Christen, dass die Tage verkürzt werden! – verkürzt werden um der Auserwählten willen, damit sie nicht überwältigt würden – verkürzt, so scheint es, auf dreieinhalb Jahre. (…). Beispielsweise handelt es sich vielleicht schließlich nicht um eine Verfolgung in Blut und Tod, sondern nur mit List und subtiler Tücke – nicht in Wundern, sondern in natürlichen Taten und Kräften menschlicher Kunst, in menschlichen Errungenschaften in den Händen des Teufels. Satan kann die gefährlicheren Waffen des Betrugs gebrauchen – er kann sich verstecken – er kann es unternehmen, uns in kleinen Dingen zu versuchen und so die Christen nicht auf einmal, sondern nach und nach aus ihrer wahren Stellung zu rücken. Ich glaube, in dieser Richtung hat er im Laufe der letzten paar Jahrhunderte viel getan!“

In einer Nachschrift zitiert der sel. J.H. Newman, der sicher einer der brillantesten Geister nicht nur seines Jahrhunderts war, eine längere Passage aus einem Brief Bischof Horsleys vom Beginn des 19. Jahrhunderts:

„Die Kirche Gottes auf Erden wird der Zahl ihrer Anhänger nach stark reduziert werden in den Zeiten des Antichrist, wie wir uns wohl vorstellen können, durch die offene Desertion der Mächte der Welt. Diese Desertion wird beginnen mit der erklärten Gleichgültigkeit gegenüber irgendeiner besonderen Form des Christentums unter dem Vorgeben allgemeiner Toleranz; diese Toleranz wird nicht der Ausfluß eines wahren Geistes der Liebe und der Geduld sein, sondern einer Absicht, das Christentum zu unterminieren durch Vervielfältigung und Ermutigung der Sektierer. Die vorgegebene Toleranz wird weit hinausgehen über die gerechte Toleranz, selbst was die unterschiedlichen christlichen Sekten anlangt. Denn die Regierungen werden gegenüber allen Gleichgültigkeit vorgeben und keinen im Vorzug beschützen. Aller staatlicher Schutz wird beiseitegetan werden. Von der Toleranz der verruchten Häresien werden sie weiterschreiten zur Toleranz des Mohammedanismus, des Atheismus, und schließlich zu einer positiven Verfolgung der Wahrheit des Christentums. In jenen Zeiten wird der Tempel Gottes reduziert werden fast auf die heilige Stätte, das heißt, auf die kleine Zahl wirklicher Christen, welche den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit und ihre Lehre und ihre Verehrung und ihr ganzes Verhalten strikt nach dem Worte Gottes regeln. Die bloßen Namenschristen werden alle das Bekenntnis der Wahrheit im Stiche lassen, wenn die Mächte der Welt es im Stiche lassen. Und ich halte dafür, dass dieses tragische Ereignis vorgebildet wird durch den Befehl an den heiligen Johannes, den Tempel und den Altar zu ‚messen‘ und den äußeren Hof (die nationalen Kirchen) den Heiden zu überlassen, dass sie ihn mit ihren Füßen zertrampeln (Offb. 11, 1-2). Das Eigentum des Klerus wird geplündert werden, der öffentliche Gottesdienst beschimpft und erniedrigt von diesen Deserteuren des Glaubens, die ihn einst bekannten, die aber doch nicht Apostaten genannt werden können, weil sie neimals ernstliche Bekenner waren. Ihr Bekennen war nichts weiter als ein Mitmachen mit Mode und öffentlicher Autorität. Im Prinzip waren sie immer, was sie nun offenbar sind, Heiden. Wenn dieses allgemeine Desertieren vom Glauben stattfindet, dann wird der Dienst der Zeugen beginnen in Sack und Asche… Da wird nichts mehr von Glanz sein in der äußeren Erscheinung ihrer Kirchen; sie werden keine Unterstützung finden von den Regierungen, keine Ehren, keine Gehälter, keine Privilegien, keine Autorität, sondern das, was keine irdische Macht wegnehmen kann, was sie von Ihm bekamen, der ihnen den Auftrag gab, Seine Zeugen zu sein.“

Zum Verständnis und zur richtigen Einordnung ist es wichtig, nochmals zu wiederholen: die kleine Schrift „Der Antichrist nach der Lehre der Väter“ entstand im Jahre 1838.

JV

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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