„Schafft Schweigen!“ (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2016_12.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

Dezember 2016

Schafft Schweigen!“

In unserer Zeit nimmt der Lärm beständig zu. Entdecken wir die Stille in dieser Adventszeit wieder neu, damit Gott einen Weg in unser Herz finden kann.

P. DIETER BIFFART FSSP

 

Lärm aus Motoren, Lärm aus Lautsprechern, Lärm am Tag und Lärm in der Nacht … schier endloser Lärm verstopft heute unsere Ohren. Die Stille ist dem Menschen fremd geworden. Zur akustischen Zumutung zwischen Brummen und Wimmern, Dudelei und Schreierei tritt noch die Informations- und Bilderflut hinzu, die es vollends erschwert, das Herz ruhig werden zu lassen. Irgendein Knopf lässt sich immer drücken … kurz über ein Display gewischt … zum Telefon gegriffen – und schon hat sich die Stille erledigt. Die Stille ist uns verloren gegangen, ebenso wie die Fähigkeit, still zu werden. Gerade in den von der Kirche geübten Besinnungszeiten, wie jetzt im Advent, scheint das lärmende Treiben noch eine Steigerung zu kennen: Der Radau rund ums Weihnachtsgeschäft schreit gnaden- und besinnungslos auf die Menschen ein. In der Offenbarung spielt Stille jedoch eine bedeutende Rolle: Sie ist das Tor, durch das Gott in diese Welt tritt und der fruchtbare Boden, auf dem Gott und Mensch einander begegnen. Samuel hört im Schweigen der Nacht den Ruf Gottes (vgl. 1 Sam 3) und Elias begegnet Gott im leisen Säuseln des Windes. (1 Kön 19,11 ff) Geheimnisvoll deutet das Buch der Weisheit die Menschwerdung Gottes im Schweigen an. Die Kirche hat diese alttestamentliche Textstelle in den Introitus des Sonntags von der Weihnachtsoktav aufgenommen: „Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen, die Nacht hatte in ihrem Lauf die Mitte ihres Weges erreicht: Da kam, o Herr, aus dem Himmel vom Königsthron herab Dein allmächtiges Wort.“ (Weish 18,14 f) Der Herr ist in der stillen Kammer von Nazareth Mensch geworden, geboren wurde Er im Schweigen der Nacht.

Über den größten Teil Seiner Erdentage hüllt sich ein Mantel des Schweigens, und nachdem der Herr für eine kurze Zeitspanne aus der Verborgenheit getreten war, suchte Er immer wieder die Einsamkeit. (vgl. Mt 14,13) In Seinem Erlöserleiden begegnet uns der Herr schweigend vor Pilatus. Und selbst der Angelpunkt der Weltgeschichte, die Stunde der Auferstehung, vollzieht sich in der Stille der aufgehenden Morgensonne. Die Kirche hat diesen Grundzug der Erlösung in ihren liturgischen Vollzug aufgenommen, indem sie den heiligsten Moment ihrer Mysterien, die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn, in ehrfürchtiger und staunender Stille vollzieht: „Der Herr thront in seinem heiligen Tempel; es sei stille vor ihm alle Welt!“ (Hab 2, 20)

Der Herr hat dem Schweigen in Seinem Heilswerk einen großen Stellenwert gegeben, um den stolzen Lärm der Menschheit zu sühnen. Er hat uns damit aber auch den Weg aufgezeigt, den wir gehen müssen, um die Erlösung in uns aufzunehmen und fruchtbar werden zu lassen. Denn Gott plärrt nicht im lauten Marktgeschrei auf uns ein, Sein Wort ereilt uns nicht über die Lautsprecher einer Gott fremden Welt, die uns unablässig beschallen. Gott spricht auch zu uns im „leisen Säuseln“, wenn wir im Gebet still geworden sind. Wer die Rede Gottes vernehmen will, muss in sein Herz einkehren, ist doch das Stillwerden Voraussetzung, um Sein Wort hören zu können, das Er ins Innerste unserer Seele spricht. Zweifelsohne spricht Gott zu uns, hier und heute. Doch allzu oft wird Er nicht mehr gehört, weil wir Ihn mit dem Lärm der Welt übertönen. Augustinus predigt fordernd: „Geh nicht aus dir hinaus, kehr bei dir selber ein. Im innern Menschen wohnt die Wahrheit.“ Schaffen wir also Stille und Schweigen in unserem Lebensumfeld! Muss immer das Radio röhren? Muss der Kopf unentwegt mit Ohrhörern an ein Smartphone gekettet sein? Oder darf es nicht Augenblicke geben, wo wir bewusst Stille zulassen und uns dem Schweigen aussetzen, um wieder Hörende auf Gott hin zu werden? Wer sich bewusst von Zeit zu Zeit der Stille aussetzt, wird in unserer an Lärm gewöhnten Welt zunächst vielleicht Mühe haben. Denn wer still wird, still mit dem Mund, den Ohren und im Herzen, dem zeigt sich auch die eigene Seelenverfassung. Und wenn das Schweigen dabei die gähnende Leere im Innern aufdecken sollte, dann können wir in zweierlei Weise damit umgehen: Entweder stürzen wir uns in den Lärm zurück, um uns zu betäuben. Wer diesen Weg geht, wird stets Lärm um sich herum suchen, gleich einem Kranken, der permanent eine gewisse Dosis an Schmerzmitteln benötigt, um den Schmerz zu betäuben. Diesen Weg gehen nicht wenige unserer Zeitgenossen; es schwillt der Lärm – und nicht nur er – um sie beständig. Oder wir setzen uns der eigenen Leere aus, treten vor Gott und bitten Ihn um Licht, damit wir den Weg erkennen, den Er für uns bestimmt hat. So finden wir durch das Schweigen zur Fülle des Lebens: „Rede Herr, Dein Diener hört!“ (1 Sam 3,9) Auch im Gebet will das Schweigen eingeübt sein. Das stille, betrachtende Verweilen vor dem Angesicht des Herrn wird uns davor bewahren, dass allein wir zu Gott sprechen, ohne Ihn zu Wort kommen zu lassen. Wer das Schweigen von Gott und vor Gott gelernt hat, wird auch im Alltag bedächtiger sprechen und beständiger in der Liebe bleiben. Die Adventszeit ist eine Einladung, inmitten und gegen alle „Jingle Bells“-Fanfaren in Kaufhäusern, auf Plätzen, und in den Medien … den Weg Gottes nachzugehen: „Ein Wort sprach der Vater, und das ist sein Sohn. Er spricht es immer im ewigen Schweigen, und schweigend muss es in der Seele gehört werden“, so der hl. Johannes vom Kreuz. Wer sich im Advent dem Lärm entzieht, der darf und kann sich auf Weihnachten freuen. Im Schweigen wird er seine Schuld erkennen und den Ruf des Herzens nach Umkehr und Beichte vernehmen. Gott aber wird Einzug halten in sein Herz und es mit jenem Jubel erfüllen, von dem die seligste Jungfrau Maria gesungen, als sie in Erwartung war: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland!“ (Lk 1, 46 f.)

Advertisements

Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
Dieser Beitrag wurde unter Kath. Vereinigungen, Katholischer Glaube abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s