Der Mann aus der Wüste (http://petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2016_12.pdf)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

Dezember 2016

Der Mann aus der Wüste

Johannes der Täufer – ein unbestechlicher Zeuge der Wahrheit und ein Vorbild zur Orientierung in schwieriger Zeit

P. BERNHARD GERSTLE FSSP

 

Hätte Johannes der Täufer heute eine Chance in unserer Kirche – jedenfalls in Europa? Wohl kaum. Ein Bischof, der spaltet, ein Pfarrer, der polarisiert und unfähig ist zum Dialog! So oder ähnlich würden die Vorwürfe lauten. Schon bei der Zulassung zu den heiligen Weihen wäre er vermutlich in den meisten Priesterseminaren – jedenfalls in weiten Teilen der westlichen Welt – gescheitert. Allerdings war Johannes der Täufer auch kein Priester, sondern Prophet. Propheten haben den Auftrag, zur Treue gegenüber Gottes Bund zu mahnen, aber ebenso den Menschen ins Gewissen zu reden und zur Umkehr aufzurufen. Doch ist das nicht auch die Aufgabe der Bischöfe und Priester? Darf dieses prophetische Element bei allem Bemühen, die Diözese oder Pfarrei zusammenzuhalten, gänzlich fehlen? Ich kann mich gut daran erinnern, wie mich einmal in meinen Stuttgarter Jahren bei der seelsorglichen Betreuung in einer Krebsklinik ein Arzt voller Wut mit den Worten anfuhr: „Wenn Sie meinen, die Menschen bekehren zu müssen, sorge ich dafür, dass Sie hier rausfliegen!“ Offensichtlich hatte sich eine Patientin bei ihm beklagt, dass ich ihr empfohlen habe, das Bußsakrament zu empfangen. Ich habe dem Arzt damals bei dieser Auseinandersetzung sinngemäß geantwortet: „Ihr Job ist es, die Menschen zu heilen. Meine Aufgabe ist es, die Menschen zu Gott zu führen! Und diese Aufgabe können Sie mir nicht verwehren!“ Übrigens hat dieser Arzt, der aus dem Osten Deutschlands stammte, allmählich seine Haltung mir gegenüber geändert, eine katholische Frau geheiratet und sein Kind katholisch taufen lassen. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen, wenn es um das Bekenntnis zur Wahrheit geht. Auch wenn das unter Umständen Nachteile mit sich bringt. Der hl. Johannes der Täufer war in dieser Hinsicht das Vorbild schlechthin. König Herodes hatte er des Ehebruchs angeklagt und damit den Hass seiner Geliebten Herodias auf sich gezogen, was Johannes schließlich den Kopf kostete. „Es ist Dir nicht erlaubt…!“ (Mk 6, 18) hat er den König wissen lassen. Auch heute müssen wir als geweihte Diener Jesu Christi den Mut haben, den Menschen die Wahrheit zu sagen und sie daran zu erinnern, was erlaubt ist und was nicht. In aller Liebe und Geduld, aber doch deutlich genug.

Diese Unmissverständlichkeit und Klarheit war bei einigen Passagen des päpstlichen Rundschreibens „Amoris lætitia“ leider nicht gegeben. Deshalb konnte es nicht verwundern, dass es von Bischöfen und Priestern unterschiedlich interpretiert worden ist, insbesondere was die Praxis des Kommunionempfangs anbelangt hinsichtlich von Paaren, die in einer irregulären Situation leben. Auch nachfolgende Erklärungen aus Rom waren dabei wenig hilfreich. Inzwischen haben sich unsere Befürchtungen hinsichtlich der Wirkungen dieses Dokuments bestätigt, wozu auch nicht zuletzt Äußerungen von Papst Franziskus selbst beigetragen haben. Wir müssen jener Minderheit von Kardinälen und Bischöfen dankbar sein, die den Mut hatten, sich nach der Veröffentlichung des päpstlichen Rundschreibens öffentlich hinter die traditionelle Lehre der Kirche zu stellen, selbst auf das Risiko hin, nicht nur in der öffentlichen Meinung, sondern sogar auch beim Heiligen Vater in Ungnade zu fallen. Jene, die schon immer die Tür zu den Sakramenten öffnen wollten, ohne entsprechende Vorbedingungen, haben ihrerseits Fakten geschaffen. Die ersten Bischöfe haben bereits öffentlich wiederverheiratet Geschiedene zur hl. Kommunion eingeladen, ohne die Bedingungen in Erinnerung zu rufen, die für alle Katholiken gelten, die sich mit dem Herrn im heiligsten Sakrament des Altars vereinen wollen. Der Beifall der Menge ist ihnen sicher. Ob dies aber auch das Wohlgefallen Gottes finden wird? Auch wenn dies schon in sehr vielen Pfarreien üblich gewesen ist, so stellen diese öffentlichen Verlautbarungen von bischöflicher Seite doch einen Dammbruch dar, dessen Schaden sich nur noch schwer reparieren lässt. Menschlich gesehen kann man sicherlich mit jenen Frauen und Männern mitfühlen, die von ihrem Partner betrogen und verlassen wurden. Niemand soll über sie leichtfertig den Stab brechen, wenn sie bei einem neuen Partner ihr scheinbares Glück suchen. Wir sollten hier Gott das letzte Urteil überlassen.

Aber wer denkt dabei an jene Frauen und Männer, die gegen die Untreue ihres Partners unter teilweise großen Opfern aus Liebe zu Gott und aus Treue zu seinem Gebot auf eine neue Beziehung bewusst verzichten? Werden sich nicht manche jetzt die Frage stellen, ob dies alles umsonst gewesen ist, wenn selbst von höchster Stelle keine klare Aussage mehr erfolgt und Interpretationen begünstigt werden, die der bisher gültigen Lehre der Kirche zuwiderlaufen? Sollte die Kirche über viele Jahrhunderte diesen Menschen das Opfer der Enthaltsamkeit auferlegt haben, ohne dass dies zwingend notwendig gewesen ist? Ist es denkbar, dass einen solchen Rigorismus so viele heilige Päpste und Kirchenlehrer mitgetragen haben, ohne ihn zu korrigieren? Das ist doch ganz sicher nicht vorstellbar. Johannes der Täufer hätte jedenfalls nie zugestimmt, sich in Fragen des Glaubens und der Moral der öffentlichen Meinung oder dem Zeitgeist anzupassen. Er war völlig unbestechlich und selbstlos. Wie er bei den Menschen ankommt, spielte für ihn keine Rolle. Er fühlte sich nur Gott und der Wahrheit verpflichtet. Ich bin sicher, dass nur eine solche Grundhaltung auch heute Menschen guten Willens überzeugt, während diplomatisches Taktieren letztlich unglaubwürdig ist und auch als solches bei Leuten, die sich das selbständige Denken noch nicht abgewöhnt haben, wahrgenommen wird. Herodes hat Johannes den Täufer gerne gehört. Er unterschied sich in krasser Weise von den vielen Schmeichlern, die ihn umgaben.

Will die Kirche nicht in dieselbe Bedeutungslosigkeit wie der weitgehend an den Mainstream angepasste Protestantismus fallen, muss sie mit Freimut die Wahrheit des Evangeliums verkünden, ob gelegen oder ungelegen.

Das ist sie dem Auftrag des Herrn schuldig.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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