Internationale Dissidenz I (german-foreign-policy.com)

Internationale Dissidenz (I)

17.11.2016
FRANKFURT AM MAIN

(Eigener Bericht) – Ein Forschungsprojekt der Universität Frankfurt am Main untersucht China und Indien im Hinblick auf mögliches „dissidentes Verhalten“. Man wolle in Erfahrung bringen, ob die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde, die seit längerem „wirtschaftlich stark aufholen“, eine Motivation für eine Großmachtpolitik aufwiesen, die westliche Ordnungsvorstellungen negiert, erklären die zuständigen Wissenschaftler. Passend dazu fragt eine andere Arbeitsgruppe der Frankfurter Hochschule nach den Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um „dissidente Akteure“ der Weltpolitik erfolgreich als „Schurkenstaaten“ zu diskreditieren. Beide Projekte sind Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Zusammenhangs, der sich nach eigenem Bekunden mit „Organisations- und Artikulationsformen radikalen politischen Widerstands“ befasst. Erklärtes Ziel ist es, „Mechanismen“ zu entwickeln, die es ermöglichen, die identifizierten „Dissidenten“ entweder zu neutralisieren oder wieder in die westliche Weltordnung zu integrieren. Das Beobachtungsspektrum reicht dabei von als oppositionell wahrgenommenen Staaten bis zu politischen Bewegungen.

Widerstandspotenzial

Wie der an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main angesiedelte Forschungszusammenhang „Internationale Dissidenz“ mitteilt, untersucht eine seiner Arbeitsgruppen China und Indien im Hinblick auf ihr „Potential für wirksamen Widerstand“ gegen die westlich geprägte „internationale Ordnung“. Dies sei nicht zuletzt deshalb relevant, weil die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde bereits seit längerer Zeit „wirtschaftlich stark aufholen“, heißt es. Daher müsse nunmehr in Erfahrung gebracht werden, „unter welchen Bedingungen und aus welchen Beweggründen aufsteigende Großmächte zu dissidentem Verhalten übergehen, also zu radikalem Widerspruch gegen Institutionen und den darin verkörperten Normen“, erklären die beteiligten Sozialwissenschaftler. Aufschluss über die hierfür entscheidenden „Motivlagen“ erhoffen sie sich dabei nach eigenem Bekunden von Theorien, die „an den wachsenden Rohstoff- bzw. Statusbedürfnissen aufsteigender Mächte ansetzen“.[1] Passend dazu fragen andere Forscher des Zusammenhangs explizit danach, wie „dissidente Akteure“ der Weltpolitik „erfolgreich“ als sogenannte Schurkenstaaten „diskreditiert“ werden können.[2]

„Normative Ansprüche“

Die unter dem Label „Internationale Dissidenz“ firmierenden Arbeitsgruppen sind Teil des ebenfalls an der Frankfurter Universität beheimateten Exzellenzclusters „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“, der vom deutschen Staat mit Millionensummen finanziert wird (german-foreign-policy.com berichtete [3]). Die für den „Exzellenzcluster“ tätigen Philosophen, Historiker, Politikwissenschaftler, Juristen, Ethnologen, Ökonomen, Soziologen und Theologen wiederum prognostizieren „tiefgreifende und rapide gesellschaftliche Veränderungen“, die weltweit mit massiven „sozialen Auseinandersetzungen“ einhergehen.[4] Insbesondere die in den Ländern des globalen Südens lebenden Menschen hätten zahlreiche „Erfahrungen von Ungerechtigkeit, von Missachtung und Demütigung“ gemacht, weshalb sie geneigt seien, ihre „normativen Ansprüche“ gegen den Westen „notfalls auch mit Gewalt“ durchzusetzen, heißt es: „So lässt sich gegenwärtig nur ahnen, welche heftigen Konflikte … der aktuell prognostizierte globale Klimawandel zeitigen wird – welche Verteilungskämpfe um knapper werdende lebenswichtige Ressourcen in den stärker belasteten Regionen, welche sozialen und kulturellen Kämpfe, wenn die vorhersehbaren massenhaften Migrationen in die klimatisch günstigeren Zonen beginnen.“[5]

Übergang zu Gewalt

Um die beschriebene Entwicklung zu kontern, befassen sich die in der Forschungsgruppe „Internationale Dissidenz“ des „Exzellenzclusters“ organisierten Sozialwissenschaftler einer Selbstdarstellung zufolge mit „Organisations- und Artikulationsformen radikalen politischen Widerstands“ gegen „liberale Wirtschaftsmodelle“, „internationale Regeln“ und „westliche Werte“.[6] Dabei betrachten sie allerdings nicht nur „dissidente“ Staaten, sondern ebenso Aufstandsbewegungen und militante Gruppen. Wörtlich heißt es hierzu: „Weder die Rote Armee Fraktion (RAF) noch Al-Qaida – um nur zwei prominente Beispiele zu nennen – haben als Terrorgruppen angefangen, sondern sind schrittweise zu Terrorgruppen geworden. Dabei ist der Übergang von gewaltloser zu gewaltsamer Dissidenz fließend. Häufig lässt sich eine Entwicklung von politischem Widerstand über Guerillakriegsführung bis zum Terrorismus beobachten.“ Ausgehend von dieser Einschätzung wollen die Forscher nach eigenem Bekunden „Eskalationsmechanismen politischer Gewalt“ in den Blick nehmen und die „Bedeutung transnationaler Kooperation für die strategischen Entscheidungen dissidenter Akteure“ ausloten. Bei der Suche nach einer Erklärung für den „Übergang von radikalem aber gewaltlosem Widerstand zu immer gewaltsameren Formen politischer Dissidenz“ will man es indes nicht bewenden lassen – explizites Ziel ist es, „Mechanismen zu identifizieren, die zu einer Umkehr dieses Prozesses führen“.[7]

Globalisierungskritik

Analog stellt sich das Arbeitsprogramm derjenigen Frankfurter „Dissidenzforscher“ dar, die sich mit der „globalisierungskritischen Bewegung“ befassen. Diese drücke insgesamt einen „radikale(n) Widerspruch von Teilen der transnationalen Zivilgesellschaft gegen internationale Institutionen“ aus, unterscheide sich jedoch hinsichtlich der „Positionierung“ der beteiligten Organisationen in Bezug auf „politische Ordnungsstrukturen“, heißt es: „Während einige Gruppierungen ihre Ziele innerhalb der institutionalisierten Kanäle politischer Teilhabe verfolgen, verletzen andere bewusst die geltenden Spielregeln politischer Einflussnahme bis hin zur Anwendung von (sporadischer) Gewalt.“ Den Gründen für diese Unterschiede soll nun nachgespürt werden – mit dem Ziel, „Faktoren zu identifizieren, die gesellschaftlichen Protest in die Dissidenz hinein und wieder aus ihr herausführen“.[8]

„Dissidenten“ integrieren

Wie die intendierte „Deradikalisierung“ von Protest- und Widerstandsbewegungen ihrer Ansicht nach gelingen kann, haben die Frankfurter Forscher bereits verschiedentlich dargelegt. Sie empfehlen die institutionelle Integration der „Dissidenten“: „Erst wenn der politische Entscheidungsprozess als etwas erfahren wird, worin politisches Handeln und die Artikulation einer Meinung einen Unterschied macht, bildet sich ein Zutrauen in die politische Ordnung heraus. Und dieses Zutrauen ist in modernen Demokratien, aber eben auch in der globalen Herrschaftsordnung von enormer Bedeutung.“[9] In Anbetracht der weltweiten Ausbeutungsbeziehungen mit ihren zerstörerischen Folgen für Menschen und Umwelt dürfte eine solche Vorgehensweise zwar schnell an ihre Grenzen stoßen. Für die Militärs, Polizeiapparate und Geheimdienste der westlichen Metropolen indes ist die von den Frankfurter Wissenschaftlern betriebene „Dissidenzforschung“ von unschätzbarem Wert.
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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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