„Gefahr ist groß, dass der Vatikan getäuscht wird“ (die-tagespost.de)

„Gefahr ist groß, dass der Vatikan getäuscht wird“

Hongkongs emeritierter Bischof warnt Rom vor Kompromissen mit Peking. Von Stefanie Ball

Hongkongs emeritierter Bischof Joseph Kardinal Zen Ze-kiun. Foto: KNA

Hongkongs emeritierter Bischof Joseph Kardinal Zen Ze-kiun SDB (84), ein prominenter Kritiker der chinesischen Regierung, sieht den neu aufgenommenen Dialog zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung mit großer Sorge. Der Kardinal erklärte in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zugleich, dass er „niemals“ Papst Franziskus kritisieren würde. Wenn dieser ein Abkommen mit Peking unterzeichne, „werde ich verschwinden“, kündigte er an. Bis dahin aber werde er sich als „einsamer Rufer in der Wüste“ betätigen, sagte der Ordensmann.

Herr Kardinal Zen, wie geht es Ihnen?Gut. Wieder gut. Im Sommer war ich krank. Ein Virus hatte sich in der Lunge festgesetzt, aber jetzt ist es wieder besser. Ich habe heute Morgen schon unterrichtet, dann war ich auf einer Beerdigung und anschließend mit einem älteren Pastor Mittag essen. Danach kamen Ordensschwestern aus China, die wollten mich sprechen. Und jetzt sind Sie hier.

Um Sie zu den Beziehungen zwischen dem Vatikan und Peking zu befragen. Nach Jahrzehnten der Feindschaft lotet eine Kommission seit einigen Monaten die Möglichkeiten einer Annäherung aus. Sie kritisieren das scharf – warum?Wir sollten uns zunächst darauf einigen, was ein kommunistisches Regime ist. Das ist ein totalitäres Regime, das alles kontrollieren will. Auch die Kirche. Aber das können wir nicht zulassen, die Kirche darf sich von einer Regierung, von einem Regime nicht kontrollieren lassen.

Aus Sicht des Vatikans werden die Verhandlungen mit „gutem Willen“ geführt.Die Chinesen sind sehr clever. Sie können mit Worten spielen. Sie haben keine Skrupel, und sie sind nicht aufrichtig. Die Gefahr ist groß, dass der Vatikan getäuscht wird.

Aber wäre eine Verbesserung des Verhältnisses, wie Befürworter argumentieren, nicht zum Wohle aller Katholiken in China? Vor allem derjenigen, die im sogenannten Untergrund beten, weil sie sich der offiziellen chinesischen Kirche, der „Patriotischen Vereinigung“, nicht anschließen wollen?Die chinesische Regierung lässt Kreuze von den Dächern reißen und verschärft mit neuen Regularien die Kontrolle über Gläubige und Pfarrer. Wie kann man da guter Hoffnung sein? Es besteht keine Hoffnung im Moment. Solange sich das Regime nicht ändert, gibt es auch keinen Grund zu hoffen.

Was ist mit Kompromissen? Muss die katholische Kirche nicht auch dazu bereit sein?Die Kirche darf sich einem Dialog nicht verschließen, und sie kann auch Kompromisse machen. Aber es gibt Grenzen. Wir können dem Regime in Peking nicht gefällig sein. Sie wollen alles, sie wollen eine Kapitulation.

Und das sieht der Vatikan nicht?Der Papst ist weit weg, er kennt China nicht. Und er kennt den Kommunismus in China nicht. Es gibt im Vatikan aber Menschen, die haben das Thema auf ihrer Agenda, und die wollen unbedingt Erfolg. Sie wollen den historischen Durchbruch.

Hauptstreitpunkt in den Gesprächen zwischen Vatikan und Peking ist die Ernennung der Bischöfe. Der Vatikan beansprucht dieses Recht weltweit für sich, Peking sieht dies als Einmischung in interne Angelegenheiten und hat in der Vergangenheit seine Bischöfe von der „Patriotischen Vereinigung“ weihen lassen. Nachträglich haben viele dieser Bischöfe auch vom Papst ein Einverständnis erhalten. Es gibt also längst Kompromisse, oder nicht?Es gibt viele gute Priester und Bischöfe in der chinesischen Kirche. Aber sie müssen dem Staat gehorchen, sie werden von der Regierung geführt, am Nasenring. Eines Tages werden die Gläubigen feststellen, dass dies keine Hirten sind, sondern Offizielle des Staates. Dass sie nicht dem Evangelium dienen, sondern der politischen Macht.

Wenn keine Annäherung – was dann?Die Kirche muss die Freiheit verteidigen. Wie sollen die Menschen morgen noch Hochachtung vor der Kirche haben, wenn diese nicht heute die Freiheit verteidigt und die Verfolgung der Gläubigen beendet? All die Jahre des Kompromisses haben die Position der Kirche geschwächt. Die Kirche sollte die Gläubigen ermutigen stark zu sein, Widerstand zu üben.

Viele sehen Sie als Papst-Kritiker und werfen Ihnen vor, Geistliche in China zur Revolution anzustacheln. Ist das so?Ich würde niemals den Papst kritisieren. Ich kritisiere den Vatikan, aber nicht in den Papst. Wenn Franziskus einem Abkommen mit Peking zustimmt, werde ich aufhören zu sprechen. Ich werde verschwinden.

Das heißt?Ich werde meine Bücher lesen und ich werde niemals mehr öffentlich auftreten. Und das habe ich auch meinen Brüdern gesagt: Zieht euch still zurück und wartet auf bessere Zeiten.

Aber bis es so weit ist, werden Sie weiter Kritik üben?Ich bin eine öffentliche Person. Viele mögen mich nicht, viele mögen mich. Ich bin ein Rufer in der Wüste. Aber ich werde weiter meine Meinung sagen. Weil das meine Pflicht ist und weil ich in der Position bin frei zu sprechen. Ich bin außerdem 84 Jahre alt. Da ist es schwierig, seinen Charakter noch zu ändern. Also bin ich einfach ich selbst.

 

Ein lesenswertes Interview, welches auch über das konkrete lokale Thema (Katholizismus in China) hinaus beunruhigende Bezüge zu unseren Breitengraden aufweist.

Ist doch die Konfrontation der Kirche mit einer militant antichristlichen Ideologie ja beileibe nicht auf Rot-China beschränkt, auch nicht, dass knallhartes Vorgehen plus gerissenes Einlullen auf der Seite der weltlichen Macht auf Verständigungs- und Dialogsucht der Kirche trifft. Um „des lieben Friedens“ willen und damit man vor den Kameras publicitywirksam „den großen Durchbruch“ in Szene setzen kann, kann nicht nur die Kirche in China in Gefahr geraten, unter die Kontrolle kirchenfeindlicher Kräfte zu kommen. Denn die Feststellung „Sie haben keine Skrupel und sie sind nicht aufrichtig“ trifft auch durchaus auf ideologische Machteliten außerhalb des „Reichs der Mitte“ zu…

Nicht nur dort erscheinen in letzter Zeit verstärkt Bischöfe eher als „Offizielle des Staates“ denn als Hirten, „dienen nicht dem Evangelium, sondern der politischen Macht“. Wie sagte der Bischof so treffend? Die Kirche sollte die Gläubigen ermutigen, stark zu sein, Widerstand zu üben

In der Tat.

Und dies nicht nur in China.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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