Mein Tagesposting: Vorsicht: Atheismus-Wahn (die-tagespost.de)

Mein Tagesposting: Vorsicht: Atheismus-Wahn

Von Prälat Wilhelm Imkamp

Bei mancher philosophischen oder theologischen Kritik am Islam sollten gläubige Christen ein wenig genauer hinschauen, denn häufig ist Islamkritik Religionskritik. Von ferne grüßt Voltaire’s Mohammed-Drama, der den Islam prügelte, aber das Christentum, näherhin den Katholizismus, meinte. Längst läuft unter dem Deckmantel der Islamkritik die Generalmobilmachung gegen die christliche Religion, gegen Gott überhaupt. Da marschieren, „die Reihen dicht geschlossen“, die alten Kampftruppen des organisierten Atheismus, begleitet von den Edelfedern des deutschen Feuilletons im Nimbus ihrer Unfehlbarkeit, eifrig begleitet vom Regietheater. Aus Schauspielerinterviews springt einen unvermittelt nun wirklich dümmlicher Atheismus an: „Mir fehlt wirklich jede Art von Glauben… für mich existiert kein Gott, wie auch immer man ihn nennen könnte“ (Ewan McGregor).

Da wird natürlich der Dialog mit dem Atheismus besonders wichtig. Er sollte, wenn möglich, auf der berühmten „Augenhöhe“ stattfinden, allerdings müssten sich die Gläubigen dabei schon ein Stück weit herunterbeugen; ein solcher Dialog sollte keinesfalls „ergebnisoffen“ sein, schließlich geht es um Bekehrung, Evangelisation, Mission, es geht um die Bereicherung des Gesprächspartners. Ein solcher Dialog sollte natürlich auch nicht zur Hommage an den Atheismus werden, aber das geht ganz schnell, wenn sich etwa zwei mildlächelnde, eindrucksvoll und gepflegt bebartete christliche Weisheitslehrer und ein Handlungsreisender in Sachen Atheismus ihrer Sympathie versichern, wobei die Weisheitslehrer den sich leise sträubenden Spießer-Atheisten zu umarmen versuchen. Munter plätschert das duftende Schaumbad einer Wohlfühltheologie, das zum Salzsäurebad für die Wahrheiten wird, an die deren Vertreter schon lange nicht mehr glauben. Im Übrigen ist ja auch der Atheist zumindest ein „anonymer“ Christ. Das Ganze ist, wie die Fernsehserie „Lindenstraße“, beliebig fortsetzbar, sanft, beruhigend und beschaulich anregend, jedenfalls auch altersheimtauglich, ein echtes Geriaticum. Die Schauspieler in dieser theologisch-philosophischen Soap-Opera sind ja alle aus einer eher, nun ja, betagten Alterskohorte, aber fit, durchtrainiert und Spesen-Tantiemen gestählt.

Aus einer Dialogveranstaltung wird dann sehr schnell die Therapiesitzung einer Selbsthilfegruppe, die sich gar nicht helfen (lassen) will, die ihre Krankheit in den verschiedenen Stadien genussvoll zur Gesundheit erklärt. Aber es handelt sich um eine Krankheit, eine typische Zivilisationskrankheit, durchaus ansteckend, nur sehr schwer therapierbar, mit gravierenden gesellschaftlichen Folgen. Diese Krankheit beeinträchtigt die rezeptiven Fähigkeiten des Gehirns nachhaltig, ihre Symptome sind ähnlich wie beim Autismus und schädigen auch die kommunikativen Prozesse erheblich. Der Atheismus-Wahn tritt in wechselnden epidemischen Schüben auf und wurde erst in der europäischen Neuzeit richtig diagnostiziert. Zu den Symptomen gehört eine aggressive Therapieunwilligkeit bis hin zu physischen Ausfällen, gerne im Kontext von schwerer emotionaler Inkontinenz und progredienter Logorrhöe. Aus den intellektuellen Salonspielereien des 18. Jahrhunderts ist der Atheismus der Hitchens, Singers oder Dawkins geworden, eher ein intellektuelles Unterschichtsphänomen: Prekariats-Atheismus, nicht ungefährlich.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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