Fünf Tage für die Ewigkeit (fsspx.de)

Fünf Tage für die Ewigkeit

14. November, 2016

Ein Gespräch mit Pater Robert Schmitt

Pater Robert Schmitt (51) ist der Direktor des Exerzitienwerkes des deutschen Distriktes. Das Mitteilungsblatt sprach mit dem aus Baden stammenden Priester, der 1992 geweiht wurde, über die Wichtigkeit der Exerzitien.

Mitteilungsblatt: Pater Schmitt, was sind Exerzitien oder „geistliche Übungen“ – und speziell „Ignatianische Exerzitien“ – eigentlich?

Pater Robert Schmitt:  Exerzitien sind Einkehrtage, Tage der Ruhe und der Sammlung. Sie dauern im Allgemeinen fünf Tage. Exerzitien sind eine Zeit der Besinnung, des Sich-Zurückziehens und Betens.

Unter allen Methoden geistlicher Übungen gibt es eine, die die wiederholte Zustimmung des Apostolischen Stuhls bekommen hat, nämlich die Methode des hl. Ignatius von Loyola. Die Exerzitien sind kein Buch, sondern ein geistliches Tun, in dem Gott auf die Seele wirkt, unter Leitung eines Exerzitienmeisters. Exerzitien kann man nicht „lesen“, man muss sie machen. Sie sind nicht nur für „ganz Fromme“ oder „Studierte“. Exerzitien stehen allen offen. Ja, sogar Nichtkatholiken können Frucht aus ihnen ziehen.

MB: Welches Ziel haben die Exerzitien?

Pater Robert Schmitt:  Die „Geistlichen Übungen“ des hl. Ignatius und alle Exerzitien haben kein anderes Ziel als: unsere Seele zu retten, indem wir sie durch Jesus Christus heiligen.

„Die Exerzitien sind ein sehr wirksames Mittel, die Blindheit der Seelen zu verringern und auch die anderen Verwundungen zu heilen“, so Erzbischof Lefebvre in seinem „Geistlichen Wegweiser“. Es geht also darum, die Seele zu reinigen, den Verstand zu erleuchten und im Herzen mit Gott vereinigt zu sein.

MB: Welche Bedeutung haben die Exerzitien in dieser Kirchenkrise?

Pater Robert Schmitt: Zunächst bieten Exerzitien in jeglicher Lebenslage oder Krise eine Orientierung und Stärkung für den Einzelnen. Erzbischof Marcel Lefebvre hat 1981 eine „Erklärung“ zur Krise der Kirche und Gesellschaft verfasst, aber auch die Mittel gezeigt, die wir Katholiken anwenden müssen, um zu widerstehen: „Alles zielt auf die vollkommene Zerstörung der christlichen Einrichtungen und der Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus, besonders Seines Königtums über die Gesellschaft, das heißt Seiner Gesetze, besonders der Zehn Gebote Gottes. Wir können diesem verwüstenden Gifthauch nur widerstehen, wenn wir uns auf die ewige Überlieferung des Glaubens, des heiligen Messopfers und der Sakramente, auf den Katechismus des Konzils von Trient, auf die Lehre des hl. Thomas von Aquin, auf das Rosenkranzgebet und auf die heiligen Exerzitien stützen.“

„… die heiligen Exerzitien“. Das sind die Worte des Erzbischofs. Er stellt sie in eine Reihe mit der überlieferten Liturgie und dem Rosenkranz. Der reine Konsumenten-Katholizismus geht nicht mehr. Die Sonntagsmesse besuchen und ab und zu beten – das war schon immer zu wenig. In der jetzigen Kirchenkrise ist Lauheit doppelt tödlich.

MB: Wie oft sollte man an Exerzitien teilnehmen?

Pater Robert Schmitt: Jeder Katholik sollte wenigstens alle zwei bis drei Jahre Exerzitien machen. Dabei nehmen die geistlichen Übungen nach der Methode des hl. Ignatius von Loyola, von vielen Päpsten eindringlich empfohlen, einen ersten Platz an Bedeutung ein. Ohne eine grundlegende Formung der Seelen, ohne die entschiedene Suche nach der christlichen Vollkommenheit, ohne das unablässige Streben nach Heiligkeit in der Vereinigung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn ist kein wahres christliches Leben oder eine Reform der Kirche denkbar.

MB: Das Exerzitienwerk der Bruderschaft hat eine „lange Geschichte“.

Pater Robert Schmitt: Tatsächlich. Es ist „älter“ als die Bruderschaft. Es geht zurück auf eine andere Priestergemeinschaft. Die „Cooperateurs Paroissiaux du Christ Roi“ – die Kongregation der Pfarrmitarbeiter des Christkönigs – wurden 1928 von Pater François Vallet (1883–1942), einem ehemaligen Jesuiten, mit Erlaubnis seines Ordensoberen als Exerzitienwerk gegründet. Sie hatten außerordentliche Erfolge, vor allem in Spanien und in Frankreich, wo sie in Chabeuil im Département Drôme ihren Hauptsitz und noch zwei weitere Niederlassungen hatten. Als ihre Statuten nach dem Konzil geändert wurden, blieben von dieser Kommunität einige Patres der Tradition treu, so Pater Ludovic Barielle (1897–1983) und Pater Augustin Rivière. Letzterer arbeitete in Grolley bei Freiburg (Schweiz) in einem Exerzitienhaus. Pater Barielle schloß sich 1972 der Priesterbruderschaft St. Pius X. an und war bis zu seinem Tod Spiritual und Exerzitienmeister im Priesterseminar von Ecône. Er vermittelte die Exerzitien den Seminaristen und jungen Priestern der Bruderschaft. So gehören sie zu unserem „geistlichen Erbe“.

Pater Vallet hatte zwei „geniale Intuitionen“. Erstens indem er die eigentlich 30 Tage dauernden Exerzitien des hl. Ignatius auf 5 Tage „kondensierte“. Ich sage ausdrücklich nicht „verkürzte“.  Die Substanz der eigentlich vierwöchigen Exerzitien sind in seinem fünftägigen Exerzitienplan voll enthalten.

Zweitens hat er die geistlichen Übungen für alle Schichten erschlossen. Die Gesellschaft Jesu gab bei kürzeren Exerzitien für Laien oft „nur“ die erste Woche des Exerzitienbüchleins des hl. Ignatius. Pater Vallet war aber überzeugt, dass man alle Teile predigen sollte, um damit Laien das Verlangen nach Heiligkeit zu vermitteln. Diese Laien sollten dann in der Pfarrei und im Gemeinwesen Verantwortung übernehmen und als Sauerteig wirken.

Aus dieser Exerzitienbewegung des Pater Vallet sind nicht nur unzählige Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs hervorgegangen, sondern auch überzeugte und vorbildliche Katholiken, die dem nachkonziliaren Sturm entgegengetreten sind.

Die Gebäude des Seminars von Ecône zum Beispiel sind von Laien gekauft worden, die aus dieser von Pater Vallet initiierten Exerzitienbewegung gekommen sind.

MB: Heute unterhält die Priesterbruderschaft eine nicht geringe Zahl von Exerzitienhäusern in aller Welt.

Pater Robert Schmitt: Der Erzbischof hatte schon bei der Gründung der Bruderschaft die Idee, dass die Exerzitien die Aufgabe der Priorate sein sollten. In jedem Priorat sollte es Zimmer geben, so dass Priester aus dem Welt- und Ordensklerus Exerzitien hätten machen können. Tatsächlich hat es die rasante Entwicklung der Priesterbruderschaft mit sich gebracht, dass man richtige Exerzitienhäuser einrichtete, die einer größeren Zahl von Priestern und Gläubigen die Teilnahme ermöglichen sollten. Alle Distrikte haben heute ein Exerzitienhaus, in Frankreich und den USA gibt es sogar mehrere. In Deutschland befindet sich unser Exerzitienhaus „Porta Caeli“, d. h. „Pforte des Himmels“, im mittleren Schwarzwald.

MB: Können Sie etwas über dieses Exerzitienhaus berichten?

Pater Robert Schmitt: Das Exerzitienhaus Porta Caeli war ein ehemaliges Kurheim. Es ist für Exerzitien perfekt eingerichtet, mit zwei Vortragsräumen, großem Speisesaal, Zimmern mit Dusche/WC, und der ehemalige Wintergarten wurde als Hauskapelle eingerichtet. Seit 10 Jahren ist das Haus Eigentum der Priesterbruderschaft. Eine Woche lang kann der Mensch Hektik und Gedränge des Alltages vergessen: Inmitten der herrlichen Natur des Schwarzwaldes werden die drückenden Sorgen immer kleiner. Jesus selber sagt zu seinen Jüngern: „Ziehet euch zurück an einen einsamen Ort und ruhet ein wenig aus“ (Mk 6,31).

MB: Vor einigen Jahren gab es den Versuch, eine Vereinigung der ehemaligen Exerzitienteilnehmer in den einzelnen Prioraten zu gründen.

Pater Robert Schmitt: Das ist tatsächlich der Wunsch Pius’ XI. gewesen, solche Gruppen ins Leben zu rufen, die sich im geistlichen Leben anspornen sollten. Sie sollten in Zusammenhang stehen mit monatlichen Einkehrtagen, um die in den Exerzitien empfangenen Gnaden zu bewahren und zu stärken. Tatsächlich sind heute viele ehemalige Exerzitienteilnehmer aktiv in der Katholischen Jugendbewegung, dem Civitas-Institut oder der Militia Immaculatae. Hinter allen diesen geistlichen Gruppen im Umkreis der Bruderschaft steht aber der Geist der Exerzitien. Jeder ehemalige Exerzitienteilnehmer wird versuchen, andere für die Teilnahme an den geistlichen Übungen zu werben. Das ist ein wirklich gutes und schönes Apostolat.

MB: Haben Sie einen Vorschlag für das Jahr 2017?

Pater Robert Schmitt: Es wäre ein schöner Vorsatz, wenn die Leser des MB sich fest vornähmen, 2017 an Exerzitien teilzunehmen und – noch besser – auch noch andere mitzubringen. Fünf Tage sind nicht viel angesichts der Aufgaben, die wir in diesem Leben haben, und der Ewigkeit, auf die wir uns vorbereiten müssen.

MB: Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

ÜBER DIE EXERZITIEN

Die Gnade der Exerzitien des heiligen Ignatius

„In der Tat, diese Exerzitien sind eine große Gnade. Einige von Ihnen durften sie schon mehrmals machen, und jedes Mal haben Sie dabei neue Kraft und einen neuen Ansporn erhalten, um Ihr christliches Leben besser nach dem Willen Gottes auszurichten. Denn es reicht noch nicht, sich fünf Tage in die Exerzitien zu begeben, um dann sicher zu sein, dass alle Hindernisse des christlichen Lebens beseitigt seien, und dass man danach für immer in der Gnade befestigt sei. Sie wissen es gut, wir bleiben schwache Menschen. Wir müssen deshalb die Gnade, die uns Gott in der hl. Taufe geschenkt und durch die Sakramente der Buße und der Eucharistie vermehrt hat, immer wieder neu erwecken. So sehen wir auch die Notwendigkeit ein, oft an unsere Exerzitien zurückzudenken.“

Erzbischof Marcel Lefebvre an Exerzitien-Teilnehmer 

„Wenn die geistlichen Übungen in allen Ständen der christlichen Gesellschaft verbreitet und wenn sie recht gemacht werden, dann werden sie eine geistliche Wiedergeburt einleiten: die Frömmigkeit wird inniger, die Religion kräftiger werden, ein fruchtreiches Apostolat wird sich entfalten können und der Friede für die Einzelnen und für die Gesellschaft wird zur Herrschaft kommen.“

Pius XI.

 

Erneuerung der Kirche

„Das glänzendste Zeugnis für den Wert der Exerzitien ist aber die Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland während der folgenden Jahrhunderte. Der Aufschwung, den das kirchliche und religiöse Leben etwa seit dem Konzil von Trient in Deutschland nahm, ist nicht, wie etwa gefabelt wird, ein Erfolg der Gewalt und des Zwangs, sondern in allererster Linie eine Frucht treuer Seelsorge und Erziehung durch einen innerlich erneuerten Welt- und Ordensklerus. Dass an dieser Erneuerung und an diesem Aufschwung die Exerzitien den Löwenanteil hatten, ist heute unbestritten.“

Pater Mathias Reichmann SJ

 

Bild: Pater Francisco de Paula Vallet (1883–1947)

 

Jetzt zu den Exerzitien 2017 anmelden. Alle Termine 2017 finden Sie im Terminkalender.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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