Die Kunst der Neuevangelisierung (die-tagespost.de)

Die Kunst der Neuevangelisierung

Prälat Wilhelm Imkamp zeigt sich in „Geradeaus Quergedacht“ als zeitgeist-kritischer Zeuge des Glaubens. Von Stefan Meetschen

Im Reich des Wilhelm Imkamp: Der Prälat zeigt in Maria Vesperbild, wie man mit Geist und Stil missioniert. Foto: andreasmueller-fotografie.de

Interviews zählen eigentlich nicht zu den Kunstformen, sondern zu den journalistischen Darstellungsformen. Besitzt der Interviewte aber genug Geist und Bildung, so können Interviews durchaus anregend und vergnüglich sein und sogar den Rand der Kunst streifen – auch bei ernsten und wichtigen Themen. Vielleicht sogar gerade dort. Diese belegt eindrucksvoll das Buch „Geradeaus Quergedacht“, in dem Zeitungs- und Zeitschriften-Interviews des langjährigen Wallfahrts-Direktors von Maria Vesperbild und Autor dieser Zeitung, Prälat Wilhelm Imkamp („Tagespost-ing“), aus den vergangenen 28 Jahren chronologisch zusammengestellt worden sind.

Schon Jesus setzte nicht auf die Kunst des Kompromisses

Von der Rolle oder den Rollen der Frau in der Gesellschaft bis hin zum Priestermangel, vom Opfercharakter der hl. Messe bis hin zu CDU-Parteitagen – stets findet man bei Imkamp („Die katholische Kirche hat eigentlich alles, was das Herz eines Marketingprofis erfreuen müsste“) Antworten, die klar und verständlich das Evangelium, die Frohe Botschaft, auf den Punkt bringen, anstatt auf die Kunst des politischen Kompromisses zu setzen, die von Jesus nie vertreten und auch nicht gelehrt wurde.

So merkt Imkamp etwa beim Thema Islam an: „Den Islam kann man nicht mit dem Katholizismus vergleichen, da er kein nonkonformistisches Potenzial hat, sondern auf gewaltsame Konformität setzt. Der Islam ist in der Regel oder im Idealfall identisch mit dem Staat.“ Oder: „Wenn ein Bauer mehr Betriebs- als Land-Wirt ist, wenn er zum anonymen Glied in einer globalen Lebensmittel-Kette wird, der nicht mehr erntet, sondern produziert, und das häufig genug unter Wert, dann verliert sich die Ehrfurcht für die Schöpfung in eine ökonomische rentabilitätsorientierte Lebens-Mittel-Kette.“ Doch natürlich sind es gerade die innerkirchlichen Debatten und Fehlentwicklungen in Westeuropa, die Imkamp, der dieses Jahr sein 65. Lebensjahr vollendet hat, zu Apercus und Reflexionen auf Chesterton-Niveau animieren. Sei es der Priestermangel, seien es Verkündigungsdefizite oder die grassierende Beichtvergessenheit unter professionellen Katholiken – Imkamp scheut sich nicht, die wahren Verantwortlichen und Ursachen für den geistlichen Tiefflug des „Verbände-, Räte-, Akademie- und Fakultätenkatholizismus des deutschen Sprachraumes“ beim Namen zu nennen: „Vertreter der katholischen Kirche scheinen die Klarheit heute so zu scheuen, wie früher der Teufel das Weihwasser, und wenn sie etwas sagen, dann nur noch unter dem Motto ,einerseits und anderseits und außerdem‘!“ Was nicht heißt, dass der dogmenhistorisch versierte Rheinländer, der im Buch auch im Rede-Duett mit anderen katholischen Geradedenkern wie Martin Mosebach oder Lorenz Jäger eine gute Figur macht, der differenzierten Betrachtung nicht fähig wäre. Im Gegenteil. Historische Vergleiche und theologisch fundierte Einordnungen tauchen in nahezu jedem Interview auf. Es ist wohl gerade das enorme historische Wissen Imkamps, das ihm neben seiner marianischen Frömmigkeit hilft, zu den Antiwerten des Zeitgeistes in heilsamer und kritischer Distanz zu stehen. Den nachkonziliaren Auftrag der Päpste zur Neuevangelisierung setzt er auf diese Weise mutig und überzeugend um.

Zumal Wilhelm Imkamp nicht nur durch seinen Humor und seinen Scharfsinn positive Werte verkörpert. Als Wallfahrts-Direktor hat er im Laufe der Jahrzehnte erfolgreich bewiesen, wie wichtig ihm das Seelenheil der Menschen auf den Straßen dieser Welt ist. Der katholische Glaubensservice hatte und hat für ihn oberste Priorität: „Maria Vesperbild verliert keine Dauerteilnehmer, im Gegenteil. Wir müssen den Menschen auch in seiner Passagenmentalität ernst nehmen. Wenn er kommt, sollten wir ihm etwas bieten, das in ihm die Sehnsucht weckt, wiederzukommen. Das gilt für die Fahrzeugsegnung genauso wie für die Beichte oder die Sonntagsmesse.“

Wer in Zeiten, in denen viele Katholiken sich larmoyant um sich selbst drehen und an der Kirche leiden, nach einer Stimme sucht, welche den Glauben und die Kirche erfrischend und anziehend vertritt, der findet in den gesammelten Interviews von Prälat Wilhelm Imkamp ausreichend katholische Vitamine.

Wilhelm Imkamp: Geradeaus Quergedacht. Bernardus-Verlag, 2016, 142 Seiten, ISBN 3-8107-0259-5, EUR 11,80

Der Prälat zeigt in Maria Vesperbild, wie man mit Geist und Stil missioniert“.

Wie wahr.

Lassen Sie es mich herzhaft-polemisch ausdrücken: Bereits das Bild zeigt den Gegenentwurf zum verheutigten Theologie-Bürokraten der Caritas im Sperrmüll-chic-Büro, der schmallippig-verkniffen abfällige Äußerungen über blöde Volksfrömmigkeit macht und ökologisch-korrekt, aber verbiestert an einer Stange Lauch knabbert, während er an einem Thesenpapier knobelt, um den schwindenden Gottesdienstbesuchern mehr Geschlechtergerechtigkeit, Solidarität und Ökologie einzubimsen.

Prälat Imkamp hingegen posiert im Ledersessel, Ölgemälde und Bücher im Hintergrund (offenbar eine Bibliothek), Pfeifen auf dem Schreibtisch. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack – meiner schon.

Die Kultiviertheit des Autors, die Noblesse der Umgebung durchzieht auch seine Stellungnahmen in der Tagespost und anderen Zeitungen. Heiter, katholisch, aber nicht verbohrt, immer etwas Augenzwinkerndes dabei. Wäre es nicht herrlich, diese Brillanz und Gewandtheit mal von unseren Bischöfen zu vernehmen?

Seine Beiträge heben stehen einer katholischen Zeitung wie der Tagespost gut zu Gesicht.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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