Ist der Priestermangel gewollt? („Der 13.“)

Römisch-Katholisch

32. Jg./ Nr. 10 13. Oktober 2016

Preis: 2,8 Euro (A); 2,8 Euro (D); sfr 4 (CH)

Prälat Ulrich Küchl kommentiert:

Ist der Priestermangel gewollt?

Diese Frage bejaht der Kulturjournalist Alexander Kissler in der Augustausgabe des in der Bundesrepublik erscheinenden Magazins „Cicero“. Dass die Anzahl der Neupriester in Deutschland von Jahr zu Jahr sinke, habe Methode behauptet Kissler und versucht seine erschreckende Diagnose unter Hinweis auf die in zahlreichen bundesdeutschen Bistümern geplanten „Seelsorgsräume“ und „Pfarreien Neuen Typs“ zu beweisen. Diesem neuen Kirchenverständnis stehe der Priester im Wege. Damit habe sich die Kirche ein Problem geschaffen, das an ihre Wurzel rührt.

Alexander Kissler, Jahrgang 1969, ist ein streitbarer aber auch sachkundiger Literaturwissenschaftler, Kulturjournalist und Sachbuchautor. Er schreibt unter anderem für das niveauvolle politische Magazin „Cicero“, das monatlich in einer Auflage von rund 80.000 Stück erscheint. Kissler stilisiert sich als Querdenker, wenn er zum Beispiel anlässlich der Kritik am damaligen Limburger Bischof Tebartz van Elst meinte, es handle sich „um eine konzertierte Aktion der innerkirchlichen und antikirchlichen Kritiker“. Damit dürfte er wohl Recht haben. Wenn er Papst Franziskus provokant als „korpulenten Charmeur“ bezeichnet, scheint er doch ein wenig zu tief in die PR-Kiste gegriffen zu haben.

Ist das die Kirche der Zukunft?

Nun sagen jedoch die aufmerksamkeitsheischenden Bemerkungen Kisslers nichts gegen einige zu beherzigenden Ergebnisse seiner Analyse des gegenwärtigen Zustands der westeuropäischen Kirche. Im Brennpunkt seiner Kirchenanalyse steht das BistumLimburg. Dort wird von den Bischöfen intensiv und mit überquellender Papierflut an einem neuen Kirchenbild gearbeitet, der „Pfarrei Neuen Typs“. Darin kommt der Priester gar nicht oder nur als Randfigur vor. Vielmehr wird die „Kirche der Zukunft“ geleitet von einem „Miteinander“ oder einer „Partizipation“ von Haupt- und Nebenamtlichen unter der Anleitung von Prozessbegleitern. „Das spirituelle Controlling regiert“, beschreibt es Kissler.

Widerspruch zum geltenden Kirchenrecht

Limburg ist kein Einzelfall. Im Erzbistum Wien werden keine Pfarrer mehr ernannt, als Vorbereitung auf die geplanten Leitungsteams der zu schaffenden neuen Seelsorgsräume. Die Pastoralräume sollen von einem Team geleitet werden, dem zwar ein Priester angehört, aber ohne Leitungsvollmacht. Ähnliches gibt es in fast allen deutschsprachigen Bistümern, auch wenn das zum Teil ausdrücklich dem geltenden Kirchenrecht widerspricht. Das Kirchliche Gesetzbuch schreibt in canon 515 vor, dass es Pfarreien geben muss und diese von einem Pfarrer als „eigenberechtigtem Hirten“ geleitet werden. Die Päpstliche Kurie hat im Jahre 2002 ein Mahnschreiben mit dem Titel „Der Priester, Hirte und Leiter der Pfarrgemeinde“ herausgegeben. Dr. Wolfgang Rothe hat in seinem Buch „Pastoral ohne Pastor“ ausführlich darüber referiert. Die Bischöfe reagierten darauf nicht.

Reduzierung des Priesterbildes

Wenn schon der Priestermangel möglicherweise nicht gewollt ist, so hat die Reduzierung der priesterlichen Existenz doch Methode. Seit dem Zweiten Vatikanum gilt nicht mehr die vom Tridentinum dogmatisierte Weihetheologie, wonach die Priesterweihe die höchste und sakramentale Weihestufe ist; seither wird nur den Bischöfen die „Fülle der Weihe“ zugestanden. Da die Weihe zum Priester die unauslöschliche Vollmacht zur gültigen Feier der Eucharistie verleiht, ist es schwer vorstellbar, worin eine noch größere Weihefülle bestehen könnte. Die Eucharistie ist das erhabenste und heiligste Sakrament, in dem CHRISTUS selbst gegenwärtig ist. Aus diesem Sakrament lebt und wächst die Kirche, alle anderen Sakramente sind auf die Eucharistie hingeordnet. Sie ist Quelle und Höhepunkt kirchlichen Lebens. Durch die Weihe bekommt der Priester als RepräsentantCHRISTI die Vollmacht zum Vollzug dieser allerheiligsten und lebensspendenden Feier. Kann es eine höhere Weihe geben? In dieser seiner Funktion, so schreibt der sachkundige Kissler, ist der Priester nicht ersetzbar. Durch den Bischof auch nur insofern, als heute alle Bischöfe auch geweihte Priester sind, was im Laufe der Kirchengeschichte nicht immer so war! Ich höre noch, wie Papst Johannes Paul II. ahnungsvoll vorausschauend anlässlich seines Österreichbesuches sagte: „Ein Priester kann nur durch einen Priester ersetzt werden!“

Nicht gewollt, doch akzeptiert

Zweifellos hat die neue Weihetheologie das priesterliche Selbstverständnis reduziert und dementsprechend sind auch viele Bischöfe der Ansicht, die Priester seien nur ihre Arbeitnehmer. In den Priesterseminarien wird alles getan, um nur ja kein priesterliches Standesbewusstsein entstehen zu lassen. Die Laienräte in den Bischöflichen Ordinariaten fordern nicht unbedingt eine priesterlose Kirche, arbeiten aber zielbewusst auf priesterreduzierte humanitäre Gemeinschaften hin. Welcher junge idealistische Mann möchte einen innerkirchlich so gering geschätzten Beruf ergreifen? Ist also der Priestermangel gewollt? Wenn nicht, dann auf jeden Fall akzeptiert.

Der 13.“ erscheint als Monatspublikation und bietet einen Überblick über das Geschehen in Kirche und Welt. Wenn Sie Probe-Exemplare bekommen möchten oder die Zeitung für 24 Euro im Jahr abonnieren möchten, schicken Sie eine E-Mail an office@der13.com.

Tel.: +43 (0)7282/5797      Fax: +43 (0)7282/579713     Email: office@der13.com

Anschrift in Österreich: A-4115 Kleinzell 2

Anschrift in Deutschland:  94108 Wegscheid, Postfach 75

Die nächste Ausgabe der Zeitung „Der 13.“ wird voraussichtlich am 10. Nov. 2016 gedruckt und in Österreich noch am gleichen Tag ausgeliefert.

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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Eine Antwort zu Ist der Priestermangel gewollt? („Der 13.“)

  1. Kassandra schreibt:

    Hier gibt es einen Beitrag von Prof. Georg May zu diesem Thema
    http://www.priesternetzwerk.de/gfx/pdf/may_priestermangel.pdf

    und uf der Seite gibt es noch viele Interessante Beiträge
    http://www.priesternetzwerk.de/grossgalerie8_____12793.html

    Gefällt mir

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