Erd- und Himmelsbestattung (petrusbruderschaft.de/media/Infoblaetter/alte_Ausgaben/2016_11.)

Informationsblatt

der Priesterbruderschaft St. Petrus

November 2016

Erd- und Himmelsbestattung

Friede seiner Asche“ oder „Requiescat in pace“?

Verschwinden im All oder Auferstehung des Fleisches? 

Bestattungspraxis und ihre Tragweite. 

P. BERNWARD DENEKE FSSP

Reinhold Messner, der nun 72-jährige Extrembergsteiger, hat merkwürdige Vorlieben. Der Zeitschrift Cicero vertraute er im Interview an (Oktober 2016): „Wenn es allein nach mir ginge und gesetzlich erlaubt wäre, würde ich die Himmelsbestattung mit Geiern vorziehen.“ Himmelsbestattung mit Geiern? Messner erläutert, bei dieser Zeremonie werde der Leichnam aufgeschlitzt, und „dann stürzen riesige Geier von den Bergen herunter und bedienen sich.“ Die abgenagten Knochen und der Schädel des Verstorbenen würden am Ende zerschlagen und den Geiern verfüttert. „Ich finde dieses Himmelsbegräbnis sehr eindrucksvoll, für mich die eleganteste Form des Verschwindens im All.“

Die Bestattungskultur eines Volkes wirft ein helles Licht auf seine religiösen Vorstellungen. Das gilt auch von einer a- und antireligiösen Gesellschaft.

Man geht nicht fehl in der Annahme, dass solche Wünsche mit einer bestimmten Weltanschauung verbunden sind. Bekanntlich hatte die Bestattungskultur schon immer mit den religiösen Vorstellungen der Menschen zu tun. Bei Messner freilich steht nicht eine Religion, sondern die Religionslosigkeit im Hintergrund: „Alle Religionen mit ihren Göttern sind von uns Menschen erfunden worden. Wenn die Menschheit verschwindet, werden mit ihr alle Götter verschwinden“, sagt er. Auf diesem nihilistischen Hintergrund möchte er, ein ästhetisch veranlagter Mensch, also seinen endgültigen Abgang in der „elegantesten Form“ inszeniert wissen. Aber weil es letztlich doch aufs Gleiche hinauskommt und das „Himmelsbegräbnis“ nun einmal nicht – noch nicht? – erlaubt ist, deshalb muss sich Reinhold Messner aus pragmatischen und juristischen Gründen mit einer Feuerbestattung begnügen. Immerhin entbehrt auch das Bild eines Leichnams, der von Flammen verzehrt wird, nicht einer gewissen Dramatik. Und für die zurückbleibende Asche gibt es längst andere Stätten als das traditionelle, als bieder empfundene Grab auf dem Friedhof. Beispielsweise den „Friedwald“. Eine Broschüre klärt über diese Art der Bestattung auf: „Die Asche Verstorbener wird in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt, mitten in der Natur, an den Wurzeln eines Baumes. So eröffnet sich eine natürliche und würdevolle Alternative zu den bislang gewohnten Bestattungsorten. Die Grabpflege übernimmt im Friedwald die Natur.“ Eine andere Form wäre die Seebestattung, bei der die Asche des Verstorbenen in eine (selbstverständlich umweltfreundliche) Urne aus wasserlöslichem Material gefüllt und dem Meer übergeben wird. Hier erübrigt sich die Grabpflege … Ob Gipfel, Baum oder See – gemeinsam ist solchen Weisen der Leichenentsorgung jedenfalls das „Verschwinden im All“, das Eingehen in die Elemente. Und immer führt der Weg dort hin durchs Feuer. Das bedeutet ein Abrücken von Idee und Praxis des christlichen Umgangs mit den Verstorbenen. Auch wenn Reinhold Messner mit seiner Antwort auf die Gretchenfrage „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ (Goethe, Faust I, Vers 3415) hinterm Berg gehalten hätte, wäre uns alsbald klar geworden, was er über das postmortale Geschick des Menschen, seiner Seele und seines Leibes, denkt.

Für das Alte Testament ist die Erdbestattung göttliches Gesetz. Das Neue Testament hat diese Praxis bestätigt und in helles Licht getaucht.

Schon das Gottesvolk des Alten Bundes pflegte die Erdbestattung und betrachtete Leichenverbrennung als eine strafwürdige Schändung. In diesem Sinne droht der Prophet Amos den Moabitern göttlichen Zorn an, „weil sie die Gebeines des Königs von Edom zu Staub verbrannt haben“ (Am 2,1). Selbst ein hingerichteter Verbrecher soll ein Grab in der Erde finden (Deut 21,23), und im Falle seines großen Dieners Moses übernimmt sogar Gott selbst, anstatt den Leichnam mit himmlischem Feuer zu verbrennen, die Beerdigung:

Er begrub ihn in einem Tal im Lande Moab gegenüber von Phogor, aber niemand kennt sein Grab bis auf den heutigen Tag.“ (Deut 34,6)

Der Neue Bund hebt die früheren Weisungen nicht auf, sondern erfüllt (vgl. Mt 5,17), ja verstärkt sie. Weil die Christen den leiblich begrabenen und leiblich auferstandenen Erlöser vor Augen hatten; weil sie den Körper eines aus Wasser und Geist wiedergeborenen Menschen (Joh 3,15) als Tempel des Heiligen Geistes betrachteten (1 Kor 6,19); weil sie die beglückende Verheißung im Herzen trugen, dass das in Verweslichkeit, Unansehnlichkeit und Schwachheit Gesäte in Unverweslichkeit, Herrlichkeit und Kraft auferstehen wird und der sinnenhafte Leib als ein geistiger Leib (1 Kor 15,42-44): Deshalb betteten sie – anders als viele der Heidenvölker – die Leichname ehrenvoll in die Erde, aus der sie einst „in einem Augenblick, beim Schall der letzten Posaune … als Unverwesliche auferweckt werden“ (1 Kor 15,52). Bei dieser Praxis blieben die Christen bis in die jüngste Gegenwart. Zwischenzeitlich propagierten die Revolutionäre von 1789 die Feuerbestattung, die dann im 19. Jahrhundert unter Freidenkern boomte. Sie verhöhnten die Hoffnung auf die Auferstehung des Fleisches und ersetzten das „Requiescat in pace“ (Er ruhe in Frieden) durch das kuriose „Friede seiner Asche“ – als ob Asche noch Frieden und Unfrieden erfahren könnte! Schwieriger wurde die Lage, als der Ruf nach der Kremation aus sozialdemokratischen Arbeiterverbänden ertönte, die sich damit nicht gegen Glaubenswahrheiten stellen, sondern für eine preisgünstigere Variante der Bestattung einsetzen wollten. Viele schlossen sich dieser Sicht an.Schließlich hat die katholische Kirchenleitung nachgegeben. Die strenge Vorschrift, nach welcher „die Leiber der Verstorbenen beerdigt werden müssen, während ihre Verbrennung verweigert wird“ (Kirchenrecht von 1917, can. 1203 §1), verwandelte sich im Anschluss an eine Entscheidung Papst Pauls VI. vom 5. Juli 1963 in die elastischere Regel: „Nachdrücklich empfiehlt die Kirche, dass die fromme Gewohnheit beibehalten wird, den Leichnam Verstorbener zu beerdigen; sie verbietet indessen die Feuerbestattung nicht, es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen.“ (Kirchenrecht von 1983, can. 1176 §3) Und seither nehmen die katholischen Einäscherungen beständig zu, aus finanziellen und praktischen Gründen. Hat dieses Faktum nun normative Kraft? Wird also die Leichenverbrennung eines Tages auch für Christen der Normalfall sein? Selbst wenn es rein statistisch so wäre: Von der göttlichen Offenbarung und vom Heilswerk Christi aus betrachtet bleibt die Erdbestattung des Leichnams, vollzogen in der sehnsuchtsvollen Erwartung seiner Wiedervereinigung mit der Seele und Auferstehung in Herrlichkeit, die angemessene Form. Letztlich eine Himmelsbestattung, aber nicht mit Geiern, sondern mit Engeln, die am Grabe Wache halten, bis sie den lieben Verstorbenen dann einmal in das das Reich ewigen Friedens geleiten werden.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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