Neue Denkmuster wagen (die-tagespost.de)

Neue Denkmuster wagen

Telefon, Computer, Bücher – alles wichtig. Doch um neue Möglichkeiten zu erkennen, braucht man auch „innere Bilder“.

Benedikt Weibel, Schweizer Top-Manager und Honorarprofessor für praktisches Management an der Universität Bern, bringt in seinem zeitnah-weitsichtigen Buch „Endlich beginnen die Schwierigkeiten – Quellen der Motivation“ seine Gedanken zum Kommenden in zwei Sätzen pragmatisch auf den Punkt: …

Vollständiger Artikel: https://www.die-tagespost.de/feuilleton/Neue-Denkmuster-wagen;art310,173410

Ein interessanter Artikel, welcher der Reflektion würdig ist. Wie immer sollte man aber aufmerksam sein und auf Wortgeklingel und Plattitüden nicht hereinfallen, die gerne bei dieser Thematik Ego/Selbst zu finden sind. Eine gewisse Distanz zur eigenen und vor allem fremder Erwartungshaltung ist hilfreich, wenn man sein Leben bewältigen will.

Kategorische Verkündungen à la „was Sie denken, sind Sie und was Sie sind, strahlen Sie aus“ sind m.E. nach mit Vorsicht zu genießen, mir klingen sie arg nach den „Bestseller“-Ratgebern von Bastei/Lübbe aus dem Bahnhofsbuchhandel, in etwa „Erfolgreich und sexy in 10 Tagen“. Der Mensch ist halt nur sehr bedingt „Schöpfer“ seiner Umwelt, zuviel blauäugigen Menschen, die alles penetrant „supi“ finden, eigene Fehler und Unzulänglichkeiten notorisch „lustig“ (hihihi) finden, obgleich andere darunter leiden und persönliche Defizite als „Charakter“ ausgeben, laufen heute auf ihrem persönlichen „Planet Ego“ herum.

Aus meiner Sicht richtig ist, dass die Kategorien, in welche wir vermeintlich typische Situationen zwecks Beschreibung einordnen wirksamer als die reale Erfahrung neuer Aspekte sind. Wenige Hinweisreize genügen und man glaubt bereits zu wissen, worum es geht. Die ersten Worte, ein Blick betätigen einen inneren Trigger und komplette Filme laufen im persönlichen Kopf-Kino ab. Eine Reaktion erfolgt dann nur auf diese Vermutungen/Unterstellungen, die unbewußt für äußere Realität gehalten werden, zum Infrage-stellen oder überprüfen kommt man dann gar nicht mehr. Gerät man an Soziopathen, die wissen, wie man bei einem „die richtigen Knöpfe drückt“ und dies auch gewissenlos tun, hat man schnell den peitscheschwingenden Antreiber im eigenen Hinterkopf. Die notwendige Distanzierung vom selbst geschaffenen Ego und die Entdeckung des wahren Selbst setzt daher erst mal einen radikalen (weil an der Wurzel ansetzenden) Bruch mit eigenen (und vor allem fremden) Erwartungshaltungen voraus, die aber meist von der Umwelt (die ja oft von unserer Selbstausbeutung profitiert) durch den knallharten Entzug von Anerkennung bestraft wird. Da ist man schnell ein Schwächling, nicht stabil genug, ein Minderleister etc.

Argumente differenziert wahrnehmen, kritisch abwägen, Zustimmung oder Ablehnung präzise formulieren können scheint zunehmend verloren zu gehen. Wirkliche Debattenkultur mit seriös ausgetauschten, sachlichen Argumenten ist im öffentlichen Raum bereits immer seltener anzutreffen, stereotype Schlagworte und vor-gestanzte Meinungsschablonen „like“ oder „Dislike“ ersetzen sie. Grund dafür ist oftmals eine Abfolge geistiger Kurzschlüsse, ausgelöst durch einen anderen Blickwinkel oder das Infrage-stellen eigener Behauptungen durch andere. Unter Umständen genügen oft einzelne, negativ besetzte Reizworte, diese werden automatisch im Kopf um die Denkschablone „ergänzt“, „was diese Typen  ja eigentlich meinen„, denn man weiß ja sowieso, was die sagen, denn „das kennt man ja„. Das aktuell gültige Feindbild wird in das Gegenüber projiziert („diese Verpappten„, „diese Revoluzzer“ u. ä.), denn wer „so was“ wie der oder die meint (bzw. zu meinen scheint) kritisiert „uns„, wer „uns“ kritisiert, kann ja folglich nur „zu denen“ („den Rassisten„, „den Gutmenschen“ etc.) gehören – und „die“ sind der Feind, klarer Fall. „Wir“ gegen „die“ – was genau gesagt wird, spielt dann bereits meist keine Rolle mehr. Dann fällt das Visier und die Welt wird nur noch durch Helmschlitze gesehen: andere Auffassungen werden reflexhaft mit gekünstelter Empörung und Schnappatmung „beantwortet„, in rotzigem Ton abqualifiziert oder das Gespräch gleich abgebrochen. Denn „mit denen ist ja nicht zu reden“ – was „man“ natürlich auch „weiß„.

Entspannungstechniken können natürlich wertvolle „Lösungen“ bei mentaler Selbstfesselung sein und die eigene „alternativlose“ Deutung der Umwelt sollte öfters hinterfragt werden, allerdings sollte man daraus auch kein Evangelium wie oftmals bei (ums Verrecken) Positiven Denken machen. Dies klingt für mich etwas an, wenn im Artikel kategorisch ausgeführt wird, nicht die äußeren Verhältnisse erschweren einem das Leben, sondern (lediglich) die eigenen persönlichen Denkmuster und Ideen von diesen Verhältnissen. Es mag durchaus Fallgestaltungen geben, wo dies zutreffen kann, in dieser Totalität dürfte dies mancher Insasse des GULag oder der Vernichtungslager des „Dritten Reiches“ vielleicht dann doch etwas anders gesehen haben…

Etwas weniger dramatisch: In der heutigen Zeit versucht der mit stark egomanischen Zügen ausgestattete Mensch, die realen, ihn dominierenden Zumutungen in seinem persönlichen Bezugsrahmen als „sportliche Herausforderungen“ zu redefinieren, anstatt sie als ihn in seiner Existenz bedrohend zu erkennen. Also absolviert der 40er/50er heute in der Regel ein Pensum, das früher 2-3 bearbeiteten, beutet sich selbst aus, um für sich und sein Umfeld die Illusion des leistungsbereiten und erfolgreichen Performers zu erhalten, der im Winner-Jargon „Gas gibt“ und natürlich „auf der Überholspur“ ist. Klappt meistens so ein paar Jährchen mittelprächtig, dann ist er komplett verbraucht und wird in die (A)sozialsysteme entsorgt und durch einen (noch) fitten 30er ersetzt (der dann noch ein Tätigkeitsfeld hinzubekommt). Nur wenige versuche einmal herauszufinden, wer denn an einem System Interesse hat, in dem meist empathielose Funktionsmasken Führungs-„Verantwortung“ bekommen und „Menschen an ihre Grenzen führen“ bzw. „auf das nächste Level heben“ dürfen. Karriere machen geht heute oftmals nur, wenn Sie bedenkenlos Untergebene („Mitarbeiter“) verheizen, um „vor dem Wettbewerb die Nase vorn zu haben“. Wer dann ausgebrannt ist, wird dann – ob im privaten oder beruflichen Umfeld – entsorgt und durch leistungsbereitere Nachfolger ausgetauscht. Für die liebe-und verantwortungsvolle Zuwendung zur Familie oder Ehepartner bleiben da kaum Zeit und „Ressourcen“, daher machen derzeit oftmals soziopathische Singles Karriere.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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