Das Unbehagen in unserer Kirche (Der 13.)

Römisch-Katholisch

32. Jg./ Nr. 9 13. September 2016

Preis: 2,8 Euro (A); 2,8 Euro (D); sfr 4 (CH)

 

Die Analyse des großen Bischofs Kurt Krenn (1936-2014)

Das Unbehagen in unserer Kirche

Diese endlosen Sitzungen in Kirche und Orden, in Diözesen und Synoden scheinen mir oft nichts anderes, als die kaschierten Kämpfe um irgendwelche persönliche Interessen. Das scheint mir nicht zukunftsweisend zu sein. Man hat Exkommunikation und disziplinäre Bestrafung in der Kirche als Relikt des Mittelalters hingestellt. Heute macht man dasselbe, nur anders: Man isoliert und disqualifiziert die Menschen, indem man sagt: Du bist von gestern, du bist reaktionär, du bist rückständig und dumm – so wird heute exkommuniziert.

Manipulation heute

Man betont heute die Eigenständigkeit des einzelnen Gläubigen, manipuliert aber gleichzeitig mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in der Richtung, in die man die einzelnen marschieren lassen möchte. War früher eine Maßlosigkeit im Beten gewissermaßen das Charisma eines guten Christen, so braucht man heute zuweilen Anstrengungen und christliche Zivilcourage, um den Rosenkranz zu beten, die Sonntagsmesse zu besuchen und so weiter.

Erschreckender Wandel

Ja, die Kirche hat sich gewandelt. Sie hat sich für viele erschreckend gewandelt, aber in einem ist sie dieselbe geblieben: in ihren Fehlern. Mit einem Unterschied: Früher fragte man nach Schuld und Sünde – heute hat man das ganze Tun in einen dialektischen Prozeß der Befreiung und Entkrampfung hineingezogen, und damit hat man allem den moralischen Stimulus entzogen.

Wir fragen

Nun fragen wir uns: Wird die Kirche zugrunde gehen? Gehören wir wirklich einer hoffnungslos ringenden Gemeinde an? Werden immer mehr Menschen den Glauben verlieren, immer weniger Priester vorhanden sein, die Klöster immer leerer werden? Wird GOTT bald eine Größe sein, die der Mensch ganz vernachlässigen kann in seinem Leben? – Trösten wir uns nicht damit, daß es schon schlimmere Zeiten in der Kirche gegeben habe und daß sie die Verheißung besitze, nicht unterzugehen. Meine lieben Freunde! Wunder geschehen nicht für jene, die auf Wunder warten, sondern denen, die diese Wunder selber tun!

Was sollen wir tun?

Was sollen wir also tun? – Sollten wir wieder strenger werden? Dazu ist es zu spät. Unsere Bischöfe und wir Priester haben in vielem zu lange gewartet, um jetzt noch die Glaubwürdigkeit der Klarheit zu haben. Wir haben zu lange geschwiegen, wir können das Vergangene nicht wieder zu neuer Überzeugungskraft erwecken. Wir können nicht einfach auffrischen, was einmal war. Wir können die letzten zehn Jahre nicht ungeschehen machen. Denken Sie an das Wort der Schrift: Neuer Wein paßt nicht in alte Schläuche! Ich möchte Ihnen die eine entscheidende Antwort geben, warum es Krise in der Kirche gibt: Die Krise ist nur entstanden aus Mangel an einem wirklich begründeten Selbstverständnis der Kirche von heute. Die Kirche mißt ihre Werte und Strukturen oft an der öffentlichen Meinung, an der Welt, am bloß Menschlichen. Die Kirche identifiziert sich mit dem Fortschritt, mit Menschlichkeit, mit Friede, mit Sozial, heute sogar mit Profan. Daher hat sie sich an dieses reine Humanum, an dieses Profanum ausgeliefert. Das ist der Grundfehler der Kirche von heute. So kommt es, dass man sich unsicher gibt, nicht weil man unsicher ist, sondern weil man sich unsicher geben sollte, weil man heute diesen christlichen Mechanismus des „Sich-in-FrageStellens“ im kleinen Finger hat. Man genießt heute auf etwas aufklärerische Weise dasselbe Prestige, das man der triumphierenden Kirche von früher angelastet hat. Wir sind für den Fortschritt, wir sind für alles und merken dabei nicht, dass wir zu diesen Dingen nichts mehr zu sagen wissen. Die Hoffnung der Kirche lebt in einem neuen Selbstverständnis. Die Kirche kann in Zukunft nicht mehr der Hut sein, unter den man alles irgendwie bringen kann. Es mag unvermittelt und provozierend, ja ungemütlich klingen, wenn wir sagen, die Kirche muß diese Gleichsetzungen alle durchtrennen. Die Schrift gibt uns die Anweisung: Unsere Weisheit und unser Selbstverständnis ist Christus der Gekreuzigte, der den Weisen eine Torheit ist und ein Ärgernis (1 Kor).

Fortsetzung in der Oktober-Ausgabe.

Die Redaktion des „13.“ fragt: Ist dieser sehr frühe Text Kurt Krenns aus dem Jahr 1972 nicht geradezu prophetisch?

 

 

Der 13.“ erscheint als Monatspublikation und bietet einen Überblick über das Geschehen in Kirche und Welt. Wenn Sie Probe-Exemplare bekommen möchten oder die Zeitung für 24 Euro im Jahr abonnieren möchten, schicken Sie eine E-Mail an office@der13.com.

Tel.: +43 (0)7282/5797      Fax: +43 (0)7282/579713     Email: office@der13.com

Anschrift in Österreich: A-4115 Kleinzell 2

Anschrift in Deutschland:  94108 Wegscheid, Postfach 75

Die nächste Ausgabe der Zeitung „Der 13.“ wird voraussichtlich am 10. Nov. 2016 gedruckt und in Österreich noch am gleichen Tag ausgeliefert.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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